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Ausprobiert: DVISION Head up Display

aus Kradblatt 5/22, von Marcus Lacroix

Kopf hoch! HUD von Tilsberk

 DVISION HUD
So sieht der Fahrer die Infos im HUD. Live kommt es besser rüber …

Motorrad-Puristen werden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, anderen wird beim Kürzel HUD ein Fragezeichen im Gesicht stehen, der Rest dürfte interessiert sein.

Lieferumfang des DVISION HUD
Lieferumfang des DVISION HUD

Kurz erklärt: ein HUD, Abkürzung für das englische „head up display“ (in dt. etwa „Kopf hoch Anzeige“) spiegelt wichtige Informationen ins Gesichtsfeld des Benutzers. Man kennt es schon lange von (Kampf)Piloten, einige Autohersteller bieten es serienmäßig an und Tilsberk bringt jetzt ein HUD für Motorradfahrer. Motorradfahrende sollen dadurch sicherer unterwegs sein, da man weniger häufig den Blick von der Straße auf die Instrumente richtet. Theoretisch also eine gute Sache.

Im Lieferumfang des DVISION genannten Systems findet man neben einem Ladekabel, einer Kurzanleitung und einer Aufbewahrungshülle, Montagematerial für diverse Helmformen. Wer mehrere Helme besitzt, kann Halterungen separat ordern. Der Einbau ist recht einfach, und wird in Montagevideos gut dokumentiert. Insgesamt ist die DVISION-Website sehr hilfreich.

Die HUD-Einheit wird magnetisch gehalten
Die HUD-Einheit wird magnetisch gehalten

Das DVISION wird magnetisch von der Halterung „angesaugt“ und lässt sich zum Auf- und Absetzen des Helmes leicht abnehmen. Das ist nicht zwingend nötig, mir ist es aber ungeschickterweise beim Helmabsetzen schon runtergefallen und das muss ja nicht sein. Verkratzt der „Bildschirm“, lässt er sich bei Bedarf leicht austauschen. 

Für die Nutzung des DVISION HUD ist zwingend ein Smartphone nötig. Die App läuft auf iOS ab V14.0 und Android ab V7.0 und ist in den jeweiligen Stores verfügbar. Alle im HUD angezeigten Informationen werden von der App geliefert. Damit ist klar, dass außer der Geschwindigkeit, die ja über GPS vom Smartphone ermittelt wird, keine fahrzeugrelevanten Daten oder Warnmeldungen angezeigt werden können. Idealerweise ist der verwendete Helm mit einem Headset ausgestattet, da u.a. die Navi-Ansagen auch akustisch wiedergegeben werden.

Der kleine "Bildschirm" lässt sich bei Nicht-Bedarf wegklappen
Der kleine „Bildschirm“ lässt sich bei Nicht-Bedarf wegklappen

Die HUD-Anzeige verfügt über die vier vorkonfigurierten Layouts City, Explorer, Minimalist und Navigator, die sich in Details unterscheiden. Explorer blendet z.B. einen Kompass mit ein. Innerhalb des Layouts können Infos nach Bedarf zu- oder abgeschaltet werden. Mir gefällt im Alltag „City“ am besten, womit wir schon bei der Praxis angekommen sind. Funktioniert das Ganze überhaupt?

Kurzgefasst: ja. Und noch dazu erstaunlich gut. Die kleine Plastiktafel wird bei Bedarf einfach vor das Auge geklappt, das menschliche Gehirn schaut dann quasi hindurch und das Auge fokussiert nicht darauf. Lediglich den Rand nimmt man unscharf wahr. An den „Fremdkörper“ gewöhnt man sich dabei schnell. Die in die Tafel gespiegelten Infos schweben scharf ablesbar ein Stückchen vor einem – egal, wohin man blickt. Das fühlt sich im ersten Augenblick etwas seltsam an. Auch als Brillenträger hat man – unabhängig von der Sehschwäche, ich liege bei -9 Dioptrien – keine Probleme mit der korrekten Wahrnehmung. 

Die DVISION App navigiert mit HERE
Die DVISION App navigiert mit HERE

Wenn man einfach nur über Land fährt oder auf der Autobahn Strecke macht, reduziert das HUD die abschweifenden Blicke zum Tacho bereits nach kurzer Eingewöhnung deutlich. Besonders gut hat mir das bei Regenfahrten gefallen. Als eher störend empfand ich es nur im Attacke-Modus, da klappt man das Display besser hoch. Da das aber nicht meine bevorzugte Fahrweise ist, konnte das HUD in Bezug auf die Darstellung punkten. Die Anzeige ist dabei unter fast allen Bedingungen tadellos ablesbar, die Helligkeit reguliert sich a.W. automatisch. Einzig bei strahlender Sonne, die sich nach einem Regenguss im nassen Asphalt spiegelte, kam das System an seine Grenzen – bei der Blendung konnte ich aber auch meinen regulären Tacho kaum erkennen, also runter vom Gas.

Diverse Optionen sind zuschaltbar
Diverse Optionen sind zuschaltbar

Ein paar Abstriche muss man aktuell noch bei der Software machen, die laut Tilsberk aber beständig weiter­entwickelt wird. So ist man auf die App-eigene Navigationssoftware angewiesen, die auf HERE basiert. Offline-Karten lassen sich gratis laden und die Navigation funktioniert so weit gut. Auch Zwischenziele lassen sich eingeben. Eine HUD-Anbindung an Calimoto o.ä. wäre aber schön. Tilsberk arbeitet zumindest schon an einem gpx-Import. 

Die optischen Vorankündigungen für Abzweigungen dürften im städtischen Bereich ruhig früher kommen, da man bei einer Turn-by-Turn-Navigation ja nicht den Straßenverlauf im Blick hat. Natürlich kann man das Handy als Navi am Lenker laufen lassen, bei starkem Regen habe ich es aber doch lieber in der Tasche. 

Als gute Sache empfinde ich den Geschwindkeitswarner. Neben der aktuellen Geschwindigkeit wird die zulässige Höchstgeschwindigkeit der befahrenen Straße im Display angezeigt. Überschreitet man diesen Wert (plus einstellbarer Toleranz), erinnert einen a.W. ein „Bingbingbing“ über das Headset daran. Das funktioniert aktuell allerdings nur bei laufender Navigation. Außer Acht lassen darf man die reale Beschilderung natürlich auch nicht, z.B. bei Baustellen, die das Navi ja nicht erkennt.Schön wäre es, wenn man die Tempowarnung statt auf feste km/h auf einen prozentualen Wert einstellen könnte – z.B. Alarm bei 10% drüber. 

Praktisch ist für Leute wie mich, die ihr halbes Büro in der Hosentasche rumschleppen, die namentliche Anzeige von Anrufern im HUD. Zum Telefonieren selbst fahre ich dann aber meistens rechts ran. Telefon auf dem Motorrad – für Puristen auch so ein Gräuel …

Funktioniert bei fast jedem Licht super
Funktioniert bei fast jedem Licht super

Was sonst noch auffiel: Die Magnethalterung ist auch für flotte Feldwege stark genug, das Display verstellt sich dabei nicht. Durch die nicht-feste Montage des HUD dürfte die neue ECE22.06 nicht beeinträchtigt werden, was aber für jede Art von Zubehör (Actioncams, Headsets u.ä.) noch nicht abschließend geklärt ist. Der Akku des DVISION hält einen normalen Fahrtag durch. Tilsberk gibt 12 Stunden reine Fahrzeit an, geladen wird per USB-C Kabel innerhalb von max. vier Stunden an jedem normalen USB-Anschluss. 

Tilsberk ist eine Marke der digades GmbH, die auch das SOS-System dguard vertreiben (siehe Kradblatt-Archiv, Ausgabe 11/19). Digades wurde 1991 gegründet. Ca. 160 Mitarbeiter entwickeln und fertigen in Zittau, Dresden und Nordhausen hochwertige Produkte, unter anderem für Automobil- und Motorradhersteller. Der Support reagiert schnell und interessiert auf Fragen und Anregungen. Ein kleiner gemeldeter Fehler in der App wurde umgehend korrigiert. Das ist heutzutage auch nicht selbstverständlich.

Natürlich taucht immer wieder die Frage auf: „braucht man das“ (siehe auch Editorial 5/22). Nach bisher rund 1.000 mit dem DVISION HUD gefahrenen Kilometern kann ich sagen: man braucht es nicht zwingend, es macht das Fahren in vielen Situationen aber sicherer und entspannter und ist somit nicht nur für Technikfans eine tolle Sache. Für 329 € ist das DVISION HUD im Fachhandel oder online erhältlich. Mehr Infos gibt’s unter www.tilsberk.com.


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