aus Kradblatt 3/26
On- & Offroad durch Ostholstein
Das RETOH-Land ist ein kleiner, etwas widerborstiger Landstrich zwischen den Meeren im östlichen Hügelland Schleswig-Holsteins. Dieses Fleckchen Erde bringt eine besondere Spezies des Motorradfahrers hervor. Den, der gerne mal „durchs (legale!) Gemüse“ fährt! Daher auch der Name: „Reiseendurotreff-Ostholstein“, kurz „RETOH“.

Die modernen Kommunikationsformen machten es möglich, dass sich um 2020 einige Gleichgesinnte zum gemeinsamen Endurowandern trafen. Natürlich alles Corona-konform an der frischen Luft, und mit dem nötigen Abstand! Schnell stellten wir fest, dass wir nicht nur gerne das Negativprofil der Reifen in die Erdkrume drückten, sondern auch alle gerne und viel mit den „Hoppelböcken“ reisten! Die Idee war geboren! Warum nicht versuchen, ein kleines, aber ausgesuchtes Treffen für „Spinner“ mit der gleichen DNA zu organisieren?

Zelt, Luftmatratze, Zahnbürste auf die Enduro geschnallt, und schon kann es doch losgehen! So wie früher sollte es sein, ohne Klimbim und ohne Planung bis nach Meppen (Sorry, ich hätte auch unendlich viele andere Orte nennen können).
Flugs umgeschaut, ob es nicht irgendwo ein geeignetes Basecamp geben könnte, natürlich am besten in der Naturlandschaft, die die letzten Eiszeiten aus diesem wunderschönen Fleckchen Erde geformt hat. Seen, so weit das Auge reicht, die Knicks, die sowohl in der Vergangenheit Gebietsansprüche regelten, als auch den Wind davon abhielten, allzu viel Schaden anzurichten. Dazu das Blau der nahen Ostsee mit ihren feinen Sandstränden, und natürlich die hügelige Landschaft, die mal in Rapsgelb, oder saftiges Weidengrün getaucht wird. Mit etwas Glück haben wir dann DAS Basecamp schlechthin gefunden. Die Grundidee nahm Fahrt auf.
Was erwarten wir eigentlich von dem Treffen? „Bloß kein Halli-Galli!“, war uns allen klar. Nicht zu viele (max. 40 Teilnehmer), alle Selbstversorger (wie oben beschrieben!), Lagerfeuer und zwei Dixiklos.
„Camp, ride, fire – sonst nix!“, so steht es auch schon im RETOH-Logo. Das sollte es sein. Das Miteinander, das gemeinsame Zubereiten einfacher Speisen, wie wir es auf den Reisen gewohnt waren, und der Austausch über Mensch, Maschine und Ausrüstung sollten im Zentrum des Geschehens stehen. „Kunst, Kultur, Kulinarik und Ketränke – die vier „K“!“ fanden als Leitmotiv für das geplante Wochenende allgemeine Zustimmung.
Bei der Zusammensetzung der RETOH-Planungstruppe musste man sich bezüglich der Inhalte zu den einzelnen „K’s“ keine Sorgen machen. Spezialisten in Hülle und Fülle! Aber ein zentraler Baustein für ein Motorradtreffen fehlte noch. Fahren! Wir müssen auch fahren!
Zahlreiche Scoutingtouren ab Februar sorgten schließlich dafür, dass mit Hilfe eines Spezialisten für Routenplanungen eine legale Strecke von etwa 130 km durch die Holsteinische Schweiz entstand. Es gab Ecken, von denen ich als „Eingeborener“ keinen, aber auch gar keinen Schimmer hatte, obwohl ich schon zig Male daran vorbeigefahren bin! Wahnsinn!

Das Wochenende war fertig durchgeplant. Freitag Anreise. Ankommen, Zelt aufbauen. Samstag in kleinen geführten Gruppen in unterschiedlichen Anspruchsniveaus durch die Landschaft knattern, gemeinsam in einem schönen Ausflugslokal zu Mittag essen, und Abends die Heldentaten am Lagerfeuer besprechen: Die Furt wird zum reißenden Fluss, die kurze sandige Passage wird zur Wüste Gobi. Na ja, ihr kennt das ja sicher.
Am Sonntag wurde dann noch rasch das Basecamp tatkräftig von allen gesäubert, die letzten Telefonnummern und WhatsApp-Kontakte aktualisiert, und schon war das „Mikroabenteuer“ auch schon wieder zu Ende … schön war’s!

Die Teilnehmer haben im Laufe der Jahre manchen Abschnitt der Touren, die natürlich in jedem Jahr mit unterschiedlichen „Highlights“ anders geschnitten sind, mit liebevollen Namen besetzt. So gibt es mittlerweile das bei Schmuddelwetter von schweren Enduros gefürchtete „Hannos Eck“, das „Boxergrab“ (ich denke selbsterklärend) und die den Schweiß-auf-die-Stirn treibende „Saukuhle“. Selbst einen kleinen Artikel in der „Motorrad Abenteuer“ hat es schon gegeben.
Seit 2025 vergeben wir nach einem nicht nachzuvollziehenden Regelwerk einmal pro Jahr für einen „Spinner“ auf dem RETOH den in der weltweiten Reiseenduro-Szene lange erhofften „Legenden“-Status. Für jedermann zu erkennen am „RETOH-Legende“-Aufkleber am Motorrad.
Uns fallen immer mal wieder neue Dinge ein, wie zum Beispiel das „RETOH-Mud“, welches wir bisher zweimal unregelmäßig im Herbst veranstalteten. Einige Ideen haben sich auch nicht durchgesetzt. So ist es nun einmal im Leben. Dann ist seit 2025 die Idee des „RETOH on Tour“ dazugekommen. Stephan, einer unser wichtigsten Unterstützer, macht im Norden Schleswig-Holsteins mit seinem „BEEF and BIKE“ auch noch ’ne Menge los.
Man kann also sehen, was passiert, wenn alte Säcke zu viel Zeit und zu viel Langeweile während der Coronajahre hatten.
2026 gehen wir nun schon ins sechste Jahr mit unserer Idee, auf einfache Weise den Reiseenduro-„Spinnern“ das schöne Schleswig-Holstein aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln schmackhaft zu machen. Natürlich immer auf dem Rücken unserer so geliebten „Hoppelböcke“!
Wir freuen uns, auch dich vielleicht mal in der geselligen Runde begrüßen zu dürfen. Das nächste RETOH kommt bestimmt. Es ist ganz einfach. Auf der Homepage www.reiseendurotreff-ostholstein.de und auf Facebook findest du uns. Schreibe uns ganz unkompliziert an, melde dich zu den Treffen an, und wir werden uns sicher sehen, spätestens beim „Bockwurst-Kuchen“!
Euer RETOH-Team
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