Finally: Back on the Road
aus Kradblatt 2/26 von Arne Zittrich

Die Yamaha SR 500 , Baujahr 1982, stand fast 19 Jahre im trockenen Zimmermannsschuppen und wollte wieder auf die Straße. So entstand aus dem Scheunenfund ein schmuckes Gefährt mit Geschichte.
Ein halbes Jahr Arbeit an Rahmen, Bremse, Lenker, Gabel, Felgen, Elektrik und Vergaser folgten, wobei das Baujahr ’82 zu diversen Modifikationen verleitet, deren „VerTÜVung“ einer Zeitreise in das Werner-Comic Jahrzehnt gleicht.

Startklar zum ersten Termin, nur noch eine kleine Probefahrt auf dem Parkplatz vor der Schrauberbude und schon ist es passiert: Die netten Herren in blauweißgelb erwischen mich ohne Helm, ohne Zulassung und ohne TÜV-Siegel mit einem Motorrad, das es so nicht zu kaufen gibt. Aufgrund des zeitlichen Aufwands zur Klärung des Straftatbestandes verpufft der erste Abnahme-Termin. Da ich alle nötigen Unterlagen und einen Termin vorzeigen konnte, kam es zur Einstellung des Verfahrens seitens des Staatsanwaltes. Es ist ja in der heutigen Zeit auch nicht so, dass einem die TÜV-Termine zufliegen, also noch einmal einen in zwei Wochen ausmachen.
„Zum Glück“ ist der nächste motorradumbauaffine Prüfer nicht in der nahegelegenen Stadt sondern nur 43 km entfernt bereit, die von mir gemachten Umbauten zu bescheinigen. Also alle Unterlagen eingepackt und los.
1. Termin, Anfang Juli, Mittwoch 9:30 Uhr. Der Prüfer ist von meinem Wunsch überrascht, dachte er doch an ein älteres Krad, das (nur) den Stempel bekommen soll. Das hätte er bei der Terminvergabe anders verstanden und so in einer Stunde ginge das alles nicht über die Bühne.
Ergebnis: Keine Plakette, keine Zulassung, gefahrene Kilometer: 87, Zeitaufwand: 3 Stunden.
Wetter: herrliches Motorradwetter, trockene Straßen

2. Termin. Mitte Juli, Samstag 12:30 Uhr. Der Prüfer ist sehr entspannt und gewissenhaft. Alle Gutachten und andere Unterlagen werden in eine Datei gescannt und Bilder von den Umbauten gemacht.
Hier mal ein kurzer Überblick: Heck gekürzt, Ochsenaugen, hinten keine Blinker, Stahlflex-Bremsleitung, offener Luftfilter, E-gekennzeichneter Auspuff (der is ja auch nich „oregenol“), Austauschmotor, Einzelsitzbank und einzelne überflüssige Halter entfernt.

Nach den üblichen Prüfungen und der Bremstestfahrt geht es zurück an den Schreibtisch und sämtliche Eintragungen in die neue Zulassungsbescheinigung werden vorbereitet. Dazu eine für mich sehr schöne Aussage: „Wir wollen beide dasselbe, nämlich, dass dieses schöne Motorrad auf die Straße kommt.“
Ich bekomme einen Kaffee und die Mitteilung, dass noch zwei wichtige Messungen gemacht werden müssen, damit auch alles seine Ordnung hat und bei einer Kontrolle der Prüfstelle, er als Ingenieur, Gewissenhaftigkeit nachweisen kann.
Das war der Zeitpunkt, zu dem es für mich in die Vergangenheit ging: Ich bin im Comic: Eine Phon-Messung!
Gesagt, getan: Mit 50 km/h am Mikro vorbei und nun noch? … Ein Leistungsnachweis, weil ja nicht der originale Auspuff verbaut ist. Also: Zurück in die Zukunft …
Ergebnis: keine Plakette, keine Zulassung, Termin beim Leistungsprüfstand ausmachen, gefahrene Kilometer: 90, Zeitaufwand: 4,5 Stunden.
Wetter: bestes Motorradwetter, trockene Straßen.

Zwischentermin: Ende Juli, Freitag, 13:30 Uhr. Leistungsprüfstand in Handewitt.
Bei leichtem Seitenwind geht’s Richtung Norden, da nur dort in angemessener Entfernung ein funktionierender Prüfstand vorhanden ist (gen Westen war durch Inhaberwechsel kein Prüfstand bereit). „Ja schön soweit, aber die Prüfung machen wir zwischendurch und du kannst die Maschine Morgen wieder abholen.“ Mit dieser Info und der dann positiv beantworteten Frage, ob sie wissen, wie eine SR angekickt wird, verlasse ich das Gelände und fahre unruhig nach Hause.
Ergebnis: Leistungsprüfung mit merkwürdiger Kurve (der Choke war noch voll offen, als ich die SR am nächsten Tag abgeholt habe), gefahrene Kilometer: 97 mit der SR und 97 mit PKW, Zeitaufwand: 24 Std.
Wetter: leicht windig aber gut.
Nachdem also alle Prüfungen durchgeführt, bescheinigt und gemailt waren, konnte ich den wirklich hilfsbereiten TÜV-Prüfer überzeugen, mir die für die Anmeldung nötigen Unterlagen per Post zukommen zu lassen, damit ich nicht noch mehr Kilometer fahren muss. Den zwischenzeitlich ausgemachten ersten Termin bei der Zulassungsstelle hatte ich storniert und mir direkt einen neuen reserviert, was im Sommer bedeutet, dass man sich gedulden muss.
Es hat insgesamt 27 Tage gedauert, das fahrfertige und ordnungsgemäß umgebaute Motorrad mit dem TÜV- und Zulassungssiegel bestücken zu können.
Letzter Temin, Anfang August, Donnerstag 11:10 Uhr. Die SR 500 ist vor der Zulassungsstelle mit angeschraubtem Nummernschild bereit für die beiden Plaketten. Nach Vollzug stellt die nette Dame am Tresen die Frage nach dem Nummernschild. Meine Antwort wird mit Kopfschütteln und Standhaftigkeit quittiert. Sie würde ihren Platz hinter der Scheibe nicht verlassen um die Plaketten an das Fahrzeug zu kleben, ich sollte doch das Schild abbauen. Mir ist fast der Helm auf den Boden gefallen.
15 Minuten schrauben gegen zwei mit frischer Luft? Wieder hatte ich Glück und der Azubi war sofort bereit die Frischluft zu genießen, ein wirklich schön umgebautes Motorrad zu bestaunen und es zu bekleben.
Nächster Termin für die HU in zwei Jahren. Ich denke da lieber erstmal nicht darüber nach …

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