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Royal Enfield Meteor 350 Fireball

aus Kradblatt 09/22 von Wiebke Müller

Für Genießer …

Hanson fing an, Wiebke zog direkt nach.
Zwei 350er Royal Enfield Meteor Fireball sind (nicht nur) im CUX-Land unterwegs … 

Royal Enfield Meteor 350 Fireball

Schon lange hatte Hanson ein Auge auf die neue Royal Enfield Meteor Fireball geworfen. Doch so einfach war sie nicht zu bekommen. „Lieferschwierigkeiten“ wurde ihm gesagt. Damit gab er sich nicht zufrieden und er wurde in Bad Zwischenahn fündig. So zog eine gelbe Meteor Fireball bei uns ein. 

Sie stand noch vor der Garage, als ich mich direkt auf das jungfräuliche Gefährt schwang und einmal die Straße hinauf und hinunter fuhr. Augenblicklich war ich schwer verliebt! Wenige Minuten später hatte ich per Telefon meine eigene Fireball mit knallrotem Tank gekauft. 

Royal Enfield Meteor 350 Fireball, rot
Wiebke fährt die Rote …

Man muss schon sehr eisern sein, um bei dieser gelungenen Retro- Optik nicht dahin zu schmelzen. Aber nicht nur die Optik ist Retro pur. Mir gefällt sehr das Fehlen sämtlichen überflüssigen Schnickschnacks. ABS ist vorhanden und das reicht völlig. 20 PS bei 350 Kubik laden zum Entschleunigen ein. Da ist jede Geschwindigkeitsbeschränkung überflüssig. Dem Blubbern des Einzylinder Langhubers zu lauschen ist so herrlich, da ist es schön, langsamer und somit länger unterwegs zu sein. 

Als meine Fireball Red endlich angemeldet war ging es gleich auf Tour. Zunächst im Einfahrmodus. D.h. maximal 70 km/h waren drin. Und das fühlte sich gut an! Zunächst musste ich mich mit der ungewohnten Schaltwippe anfreunden. Doch dann gefiel es mir sehr gut, mit der Hacke die Gänge hinauf zu treten. Zum Schalten mit der Stiefelspitze unter den Hebel zu kommen ist kaum möglich, da ist es viel zu eng. 

Royal Enfield Meteor 350 Fireball, gelb
… und Hanson die gelbe Fireball.

Die überschaubare Armatur in digitaler Retro Optik bietet alles was nötig ist: Tacho, Tankanzeige, Ganganzeige, TRIP A und B, ODO und Reserve. Der Info-Knopf ist leicht bedienbar an der linken Lenkerseite angebracht. Damit lässt es sich bequem auch während der Fahrt zwischen den einzelnen Trip-Anzeigen switchen. Einen Drehzahlmesser gibt es nicht. Bei der gemütlichen Gangart ist der sowieso überflüssig, selbst ein Laie hört gut, wann hochgeschaltet werden sollte. Allerdings möchte man im fünften Gang gelegentlich gern noch einmal hochschalten, doch da ist nichts mehr. 

So blubbern wir gemütlich über kleine Sträßchen. Alles unterhalb Bundesstraße ist angenehm. Da­rüber fühlen wir uns nicht so wohl und biegen lieber ab. Wie immer kommen uns Schotter und sogar ein wenig Sand in die Quere, aber auch das ist überhaupt kein Problem für dieses 191 kg schwere massive Wohlfühlmotorrad.  Allenthalben der Federweg ist für Schlaglöcher weniger geeignet. Dahingegen ist die Bodenfreiheit durchaus ausreichend.

Der Sitz ist sehr bequem. Sogar als Sozia fühlte ich mich bei Hanson wohl. Unsere insgesamt 160 Kilogramm beeinflussen die Leistung der RE Meteor in keinster Weise.  

Mit der sparsamen Meteor unter dem Popo sind die steigenden Benzinpreise leichter zu verkraften. Bis die Reserve angezeigt wird sind wir 380 km unterwegs gewesen. Dann passen 10 Liter in den 15 Liter Tank. Also ist eine Reichweite von 500 km durchaus realistisch (wenn nicht schneller als 70 km/h gefahren wird). 

 Um die Kurve geht sie spielerisch. ABS springt an, wenn es Not tut und die Bremsen bringen die 191 kg zuverlässig zum Stehen. 

Klasse Sache: eine Schaltwippe - Royal Enfield Meteor 350 Fireball
Klasse Sache: eine Schaltwippe

Alles in Allem ist die Meteor eine lebenserhaltende Maschine. Man kommt nicht in die Versuchung risikoreich zu überholen. Mich stresst es überhaupt nicht gemütlich in der Schlange mit zu fahren. Das nächste kleine Sträßchen, welches zum Abbiegen einlädt kommt bestimmt!

Nach den ersten 2000 km, behutsam habe ich den Einzylinder warmgefahren, kann ich austesten was der Motor kann. Einmal durchbeschleunigen bis 110 km/h! Das fühlt sich geschmeidig und mühelos an. Danach lassen sich noch 5 bis 10 km/h herausquetschen, bis der Begrenzer einschreitet. Aber es genügt mir vollkommen. Der Sound ist im unteren Drehzahlbereich sowieso viel schöner. Also lieber blubbernd die Landschaft genießen. Für den Spaß sorgen die flüssige Beschleunigung in den niedrigen Gängen und die absolut geniale Kurvenlage. Die Angstnippel werden sicher gut geschliffen, wenn wir die ersten Kehren bezwingen.  

Übersichtlich - das Cockpit und der "Tripper" (rechts)
Übersichtlich – das Cockpit und der „Tripper“ (rechts)

Der Verbrauch ist durch die „Raserei“ um ca. 0,5 l/100 km gestiegen. Inzwischen hat er sich bei 2,6 Liter auf 100 Kilometern eingependelt.  250 km Touren durch das platte norddeutsche Land bewältigen wir mühelos. Allerdings ist die Sitzbank gewöhnungsbedürftig. Royal Enfield hat das Problem erkannt und bietet einen Touringsitz an. Anbauteile für die Meteor sind nicht einfach zu bekommen. Es bleibt im Allgemeinen nichts anderes übrig, als direkt in Indien zu bestellen. Dabei ist es wichtig die Transportkosten und  Zollgebühren mit einzuplanen. 

Der Sommer ist ins Land gezogen. Das Wetter lädt ein mit unseren Meteoriten nach Dänemark an den Strand zu fahren.  Besser gesagt, wir fahren AUF den Strand. So cruisen Hanson und ich mit unseren Royal Enfields gemütlich über den Sand an die Nordsee. Doch dann wird der Sand tiefer. Auch dort wühlen sich unsere Schätzchen zuverlässig durch, mit Serienbereifung.  

Historisches Foto - da steht der Leuchtturm in Bremerhaven noch (gerade so)
Historisches Foto – da steht der Leuchtturm in Bremerhaven noch (gerade so)

Nun ist es Zeit die Schräglagenfähigkeit weiter auszuloten. Wir fahren in die wunderschöne Eifel. 400 km an einem Tag sind mit einem Fell auf der Original Sitzbank kein Problem. Die Etappe mit 100 km Bundesstraße am Stück blenden wir einfach mal aus. Welch Glück, dass die Motorschutzbügel so weit abstehen, dass sie ohne weiteres als Beinablage verwendet werden können. 

Die erste Challenge in den Bergen erwartet uns bereits nach unserem Zwischenhalt in Bad Karlshafen. Eine Steigung mit 25 %! Werden die Royal Enfields es dort hinauf schaffen? Natürlich ist auch das überhaupt kein Problem. Ohne große Anstrengung bezwingen die 350er jede kurze Steigung. Bei längeren Bergauffahrten wäre mitunter die eine oder andere Pferdestärke mehr schon schön. Auf unseren Wegen abseits des Asphalts begegnen wir einer satten Steigung aus purem Schotter. Mutig gehe ich diese mit meinem Kraftpaket im 2. Gang an und sie stirbt. Da steh ich nun am Hang auf losem Untergrund! Und nun? Ich starte die 20 Pferde und diese schieben die Maschine im ersten Gang locker weiter gen Gipfel. Also Anfahren am Hang ist überhaupt kein Problem. Mit dieser Maschine kann es jeder Anfänger schaffen. 

Royal Enfield Meteor 350 Fireball - Offroad geht auch - mit gewissen Einschränkungen …
Offroad geht auch – mit gewissen Einschränkungen …

Nachdem Hanson seine Angstnippel an den Fußrasten in den Kehren der Berge von Eifel und Ardennen komplett abgeschliffen hat (Aufpassen! Auf der linken Seite kann es mit Krümmerabdeckung und Schelle eng werden) wartet eine neue Challenge auf uns. Eine Wasserfurt taucht zu unserer Rechten auf. Nach einer Überprüfung meinerseits beschließen wir, dass wir uns auch dieser Herausforderung stellen. Es geht schon recht tief hinein. Stehenbleiben ist keine Option, denn dann würden wir haltlos ersaufen. Mit genügend Schwung geht es über den gerölligen Untergrund des Baches. Geschafft. Auch das können sie! Aber was ist das? Ein gelbes Lämpchen leuchtet hell in den Armaturen. Ein häufig anzutreffendes Problem der 350er Royal Enfield. Nach einer Weile der Missachtung  trollt sich das Licht und ward nicht wieder gesehen. 

Ein paar Offroad Einlagen später verabschiedet sich mein gekürzter Kennzeichenhalter, den wir uns aus Indien haben kommen lassen. Mit Panzertape und Gepäckgummis hält er die Stellung, bis wir wieder daheim sind. Ansonsten gibt es keinerlei Materialermüdungen zu beklagen. 

Der „Tripper“, bzw. die turn by turn Navigation sei vollständigkeitshalber erwähnt. Es soll Geräte geben, die funktionieren. Meines funktioniert nicht. Ich komme sehr gut ohne aus.

Wir haben schon oft zu hören bekommen: warum kauft ihr euch keine Royal Enfield Himalayan?  Die wäre doch viel besser für unsere Offroad Einlagen geeignet, so das Argument. Was auch immer es ist, die Royal Enfield Meteor hat einen unvergleichlichen Charakter. Die Himalayan ist auch nett, konnte mich aber nicht so sehr in ihren Bann ziehen. 

Für Genießer ist die Royal Enfield Meteor 350 Fireball perfekt. Ob große Tour oder mal eben um die Ecke fahren, sobald ich im Sattel sitze kriege ich das Grinsen nicht wieder aus dem Gesicht. Und ein Ende im Gelände kennt dieses zuverlässige Motorrad anscheinend auch nicht. Wir werden es weiter testen! 

Hier findet ihr einen Fahrbericht zur bauähnlichen 2022er Royal Enfield 350 Classic.


Kommentare

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Ein Kommentar zu :
“Royal Enfield Meteor 350 Fireball”


  • Moin Wiebke,
    Dein Bericht ist eine sehr schöne Zusammenfassunf von dem, was wir bisher von Dir schon sehen und lesen durften 🙂
    Mit der Scram gibt es inzwischen ja schon die vierte, neue Einzylinder von RE. Aber für mich paßt die Meteor auch am besten. Die Classic finde ich optisch noch etwas schöner, die Him und die Scram sind abseits befestigter Straßen besser und haben längere Federwege auf Schlaglochpisten, aber das Fahr- und Sitzgefühl ist für mich bei der Meteor am besten.
    Euch beiden weiterhin viel Spaß mit den Kleinen!
    VG
    Heiko