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Ausprobiert: Motorradreifen selber wechseln

aus Kradblatt 4/18
von Daniel Meyer + Nicolas Helmbrecht

Reifenmontier- und Wuchtgeräte für den Hausgebrauch

So gut wie jeder Motorradfahrer kennt das leidige Thema: Die Reifen sind am Ende oder haben zumindest schon die gesetzliche Mindestprofiltiefe unterschritten. Wer mit Slicks auf dem Rundkurs unterwegs ist, kann davon ein Lied singen. Aber auch ambitionierte Sportfahrer auf der Landstraße mit Sport- oder Supersportreifen kennen es: Wieder die Räder ausbauen, wieder einen Termin in der Werkstatt machen, wieder sind neben den Kosten für die neuen Reifen auch im Schnitt 30–40 € für die Montage und Entsorgung der Altreifen fällig. Wer also mehrmals im Jahr die Pellen wechselt, für den lohnt sich evtl. die Anschaffung eines Reifenmontage Sets inkl. Wuchtgerät und Zubehör.

Pitlane-Shop

Pitlane Shop LieferungAls erstes widmen wir uns den Geräten aus dem Hause Pitlane-Shop.de Das hochwertige Set aus Edelstahl wird komplett in Deutschland gefertigt und für das perfekte Finish glasperlengestrahlt. Alle Teile, die mit der Felge in Berührung kommen sind aus weichem Kunststoff. Des Weiteren ist es für den Transport komplett zerlegbar. Geliefert wird das Komplett-Set in einem praktischen 100 x 30 x 30 cm, ca. 20 kg schweren Karton. Durch die extra konzipierte Verpackung hat jedes Teil seinen festen Platz und es kann nichts verrutschten. Klasse.

Unser „Rundum sorglos Paket“ beinhaltet das Montiergerät RMG M1 (ist für Felgengrößen von 17–21 Zoll geeignet), das Wuchtgerät RWG M2, sowie das ebenfalls auch einzeln verfügbare Starterset bestehend aus:

  • 1 x Montiereisen (Hazet)
  • 1 x Ventilschrauber
  • (kurze Ausführung aus Metall)
  • 1 x Ventileinziehwerkzeug
  • 1 x Klebegewichtentferner
  • 1 x Pinsel 300 mm
  • 1 x Montagepaste 1 kg
  • 20 x Klebegewicht 60 g Riegel
  • 20 x Gummiventil kurz, Ø 11,5 mm

Schon beim Zusammenbau aller Komponenten zeigt sich schnell, dass hier einiges an Know-how in die Konstruktion geflossen ist. Mit wenigen Handgriffen sind Montier- und Wuchtgerät einsatzbereit. Kein Wunder, denn die Firma Pitlane-Shop baut und vertreibt bereits seit 2007 diese Geräte, die im Laufe der Zeit stetig optimiert wurden. Die Qualität ist beeindruckend. Der Anblick, der mit Präzision gelegten Schweißnähte, lässt unser Herz höherschlagen. Hier wurde nichts kaschiert oder mit einer Schleifscheibe nachgeflext.

Für den Zusammenbau und die korrekte Benutzung, steht auf der Homepage eine ausführliche Schritt für Schritt Anleitung mit aussagekräftigen Bildern zum Download bereit.

Max2H

Ein weiteres Komplettpaket kommt aus dem Hause Max2H.com. Auch dieses Set besteht aus Reifenmontiergerät, Wuchtbock und Starterset. Dieses Set ist aus verzinktem Stahl gefertigt, Zubehörteile wie die Positionierungshülse für die Felge, sowie die Konusse am Wuchtbock aus Aluminium. Beim Versand durfte der Paketbote zwei Pakete (14 kg für das Montiergerät + 6 kg für Wuchtbock und Starterset) zustellen.

Das Montiergerät ist für Felgengrößen von 15–19 Zoll geeignet. Wer gerne auch andere Dimensionen wechseln möchte (z.B. Rollerreifen o.ä.) für den hat Max2h ab April das EVO2 im Angebot. Das EVO2 hat, durch einen patentierten Klappmechanismus, ein deutlich geringes Packmaß und kann standardmäßig 13–21 Zoll Felgen beherbergen. Optional sind dann sogar bis zu 10 Zoll möglich.

Der Inhalt des Starterpakets unterscheidet sich nur geringfügig gegenüber dem des Mitbewerbers:

  • 1 x Montiereisen
  • 1 x Ventilschrauber
  • 1 x Klebegewichtentferner
  • 1   x Pinsel 300 mm
  • 1   x Montagepaste 1 kg
  • 5  x Klebegewichte 60 g Riegel

Auf der Homepage von Max2h findet man ausführliche Videoanleitungen zur Verwendung der Geräte. Ebenfalls befinden sich auch Schritt für Schritt Anleitungen, sowohl für den Gebrauch als auch für den Zusammenbau in PDF Form zum Download auf der Seite.

In der Praxis

Das Prinzip ist bei allen Reifenmontiergeräten gleich. Zuerst wird mit einer Art „Spaten“ der Reifen von seinem festen Sitz gelöst. Vorheriges Luft ablassen, indem das Ventil herausgedreht wird, ist natürlich Pflicht. Anschließend wird der Kunststoffeinsatz an die Felgenkante gelegt und fixiert. Damit es besser flutscht, wird die Felgenkante mit der Reifenmontierpaste eingeschmiert. Dann wird einfach mit dem Montiereisen die Reifenkante über den Kunststoffaufsatz gestülpt und gegen den Uhrzeigersinn mit der Hebelverlängerung gedreht. Dann ist der Reifen bereits zur Hälfte runter. Das Ganze wiederholt man ein zweites Mal auf der anderen Reifenseite und schon ist der Reifen von der Felge.

Der neue Reifen wird dann ebenfalls großzügig an beiden Kanten mit Montierpaste eingeschmiert. Das Aufziehen erfolgt in umgekehrter Reihenfolge. Wichtig: Die meisten Hersteller drucken eine farbige Markierung auf den Reifen, diese markiert die leichteste Stelle des Reifens. Die Markierung muss also im Bereich des Ventils sitzen. Andernfalls benötigt man beim Auswuchten unnötig viele Gewichte.

Beim Aufziehen des neuen Reifens wird einiges an Hebelkraft benötigt. Damit der Reifen nicht wieder über der Felge zurückspringt, kniet man sich am besten mit dem Körpergewicht auf die Stelle des Reifens, die bereits auf der Felge sitzt. Mit ein wenig Anstrengung flutscht der Reifen dann in die vorgesehene Position. Fiel uns die gesamte Prozedur die ersten Male noch sichtlich schwer, klappte es mit mehr Erfahrung von Mal zu Mal besser.

Sind die neue Reifen aufgezogen, müssen Sie erst einmal mit ordentlich Luft aufgepumpt werden, damit Sie richtig auf die Felge springen. Hierzu sind, je nach Reifen, etwa 3 bis 4 bar notwendig. Wer keinen anständigen Kompressor besitzt, fährt am besten kurzerhand zur nächstgelegenen Tankstelle.

Nachdem der Luftdruck auf Herstellervorgabe angepasst ist müssen die Räder noch gewuchtet werden. Hier kommen die Wuchtböcke ins Spiel. Bevor man loslegt ist darauf zu achten, dass das Wuchtgerät möglichst exakt in Waage steht. Beim Modell von Max2H ist eine Wasserwaage integriert und die Bodenplatte ist mit variablen Füßen einstellbar, um schnell die optimale Position zu finden. Beim Wuchtbock vom Pitlane­Shop haben wir diese Optionen leider vermisst.

Sind beide Wuchtböcke erst einmal korrekt eingestellt, verrichten sie ihre Arbeit wie geplant. Das statische Wuchten ist kein großer Akt und in wenigen Minuten erledigt. Ein Tausch der gewuchteten Reifen auf das jeweils andere Gerät zeigt uns, dass die Reifen sich hier exakt genau so verhalten, das Wuchten also perfekt funktioniert hat.

Wer schwarze Felgen besitzt und Wert auf die Optik legt, erhält beim Set von Max2H die passenden schwarzen Gewichte. Die Klebegewichte vom ­Pitlane-Shop sind grau.

Die gesamte Prozedur des Reifenwechsels und Wuchtens hat bei unserem Test für einen Satz Reifen insgesamt rund 40 Minuten gedauert. Wenn man die einzelnen Schritte erst einmal verinnerlicht hat, braucht man jedoch kaum länger als der Profi mit schwerem Gerät.

Kosten und Fazit

Wie eingangs erwähnt, sind die getesteten Reifenmontiersets nichts für Motorradfahrer, die ihr Bike nur wenige tausend Kilometer im Jahr bewegen. Doch wie sieht es mit den Vielfahrern aus?  Lohnt sich die Anschaffung wirklich? Kosten siehe Tabelle.

Kostenvergleich Pitlane - Max2H

Wie bereits am Anfang angesprochen amortisiert sich die Anschaffung bei geschätzten Montagekosten in Höhe von 40 Euro,  je nach Auswahl des Herstellers, nach 9 respektive 15 Reifensätzen. Was die Altreifenentsorgung angeht, sollte man sich bei seiner örtlichen Deponie informieren. Bei manchen Stellen können alte Reifen kostenlos abgegeben werden.

Wer selbst gerne schraubt und die nötigen Kilometer im Jahr auf der Landstraße oder gar der Rennstrecke verbringt, für den können wir beide Sets auf jeden Fall empfehlen. Die Verarbeitung ist bei beiden Herstellern exzellent. Wer große Felgen (17–21 Zoll) hat und Wert auf perfektes optisches Finish legt, der ist beim glasperlengestrahlten Set aus Edelstahl vom Pitlane-Shop richtig. Der Preis und die Gimmicks, wie die integrierte Wasserwaage am Wuchtbock, machen das Set von Max2H (15–19 Zoll; Max2H Evo2 (ab April 2018) kann bis 21 Zoll) zu einer Alternative. Wir können auf jeden Fall beide Sets bedenkenlos empfehlen. Für Motorräder mit Einarmschwingen sind übrigens bei beiden Herstellern spezielle Adapter notwendig.

Links zu den Anbietern:


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