Das letzte und das erste Mal
KRADblatt-Leserreise unter Strom
aus Kradblatt 8/25 von Marcus Lacroix

Anfang Juli fand die KRADblatt-Leserreise zum letzten Mal mit Curva Biketravel als durchführenden Veranstalter statt.
Seit 2012 haben Roger und Daniela Förster die Touren für uns geplant und zusammen mit ihren Tourguides immer für viel Fahrspaß und Unterhaltung gesorgt. Mit Ende der diesjährigen Leserreise haben sich die beiden in den Ruhestand verabschiedet, ein Nachfolger wurde für die gut laufende Firma – wie auch bei vielen anderen Unternehmen – nicht gefunden. Somit endet das Kapitel und es bleiben viele Fotos und Erinnerungen.

In den ersten beiden Jahren liefen unsere Touren noch als bma-Leserreise, der bma und das KRADblatt wurden ja erst im Herbst 2013 zu einem Magazin vereint und decken seitdem ganz Norddeutschland als KRADblatt ab. In all den Jahren bewegten wir uns recht heimatnah, da die Anreisen immer über Landstraßen problemlos an einem Tag zu schaffen sein sollten. So waren wir z.B. in der Holsteinischen Schweiz, der Eifel, im Harz, im Sauerland, im Ederbergland, in den Elbauen und im Eichsfeld unterwegs. Gerade die Mittelgebirge boten uns Norddeutschen ein ideales Terrain und manch einer musste feststellen, dass Kurventrainings evtl. doch mehr Sinn machen als gedacht. Nicht jede Tour ging ohne kleinere oder größere Schäden zu Ende, was aber keineswegs an den Tourguides lag – cruisen in Norddeutschland ist halt weniger anspruchsvoll. Ein echtes Highlight war daher auch die 2015er Tour, die wir mit einem Kurventraining auf dem Harzring verbanden.
In diesem Jahr waren wir noch mal in der Region Vogelsberg / Ederbergland unterwegs, die neben sanften Hügeln auch einige anspruchsvolle „Wedelstrecken“ bietet. Da wir – wie immer – drei Gruppen mit unterschiedlichem Fahrprofil von bummelig bis flott zusammengestellt hatten, kamen wieder alle auf ihre Kosten.
Ein Problem, mit dem auch andere Reiseanbieter zunehmend zu kämpfen haben, ist der Personalnotstand in der Gastronomie. Während wir in früheren Jahren problemlos mit einer angemeldeten Gruppe von 30 Personen (nur im Corona-Jahr 2020 waren es ausnahmsweise 50 Teilnehmer) Gaststätten und Cafés fanden, wo man kürzere oder längere Stopps einlegen konnte, gestaltete sich die Suche 2025 zu einer Zitterpartie bis zum letzten Tag. Der morgendliche Kaffeestopp am Diemelsee entfiel sogar vollständig – 30 Biker lohnen das Kaffeekochen nicht. Schade, aber letztendlich hatten wir ja immer Halbpension in den Hotels und wir wollten nicht nur schnacken sondern fahren. Und er Fahrspaß kam nie zu kurz.

Für mich war die diesjährige letzte Leserreise Onroad gleichzeitig eine Premiere, denn erstmals wagte ich es, die Tour mit meinem Elektromotorrad zu fahren. Seit 2019 fahre ich mit Begeisterung (auch) elektrisch, habe für die Fahrten im Verbund mit 30 Verbrennern aber doch nicht den Mut gefunden. Schließlich möchte man der Gruppe als Einzelner nicht mit Sonderwünschen aufgrund von Reichweitenproblemen im Weg stehen und so womöglich den Fahrspaß schmälern. Auch unsere letzte Tour sollte für die Teilnehmer wie gewohnt durchorganisiert ablaufen.
Ich ließ mir vorab die geplanten Tagestouren schicken und glich sie mit meiner durchschnittlichen Reichweite und den Lademöglichkeiten unterwegs ab. Schnell war klar, dass ich bei jeder Tour einmal ein paar Kilowattstunden nachladen musste, um sicher wieder unser Hotel in Bad Wildungen zu erreichen. In der Hotelgarage gab es ausreichend Wallboxen und so wäre die Maschine bis zum nächsten Morgen wieder startklar. Lange Rede kurz: Mein „Green Tourer“, die Energica Experia (siehe Fahrbericht im Archiv auf Kradblatt.de), schlug sich viel besser als erwartet. An zwei Tagen klinkte ich mich während eines längeren Kaffeestopps aus der Gruppe aus und lud etwas nach. Vor der Weiterfahrt war ich rechtzeitig wieder bei meinen Leuten. An den anderen beiden Tagen befanden sich Ladesäulen an den Rastplätzen – z.B. auf dem Hoherodskopf im Vogelsberg, wo wir Doros angesagte Bratwurst testeten (www.wuerstchen-doro.de, die Wurst ist wirklich lecker!). Fun-Fact: während die Verbrenner vor dem Abendessen zum Tanken fuhren, drehte ich noch eine Extrarunde – geladen wurde ja über Nacht.
Natürlich durfte etwas Spott angesichts des „Akkuschraubers“ nicht fehlen. Das kenne ich aber auch nicht anders, da ich nicht nur auf den Leserreisen gerne mit ungewöhnlicheren Motorrädern unterwegs bin. Über meine 350er Enfield mit 20 PS wurde genauso gelacht wie über die 200er und die 390er KTM Duke, über meinen 750er Honda Integra und den Honda X-ADV. Am wenigsten Aufsehen erregte ich wohl mit meiner Kawasaki W800 und der Ducati Desert Sled. Unterm Strich überwog aber das Interesse an der Technik.
Die Reichweite der Experia lag auf den Mittelgebirgsstrecken übrigens trotz (für meinen Geschmack) recht flotter Fahrweise durchweg über 250 km. Das liegt zum einen an der Rekuperation – also die Energierückgewinnung über die „Motorbremse“, die bergab locker die Betriebsbremse ersetzt – zum anderen an der geringeren Durchschnittsgeschwindigkeit im Vergleich zur norddeutschen Tiefebene. Die Bergaufstücke fraßen weniger Energie als gedacht.
Festhalten muss man aber auch: Gruppenausfahrten wie diese sind mit einer größeren Zahl (also über zwei) von Elektromotorrädern ohne ausgiebigere Planung nicht möglich. Die Ladeinfrastruktur ist dafür einfach nicht ausgelegt. E-Motorräder eignen sich derzeit eher für Individualisten.Für den Notfall hätte ich auch meine BMW nehmen können, die wäre unter den 50% Blau-Weißen dann nur aufgrund ihres Alters aufgefallen …
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Kommentare
Ein Kommentar zu “Nachbericht: KRADblatt Leserreise onroad, 2025”
Sehr cool, Marcus.
Das hat einigen sicher wieder die Augen geöffnet und das Interesse für E-Motorräder geweckt. Mir geht es jedenfalls immer so, wenn ich mit Verbrennern unterwegs bin – das Staunen über die möglichen Reichweiten und wie schnell das Laden dann doch geht bzw. wie einfach das ist, ist immer da.
Und: ganz oft muss ich meine Zero zum Testen ausleihen uns auf kuriosen Verbrennern hinterher fahren *g*