Vorwort der Ausgabe 3/26 von Marcus Lacroix

USA, China und Ragebait …

Frischer Wind um die Nase macht den Kopf klar
Frischer Wind um die Nase macht den Kopf klar

Der Saisonstart steht unmittelbar bevor, die ersten Bruchstricher mit 03/xx dürfen ab den 1. März wieder auf die Straße (meine beiden Akkuschrauber gehören auch dazu). Das nervöse Warten spürt man bereits auf den Frühjahrsmessen. 

1. Etwas nervös machte mich auch die Themenauswahl für diese Ausgabe. Auf dem Titel könnt ihr es sehen, wir haben einen USA-Reisebericht, noch dazu einen recht aktuellen aus dem letzten Sommer. Leser Kai, frisch im Ruhestand, hat sich seinen Lebestraum erfüllt und ist die Route 66 mit einer Harley gefahren. 

Mein erster Gedanke war „Ach du Scheiße, wie kann man aktuell ausgerechnet in die USA fahren?!“ Die Eskapaden des gar nicht witzigen orangen Clowns im weißen Haus werden zwar auch hierzulande von einigen nationalistischen „Deutschland first“ Vertretern beklatscht, meine Vorstellungen für die Zukunft dieser Welt sehen aber anders aus. Würde ich dort Urlaub manchen wollen? Kai sah sich in seinem persönlichem Umfeld natürlich auch mit dieser Frage konfrontiert. Seine Antwort (siehe Artikel ab Seite 12) bringt einen zumindest zum Nachdenken. Mal ganz abgesehen davon, dass für viele von uns die Zeit für die Realisierung von Lebensträumen schneller abläuft, als wir es uns wünschen.

2. Kommen wir zum nächsten Aufreger: CFMOTO 800 MT-X. Schon wieder ein Fahrbericht über ein chinesisches Motorrad, wo doch die KOVE vor vier Monaten erst für kontroverse Diskussionen sorgte. Darf man aus politischen und Menschenrechtsgründen „echte“ chinesische Motorräder kaufen. Dass China irgendwie in allen unseren Motorrädern – und quasi auch in allem anderen  – steckt, steht ja außer Frage. Aber das ganze Motorrad, noch dazu mit eigenem chinesischem Markennamen?!

Die beiden Artikel inspirieren, informieren, unterhalten und regen zu Diskussionen an. Letztendlich muss jeder Reisende und jeder Käufer für sich selbst entscheiden, wie er bzw. sie seine/ihre Prioritäten setzt. Viele von euch sind da sicher genauso hin- und hergerissen wie ich. Der Spagat zwischen Wünschen, Moral und Geldbeutel beginnt bereits vor dem Spiegel (womöglich ist der auch „Made in China“). Wer wirft also den ersten Stein?

3. Aufreger Nr. drei ist das Thema Ragebait! Erklärung für die weniger internetaffinen Leser: engl. rage = Aufregung, bait = Köder.  Sprich, es geht um Überschriften und Artikel/Beiträge in allen Medien, die für Aufregung sorgen sollen um „Engagement“ zu erzeugen. Hiermit sind Interaktionen gemeint, z.B. Likes, (Wut)Smilies, Kommentare usw. Je mehr Engagement, desto mehr Geld wird potentiell verdient. Also muss man richtig auf die Kacke hauen, da andere es ja auch machen. Das lässt sich sogar automatisieren – wir Leser/User/Zuschauer sind dann die dumme „Cash-Cow“, die gemolken wird. Währung ist unsere Lebenszeit. 

Auf Seite 31 in Ausgabe 3/26 bzw. <hier> findet ihr einen Ragebait-Artikel von „mir“. Das Erstellen hat wenige Minuten gedauert, Online – z.B. bei uns auf Facebook –  ist mir euer „Engagement“ damit aber sicher. Achtet also gut darauf, wie ihr eure Lebenszeit verplempert (siehe Aufreger Nr. 1).