Triumph Thunderbird Storm

Triumph Thunderbird Storm

aus bma 8/11 – Fahrbericht

Text: Jens Rademaker, Fotos: Kerstin Rademaker

Triumph Thunderbird Storm1995 erblickte die erste Triumph Thunderbird, zur Erinnerung an Marlon Brando in „The wild one“, das Licht der Welt. Ein nacktes Retro-Motorrad mit einem Reihen-Dreizylinder-Motor. Hinzu kam 1998 die Thunderbird Sport um den sportlichen Charakter mehr anzusprechen. Mit dem Thunderbird Cruiser betrat erstmalig ein Donnervogel mit Zweizylinder-Motor (seinerzeit 1600 ccm) im Jahre 2009 die Bühne. Nun wird es Zeit die Geschichte fortzusetzen und hier kommt nun die Thunderbird Storm.

Schwarz, groß, mächtig und aus zwei Augen die Straße im Blick behaltend – der neue Raubvogel aus dem Hause Triumph geht damit neue Wege. Ausgestattet mit einem Parallel-Twin in einer Bigbore-Version, wassergekühlt mit 1700 ccm leistet die Storm 98 PS und stemmt ein kerniges Drehmoment von 156 Nm bei 2950 U/min in den Asphalt. Grundsätzlich diente als Basis die „alte“ Thunderbird, nun wirkt sie allerdings wuchtiger und angriffslustiger.

Unser Testvogel von Team Wahlers aus Lauenbrück (Tel. 04267/95470) ist bereits mit ein paar coolen Extras ausgestattet worden. So fällt als erstes das ABS ins Auge. Im Cruiser-Sektor leider nicht überall der Fall, aber ein echtes Plus an Sicherheit, denn immerhin müssen hier 339 Kilogramm plus Fahrer im Notfall schnell zum Halten gebracht werden. Ein weiteres Extra macht sich erst beim Anlassen wirklich bemerkbar: Was für ein satter Klang grummelt da denn aus den Tüten? Die High-Flow-Schalldämpfer sind deutlich kürzer als die Originalen. Hier wird von Triumph mehr Leis­tung und mehr Drehmoment bei neuem Mapping versprochen… möglich wär es, allerdings würde die Umrüstung schon allein aufgrund des Klanges absolut keine Frage sein. Wer die Thunderbird Storm noch mehr zu einem individuellen Krad machen will, der kann bei Triumph ordentlich in der Zubehörkiste wühlen: Chrom-Räder, Komfortsitzbank (Solo), Chrom- Front, T-Lenker, Zusatzscheinwerfer, Windschutzscheibe, verchromte Deckel, Le­der-Gepäcktaschen, Sissybar, Tear­drop- Spiegel, verchromte Riemenscheibe, Chrom-Gepäckbrücke und und und…

Triumph Thunderbird StormDie erste Anprobe gestaltet sich überzeugend: Die Sitzhöhe von 700 mm ermöglicht ein leichtes Rangieren des schwarzen Klotzes. Nun wird der Schlüssel in Empfang genommen, doch warum zwei Schlüssel am Bund? Ein Blick zum Tankdeckel… nein, denn dieser ist nicht abschließbar (bekommt man aber im Zubehörhandel), also wofür? Die Erklärung von Thomas Wahlers ist einfach: An der Gabel befindet sich das Lenkerschloss! Da fühle ich mich an mein erstes Motorrad zurückerinnert, seinerzeit eine CB 750 (RC01) Baujahr 1981…

Los geht es – und die niedrige Sitzposition punktet nicht nur beim Rangieren, sondern auch während der Fahrt. Die Füße sind nicht allzu weit dem Fahrer vo­raus, und trotz des Gewichts und (vo­r allem) weil es sich um einen Cruiser handelt, fällt ein entspanntes Fahren nicht aus. Selbst das Handling entspricht nicht wirklich einem Dickschiff und die Schräglagenfreiheit ist völlig cruiseruntypisch hoch. Zwar wird man zum Knieschleifen die Wuchtbrumme komplett auf die Seite legen müssen, aber das Kratzen der Fußrasten in engen Kurven, oder gar beim Abbiegen an der Kreuzung, bleibt ganz aus. Erstaunlich leichtfüßig sprintet die Thunderbird Storm über norddeutsche Straßen. Zur Fahrstabilität tragen auf jeden Fall die 47 mm Showa-Telegabel und die 5-fach einstellbaren Showa Stereo-Federbeine bei.

Triumph Thunderbird Storm ZahnriemenEine völlig neue Art des Fahren (zumindest für den unbedarften Autor) bildet der Stadtverkehr: Im fünften Gang bei erlaubten 50 km/h immer schön mit dem Gas spielen, und man wird mit sattem Knattern aus den Tüten belohnt. Auch im Stand macht dies eine Riesengaudi, allerdings sollte man es nicht übertreiben, denn dann kann es schon mal vorkommen, dass sich die böse Dame verschluckt und den Dienst einstellt. Schnell auf den Starter drücken, und die Fahrt kann weitergehen.

Das Cockpit findet der Fahrer, wenn er den Blick von der Straße löst und etwas tiefer schaut: In den Tank eingelassen. Übersichtlich gestaltet und sogar mit Drehzahlmesser findet man hier alles, was man braucht. Mit Hilfe der „Info“-Taste am rechten Lenkerende bekommt man Informationen (deswegen wohl auch Info-Taste) über die Gesamtkilometer, zwei Tageskilometerzähler und eine Restreichweitenanzeige, praktisch wenn man keine Tankanzeige hat und wie ich finde auch vertrauensvoller. Sollte es einmal eng werden, nehmen an der Front bissfeste Vierkolben-Festsattelzangen zwei wohl proportionierte schwimmende Bremsscheiben mit 310 mm Durchmesser in die Mangel, in unserem Fall unterstützt von dem sehr guten Antiblockiersystem. Hinten packt ein Zweikolben-Bremssattel in die eben­falls 310 mm messende Bremsscheibe.

Triumph Thunderbird Storm CockpitIhre wirklichen Stärken, die sie von anderen Cruisern abhebt, spielt die Thunderbird Storm auf der Landstraße aus. Extrem kraftvoll donnert der Vogel aus den Kurven und Überholmanöver sind ein gefundenes Fressen. Der Dampfhammer lässt keine Zweifel offen, wo selbiger eben hängt. Der Zahnriemenantrieb sorgt weitestgehend für ruckfreies Gasspiel und ist bekanntlich wartungsarm. Der heftige Dreh am Gasgriff kann so manche Sozia derbe überraschen, wenn sie träumend die Gegend in Augenschein nimmt. Aber auch ein entspanntes dahingleiten gehört zu einer Tour mit der Thunderbird. Mit 90 Stundenkilometern zu schippern kann ebensoviel Spaß machen, wie mit 140 Sachen über Autobahnen zu brettern. Hauptsache man bewegt sich, denn wie wir alle wissen, ist ja der Weg das Ziel der meisten Touren.

Die Triumph Thunderbird Storm ist ein gelungenes Spielzeug für böse Buben und Mädel. Optisch wuchtig und schwer, lässt sich der Kraftprotz trotzdem leicht und agil bewegen. Eine Probefahrt sollte man sich auf jeden Fall wirklich einmal gönnen. Der freundliche Triumph-Vertragshändler hilft gerne weiter.

Technische Daten

2-Zylinder Paralleltwin mit 270°
Hubzapfenversatz, flüssigkeitsgekühlt, DOHC, 1699 ccm, Elektronische Benzineinspritzung und Drosselklappen mit progressiver Anlenkung, Verchromte 3-in-1-in-2 Edelstahl-Auspuffanlage mit G-Kat

Kraftübertragung: Zahnriemen

Stoßdämpfer vorne: Showa Telegabel 47 mm Durchmesser, 120 mm Federweg

Stoßdämpfer hinten: 2 Showa Federbeine, Vorspannung 5-fach einstellbar, 95 mm Federweg

Bremse vorne: 310 mm Doppelscheibenbremse mit 4-Kolben Bremssätteln, Bremse hinten: 310 mm Scheibenbremse mit 2-Kolben Bremssattel

Leergewicht: 339 kg fahrfertig

Tankinhalt: 22,0 Liter

Getriebe: 6-Gang

Reifen: Vorne 120/70 R 19
Hinten 200/50 R 17

Radstand: 1615 mm
Nachlauf: 151 mm

Leistung: 73 kW bei 5200 U/min

Preis: 15.390 Euro (mit ABS 15.990,-)

 

 


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2 Kommentare zu :
“Triumph Thunderbird Storm”


  • Michael Gräber sagt:

    Habe mich nach längerer Suche ( fuhr bis dato eine VN900 ) auch für die Storm entschieden.
    Ich kann es bei schönem Wetter kaum erwarten endlich aus der Maloche zu kommen um das Eisen anzuwerfen, einfach ein Traum.
    Dieses Mopped gebe ich nicht mehr her.

  • roland maywald sagt:

    Habe Mich im März2012 nach Probefahrten mit Verschiedenen Marken für Die Storm entschieden.Von meinen Freunden,alles Eingefleischte H.Davidson fahrer,wurde Ich belächelt,bis Ignoriert.Nach der Ersten langen Ausfahrt ca400km,kamen die Fragen?Nach gut11000km&tief Angeschliffenen Fußrasten bin Ich der Meinung,das Beste gekauft zu haben,was Ich je gefahren habe.Mittlerweile fahre Ich,als letzter,um meine Freunde nicht zu Deplatzieren.Aber mit einem BREITEM Grinsen im Gesicht 😆