Honda CB 750 four

Honda CB 750 four Bj. 1972

aus bma 5/09

von Jan-Dieter Oeljeschläger

Honda CB 750 four

Am 25. Oktober 1968 wurde auf der internationalen Motor Show in Tokio die neue Honda CB750 Four präsentiert. Der Beginn einer neuen Ära im Motorradbau.
Wenn ich heute darüber nachdenke, was mich vor vierzig Jahren so sehr beeinflusst hat, dass mein erstes motorisiertes Fahrzeug auf keinen Fall ein Auto sein sollte, sondern ein richtiges Motorrad, dann war es diese goldfarbene Honda CB750 Four. Damals für mich eine Offenbahrung in Chrom und Aluminium, der Inbegriff und die Definition eines Motorrades.
Es war eine düstere Motorradzeit Ende der Sechziger Jahre, denn in den Köpfen der Leute waren alle Motorräder schwarz, was bis auf wenige Ausnahmen auch stimmte. Motorradfahrer wurden pauschal als undurchsichtige Rabauken abgestempelt, denen man besser aus dem Weg ging. Ein Disco-Besuch in der Provinz als Motorradfahrer mit Lederjacke war nicht überall möglich. Wer noch Motorrad fuhr, konnte sich wohl keinen Käfer oder Kadett  leisten, so die Meinung vieler.
Der Motorradfahrer hatte es nicht leicht, sich als normalen Menschen mit einem Hobby darzustellen, welches Spaß machte und einen auch noch von A nach B brachte.

Alle waren froh, endlich nicht mehr mit ungenügender Bekleidung auf untermotorisierten  DKW 125 oder NSU Fox sitzen zu müssen. Das Motorrad war schlicht und einfach out! Demzufolge hatten ehemals große deutsche Motorradmarken wie z.B. NSU, Zündapp und Horex die Motorradproduktion eingestellt, nur BMW hielt sich schlecht und recht mit sehr kleinen Stückzahlen über Wasser. Augenscheinlich gab es keine Zukunft für jegliche Motorräder in Europa.

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Ganz anders in Japan, die dortige junge Motorradindustrie war überzeugt davon, dass das Motorrad als Sport- und Freizeitinstrument den Durchbruch schaffen würde. Allen voran Honda mit einer Vielzahl von Modellen in den unteren Hubraumgrößen bis 450ccm. Man erstaunte die Fachwelt mit filigraner, leistungsfähiger und robuster Motorentechnik.

Honda CB 750 fourHonda hatte in wenigen Jahren auf den Rennstrecken weltweit in allen Hubraumklassen dominiert und war 1967 komplett aus dem GP-Rennsport ausgestiegen. Das gesamte Rennteam und die hoch qualifizierten Entwicklungsingenieure waren plötzlich ohne Arbeit. Aber Soichiro Honda hatte eine besondere Aufgabe für die Konstrukteure der schnellsten Vierzylinder-Rennmaschinen der Welt.
Wegen des Drucks aus  den USA, endlich eine hubraumstärkere Serienmaschine auf den Markt zu bringen, die dann auch als konkurrenzfähiges  Renngerät an diversen publikumswirksamen Veranstaltungen teilnehmen sollte, gab Honda grünes Licht. Die Vorgaben im Lastenheft waren simpel, es sollte einfach alles besser sein, als die Konkurrenz es bis dato anbot. Die überaus motivierten jungen Entwickler und Konstrukteure hatten freie Hand und alle Mittel und Möglichkeiten wurden genutzt. Was dann als fertiges Motorrad 1968 auf der Motor Show in Tokio präsentiert wurde, übertraf alle Erwartungen und Vorstellungen. Genauer gesagt, die neue Honda CB750 Four schlug ein, wie eine Bombe.

Den Fachleuten fehlten damals die Worte für eine passende Beschreibung. Die CB750 war einzigartig, eine Sensation, es gab zu der Zeit nichts Vergleichbares. Als nach und nach immer mehr Details dieses Traums auf zwei Räder bekannt wurden, wusste jeder Motorrad Interessierte wie alt die bis dato auf dem Markt befindlichen Motorräder eigentlich waren.

Honda CB 750 fourEin wunderschöner quer im Rahmen eingebauter Reihen-Vierzylindermotor mit vier einzeln zum Heck geführte Chrom-Auspuffrohre zogen die Blicke an. Wo man auch hinschaute, die gesamte Technik war harmonisch zu einem Ganzen zusammengefügt. Ein Meilenstein des Motorradbaus wurde mit der CB750 Four gesetzt und ab hier begann ein neues Zeitalter.

Ich erinnere mich noch genau, es war 1971 beim Grasbahnrennen in Bad Zwischenahn. Auf dem Parkplatz stand eine neue goldfarbene 750er Honda. Ich sah sie zum ersten Mal leibhaftig vor mir stehen, ein chromglänzendes technisches Kunstwerk, so wie Soichiro Honda San sie schuf. Über vier Stunden harrte ich schon in der prallen Sonne aus, selten weiter als zehn Meter vom Objekt der Begierde entfernt. Den Klang der vier Auspuffrohre wollte ich unbedingt erleben. Aber, meine Blase gab dringende Zeichen und ich musste mal kurz um die Ecke. Als ich zurück kam, sah ich gerade noch von weitem das goldene Motorrad  mit einer nie vorher erlebten Beschleunigung wegzischen. Den ganzen Tag nichts getrunken, kein Eis gegessen, keine Honda gehört und dann noch mit einem klapprigen Drahtesel die fünfzehn Kilometer Heimweg nachhause trampeln müssen. Da habe ich mir geschworen, solch eine Honda kriege ich später auch einmal. Es hat zwar etwas gedauert, aber andere Mütter haben schließlich auch hübsche Töchter. Heute ist die Honda CB750 Four zum Klassiker gereift und von Fachleuten zum Jahrhundert-Motorrad gewählt worden.

Honda CB 750 fourDer goldfarbene Lack meiner 1972 gebauten 750 Four hat auch nach 36 Jahren nichts von der Brillanz verloren. Nach wie vor ist jede Fahrt für mich ein Genuss. Ein Griff links unter den Tank zum Zündschloss und den Schlüssel drehen, bis zum ersten Klick. Rechts den Benzinhahn öffnen und links mit einer typische Handbewegung den Chokehebel hochklappen. Mit dem rechten Daumen kurz den Starterknopf gedrückt und der Anlasser schreit kurz auf. Ohne Verzögerung brabbelt der Vierzylinder in die Chromrohre. Zu Anfang rumpelt und schabt er ein wenig, ist sich noch nicht ganz mit der Zündfolge einig, aber das gibt sich schnell und der Chokehebel lehnt sich zurück. Er hat seine Arbeit getan. Das Motor-Oel ist derweil eilig damit beschäftigt, sich im komplizierten Schmierplan zu orientieren und alle Reibungspunkte zu versorgen. Die Primärkette klimpert noch ein wenig unwillig aus der Tiefe des Triebwerks, doch das gehört zu diesem Motorrad wie: „I’m singing in the rain!“ zu Fred Astair. Ein erster kleiner Gasstoß klärt die Verhältnisse, sauber folgt der Motor dem Drehgriff und ein wohliger Schauer läuft mir den Rücken runter.

Über eine Million Käufer einer CB750 konnten die Startprozedur so erleben und genießen! Das Motorrad als Spaß- und Freizeitgerät wurde in Amerika durch witzige und neue Werbung „You meet the nicest people on a Honda!“ vermittelt. Die US-Amerikaner nahmen es an und dankten es Honda mit der Abnahme von riesigen Stückzahlen aller Hubraumklassen. Die Honda CB750 hat auf der ganzen Welt einen Motorrad-Boom ausgelöst. Eine Initialzündung für viele Motorradhersteller weiter zu produzieren und neue Modelle zu entwickeln. Eine Aufbruchstimmung allerorten. 1968 ging ein Ruck um die Welt, begründet durch den Mut und die Tatkraft eines Mannes, Soichiro Honda.

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4 Kommentare zu :
“Honda CB 750 four Bj. 1972”


  • Ich hatte nach 3 Jahren meiner RD 250 Bock auf was Anderes. So kam dann nur die CB 750 Four in Frage. Nach 1 Jahr fing ich an sie umzubauen. Motor auf 900 aufbohren. Vergaser offene Dellorto.Auspuff Dunstall. u.s.w.
    Hatte am Hinterrad dann 95 PS.
    Fahrwerk wurde auch modifiziert.
    Ich hatt einen Mordsspass mit meiner CB bis ich sie leider aus persönlichen Gründen mit Tränen in den Augen verkaufen musste. Ich heule heute noch wenn ich daran denke. Ich fahre auch heute noch. Ich bin ein großer Fan vom KRADBLATT.

  • Die wollte ich auch…..
    Da geht auch mir da Herz auf. Beim Erscheinen dieses herrlichen Gerätes hatte ich leider noch nicht die Möglichkeit zum Erwerb, aber 5 Jahre später habe ich mir dann eine in rot zugelegt und leider auch nach witeren 5 Jahren wieder verkauft. Sie fährt heute noch und wurde generalüberholt mit noch originalem Motor. Dem derzeitigen Besitzer habe ich aufgetragen, sie mir bei Veräußerungswunsch an mich zu verkaufen. Einfach ein tolles Motorrad!!!

  • Jawohl! Du sprichst mir aus der Seele! Bei mir war`s damals vor der Schule passiert als einer seine Freundin abholte und dann mit irrem Sound davon zischte. Oh mann, da hab ich nur mit offenem Mund da gestanden und von nun an ging`s mit den Schulnoten bergab. Nicht stören Schüler befindet sich im Four Traum! Heute habe ich endlich eine Goldene und genieße jede Minute mit Ihr!
    Gruss von Martin