aus Kradblatt 2/19, von Anke Boll

Traumreise f√ľr Amerika-Fans

USA - Wilder Westen Monument-Valley

Ich habe es schon wieder getan ‚Äď Ende Mai ging es mit 16 Freunden und 11 Motorr√§dern durch Amerikas ‚Äěwilden‚Äú Westen.

Nach der Ankunft in Los Angeles wurden wir von unserem Tourguide in Empfang genommen und nach einer kurzen Begr√ľ√üung genehmigten wir uns das erste von noch vielen Steaks. Wenn die Amis etwas k√∂nnen, dann Steaks mit Mashed Potatoes.¬†

Am n√§chsten Morgen durften wir unsere Bikes abholen. Alle waren sehr aufgeregt, da bis auf ein paar Wiederholungst√§ter die meisten das erste Mal mit einer Harley-Davidson fahren w√ľrden. Ich nahm freudig meine schwarze Streetglide in Empfang.¬†

Der Verkehr aus der Stadt der Engel ist nicht ohne, die erste dreiviertel Stunde muss gleich auf dem Highway abgespult werden, da heißt es Konzen­tration, zusammenbleiben und aufpassen. Die 5 bis 7 Fahrspuren werden von den Einheimischen kreuz und quer befahren. Hat man das aber hinter sich geht es schon easy und staunend weiter. 

USA - Wilder Westen - am Glen-Canoyn LANDSCHAFT gibt es von Anfang an ohne Ende. Auf dem Weg nach Palm Springs merkt man aber noch nicht viel von den Weiten, denn kurvenreiche Bergstra√üen √ľber Lake Elsinore und in den San Bernardino National Forest f√ľhren uns zum ersten Ziel. Nach 304¬†km haben wir Palm Springs erreicht und feiern gemeinsam unseren Willkommensabend.

Wie es bei Touren so ist, kann man ausschlafen vergessen. Da die Temperaturen im ersten Abschnitt der Reise oft um und √ľber die 48 ¬įC gehen, brechen wir nach einem typischen amerikanischen Fr√ľhst√ľck in Ruby‚Äôs Diner fr√ľh auf.¬†

Auf den 372 km bis nach Laughlin gibt es Landschaft, soweit das Auge reicht. Witzige Felsformationen und Kakteen k√∂nnen wir im Yoshua Tree National Park bewundern. In der Mojave W√ľste kommen wir durch das St√§dtchen Twentynine Palms, so genannt, weil Colonel Henry Washington bei seinen geografischen Forschungen im Jahre 1852 die Palmen fand.¬†

Nun kommt der Abschnitt von dem jeder Biker tr√§umt. Am ber√ľhmten Roy‚Äôs Motel in Amboy beginnt die Fahrt auf der ‚ÄěHistoric Route 66‚Äú durch die W√ľste √ľber die Staatsgrenze nach Nevada.

Einer der hei√üesten Tage endet in Laughlin. Unser Hotel liegt direkt am sch√∂nen Colorado und die Stadt stimmt uns mit den drittmeisten Casinos nach Las Vegas und Reno schon mal auf Vegas ein. Das Hotel war 2002 Schauplatz einer Schl√§gerei zwischen 60 bis 70 Hells Angels und dem Mongols MC. Drei Biker starben und die j√§hrlich seit 1983 im April stattfindende River Run Motorradrallye, erlangte so durch den ‚ÄěLaughlin River Run Riot‚Äú traurige Ber√ľhmtheit.

Die alte Goldger√§berstatt Oatman mit ihren wilden Eseln - USA - Wilder Westen Am n√§chsten Tag fuhren wir in den dritten Bundesstaat. In Arizona besuchen wir die alte Goldgr√§berstadt Oatman mit ihren vielen wilden Eseln. √úber den verschlungenen Sitgreaves-Pass fahren wir aus den Black Mountains direkt nach Kingman. Auf der Weiterfahrt nach Seligmann passieren wir das Indianer Reservat ‚ÄěHualapai‚Äú und kilometerlange Z√ľge. Das St√§dtchen Flagstaff passieren wir auf der letzten Etappe zum Grand Canyon. Flagstaff liegt in 2100 m H√∂he auf dem Colorado Plateau und in den San Fransisco Bergen kann man auch im Sommer Schnee sehen. Nach 392 km kommen wir im Hotel an. Diesmal gibt es kein Tour-End-Bier. Wir fahren direkt zum Canyon und lassen uns von dem gigantischen Panorama beim Sonnenuntergang √ľberw√§ltigen.¬†

Am n√§chsten Morgen geht es wieder fr√ľh los. Als erste Gruppe melden wir uns zum Helikopterflug √ľber den Grand Canyon an. Sogar Leute mit H√∂henangst ringen sich durch und steigen ein und werden dieses Erlebnis niemals vergessen, wie ich beim ersten Mal vor zwei Jahren. Und dieses Mal durfte ich auch wieder auf den Co-Pilotensitz.¬†

Der verschlungene Sitgreaves-Pass - USA - Wilder Westen Unsere Route f√ľhrte uns dann am S√ľdrand des Grand Canyons entlang zum Land der Navajos. In lebensecht fahren wir an den ‚ÄěBildern‚Äú, die den Wilden Westen in unserer Vorstellung gepr√§gt haben, vorbei zum Monument Valley. Heute sind wir nach dem trockenen, roten Sand froh, dass unser Begleit-Van eisgek√ľhltes Bier dabei hat. Im Indianerland gibt es keinen Alkohol zu kaufen.¬†

Mit 544 km vom Monument Valley zum Bryce Canyon haben wir heute die l√§ngste, aber auch landschaftlich die sch√∂nste und abwechslungsreichste Strecke vor uns. Nach dem Verlassen des Monument Valley kommen wir zum ‚ÄěForrest Gump Point‚Äú ein beliebter Stopp f√ľr eines der sch√∂nsten Bilder. (Im Film Forrest Gump mit Tom Hanks, ist dies die Stelle, an dem er, nach seinem hin- und herlaufen von K√ľste zur K√ľste, stehen bleibt und sagt, er habe keine Lust mehr.)¬†

Im ‚ÄěTal der G√∂tter‚Äú kommen wir an einem weiteren Filmplott vorbei. Szenen von ‚ÄěThelma und Louise‚Äú wurden hier gedreht.¬†

Wir √ľberqueren den Colorado River, fahren durch den Glen Canyon der uns mit seinen Formationen und Farben beeindruckt. F√ľr Fahrer mit H√∂henangst ist das ‚ÄěR√ľckgrat des Teufels‚Äú ‚Äď Devil‚Äôs Backbone eine interessante Herausforderung. Die Stra√üe f√ľhrt direkt √ľber Berggrate ohne gro√üe Begrenzung zu den H√§ngen links und rechts der Stra√üe. Heute kommen wir etwas sp√§ter als sonst im Hotel an, daher ist der Besuch des Bryce Canyon erst am n√§chsten Morgen geplant.

Amerikanisches Fr√ľhst√ľck in Ruby‚Äôs Diner - USA - Wilder Westen Tags drauf verlassen wir den 4. Bundesstaat unserer Reise, Utah. Als erstes machen wir einen Abstecher zum Bryce Canyon. Faszinierend welche Formationen die Natur in den Fels gehauen hat. Tausende Kleckerburgen in allen Gr√∂√üen schimmern rot gelblich in der aufgehenden Sonne, aber einer der sch√∂nsten Nationalparks steht uns noch bevor. Der Zion Park mit seiner roten Stra√üe, dem fast zwei Kilometer langen Tunnel durch die Felsen, den verschiedenen Canyons, Talsohlen und den hohen Felsw√§nden l√§sst uns staunen. Da sollte man unbedingt die GoPro mitlaufen lassen, bei den Serpentinen.¬†

Nach diesem Naturspektakel empf√§ngt uns Hitze und √Ėdnis mit sehr viel Wind auf dem Weg nach Las Vegas.¬†

Schon von weitem schimmert die Silhouette der Stadt wie eine Fata Morgana in der W√ľste und der Verkehr staut sich, unsere Motoren kochen hoch und manch einem tut die Kupplungshand weh, weil Harleys sich manchmal schwer tun mit dem Leerlauf, wenn sie hei√ü sind.¬†

USA - Wilder Westen - Mojave W√ľste Das Feierabendbier haben wir uns nach 400 km redlich verdient. Morgen ist ein freier Tag und der reicht nicht einmal ann√§hernd um einen Bruchteil von Las Vegas zu sehen. Daher gehen wir gleich noch am Abend ins alte Las Vegas und bummeln durch die Fremont Street mit der √úberdachung, die mit Milliarden von Dioden alle Stunde bekannte Bands als Videos wiedergeben. Linking Park, Imagine Dragons, Green Day usw. Neuerdings kann man an einem Seil unter der Decke √ľber die K√∂pfe der tausend Touristen gleiten. Stra√üenk√ľnstler und Bands sorgen f√ľr Unterhaltung. Es ist laut und glitzert und fasziniert.

Das Bike bleibt in der Garage. Ein Tag ist zu wenig, es gibt so viel zu sehen. Jedes Hotel ist eine Stadt f√ľr sich mit Casinos, Shops und Shows und in den beiden Outlets kann man noch prima shoppen. Der Harley-Davidson Store ist bei den meisten Pflicht, aber auch der M&M Store sowie der Coca Cola Store sind interessant.¬†

Mit einem Hop-on Hop-off Bus kann man sich schon einmal einen Überblick verschaffen. Am Bellagio auf jeden Fall die Wasserspiele angucken und vom Turm des Stratosphere Vegas bei Nacht. Oder mit den Gondeln durch Venezia fahren, mit der Achterbahn durch das New York oder, oder, oder … Die Zeit wird nicht reichen und fast jeder plant noch einmal einen Besuch.

Ganz fr√ľh am Morgen, die aufgehende Sonne im R√ľcken, verlassen wir Las Vegas und fahren ins Death Valley, den hei√üesten Platz und tiefsten Punkt der westlichen Hemisph√§re, knapp 86 Meter unter dem Meeresspiegel. Von mehr als 30 Metern unter dem Meeresspiegel fahren wir heute noch auf √ľber 2130 Meter nach Mammoth Lakes und auch der Temperaturunterschied ist gewaltig. Von 46 ¬įC zu nur noch 17 ¬įC, also unbedingt die Jacke griffbereit haben. Nach 504 km von hei√ü zu kalt und tief zu hoch von grau zu gr√ľn haben wir unser Ziel erreicht.

Mit 240 km ist es heute fast eine kurze Strecke, aber wir fahren durch kurvige Granitschluchten und erkunden den Yosemite National Park mit seinen Felsen, Wasserfällen und Bären. Den Abend lassen wir alle gemeinsam bei Pizza auf der Terrasse am reißenden Gebirgsbach ausklingen.

Die Golden Gate Bridge - USA - Wilder Westen Wir fahren durch Kaliforniens ‚ÄěGold Rush‚Äú Land und passieren kleine Minenst√§dte, Redwoodw√§lder und n√§hern uns der reichen K√ľstenregion. Nach fast 320 km kommen wir zum ber√ľhmten Wahrzeichen der Stadt San Francisco und fahren √ľber die Golden Gate Bridge. Wir freuen uns schon auf den freien Tag morgen, ein Besuch auf Alcatraz, Pier 39 mit den Seehunden, Fishermans Wharf und eine Cable Car Fahrt stehen auf dem Programm.

San Francisco ist definitiv keine Motorradstadt, die Stra√üen sind so steil und das Einbahnstra√üengewirr erfordert h√∂chste Konzentration. Die erste Herausforderung ist die steilste Stra√üe San Franciscos. Mit den Motorr√§dern schl√§ngeln wir uns die Lombard Street herunter unter den Augen vieler Schaulustiger. Gen S√ľden geht es entlang der Pazifik-K√ľste auf den legend√§ren Highway 1, eine der spektakul√§rsten Motorradstrecken, nach Monterey. Auch wenn es nur 188 km sind, kommen wir erst am sp√§ten Nachmittag an, weil wir oft angehalten haben, um die Aussicht zu genie√üen und zu fotografieren. Das kleine K√ľstenst√§dtchen mit seinem belebten Pier lud uns zum abendlichen Bummel ein.

Bryce Canyon ‚Äď Faszinierend, welche  Formationen die Natur in den Fels gehauen hat An der K√ľste ist das Wetter unbest√§ndig. Viel Nebel und auch tiefere Temperaturen, als wir bisher gew√∂hnt sind, erinnern uns an zu Hause.¬†

Auf dem Highway 1 geht es auf steinigen Klippen und √ľber Flussschluchten nach Pismo Beach. Stundenlang h√§tten wir noch, nahe San Simeon, bei der See-Elefanten Kolonie verweilen k√∂nnen. Imposant wie diese m√§chtigen Tiere am Strand lagen. √úber- und Untereinander, ein Crashkurs in Relaxen, deswegen war es doch schon sp√§t, als wir nach 243 km im Hotel ankamen.

Mit Wehmut besteigen wir unsere Motorr√§der. Die letzten 360 km liegen vor uns. Auf dem Highway 101 machen wir uns auf den Weg zur√ľck nach Los Angeles. Rechts der Pazifik links das K√ľstengebirge.¬†

Viel zu schnell sind wir in Santa Barbara. Nach einer Kaffeepause geht es durch Malibu, der ber√ľhmten Strandsiedlung der Stars. In Santa Monica auf dem Pier haben wir unsere letzte Pause. Die Fahrt durch Los Angeles bei Hitze und Dauerstau fordert uns noch einmal richtig.¬†

Wir kommen wieder! USA - Wilder Westen Nach 14 Tagen und etwa 3600 km m√ľssen wir uns von unseren treuen Maschinen verabschieden. Und am Abend bei einem richtig sch√∂nen Abschied mit Live Band und Grill ist es auch Zeit uns vom Tour-Guide und anderen Reisenden zu verabschieden und schon die n√§chste Reise zu planen.¬†

Meine erste Tour mit einer Road King durch den Wilden Westen habe ich 2014 gemacht. Mein Traum war es immer schon und ich kann nur jedem raten, lasst diesen Traum wahr werden. 

‚ÄěLeider‚Äú hat mich danach der Virus gepackt. In den letzten 4 Jahren bin ich noch die Route 66 komplett gefahren,¬† mit einer Heritage Softail und zweimal die Wild West Tour, mit einer Harley Streetglide. 2020 ist bereits die n√§chste Tour durch den Yellowstone Nationalpark bis Kanada geplant.¬†

Zu Hause fahre ich eine Suzuki Intruder 1500. Das gesparte Geld stecke ich lieber in meine Reisen.

Gern gebe ich euch Tipps f√ľr eure USA Motorradreise und helfe euch bei den Buchungen. Auch wenn ihr euch allein einer Gruppe anschlie√üt, wie ich beim ersten Mal und der englischen Sprache nicht m√§chtig seid, tut es! Ihr werdet es nie bereuen.

Wenn ihr zu den Hamburger Motorrad Tagen 2019 kommt, besucht mich doch mal auf meinem Stand in der Halle B2, Stand 32. Ich freue mich auf euch!

Infos gibts auch unter www.wildwest-motorradreisen.de