Aus der Not geboren
aus Kradblatt 9/25 von Konstantin Winkler, Fotos Yesterdays
Ein Motorrad mit Elektro-Antrieb, technische Neuheit oder alter Hut?

Letzteres! Als im 2. Weltkrieg Benzin für zivile Zwecke rationiert war, kam Mr. J. Pidcock aus dem englischen Petersborough im Jahre 1942 auf die geniale Idee, sein „Electric Motorcycle“ zu bauen.

Statt eines Verbrennungsmotors befanden sich drei 6 Volt-Batterien in einem einfachen Rohrrahmen. Gekoppelt mit einem Dynamotor der Old English Bike Fans wohlbekannten Marke Lucas (Spitzname: Herr der Finsternis), gelangte die Kraft per Kette zum Hinterrad. Sogar ein „Dreigang-Getriebe“ der ganz besonderen Art gab es: Je nachdem ob eine, zwei oder drei Batterien am Start waren, standen 6, 12 oder 18 Volt zur Verfügung. Mit vollen Batterien war dann eine wenig atemberaubende Höchstgeschwindigkeit von 18 Meilen pro Stunde – also knapp 30 km/h – möglich. Das allerdings sehr preisgünstig: „9 miles a penny“ versprach die Werbung.
Futuristisch ist das Design, fast wie bei einer modernen Japanerin. Vollverkleidet kam die Pidcock daher, vom Antriebsaggregat war nur wenig zu sehen. Für etwas Fahrkomfort sorgte eine Trapezgabel vorne nebst 21 Zoll Rädern.

Ein Jahr später gab es ein Nachfolgemodell mit größerer Kapazität dank vier 12 Volt-Batterien. Aber auch das Modell konnte sich nicht durchsetzen und so wurden nach Kriegsende im Vereinigten Königreich (und nicht nur dort) ausschließlich Motorräder mit Verbrennungsmotoren gebaut. Die Akkutechnik gab damals noch nicht mehr her.
Die hier vorgestellte Pidcock und viele andere hochinteressante „prähistorische“ Oldtimer kann man bei dem niederländischen Oldtimer-Spezialisten „Yesterdays“ in Nederweert (ca. 40 km von Venlo) käuflich erwerben. Die Pidcock soll inkl. neuer Batterien 12.500 € kosten. Das aktuell älteste angebotene Fahrzeug ist eine französische De Dion-Bouton, Baujahr 1897! Mehr Infos und Bilder gibt es online unter www.yesterdays.nl.

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