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Suzuki VZ 800 Marauder

aus bma 5/99

von Thorsten Spalek

Nach 1 1/2 Jahren und fast 20.000 Kilometern mit einer Suzuki VS 800 wollte ich mal was Neues ausprobieren. Dem Chopper-Fahren wollte ich treu bleiben, und da ich wieder ein Krad der in etwa gleichen Hubraumklasse haben wollte, kamen so viele Motorräder für mich nicht in Frage. Eine Harley-Davidson schied sofort im Vorfeld wegen ihres schlechten Preis-/ Leistungsverhältnisses aus, und die anderen Marken (Honda Shadow, Kawasaki VN, Yamaha Virago) konnten mich nicht so recht überzeugen.
Die VZ 800 Marauder, die mein Suzuki-Händler mir anbot, ist zwar mehr ein Cruiser als ein Chopper, aber warum nicht? Die gute Optik der Maschine wird durch viel Chrom, den Drag- Bar-Lenker, den breiten Reifen und dem leicht nach oben geschwungenen Radlauf am Hinterrad hervorgehoben. Interessant sind auch die beiden Aufbewahrungsbehälter. Ein verchromter runder zwischen den beiden Zylindern für das Bordwerkzeug (was ich persönlich doch lieber unter der abschließbaren Sitzbank habe) und ein viereckig gewölbter, ebenfalls verchromter „Kasten”. Hierin sollte man allerdings nur wärmeunempfindliche Dinge aufbewahren, da er direkt an den Zylindern angebracht ist. Im Cockpit umschließen die Blinker- und Leerlaufkontrolleuchte den unteren Teil des Tachos, außerdem finden sich im Cockpit Tages- bzw. Gesamt-Kilometeranzeige sowie Kontrolleuchten für Öldruck, Wasser und Fernlicht. Drehzahlmesser und Tankuhr fehlen.

 

Da ich mit dem wassergekühlten V2-Motor meiner VS als Ganzjahresfahrer bisher nur gute Erfahrungen gemacht hatte, war ich erfreut, daß die Marauder den gleichen Motor hat. Nur die Kraftübertragung ist eine andere: aus dem Kardanantrieb wurde eine Kette. Der Motor besitzt ein gutes Drehmoment und damit ein gutes Beschleunigungsverhalten; der Verbrauch von ca. 5 Litern auf 100 Kilometer ist dabei akzeptabel.
Die Maschine gefiel mir sehr gut, und mein Händler machte mir für meine alte Maschine ein faires Angebot, also bestellte ich sie. Nach nur zwei Wochen Lieferzeit konnte ich meine Marauder schon Ende März ausprobieren.
Wie mir schon bei der Probefahrt aufgefallen war, ist das Kurvenverhalten doch ein anderes war als bei der VS – besonders in der Stadt war dies sehr gewöhnungsbedürftig. Durch die gegenüber der Intruder breiteren Reifen (von 100/90 auf 130/90 vorne und von 140/90 auf 150/90 hinten) neigte die Maschine zum Kippen, doch nach einiger Zeit bekam ich dies ganz gut in den Griff. Die Tausender-Inspektion wurde im Mai fällig, sie kostete mich wie bei der Intruder 350 DM. Gleich anschließend sollte es in Begleitung einer gedrosselten XV Virago 535 auf große Reise gehen – nach Schottland. Schon auf dem Weg zur Fähre wurden die unterschiedlichen Hubräume deutlich. Obwohl die VZ wesentlich schwerer bepackt war, mußte ich immer wieder auf die XV warten. Wir landeten bei einer Reisegeschwindigkeit von 120 km/h, laut Tacho kann die Marauder bis 180 km/h, doch hat man hierbei Schwierigkeiten, die Füße auf den Rasten zu halten. Die angenehmste Reisegeschwindigkeit liegt meiner Empfindung nach bei 120-130 km/h. Längere Fahrten sind mit der VZ gut zu bewältigen, die Sitzposition mit weit vorne liegenden Fußrasten empfinde ich (1,76 m) als sehr bequem. Während der ganzen Autobahnfahrt lag die Maschine gut lenkbar und sicher auf der Straße, auch die zusätzliche Beladung bereitete ihr keine Probleme. Das Fahrwerk der VZ ist wesentlich besser und straffer als das der Intruder, die vollbeladen in Kurven schwammig wurde und zum Pendeln neigte. Positiv auch das Getriebe, das das Drehmoment des Motors gut überträgt. Es läßt sich leicht und präzise schalten. Auch die Bremsen der Marauder sorgen für gute Verzögerung. Allerdings sollte man bei Regen die hintere Trommelbremse gefühlvoll einsetzen, da sie zum Blockieren neigt.
Zurück in Deutschland war erstmal Putzen angesagt. Trotz der vielen Chromteile ist die Maschine relativ schnell zu putzen, die Drei-Speichen-Alufelgen sind natürlich auch sehr pflegeleicht.
Bei einem Kilometerstand von fast 5.000 machte die Maschine plötzlich Schwierigkeiten: sie sprang morgens nicht mehr an, selbst mit Überbrücken der Batterie kam ich nicht weiter. Und so mußte ich meine Fachwerkstatt anrufen und die Maschine abholen lassen. Es stellte sich heraus, daß die Zündkerzen defekt waren, bei einer Laufleistung von 5000 Kilometern finde ich das traurig. Mir sind wohl keine Kosten entstanden (lief auf Garantie), doch über die Woche Wartezeit ärgerte ich mich doch.
Kurze Zeit später fing die Kupplung an zu schleifen. Sobald die VZ warmgelaufen war, konnte ich im mittleren Drehzahlbereich beim Gasgeben keine Geschwindigkeitserhöhung mehr feststellen. Der Monteur, der bei einer Probefahrt diesen Fehler nicht registrieren konnte – wohl weil die Maschine nicht warm genug war – bot mir an, die Kupplung kurz vor Ende der Zweijahresgarantie zu erneuern.
Zum Sommer hin gab die Batterie nach eineinhalb Jahren ihren Geist auf, obwohl das Motorrad im Winter eingemottet und die Batterie ausgebaut war. Diese 120 Mark mußte ich allerdings selber bezahlen, da die Garantie für die Batterie nur ein halbes Jahr beträgt. Ich hoffe, daß diese erwähnten Probleme nicht den Normalfall darstellen.
Im übrigen möchte ich noch erwähnen, daß die Marauder viele Blicke auf sich zieht, besonders bei Sonnenschein. Mein persönliches Fazit: aufgrund der besseren Fahreigenschaften und Optik würde ich mich nochmal für die Marauder entscheiden. Obwohl ich der Meinung bin, daß man auf die Neuentwicklung des Kettenantriebes getrost hätte verzichten können.

 

 

 


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