Vollausstattung für den Sporttourer
aus Kradblatt 8/25, Text: Jens Riedel (aum), Fotos: Autoren-Union Mobilität + Yamaha

Über den famosen CP3-Motor muss man keine Worte mehr verlieren – der hat sich bestens bewährt. Nun hat Yamaha den Dreizylinder mit nahezu allem kombiniert, was aktuell an Assistenzsystemen auch im Zweiradbau angekommen ist – und packt noch eine Weltneuheit obendrauf: Die Tracer 9 GT+ bringt als erstes Motorrad adaptive Matrix-LED-Scheinwerfer mit.

Gesteuert wird das Licht über eine Infrarotkamera in der Front. Über 20 LEDs sorgen für eine optimale Fahrbahnausleuchtung – auch in Schräglage – und das Fernlicht blendet automatisch bei Gegenverkehr ab. Das ist aus dem Auto bekannt, im Motorrad gab es das aber bisher noch nicht. Die Leuchtweite beträgt 175 Meter.
Auch die übrige Technik versammelt so gut wie alles, was aktuell möglich ist – von der adaptiven Geschwindigkeitsregelanlage über den Toter-Winkel-Warner bis zur Frontkollisionswarnung.
Neu an Bord ist auch eine aktive Bremsunterstützung, die eine höhere Kraft aufbaut, wenn der Fahrer nicht genug Verzögerung generiert. So wird die Gefahr einer Kollision mit einem vom Radar erkannten Hindernis minimiert (nicht zu verwechseln mit einem automatischen Notbremsassistenten).
Auch wenn der 890-Kubik-Triple unangetastet blieb, hat Yamaha noch ein wenig am Getriebe gefeilt. Die Zahnräder für die Gänge drei bis sechs erhielten einige Zähne mehr, um die Übertragungskräfte zu reduzieren und die Wechsel noch sanfter zu gestalten. Es gibt erstmals an der Tracer eine elektrisch verstellbare Scheibe sowie einen neuen Hilfsrahmen am Heck, eine etwas längere Schwinge und einen größeren Lenkeinschlagwinkel, eine neu gestaltete Frontverkleidung und ein Handyfach mit USB-Anschluss rechts am Tank.
Der Delta-Box-Rahmen wurde versteift, die Felgen sind leichter geworden und künftig sind auch eine Slide-Kontrolle für das Hinterrad und ein automatischer Hill Holder an Bord. Und in zehn Stufen einstellbare Heizgriffe inklusive Memoryfunktion findet man sonst wohl auch nicht so schnell.

Die Tracer 9 GT+ kommt ausschließlich mit dem Y-AMT, dem automatisierten Schaltgetriebe von Yamaha daher. Es lässt dem Fahrer freie Hand. Entweder überlässt er alles der Automatik oder er wählt den manuellen Modus und wechselt die Gänge an der linken Lenkerarmatur. Rauf- und Runterschalten geht nicht nur mit Daumen (-) und Zeigefinger (+), sondern allein auch mit der Plus-Taste und dem Zeigefinger durch Ziehen (rauf) oder Drücken (runter). Zudem erlaubt auch der Automatikbetrieb manuelle Eingriffe. Zwei Pfeile zeigen dabei an, ob aktuell das Einlegen eines niedrigeren oder höheren Gangs (oder beides) möglich ist.
Das kann übrigens auch unter Last erfolgen. Der Wechsel zwischen AT (Automated Transmission) und MT (Manuel Transmission) wird über eine Taste am rechten Lenker vorgenommen.

Die Automatik wechselt die Getriebestufen mit einem wahrnehmbaren Klacken und sorgt so für ein gewisses Schaltgefühl. Sie dreht für manchen Geschmack möglicherweise hin und wieder etwas zu hoch – die GT+ versteht sich aber ja auch als Sporttourer. Dem Motorradvergnügen tut das aber keinen Abbruch.
Im Gegenteil. Da das Schalten getrost der Technik überlassen werden kann, kann sich der Fahrer voll und ganz auf die Straße und das Kurvenvergnügen konzentrieren. Für weniger versierte Serpentinenfahrer verlieren so zum Beispiel auch Spitzkehren jeden Schrecken: Das Y-AMT weiß, was zu tun ist. Und wer es unbedingt nicht lassen kann, der kann ja weiterhin gerne selbst schalten. Das quittiert der Triple offenbar auch mit etwas geringerem Verbrauch. Bei einem Normwert von fünf Litern lagen die Durchschnittsverbräuche nach Bordcomputerangaben im neuen sieben Zoll großen Display bei einer ersten Ausfahrt zwischen 4,8 und 5,4 Litern.

Das Fahrverhalten der Tracer 9 GT+ ist über jeden Zweifel erhaben. Der Dreizylinder hängt bekanntermaßen willig und ebenso feinfühlig am Gas. Wer den Sport-Modus (D+ im AT-Programm) wählt, der bekommt die Kraft dann deutlich bissiger und beinahe schon brachial serviert, muss es aber nicht unbedingt haben. Das Vorderrad lässt sich punktgenau führen und die ganze Fuhre spielend leicht in Kurven von einer auf die andere Seite kippen. Das semi-aktive Fahrwerk macht – nicht zuletzt auch in Schräglage – einen hervorragenden Job, ist wahlweise sportlich oder komfortabel ausgelegt und kann via „My Ride“-App in den zwei Custom-Modi auch noch einmal stärker den individuellen Vorlieben angepasst werden. Ebenso lassen sich die für die Automatikstufen D und D+ hinterlegten Fahrparameter in bestimmten Grenzen nach persönlichem Geschmack verschieben. Die Menüführung ist übersichtlich und logisch aufgebaut.
Die neue Verkleidung zeigte auf der Probefahrt, dass sie Schmutz weitgehend von Mensch und Maschine fernhält. Die über einen Bereich von zehn Zentimetern verstellbare und zweieinhalb Zentimeter größere Scheibe erledigt ihren Job ebenfalls äußerst zufriedenstellend. Mit neu geformten Handprotektoren hat Yamaha in einem weiteren Punkt den Komfort nochmals verbessert. Das gilt ebenso für den stärker gepolsterten und bequemen Sitz, der jetzt zwar etwas höher liegt, aber im vorderen Bereich zugunsten der Schrittbogenlänge schmaler als bisher ausfällt. Um kleineren Fahrern das Aufsteigen zu erleichtern, soll die Federung nach Einschalten der Zündung für eine halbe Minute stärker nachgeben. Wirklich gespürt haben wir das nicht, hatten aber auch so trotz relativ kurzer Beine keine Probleme. Weitere Merkmale der GT+ sind unter anderem die in das Keyless-System integrierten und innen beleuchteten (!) Koffer sowie eine neue wartungsarme Kette.

Wer das nicht alles braucht und bis zu über 3000 Euro sparen möchte, dem offeriert Yamaha die Tracer 9 GT auch ohne das Plus – und man muss trotzdem nicht auf die Matrix-Scheinwerfer und die elektrisch verstellbare Scheibe, die elektronische Federung oder einen Tempomaten (nicht adaptiv) verzichten. Und er kann sogar zwischen klassischem Schaltgetriebe und Y-AMT wählen. Lediglich die Basisversion, die Tracer 9, wird es in Deutschland nicht mehr geben.
Mehr Infos und Probefahrten gibts bei den Yamaha-Vertragshändlern.
Datenblatt Yamaha Tracer 9 GT+
- Motor: R3, 890 ccm, wassergekühlt
- Leistung: 88 kW / 119 PS bei 10.000 U/min
- Max. Drehmoment: 93 Nm bei 7000 U/min
- Höchstgeschwindigkeit: 218 km/h
- Getriebe: automatisiert, sechs Gänge
- Antrieb: Kette
- Tankinhalt: 19 Liter
- Sitzhöhe: 820/ 835 mm
- Gewicht (fahrfertig): 232 kg
- Normverbrauch: 5,0 l/100 km
- CO2-Emissionen: 116 g/km
- Testverbrauch: 5,4 l/100 km
- Preis: 19.249 Euro
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Kommentare
Ein Kommentar zu “Yamaha Tracer 9 GT+, Modell 2025”
Ich muss gestehen, die Tracer in ihren vielen Ausbaustufen ging bisher komplett an mir vorüber. Auf den Straßen ist sie omnipräsent, ich meine, das Geräusch ihres Kettensatzes ist charakteristisch.
Bin aktuell geradezu geschockt, was alles in ein einziges Motorrad verbaut werden kann. Ich hoffe sehr, es versteckt sich niemals ein „Kupfer“-Wurm in den Tiefen der modernen Systemarchitektur eines Motorrads 🙂
Viele Grüße aus den Bergen – wo man jede Menge Tracer trifft.