Vorwort der Kradblatt-Ausgabe 8/25 von Marcus Lacroix

Gruppe an, Hirn aus?

Motorradfahren in der Gruppe birgt Risiken
Motorradfahren in der Gruppe birgt Risiken

Motorradfahren mit Gleichgesinnten in kleineren oder größeren Gruppen ist für viele von uns eine tolle Sache. Stärkt es doch nicht zuletzt das Gemeinschaftsgefühl! Gerade das Fahren in der Gruppe ist allerdings etwas, das mir persönlich immer wieder Bauchschmerzen bereitet und was ich im Alltag gerne vermeide. 

Dabei muss eine Gruppe gar nicht groß sein. Zu zweit gibt es in der Regel noch keine Probleme, drei gehen auch noch, bei fünf wird es schon zäh, wenn man nicht aufeinander eingespielt ist oder mit wirklich guten Leuten fährt. Bei noch größeren Gruppen erlebt man dann immer wieder wilde Geschichten, mit denen man vermutlich Bücher füllen könnte. Unfälle innerhalb und aus Gruppen heraus sind deshalb leider gar nicht mal so selten – was versicherungstechnisch übrigens zu Problemen führen kann. 

Der Klassiker, speziell bei größeren Verbänden, ist der Auffahrunfall. Dort fährt man im Idealfall bekanntlich versetzt, um einerseits die Gruppe nicht unnötig in die Länge zu ziehen, andererseits aber auch selbst genug Raum zu haben. So eine Fahrweise braucht hohe Aufmerksamkeit und Gefühl für die benachbarten Fahrer. Die STVO lassen wir mal außen vor. 

Viele prötteln aber leider einfach in der Gruppe mit und freuen sich an der beeindruckenden Kulisse (siehe Demos & Korsos). Eine Ausfahrt im Verbund OHNE behördliche Genehmigung und Absicherung hat aber KEINE Sonderrechte! Auch dann nicht, wenn ihr (illegal) Kumpels als Kreuzungsblocker einsetzt. Durch den „Ziehharmonikaeffekt“ in einem Konvoi erhöht sich das Risiko. Pennt der Hintermann oder die Hinterfrau, knallt es schnell mal. Mir ist z.B. einmal jemand draufgebrummt, weil ich an einer vorfahrtsberechtigten Straße (ohne Blocker) halten musste, während ein Teil der Gruppe schon durch war! Versetzt wäre nichts passiert.

Das blinde Hinterherfahren ist auch bei Überholmanövern äußerst riskant. So fuhr ich kürzlich erst 4 Tage lang am Ende einer Gruppe als 11. Motorrad durch eine deutsche Mittelgebirgsregion. Da gibt es die unterschiedlichsten Strecken. Schmale, sehr kurvige Verbindungswege, breite, gut ausgebaute Hauptstraßen mit weiten Kurven – alles, was unser Motorradfahrerherz begehrt und den Spaß am Straßenfahren ausmacht. 

Was ich aus der Logenposition da an Überholmanövern sah, ließ mich teilweise wirklich (ver)zweifeln. Und es ist ja nicht das erste Mal, dass ich so was beobachte. Zumindest gefühlt wurde es über die Jahre immer schlimmer. Letztendlich muss man wohl von Glück reden, dass es nicht bei jeder Gruppenausfahrt zu Toten kommt. Ganz ohne Witz, leider!

Der Herdentrieb, gepaart mit ausreichend Motorleistung für schnelle Sprints – und Leistung haben wir ja inzwischen fast alle mehr als genug – schaltet bei manchen offenbar jedes Sicherheits(be)denken ab. Uneinsehbare Wechselkurven? Kein Pro­blem, zwei Mann sind ja schon durch, Gaaaas – das passt schon. Ups, die Kehre kam ja doch schneller als gedacht und schon landet man voll auf der Gegenfahrbahn. Puh, kam ja keiner, weiter geht’s … 

Gerade wir flachlandverwöhnten Norddeutschen neigen offenbar dazu, die Überholwege in bergig-kurvigem Geläuf völlig falsch einzuschätzen. Und während man sich auf breit ausgebauten Strecken zwischen lichthupendem Gegenverkehr und 30-Tonner noch durchquetschen kann, dürfte einem die Kollision mit einem flott bewegtem Handwerker-Sprinter auf einer Nebenstrecke die Lichter ausblasen. Lokale Handwerker überholt man übrigens besser eh nicht. Die kennen ihre Strecken oft besser und machen einem dann womöglich unnötig Druck.

Ich denke ihr versteht, worauf ich hinaus will: Schaltet auch beim Fahren in der Gruppe bitte nicht einfach euer Hirn ab!