aus Kradblatt 11/26 von Luka Klein

… und zwei Tage, die ich nicht vergessen werde!

Ich habe viele Motorräder gefahren. Neue, mit 200 PS, mit allen Assistenten die man sich vorstellen kann. Aber selten habe ich eine Einladung bekommen, die so ehrlich klang: „Komm, wir zeigen dir, was Youngtimer Rent bei uns wirklich bedeutet. Kein Prospekt. Zwei Tage fahren. Mit uns.“

Die alten Vierventil-BMW-Boxer machen auch heute noch jede Menge Spaß!
Die alten Vierventil-BMW-Boxer machen auch heute noch jede Menge Spaß!

Eingeladen haben mich Denis Rizvic und Uwe Kilian von OFT d.o.o. aus Čavle, einem kleinen Ort im Hinterland von Rijeka (Kroatien). Der Plan: Zwei Tage, eine Schleife die man so in keinem Tourenbuch findet. Tag 1 von Čavle über die alte Landstraße nach Delnice, dann über kleinste, engste Straßen mit Serpentinen nach Gerovo, weiter nach Prezid, über die Grenze nach Čabar in Slowenien, großer Bogen über Kočevje zur Burg Kostel und dann runter nach Plitvice zur Übernachtung. Tag 2 von Plitvice durch Lika und Gorski Kotar zurück an die Küste nach Čavle.

Drei Motorräder standen am Montagmorgen um kurz nach neun in Čavle bereit: Eine BMW R 1100 R für mich, die R 1100 RS für Denis und die R 1100 RT für Uwe. Drei Mal Boxer, drei Mal Charakter. Keine neuen Motorräder. Youngtimer aus ihrer Flotte von 12 handverlesenen BMW. Maschinen, die Geschichten erzählen.

Kroatien: Traumhafte Motorradtouren entlang der Küste und ins Hinterland
Traumhafte Touren entlang der Küste und ins Hinterland

Tag 1: Arbeit, die Spaß macht

Das Wetter ist dieser perfekte Spätsommer-Tag, den es nur an der Kvarner Bucht gibt. Unten 26 Grad, leichte Bora, glasklar. Die Boxer springen an – dieses typische, leicht schiefe Schütteln im Stand, das jeder BMW-Fahrer kennt und liebt. Kein Display-Feuerwerk. Nur Drehzahlmesser, Tacho und das gute Gefühl, dass da ein Motor arbeitet.

Die erste Etappe ist die alte Landstraße nach Delnice. Wer nur die Autobahn kennt, kennt Gorski Kotar nicht. Hinter Čavle geht es sofort steil nach oben, Richtung Platak. Der Wald wird dichter, die Luft kälter, die Kurven enger. Und dann, bei etwas über 800 Metern, passiert es. Der Wald öffnet sich für drei Sekunden und du siehst das Meer. Tief unten die Inseln Krk und Cres, die Bucht von Rijeka, alles in Blau. Wir halten an. Keiner sagt etwas. Das ist der Moment, den man auf einer Autobahn nie haben wird. Du stehst mit einer 25 Jahre alten BMW auf einem Berg und schaust aufs Meer. Das ist Freiheit in ihrer reinsten Form.

Ab Delnice ändert sich die Charakteristik komplett. Hier beginnt das, wofür ich später im Notizbuch „Arbeit“ geschrieben habe – im positivsten Sinne. Die Straße nach Gerovo ist keine Straße, wie sie im Navi aussieht. Sie ist schmal, manchmal nur eineinhalb Autos breit, der Asphalt wechselt von neu zu alt zu geflickt. Und dann kommen die Serpentinen. Enge, erste-Gang-Kehren, blind, mit Laub und manchmal etwas Schotter in der Mitte. Hier spielt die Youngtimer-Idee ihre ganze Stärke aus. Und hier zeigt jedes Bike seinen Charakter.

BMW R 1100 R - Genug Leistung, sattes Drehmoment, tolles Handling … was will man mehr?
Genug Leistung, sattes Drehmoment, tolles Handling … was will man mehr?

Meine R 1100 R ist das ehrlichste Motorrad der drei. Naked, leicht, direkt. Sie sagt mir genau, was das Vorderrad macht. Sie will getanzt werden in diesen engen Kehren. 

Denis vor mir auf der R 1100 RS, sie ist die Überraschung des Tages. Die RS ist die Sportlichste der drei, Halbschale, etwas mehr Druck, 90 PS. Man denkt: Sportler, unbequem. Das Gegenteil ist wahr. Man sitzt entspannt, die Verkleidung nimmt den Druck weg, das Fahrwerk ist straffer als bei meiner R, aber nie hart. „Die RS ist unser Geheimtipp“, ruft Denis an einer Haltebucht. „Jeder will die GS oder die RT. Aber die RS kann alles – schnell oder touren, wie du willst. Super zum Touren, obwohl sie die Sportlichste ist.“ Er hat recht. In den schnellen Bögen nach Prezid zieht er leicht davon, nicht weil er schneller ist, sondern weil die RS so stabil liegt.

Die nackte BMW R/R gibt es auch als 850er
Die nackte R gibt es auch als 850er

Hinter uns Uwe auf der R 1100 RT. Der Reisedampfer. Auf den ersten Blick zu groß für diese kleinen Straßen. Auf den zweiten Blick die Souveränität selbst. Wo meine R jede Bodenwelle meldet, bügelt die RT alles glatt. Koffer dran, Windschutz oben, 5,5 Liter Verbrauch. „Deshalb ist sie mit 60 Euro am Tag unsere Günstigste und die Meistgebuchte“, sagt Uwe später. „Du kommst nach 250 Kilometern nicht kaputt an.“

Wir fahren durch Wälder, die so dicht sind, dass das Licht kaum durchkommt. Dann wieder über kleine Brücken über eiskalte Flüsse – die Kupa und ihre Zuflüsse. Die Luft riecht nach Harz und nassem Holz. Kein Verkehr. Seit Delnice haben wir vielleicht zehn Autos gesehen. Das ist diese Einsamkeit, von der OFT spricht.

Der Abschnitt Gerovo nach Prezid ist mein persönliches Highlight. Zweiter Gang, dritter Gang, bremsen, umlegen, wieder Gas. Der Boxer-Sound hallt von den Bäumen wider. Man hört die anderen beiden Maschinen hinter sich, man riecht das warme Öl und den Wald. Man ist komplett im Moment. Kein Handy, kein Gedanke an die Arbeit.

Kroatien: Immer wieder öffen sich tolle Aussichten aufs Meer
Immer wieder öffen sich tolle Aussichten aufs Meer

Dann die Grenze. Čabar. Ein kleiner Grenzübergang, den kaum jemand kennt. Ein Nicken, wir sind in Slowenien. 30 Kilometer nur Wald durch Kočevski Rog, Bärengebiet. Ziel ist Grad Kostel, die Burg Kostel direkt über der Kolpa. Wir stellen die drei BMW vor der Burgmauer ab. Drei Farben, drei Charaktere, aber ein Herz: der Boxer.

Dort tauschen wir zum ersten Mal die Maschinen. Ich steige auf die RS von Denis. Und verstehe sofort was er meint. Sportlichste, ja. Aber super zum Touren. Der Lenker etwas tiefer, die Rasten etwas höher, aber du sitzt „im“ Motorrad, nicht drauf. Der Windschutz der Halbschale ist perfekt bis 130 km/h. Ich will gar nicht mehr runter.

Weiter nach Plitvice. Gegen Abend rollen wir in ein kleines Gästehaus, rustikal, Holz, Stein, abseits der Touristenströme. Auf der Terrasse steht schon der Grill. Fleischplatte – Ćevapčići, Pljeskavica, Lamm vom Grill, Ajvar, frisches Brot, dazu Karlovačko. Wir sitzen zu dritt, die Bikes stehen daneben, Staub auf dem Kühler, Fliegen auf dem Scheinwerfer. Uwe erzählt, warum sie 12 Young­timer statt drei neuer GS gekauft haben: „Eine neue GS vergisst du. Eine alte R 1100 vergisst dich nicht. Wir vermieten keine PS, wir vermieten ein Gefühl. Und kilometerfrei, weil Erlebnis keine Grenze haben darf.“

Die BMW R 1100 RS war damals schon ein tolles Tourenmotorrad
Die BMW R 1100 RS war damals schon ein tolles Tourenmotorrad

Tag 2: Das Verstehen

Morgens Nebel über Plitvice. Wir tauschen wieder. Ich auf die RT von Uwe, Uwe auf meine R, Denis bleibt auf seiner geliebten RS. Die Strecke zurück führt durch Lika, dann wieder hoch in den Gorski Kotar, über Delnice zurück nach Čavle.

Heute fließen die Kurven. Was gestern noch Arbeit war, ist heute Tanz. Wir kennen die Straße, die Motorräder kennen uns. Die RT, die ich heute fahre, zeigt auf den langen Geraden in Lika ihre Stärke – 120 km/h, Scheibe oben, du hörst nur den Boxer und den Wind. Kein Piepen, kein Assistent der eingreift.

Gegen 15 Uhr rollen wir nach knapp 450 Kilometern in zwei Tagen wieder auf den Hof in Čavle. Wir sind müde, wir sind verschwitzt. Und wir grinsen alle drei wie kleine Jungs.

Mein Fazit als Pressevertreter: OFT d.o.o. verkauft keine Motorradmiete. Sie vermieten ein Gefühl. Das Gefühl, dass weniger Elektronik mehr Erlebnis ist. Dass eine alte BMW R 1100 R an einem Tag mehr über das Fahren lehrt als ein neues Superbike in einem Jahr. Dass die R 1100 RS die sportlichste ist und trotzdem die beste Tourenmaschine sein kann. Und dass die R 1100 RT beweist, dass Reisen nichts mit Baujahr zu tun hat.

Wer das einmal erleben will – echte, anspruchsvolle Kurven, Wälder, Flüsse, 800 Meter Höhe mit Meerblick und abends eine Fleischplatte in rustikaler Umgebung – der sollte nicht die Autobahn nehmen. Der sollte in Čavle anrufen und sich einer dieser Youngtimer reservieren.


Alle Infos und Buchungsmöglichkeiten findet man Online unter www.motobike-rent.com.
Gegen Aufpreis ist die Anlieferung von Motorrädern in Kroatien möglich – so startet man a.W. bequem von seinem Urlaubsort aus. Auch ein Flughafen-Transfer wird angeboten. Neben der Tagesmiete sind Wochenenden und Sparwochen im Angebot. Eine 24/7 Pannenhilfe und alle Kilometer sind inklusive.

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