Vorwort der Ausgabe 5/26 von Marcus Lacroix
Man kann nicht oft genug darauf hinweisen …

Wir bekommen immer wieder E-Mails oder Anrufe von Lesern, selten auch von Leserinnen, die beim Verkauf von Motorrädern oder Zubehör seltsame E-Mails oder Whats App-Nachrichten von potentiellen Käufern bekommen. Meistens dauert es nur ein oder zwei Sätze und mir ist klar, dass es sich dabei um einen Betrugsversuch handelt und ich kann aufklären. Leider geht es nicht immer glimpflich ab. So wie bei Rainer, der uns seinen Fall als Warnung an alle schildert.
[…] Kaum war die Bildanzeige online, bekam ich von einem Joel Denzler aus Frankreich eine Mail, dass er mein Motorrad kaufen möchte. Nach kurzer Verhandlung waren wir uns über den Kaufpreis von 3.200 € einig. Ich schickte einen Kaufvertrag, der auch als Bild unterschrieben zurück kam. Jetzt wurde es etwas komisch, wobei ich froh war die Maschine zu verkaufen.
Dieser Joel D. schrieb, dass er einen Scheck mit der Summe von 7.200 € schickt. Der Mehrbetrag sollte für die Spedition sein, die das Motorrad nach Frankreich bringt.

Ich bekam den Scheck einer französischen Bank per Post und sollte die 4.000 € auf ein angegebenes Konto überweisen. Dies tat ich nicht sondern reichte ihn bei meiner Bank ein. Der Bankmitarbeiter meinte, der Scheck wird nur unter Vorbehalt gebucht. Eine Bestätigung der französischen Bank dauert bis zu 15 Banktage. Nach 2 Wochen kam der Anruf der Bank, der Scheck wurde nicht eingelöst, es war ein Fake-Scheck. Das Ganze hat mich 110 € an Gebühren gekostet! […].

Rainer hatte mir den E-Mail-Verlauf geschickt und die Kommunikation war so weit ok, kein „Was-ist-letzter-Preis-Geschwafel“. Trotzdem gingen bei mir sofort die Alarmglocken an, da die Masche mit dem Scheck sehr weit verbreitet ist. Wenn es ganz dumm läuft, sind dabei nicht nur die 4 Riesen sondern auch das Motorrad weg, bevor der Scheck platzt!
Wenn man solche Geschichten hört wundert man sich ja oft, wie jemand „so blöd“ sein kann, darauf hereinzufallen. Genau wie z.B. bei den Enkeltrickbetrügern, die teilweise ja echt hohe Summen mit hanebüchenen Storys abziehen. Dass man dabei leicht selbst mal reinfallen kann, wenn einen der Betrüger in der richtigen Stimmung erwischt, habe ich 2014 erlebt. Zwar hatte ich da nur jemandem aushelfen wollen, die gleiche Masche funktioniert aber auch bei Menschen, die ein schnelles Geschäft wittern. Meine Geschichte findet ihr – zur allgemeinen Warnung und Erheiterung – <hier> in unserem Archiv.
Jetzt fragt sich der eine oder die andere natürlich, wie man sich vor Betrug schützen kann. Da helfen nur zwei Dinge: Aufklärung und Vorsicht!
Wir haben bei unserem Online-Kleinanzeigenformular Infolinks zu mobile.de, Watchlist Internet und zur Polizei platziert. Leider informieren sich die wenigsten Menschen vorher über potentielle Betrugsmaschen sondern werden erst skeptisch, wenn der Schaden schon da ist. Betrug begegnet einem ja nicht nur, wenn man etwas über Kleinanzeigen oder im Internet ver-/kaufen möchte. Betrüger gab es schon zu allen Zeiten, nur die Methoden bzw. die Geschichten ändern sich.
Und noch was: Die wenigsten Käufer bzw. Verkäufer sind Betrüger und ich habe selbst auch schon erfolgreich Motorräder und Zubehör ins Ausland verkauft. Seid aber aufmerksam, die 110 € Bankgebühr kann man besser anlegen!
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Kommentare
6 Kommentare zu “KRADblatt Editorial 5/26 – Vorsicht, Betrüger!”
Moin,
danke für diesen Artikel. Um ein Haar wäre ich auf diesen Joel Denzler auch herein gefallen, nur machte mich sein Vorschlag, den Kaufvertrag per Email zu unterschreiben, einen Spediteur zu beauftragen, das Moped abzuholen, da er selbst auf Grund der Entfernung und terminlichnicht kommen könnte, stutzig. Es blieb trotz meiner Mobilnummer nur bei 3 Emails.
Ich habe den Kontakt mit Hinweis auf eine Anzeige bei der Polizei wg. Betruges beendet.
Danke auch für die entsprechenden Kommentare der anderen Leser, mir ist auch kein Schaden entstanden.
Als ich das Kradblatt aufschlug hat es mir fast die Sprache verschlagen.
Genau wie bei Rainer mit seinem Motorrad erging es mir fast beim Verkauf meiner Koffer.
Joel Denzler zeigte starkes Interesse und wollte nach kurzer Verhandlung einen Scheck einer dt. Bank schicken und nach Gutschrift auf meinem Konto die Koffer von einer Spedition abholen lassen, denn urplötzlich war ihm der Weg zu weit und im übrigen habe er auch terminlich keine Zeit, die Koffer abzuholen.
Meine Antwort war „Ware nur gegen Bares“. Ich habe nichts weiter von ihm gehört.
Danke für euer tolles Heft jeden Monat.
„Joel Denzel“ hat diese Masche auch schon bei mir versucht, vor ca. 2 Jahren.
Interessant ist dabei, daß „Joel“ offenbar immer noch unterwegs ist – ich hatte den/die Betrüger damals sowohl bei mobile.de gemeldet als auch bei der Polizei angezeigt, ohne jeglichen Erfolg. Erstaunlich ist, daß „Joel“ weder gefasst wurde und er/die sich offenbar ihrer Sache so sicher sind/sein können, weil er/die immer noch das gleiche Alias nutzen. Eine Frechheit ist, daß – obwohl den französischen und weiteren Banken diese Betrugsmasche längst bekannt ist – diese augenscheinlich absolut nichts dagegen unternehmen (remember „wir Biker sind im Arsch“ und so?😉).
Das einziger, was jeder einzelne hier machen kann: extrem wachsam sein. Z.B., „eigenartig“ erscheinende Namen, fehlerhafte Orthographie, die auf die Nutzung von Übersetzungstools hinweist und deutlich machen, daß nur Bares wahres ist und konsequent alles sofort ignorieren/löschen, was mit Schüttelschecks ohne vorherige Besichtigung des Fz und/oder Schwiegermüttern im Tausch daherkommen will.
Auch mich hat der Joel … kontaktiert, er habe Interesse an meiner Textiljacke und wolle diese kaufen. Als dann nach einigem hin und her (Preisverhandlung) die Mail kam, dass er meine kompletten Daten brauche, da er mir einen Scheck schicken und dann die Jacke von einem Kurier abholen lassen wolle, habe ich mich an diesen Bericht mit der Warnung erinnert. Den Verkauf habe ich daraufhin abgelehnt und weitere Korrespondenz beendet. Danke ans Kradblatt, so ist mir kein Schaden entstanden!
Dieser „Joel Denzler“ hat mich auch kontaktiert um mein Motorrad zu kaufen.
Ich werde die aktuell noch laufende Korrespondenz genau jetzt beenden, weil ich seit seiner letzten Mail von heute morgen gesichert weiß, daß das alles nur Fake ist. Den Verdacht hierzu hatte ich bereits gestern.
Finger weg von allem, was mit diesem Namen verbunden ist …
Vor 20 Jahren, als ich ein Auto verkaufte, bekam ich auch so einen Scheck. Damals war das noch neu, aber meine Bank hat die Summe nicht sofort gutgeschrieben, sondern erst die Deckung geprüft, daher ist nichts passiert und es hatte mich auch nichts gekostet.