Kraft geht vor Leistung
aus Kradblatt 1/26 von Jens Riedel, aum / www.car-editors.net

Die Speed Twin gehört zu den Meilensteinen der Triumph-Geschichte, wurde mit ihr doch Ende der 1930er-Jahre die große Ära der britischen Zweizylinder-Modelle eingeläutet. Heute steht die Marke nicht zuletzt für ihre Dreizylinder-Maschinen, aber das Erbe der Twins lebt in den Bonneville-Modellen der Modern-Classic-Serie fort. Deren Geist beschwört allein schon im Namen allen voran die Speed Twin 900, die bereits für 2025 frisch überarbeitet wurde. Trotz ihrer heutzutage bescheiden klingenden 65 PS erweist sich die Roadster als Wuchtbrumme. Für das Jahr 2026 hat Triumph in der Modern Classics Baureihe auch die Scrambler 900, die Bonneville Bobber und die Bonneville Speedmaster überarbeitet.

Klar, Klassik kann Triumph. Daran ändern auch die neue Marzocchi Upside-down-Gabel der Speed Twin 900 und die erstmals montierten Ausgleichsbehälter der Federbeine sowie der jetzt fürs Tagfahrlicht unterteilte (Rund-)Scheinwerfer und die Gussräder nichts. Und es bleibt bei einem, wenn auch digitalen Rundinstrument (mit Betonung auf: einem). Stolz trägt der Motor nach wie vor seine Kühlrippen und Zündkerzen zur Schau, die vertikale Anordnung nimmt den Kühler optisch ein wenig zurück. Besonders gefällig rollt die Speed Twin 900 in der Ausführung mit weißem Tank sowie orangem und hellblauem Streifen vor (Farboption pure white / maui blue / tangerine, Aufpreis: 600 €). Dazu passen als Kontrast die jetzt schwarz eloxierten und etwas kürzeren Endrohre mit ihrer Endkappe aus Edelstahl sowie die noch einmal schicker gestalteten Seitendeckel.

Der neu geformte und schlankere, aber immer noch zwölf Liter große Tank trägt nun vorne die von den Einzylinder-Modellen bekannten Einbuchtungen für die Gabelrohre bei vollem Lenkeinschlag. Er gibt zudem mehr Blick auf den Motor frei. Das hat zur Folge, das die Knie bei vorgerückter Sitzposition gerne einmal Kontakt zu den hinteren Zylinderkopfschrauben knüpfen. Der schmalere Schrittbogen ermöglicht kleineren Classic-Fans einen besseren Stand.
Der exakt 900 Kubikzentimeter große Zweizylinder kann einfach nur begeistern, denn er schiebt die Fuhre mit viel Druck vorwärts. Denn den 65 PS bei 7500 Umdrehungen in der Minute steht ein maximales Drehmoment von 80 Newtonmetern bei 3800 Touren gegenüber. Hier geht Schubkraft vor Leistung. Da spart sich Triumph auch gleich noch einen sechsten Gang zur Senkung des Drehzahlniveaus bei höheren Geschwindigkeiten. Ein Dampfhammer-Twin braucht so etwas nicht. Es stampft, tuckert und bollert in aller Herrlichkeit.

Ab etwa 2200 Touren steht das Zylinder-Duo stramm. Nur 800 Umdrehungen später kann beim Cruisen schon der nächste Gang eingelegt werden. Im letzten stehen dann 100 km/h auf dem etwas vorauseilenden Tacho. Bei 4000 U/min liegt die Autobahnrichtgeschwindigkeit an und bei 5000 Touren sind es 160 km/h. Die drehmomentunterstützte Anti-Hopping-Kupplung erfordert nur mäßige Kräfte. Vibrationen dringen erst in der oberen Hälfte des Drehzahlbandes ein wenig durch und machen sich fast ausschließlich im Bereich des Rahmens unter der Sitzbank bemerkbar.

Dazu gesellt sich in allen Lebenslagen ein betörender Sound, der – Triumph möge uns den Vergleich verzeihen – fast schon an eine Harley-Davidson erinnert. Gleiches gilt übrigens für das Klackgeräusch beim Gangwechsel und das digitale Abrufen der Drehzahl im Display, das auch über einen sinnvoll und unauffällig an der Seite platzierten USB-Anschluss verfügt. Der Bremshebel ist vierfach einstellbar, der Kupplungshebel gleich fünffach.
Passend zur Modern-Classic-Optik ist die Speed Twin kein reiner Selbstläufer. Sie fordert vom Fahrer immer wieder einmal klare Lenkimpulse und auch die Bremsen wollen mit etwas Nachdruck betätigt werden, packen aber ordentlich zu. Zudem drängt es die Triumph in Kurven hin und wieder leicht nach außen. Das ist möglicherweise auch den Reifen geschuldet. Die Michelin Road Classic laufen gerne Längsrillen nach und zucken auch schon einmal auf trockener Straße unter hoher Last der Motorbremse. Bei Regen empfiehlt sich empfindlichen Gemütern dann tatsächlich der „Rain“-Modus, den Triumph alternativ zur Standardeinstellung „Road“ offeriert. Sorgen muss sich dennoch niemand machen: Mit dem neuen Modelljahrgang hat Triumph den Assistenzsystemen volle Schräglagensensorik spendiert.

Ein, zwei kleinere Ecken und Kanten finden sich aber (natürlich) auch am Motorrad selbst. Die Spiegelausleger sind ein wenig kurz geraten und die einteilige Sitzbank könnte gerade im vorderen, schmaler zulaufenden Bereich etwas mehr Polsterung vertragen. Das erledigt dann bei Bedarf der Sitzbank-Macher des Vertrauens. Der neue verchromte klappbare Tankdeckel weckt nostalgische Gefühle, die schmucklosen Plastikblinker eher weniger. Der Verbrauch von um die vier Liter auf der Landstraße hingegen ist zeitgemäß und deckt sich mit der Normangabe.
Für 2026 stehen weiterhin die drei Farbvarianten Aluminium Silver (Standard ohne Aufpreis), Pure White und Phantom Black zur Wahl. Über den Konfigurator auf der Triumph Website lässt sich die Speed Twin 900 mit Tempomat, Griffheizung, Reifendruck-Überwachungssystem, Flyscreen, anderen Sitzbänken (u.a. 20 mm niedriger), einem Gepäcksystem und diversen weiteren hübschen und/oder sinnvollen Ausstattungsoptionen individualisieren. Wer keine Lust hat, sich durch die ganzen Möglichkeiten mit mehr als 120 Original-Zubehörteilen zu klicken, schaut einfach bei seinem Triumph Vertragshändler vorbei. Dort gibt’s auch Infos zu Probefahrtmöglichkeiten. Für Führerschein-A2-Inhaber ist übrigens ein Drosselsatz erhältlich der von den Händlern montiert wird. Die Wartungsintervalle liegen bei 16.000 km, es gibt 4 Jahre Herstellergarantie ohne Kilometerbegrenzung sowie 2 Jahren Mobilitätsgarantie. Preislich startet die 2026er Triumph Speed Twin 900 bei 10.195 €.

Triumph Speed Twin 900
- Antrieb: Paralleltwin, 900 ccm, flüssigkeitsgekühlt, Kette, 5 Gänge
- Leistung: 47,8 kW / 65 PS bei 7.500 U/min
- Max. Drehmoment: 80 Nm bei 3.800 U/min
- Höchstgeschwindigkeit: 177 km/h
- Tankinhalt: 18,6 Liter
- Federweg: 120/116 mm v/h
- Sitzhöhe: 780 mm
- Gewicht: 216 kg (fahrfertig)
- Normverbrauch: 4,0 l/100 km
- Testverbrauch: 4,0–4,1 l
- Bereifung: 100/90-18 (v.), 150/70 R 17 (h.)
- Preis: ab 10.195 € (zzgl. NK)
—
Kommentare
Ein Kommentar zu “Triumph Speed Twin 900, Modell 2025”
Moin zusammen,
216 Km/h aus 65 PS?
Kann das stimmen?
Liebe Grüße
Peter