SPA ACR 2011

Scuderia A.C.R. Classic-Rennsport

 

aus bma 12/11 – Klassik-Rennsport

von Scuderia A.C.R. e.V.

SPA ACR 2011Wir drehen das Rad um ca. 30 Jahre zurück: der Kreidler, Zündapp, Honda SS50 Zeit entwachsen, probieren draufgängerische Buben ihre großvolumigen Motorräder zu bändigen. Zunächst noch aus pubertärem Machogehabe heraus. Die Mädels stehen auf Motorräder! Aber da ist noch mehr, der Bazillus sitzt tief. Wenn die Zippe nicht will – Motorrad fahren macht auch Spaß! Hormone gegen PS! Es war die Zeit der Treffen. Im Sommer fast 14-tägig: Anfahren-Saufen-Abfahren. Das dabei noch Hirn übriggeblieben ist grenzt an ein medizinisches Wunder. Es wurden heißblütige Debatten geführt. Welches ist das bessere Motorrad, welches das bessere Konzept? Es waren die Zeiten der CB 750 Four, Kawa Z 1, BMW R 90 S, Ducati Königswelle, Guzzi V7 Sport usw. Diese Motorräder weckten Begehrlichkeiten.

Etwa zu dieser Zeit fanden sich einige Gleichgesinnte im Ammerland zusammen, die sich nicht damit begnügten Fremdeindringlinge in ihrem „Jagdrevier“ gnadenlos zu verblasen. Sie interessierten sich für die „großen Jungs“ auf den Rennstrecken dieser Welt. So besuchte man die Rennen auf der Isle of Man, die Dutch TT, das 24 Std. Rennen in Spa usw. Nach kurzer Zeit untätigen Zuschauens reifte der Entschluss – das macht bestimmt Spaß, das machen wir auch.

BoxengewuselGeld für ein Rennmotorrad war nicht vorhanden und so mussten die Straßenmotorräder dran glauben. Nummernschild ab, Lampen abgeklebt und los. Zunächst zum Ducati Clubrace nach Holland, nach Eemshaven und zum Österreichring zur Speedweek. Schnell war man sich bewusst, dass man mit diesem Material keinen Blumentopf gewinnen konnte. Die Straßenmotorräder waren einfach zu schwer, hatten zu wenig Bodenfreiheit, zu wenig Leistung und wenn man hinfallen würde, könnte man nicht mal mehr auf der Straße fahren. Da das Ersatzteillager bei den meisten von uns schon gut gefüllt war, keimte der Gedanke sich ein eigenständiges Rennmotorrad zu bauen. Beim einen ging es schnell, beim anderen dauerte es etwas länger, aber irgendwann hatten wir dann unsere Rennmotorräder fahrfertig. Aus welchem Grund auch immer – es waren ausschließlich Motorräder aus italienischer Produktion. Ducati, Laverda und Moto Guzzi. Zwar hatten die Japaner inzwischen eine ganze Stange von guten, konkurrenzfähigen und günstigeren Motorrädern herausgebracht, aber wir hingen nun mal an unseren italienischen Diven.

ACR SPA 2008Die Lehrjahre waren hart und teuer. Obwohl wir nur an sogenannten Clubrennen teilnahmen (bis auf Ralf, unserem 1. Vorsitzenden, der sich im Seriensport stählte) merkten wir doch, dass man für eine Saison Hobby-Racen ganz schön lange arbeiten musste. Das Budget war begrenzt und es kam vor, dass einer nach einem kostenintensiven Motorplatzer mangels Masse die Saison an den Nagel hängen musste. Inzwischen war der Kontakt unter uns gewachsen. Wir kamen zwar nicht alle aus demselben Dorf, trafen uns aber regelmäßig bei den Rennveranstaltungen und hatten viel Kontakt zu Gleichgesinnten. Man half sich untereinander und bei Problemen war immer eine helfende Hand zur Stelle. Männer und Motorräder wurden älter. Die Motorräder waren der inzwischen gehörig gestiegenen Leistung manchmal nicht mehr gewachsen, aber – der Mensch wächst bekanntlich mit seinen Aufgaben.

Im Jahr 2005 beschlossen dann 5 Menschen aus einer Bierlaune heraus diesem Treiben einen Namen zu geben und weil wir traditionsbewusste Bürger sind, sollte es dann auch gleich ein e.V. werden. Nach einigem juristischen Hin und Her war es dann soweit: Die Scuderia A.C.R. e.V. (Ammerland-Classic-Racing) war geboren. Der Name leitet sich aus dem Wort Rennstall (ital. Scuderia) und dem Ursprungsgebiet der Gründungsmitglieder ab. Wir haben derzeit elf aktive und fünf passive Mitglieder. Unser Verein strebt nicht nach hoher Mitgliederzahl, sondern bündelt Erfahrung im Bereich des klassischen Motorradrennsports. Wir haben in unseren Reihen ein paar Menschen die sich das Hobby zum Beruf gemacht haben.

SPA 2011Für Dirk „Olli” Oltmanns war Ducati die Berufung. Die Marke Laverda kam hinzu und seine Erfahrung aus dem Rennsport kommt uns heute bei der teils kniffligen Technik dieser Motorräder zu Gute. Andreas „Öli” Baumgarten hat sich der Marke Moto Guzzi verschrieben. Den Spitznamen hat er sich durch unermüdliches Schrauben in seiner Werkstatt bzw. bis kurz vorm Vorstart hart erarbeitet. Moto Guzzi ist in der Klassikerszene inzwischen immer mehr auf dem Vormarsch und so braucht er sich über Arbeit nicht zu beklagen. Nils Paulsen ist zwar beruflich bei BMW in Stellung, kennt sich aber so ziemlich mit jedem Motorrad aus. Er baut und fährt rattenschnelle Kawasaki Z 1000 und hat im Fahrerlager schon so manch verzweifelten Mechaniker mit stoischer Ruhe und fundiertem Wissen aus der Patsche geholfen. Unsere passiven Mitglieder verfügen alle über handwerkliche Fähigkeiten im Bereich Motorrad und/oder Organisation und so fügt sich alles nahtlos zusammen.

Inzwischen nehmen die Fahrer des A.C.R. mit ihren Helfern europaweit an Veranstaltungen für klassische Motorräder bis Bj. 1982 teil. Hier gibt es die Kategorie Sprintrennen und Endurance. Bei den Sprintrennen geht es meist über eine Distanz von 20 bis 30 Minuten. Egal ob es beim Fischereihafenrennen in Bremerhaven, dem Classic-Grand Prix am Schleizer Dreieck oder eine Veranstaltung für klassische Motorräder in Oschersleben ist – es ist eigentlich immer ein Fahrer des A.C.R. auf dem Podest zu finden.

ACR SPA 2009Seit einigen Jahren hat sich der Langstreckenwettbewerb bei uns in den Focus geschoben. Hier hat es der A.C.R. inzwischen geschafft, sich international in die Spitze zu fahren. Beim Bikers-Classic in Spa/Francorchamps, dem wohl renommiertesten Langstreckenrennen für klassische Motorräder in Europa, gelang dieses Jahr der große Wurf. Platz 2, 8 und 14 sind ein Ergebnis, das die Fachwelt aufhorchen ließ. Die Plätze 8 und 14 wurden mit Ducati Königswellen errungen. Motorräder, die eigentlich nicht den Ruf von besonderer Zuverlässigkeit genießen. Die penible Vorbereitung und Erfahrung von Olli und den Männern von Ducati Melle halfen den Fahrern zum Erfolg. Der 2. Platz wurde mit der schnellen Zentalrohr-Kawasaki Z 1000 eingefahren. Im letzten Jahr wurde der sicher geglaubte 2. Platz in der letzten Runde noch ins Kiesbett geworfen aber dieses Jahr hat’s dann geklappt. Dieses von Niels Paulsen aufgebaute Motorrad wird von Ralf Wobker und einem jeweils zur Verfügung stehenden Spitzenfahrer pilotiert. Wenn es der Zeitplan zulässt, starten wir außerdem noch in der spanischen Langstreckenmeisterschaft in Cartagena.

Unser Fuhrpark besteht derzeit aus folgenden Motorrädern: 2 BMW-Boxer, 5 Moto Guzzi, 4 Ducati Königswellen, 2 Ducati Pantah, 2 Kawasaki Z 1000 und eine Ducati 888, die allerdings in einer moderneren Klasse startet. Fazit: Wir fahren mit Motorrädern, die sich die meisten in die Vitrine stellen oder höchstens am Sonntag bei Sonnenschein bewegen. Wir sind aber der Meinung, dass ihr angestammtes Revier die Rennstrecke ist und fahren sie zur Freude der Zuschauer (und der eigenen natürlich) bis wir die Zielflagge hinter uns gelassen haben.

Weitere Infos über unser Treiben findet ihr im Netz unter www.scuderia-acr.de. Neben Renn­­berichten und Fotos gibt’s dort auch einen Terminkalender. Schaut mal bei uns rein!

P.S.: Wir bedanken uns bei der Firma Continental, die uns mit Rat, Tat und Material zur Seite gestanden hat und würden uns über weitere Unterstützer natürlich sehr freuen…

 

 


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