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Passion: Motorräder von A bis Z

aus Kradblatt 09/22 von Konstantin Winkler

Ein kleiner Einblick in Konstantins Schatzkästchen

Drei Harley-Davidson aus der Sammlung
Drei Harley-Davidson aus der Sammlung

Konstantin Winkler fährt seit über 40 Jahren Motorrad. Eine Million Kilometer in 50 Ländern und vier Kontinenten ist die stolze Bilanz. Ein großer Teil wurde mit den verschiedensten Oldtimern zurückgelegt, von denen er uns ja einige schon in ausführlicheren Artikeln vorgestellt hat. Motorräder von A bis Z bestimmten und bestimmen immer noch sein Leben. Hier buchstabiert Konstantin sein persönliches Motorrad-ABC.

A wie AJS

Nun ist es endlich soweit! Ich habe Motorräder von A bis Z in meiner Sammlung – wenn auch nicht mit jedem Anfangsbuchstaben eine eigene, aber auch daran arbeite ich …

Eine wunderschöne Zweizylinder-500er AJS M20 aus dem Jahr 1952 bereichert seit kurzem meinen musealen Streichelzoo. Aber sie soll weniger gestreichelt, gehegt und gepflegt werden, als vielmehr ihrer ursprünglichen Bestimmung zugeführt werden, nämlich auf Europas Straßen viele Kilometer zurückzulegen.

B wie BMW 

Die Motorradmarke, mit der ich die mit Abstand meisten Kilometer gefahren bin. Meine erste BMW war eine 250er R 26 von 1956, meine vorerst letzte eine K 1000 LT von 1994. In der Zeit dazwischen bin ich mit einer R 100 RS von 1978 mit nur zwei (!) Ersatzteilen (Anlassrelais und Kupplung) problemlose 175.000 km gefahren. Dazu kommen 250.000 K100-km (mit und ohne Beiwagen), 85.000 km mit K 75, 80.000 km mit diversen Zweiventil-
GS und über 100.000 km mit Oldtimern der Baujahre 1927 bis 1969, mit und ohne Beiwagen. 

C wie Condor

Nicht nur die Russen haben BMW-Motorräder abgekupfert, auch der Schweizer Hersteller Condor. Die Militärmaschine A 580 I aus den 1950er Jahren sieht aus wie eine grau angemalte R 61. Nur, dass die Kardanwelle auf der linken Seite liegt und das Getriebe 8 Gänge hat. Ein kapitaler Schaden des Getriebes führte dazu, dass sich unsere Wege nach ein paar tausend eigentlich schönen Kilometern trennten.

D wie D-RAD 

Das steht für die Deutschen Industriewerke in Berlin-Spandau. Dort, wo aktuell BMW- Motorräder gebaut werden, entstanden in den 1920er Jahre die berühmten D-Räder. Zuerst mit längsliegendem Boxer, dann mit seitengesteuerten Blockmotoren. Meine R 9 von 1929 mit Original-Beiwagen habe ich seit über 40 Jahren und bin damit schon – allerdings ohne Beiwagen – in den Dolomiten und am Großglockner gewesen. 

E wie EMW

Wer sich für eine Vorkriegs-BMW R 35 interessiert, muss aufpassen, dass er keine baugleiche Nachkriegs- EMW der Eisenacher Motorenwerke bekommt. Ich hatte schon EMWs aus Polen und Rumänien in katastrophalem Zustand. Im 18-Zoll-Vorderrad steckte ein neunmal geflickter 15- Zoll-Schlauch. Aber es hielt!

F wie FN

Selten und exklusiv: Motorräder aus Belgien. Besonders FN. „Fabrique Nationale d’Armes des Guerre“. Auf dem Pariser Salon stellten die Belgier im Herbst 1904 das erste Serienmotorrad mit einem Vierzylinder-Reihenmotor vor. Meine FN ist eine mit kopfgesteuertem 500er Einzylinder aus dem Jahre 1929 mit ordentlich Dampf aus dem Drehzahlkeller. Schall und Rauch werden hier neu definiert.

G wie Göricke

Das ist eine deutsche Motorradmarke, die in der Kaiserzeit gegründet wurde und richtig tolle Motorräder baute. In den 1950er Jahren nicht mehr, da gab’s nur noch kleine Zweitakter. Sowas hatte ich auch mal für kurze Zeit. Leicht verzogener Rahmen, lieblos zusammengeschraubt … der Fahrspaß tendierte gegen Null!

H wie Harley-Davidson 

Es war 1980, als ich der Faszination dieser Urgesteine aus Milwaukee erlag. Mein Onkel kaufte sich eine Electra Glide Classic und ich durfte sie als 20-jähriger fahren. Angesteckt hat sich auch mein Vater. Im Alter von 80 Jahren war er reif für seine erste Harley, ein RoadKing-Gespann. Aktuell bin ich mit drei Harleys unterwegs, die älteste ist über 100 Jahre alt.

I wie Imperia

Hört sich italienisch an, wie die gleichnamige Stadt an der Riviera, kommt aber aus dem Deutschen Reich. Solch ein seltenes Stück mit kopfgesteuertem MAG-Motor und Hurth-Getriebe befand sich in den 1980er Jahren mal im Familienbesitz.

J wie Jawa

Ein Motorrad aus dem Ostblock darf in meiner Sammlung natürlich nicht fehlen. Besonders, wenn es so inte­ressant verpackt ist wie das Traummotorrad vieler DDR-Bürger: die Jawa 354 von 1957 aus der ehemaligen Tschechoslowakei. Der langhubige Zweizylinder-Zweitakter macht Spaß – auch in den Bergen – wie ich bei einer Tour durch das tschechische Erzgebirge erfahren habe. Im wahrsten Sinne des Wortes!

K wie Kawasaki 

Die Zeit der Scheunenfunde ist schon lange vorbei. Jetzt kann man mit etwas Glück einen Tiefgaragenfund machen. So kam ich in diesem Jahr zu meiner ersten Kawasaki. Die Enttäuschung, dass es sich „nur“ um eine 250er aus den 1970er Jahren handelte, schlug schnell in Begeisterung um, als ich sah, was für ein seltenes und exklusives Modell ich da an Land gezogen habe: Eine 250 S 1 mit Dreizylinder-Zweitaktmotor!

L wie Laverda

Fantastische italienische Sportmaschinen. Aber mit Vorsicht zu genießen! Die Schaltung ist rechts, die Bremse links! Da musste ich über 40 Jahre lang Motorrad fahren, bis ich das erste Mal ein ganz besonderes Unikat dieser Marke gefahren bin: Eine 1200er Dreizylinder von 1979 mit Ciko-Verkleidung. 

M wie Moto Guzzi 

Italienische Fahrzeuge haben mich eigentlich nie sonderlich fasziniert. Meine erste Begegnung hatte ich mit einer 850er T3 California. 30 Jahre später kaufte ich mir dann meine erste Italienerin, eine V 35 mit 500er Motor. Die Fahrt über das 2.758 m hohe Stilfser Joch hat mir soviel Spaß gemacht wie mit keinem anderen Motorrad. 

N wie NSU

Das steht für Neckarsulm. Dort wurden seit der vorletzten Jahrhundertwende Motorräder gebaut. Der ganze Stolz meines Vaters war eine 500er, die genau wie er aus dem Jahr 1928 stammt. Gleich daneben steht in meiner Sammlung eine 250er von 1950, mit der ich mal über die mehr als 2.000 Meter hohe Silvretta-Hochalpenstraße gefahren bin.

O wie Opel

Die haben tatsächlich auch mal Motorräder gebaut. Ganz nah dran war ich mal an einem dieser extrem seltenen 500er Einzylinder. Kein Scheunen- oder Garagenfund. Die Einzelteile befanden sich tatsächlich im Kleiderschrank. Leider kam der Verkauf trotz langwieriger Verhandlungen nicht zustande. 

P wie Pierce 

Das wohl wertvollste Motorrad, auf dem ich mal Platz genommen habe, war eine amerikanische Pierce Arrow. Sieht aus wie der ebenso legendäre Red-Porsche-Killer. Ist nur 65 Jahre älter und hat statt vier Horex-Motoren einen längsliegendem Vierzylinder. Wert: 100.000 Euro. Tendenz:
Steigend.

Q wie Quadrant 

Kaum jemand kennt eine Motorradmarke mit „Q“, geschweige denn einen Besitzer. Meine Quadrant Model 2 H.P. ist aus dem Jahre 1903. Oberflächenvergaser und Schnüffelventil waren zur Kaiserzeit Stand der Technik. Auf Kupplung und Getriebe verzichtete man. Ein Keilriemen ging direkt von der Kurbelwelle zum Hinterrad. Ein wilder Ritt war somit vorprogrammiert!

R wie Royal Enfield

Eine englische Traditionsmarke, die schon seit vielen Jahren in Indien produziert wird. Ein solches Exemplar aus dem Jahr 1981 hatte ich mal und bin damit nie glücklich geworden. Richtig begeistert hat mich eine Probefahrt mit einer nagelneuen 350er Classic. Zeitnah wird es wohl das erste Motorrad sein, das ich fabrikneu erwerbe.

S wie Suzuki 

Meine Erfahrungen mit dieser japanischen Marke sind gering. In den 1980er Jahren war ich mit einer 650er Katana unterwegs und 40Jahre später bin ich stolzer Besitzer eines ganz besonderen Exemplares: Dem legendären „Wasserbüffel“ mit seinem 750 ccm großen Dreizylinder-Zweitaktmotor.

T wie Triumph

Die englische Traditionsmarke gab es unter gleichem Namen bis 1957 auch bei uns. Das letzte Modell, die BDG 250 H, hatte einen Zylinder und zwei Kolben. Des Rätsels Lösung: Ein Doppelkolben-Zweitakter. Dadurch wird ein höherer Wirkungsgrad erreicht. Super Sound und Super Fahrspaß!

U wie Ural

Sieht von weitem aus wie ein BMW-Gespann aus dem 2. Weltkrieg. Die Technik ist gleich, die alten Modelle sind jedoch nur für Gespannfahrer mit sadomasochistischen Neigungen empfohlen, da schlampig verarbeitet und unzuverlässig. In Russland werden Fahrzeuge eben mit anderen Fertigungstoleranzen als bei uns gebaut.

V wie Van Veen 

Damals wie heute eines der teuersten Motorräder mit Wankelmotor. Bei mir hat es nur für die Hercules W 2000 gereicht, die wie ein Staubsauger aussieht, aber richtig gut abgeht!

W wie Wanderer

Wer ein besonders exklusives deutsches Motorrad der Generation Ü100 sucht, kommt an der Marke Wanderer nicht vorbei. Ab 1902 wurden in Schönau bei Chemnitz Motorräder gebaut, die als solide und leistungsfähig galten. Zwei Exemplare mit V-Motor habe ich in meiner Sammlung: Das „Heeresmodell 4 PS“ von 1918 und die „616“ von 1923. Wer damit fahren möchte, kann in Anbetracht der vielen Hebel alles vergessen, was man über die Bedienung eines Motorrades gelernt hat.

X wie XL

Da muss ich passen. Erfahrungswerte gleich Null! Der Form halber sei erwähnt, dass diese englische Marke von 1921 bis 1925 hauptsächlich 500er Eintöpfe baute.

Y wie Yamaha 

Tausende problemloser Kilometer mit der legendären XT 500 und XT 600 Ténéré gingen nur in ein anderes Bundesland. Mit einer XS 650 US Special dagegen auf einen anderen Kontinent. Einmal Asien und zurück. 6.800 Kilometer in zwei Wochen. Mit Sozia und Zelt. Als 25-jähriger wuppt man sowas ganz locker! In Amerika war ich auch mal. Mit einer (geliehenen) XJ 750 Maxim durch den Westen der USA.

Z wie Zündapp

Damit fing im Jahre 1976 alles an. Zündapp C 50 Sport. Weitere Modelle aus Nürnberg sollten folgen. Nach einer kurzen Liaison mit einer DB 200 und einem KS 750-Gespann folgten viele Kilometer mit einer Vorkriegs-KK 200. Sogar eine Tour in den Alpen war mit nur 8 PS möglich. 

Schade, dass das Alphabet schon zu Ende ist – aber zu den 26 Buchstaben finden sich noch viele Interessante Marken und Modelle. Ich bleibe weiter neugierig …

Anmerkung der Red.: Schaut mal auf www.kradblatt.de und gebt in die Suche „Konstantin Winkler“ ein. Ihr findet von ihm über 50 interessante Artikel in unserem Archiv. 


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