Mobile Dashcam für den Helm

aus Kradblatt 9/25 von Marcus Lacroix

Im Oktober 2022 haben wir euch das Dashcam-System MiVue M760D von Mio vorgestellt. Den Artikel findet ihr <hier> in unserem Archiv. Das M760D (Nachfolger ist das MiVue M820WD) versieht nach wie vor völlig unauffällig seinen Dienst. Lediglich die MicroSD Speicherkarte habe ich kürzlich getauscht, da deren Lebensdauer grundsätzlich technisch begrenzt ist (Anzahl der Schreibvorgänge).

Die Mio-Dashcam filmt gleichzeitig nach vorne und hinten
Die Mio-Dashcam filmt gleichzeitig nach vorne und hinten

Motorradfahrer, die mehrere Motorräder besitzen oder ihre Fahrzeuge häufig wechseln, werden den festen Einbau eines Dashcam-Systems evtl. aber scheuen. Für diesen Kundenkreis hat Mio mit der MiVue MP30 GPS jetzt eine Alternative im Sortiment, die wir ausprobieren konnten.

Der Lieferumfang ist überschaubar: 1 Dashcam, 1 USB-C Ladekabel, 2 Halterungen, 1 Bedienungsanleitung. Eine MicroSD-Card (Class 10, 32-256 GB) ist nicht im Lieferumfang enthalten und muss separat erworben werden (Straßenpreis ca. 10–20 €).

Das komplette System befindet sich in einem Gehäuse, das seitlich über eine Halterung am Motorradhelm befestigt wird. Durch die Weitwinkel-Kameras ergibt sich so ein gutes Sichtfeld nach vorne und hinten. Theo­retisch könnte man das System auch seitlich z.B. an der Verkleidung oder an einem Seitenkoffer montieren, hat dann aber i.d.R. ein begrenztes Sichtfeld für die Aufnahme.

Es werden reichlich Daten aufgezeichnet
Es werden reichlich Daten aufgezeichnet

 Die Halterung wird am Helm angeklebt, die Kamera aktiviert sich mit Einsetzen in die Halterung automatisch. Vertikal ist die Ausrichtung über eine rastende Verstellung leicht möglich – wichtig, wenn man z.B. zwischen Sportler und Chopper wechselt. Eine horizontale Anpassung ist nicht vorgesehen, man sollte beim Ankleben der Halterung also eine möglichst parallele Position zum Boden finden – ansonsten steht das Bild leicht schief. Das ist für die Aufnahme des Verkehrsgeschehens – und damit dem Haupteinsatzzweck einer Dashcam – nicht so gravierend. Da die Kamera aber mit bis zu 2K/1440P bei 30 fps aufzeichnet, könnte man Videoschnipsel beim Schneiden von Filmen auch mit anderen Kameras wie GoPro & Co. kombinieren. Mit Videoschnittsoftware lässt sich das Bild natürlich geraderücken. 

Den meisten Nutzern dürfte aber die reine Dashcam-Funktion reichen, zumal man die Tonspur im Fahrbetrieb schlicht vergessen kann – da rauscht nur der Fahrtwind. Die Tonspur, die sich über die kostenlose MiVue Pro App abschalten lässt, dürfte eher bei Wortgefechten nach einem Unfall interessant sein. Hier sei generell zur Vorsicht gemahnt, eine Dashcam nimmt nicht nur die Fehler der anderen auf … 

Während die MP30 GPS nur über einen Druckknopf für rudimentäre Funktionen (Ereignisaufnahme starten, WiFi einschalten, SD-Karte formatieren, Reset) und zwei Status-LEDs verfügt, lassen sich über die App verschiedene Funktionen einstellen. Ich habe z.B. die Auflösung auf Full HD reduziert, die dafür dann mit 60 fps (fps = frames per second / Bilder pro Sekunde) aufgenommen werden. Schnelle Bewegungen werden so besser dokumentiert. Der optionale HDR-Modus sorgt hingegen für bessere Nachtaufnahmen. Es lassen sich verschiedene Stempel auswählen (Koordinaten, Geschwindigkeit u.a.), die Empfindlichkeit des G-Sensors justieren (der Aufnahmen nach einem Unfall automatisch gegen Überschreiben sichert), die Längeneinheiten wählen (metrisch/imperial) oder auch eine Belichtungskorrektur für die jeweilige Kamera vornehmen.

Eher als Spielerei empfinde ich die Zeitraffer-Funktion, die z.B. eine 2,5 Stunden Tour auf 8 Minuten komprimiert – manche teilen sowas aber gerne und man muss ja nicht alle Funktionen nutzen. Auch die GPX-Tourdaten lassen sich exportieren, teilen und weiterverarbeiten. 

Im Alltag ist die Verwendung der MP30 GPS völlig unspektakulär: bei Tourstart einsetzen und vergessen. Das System wiegt zwar 160 Gramm, die meinen Kopf allerdings nicht aus der Senkrechten ziehen. Zudem gleicht das links an meinem Helm montierte Cardo Packtalk Bold einen Teil der „Unwucht“ aus.

Aufpassen, eine Dashcam dokumentiert unparteilich auch die eigenen Fehler!
Aufpassen, eine Dashcam dokumentiert unparteilich auch die eigenen Fehler!

Mio gibt 4,5 Stunden ununterbrochene Aufzeichnung mit einer Akkuladung an. Das System geht aber bei einer Pause nach drei Minuten automatisch in den Ruhemodus, wenn keine Vibrationen/Bewegungen erkannt werden. Für normale Tagestouren reicht es somit. Bei einem Akkustand von <20% und <10% erinnert die Dashcam durch Vibration und rot leuchtender Statusanzeige ans Nachladen. Dank des USB-C Kabels ist das auch unterwegs möglich. Für spezielle Einsatzszenarien lässt sich der Ruhemodus über die App abschalten.

Die Videoclips können für die Front- und die Heckkamera separat ausgewertet werden. Dazu lädt man die Daten entweder per WLAN, das die Dashcam selbst zur Verfügung stellt, auf sein Smartphone/Tablet oder man liest die leicht zu entnehmende Speicherkarte am heimischen Computer aus. Mio stellt dafür den MiVue Manager kostenlos zur Verfügung. An Rechnern ohne GPS (also i.d.R. Desktops) werden im Gegensatz zum Smartphone oder Tablet die GPS-Kartendaten allerdings nicht angezeigt. Vom Smartphone lassen sich Daten ebenfalls auf den Rechner übertragen und im MiVue Manager oder in anderen Videoprogrammen wie z.B. QuickTime ansehen. Am einfachsten geht das, wenn man die Clips über einen Cloud-Dienst speichert.

Kritikpunkte? Stand 9/25 lassen sich die klebbaren Helmhalterungen oder zumindest passend geschnittene 3M-Klebepads noch nicht separat nachkaufen, eine Anfrage bei Mio läuft. Da ich nicht nur mehrere Motorräder sondern auch mehrere Helme (je nach Einsatzzweck) fahre, wäre das schon ganz cool. Und trotz recht hohem Vertrauen in die 3M-Klebetechnik wäre mir ein zusätzliches klickbares Fangband ganz lieb. Eine Öse, wie man sie z.B. für die Handschlaufe bei Fotoapparaten kennt, ist leider nicht vorhanden. 

Ob man generell eine Dashcam braucht? Die Frage müsst ihr euch selbst beantworten. Das Mio-System funktioniert jedenfalls gut und in manch einer Verkehrssituation hättet ihr hinterher ja schon gerne mal einen Blick drauf geworfen, oder? 

Erhältlich ist die Mio MiVue MP30 GPS inkl. 3 Jahren Garantie zum UVP von 189,99 € zzgl. 10 € Versand unter www.mio.com. Dort findet man auch diverse weitere interessante Produkte. Im Mio-Store auf Amazon.de kostet die Dashcam inkl. Versand übrigens nur 159 €. Das verstehe, wer will …