Amsterdam

Schottland – 2200 km in 6 Tagen

 

aus bma 6/13
von Ralf Löser

Tour durch Schottland- 2200 km in sechs Tagen 

AmsterdamLetztes Jahr hatten wir den Plan gefasst, ein paar Tage durch Schottland zu touren. Die Reise sollte Anfang  August stattfinden. Dummerweise probierte ich mich vorher im Inline-Skaten. Fahre schon ein paar Jahre, aber den eigenen Fähigkeiten sind natürliche Grenzen gesetzt, wie festzustellen war. Ich kam vom Wege ab, landete mit dem Schuh im Gras. Der versank etwas und ich fiel. Dabei ertönte ein akustisches Warnsignal, welches sich als Wadenbeinbruch herausstellte. So wurde nur eine kleine Tour übers Wochenende nach Prag draus. Allerdings ein paar Monate später. 

Aber nun sollte es klappen. Wir buchten die Fähre von Amsterdam nach Newcastle. Rückfahrt gleich mit. Als Etappe für den ersten Tag war Hamburg – Amsterdam angesagt. So 500 km, also kein Problem. Bei mittelschwerem Regen trafen wir uns in Hamburg um 7:30 Uhr und los ging es. Unterwegs nach Amsterdam wandelte sich der mittelschwere Regen kurz in ausgesprochen heftigen Regen. In Amsterdam war es aber zeitweilig trocken. So tranken wir dort einen Kaffee, um dann weiter zur Fähre zu fahren. Einchecken dann bei leichtem Regen. Aber egal, in der Fähre ist es trocken. Mopeds festgezurrt, und ab in die Luxuskabine. 
Wir stellten fest, dass unsere Preiskategorie sich knapp unter der Wasseroberfläche befand. Zum Glück ist die Maschine der Fähre gut isoliert und wir hörten nur ein dumpfes Dröhnen, welches aber locker von den Schnarchgeräuschen des lieben Peter in den Hintergrund gestellt wurde. Vermutlich konnten wir zwei Stunden schlafen. Nur Peter meinte, es wäre doch eine ruhige Nacht gewesen! 

Das-Tor-zur-FaehreAm Morgen dann Sachen packen, Mopeds losbinden und raus auf die Straße. Tatsächlich fuhren alle auf der falschen Seite. Aber mit dem Moped kommt man gut klar. Doch wohin? Wir entschieden uns für nordwärts, Richtung Edingburgh, über Landstraßen. Die supergeniale Navigation mit Ohrstöpsel von Peter wies uns den Weg. Bei wenig Verkehr und ohne Regen knatterten wir nach Edingburgh. Schöne Gegend, Landstraße, leichte Hügel machten das Fahren zum Genuss. HRS auf dem iPhone half bei der Zimmersuche.
Das Hotel war 600 Meter entfernt. Also hin da. Wir fragten nach Zimmern und jeder bekam ein Doppelzimmer für sich. Dann liefen wir ein wenig durch die Stadt. Eine Sehenswürdigkeit reiht sich an die nächste. Uns fielen die Stadtrundfahrtbusse auf. Für 12 Pfund durften wir mitfahren. Das Ticket ist 24 Stunden gültig. Wo man möchte, darf der Bus verlassen werden und die Tour kann mit dem nächsten Bus fortgesetzt werden. Es gibt einen Ohrstöpsel, und die Sprache ist wählbar. Deutsch war möglich, aber ich dachte, Englisch geht auch und es stimmte. Nach einer Tour durch die Stadt und einige Guinness später fanden wir zum Hotel zurück und genossen ein Bett, welches nicht schwankte. 
Motorrad sicher verzurrenNach dem Breakfast ging es weiter in den Norden. Nördlich von Dunblane machten wir eine Rast und tranken einen Kaffee. Kurz darauf bollerte eine Suzuki 1500 V2 auf den Rastplatz und wir kamen ins Gespräch. Der Eigner war Schotte und wohnte in der Nähe. Er hatte drei Motorräder und wollte Teile holen. Seine Suzuki sah aus wie ein Armeefahrzeug. Hätte er alles selbst gemacht, meinte der Fahrer.

Als ich ein Foto der Maschine machen wollte, fiel leider mein neuer Helm (na ja, eine Woche war er schon alt) auf den Asphalt. Da Helme dazu designed sind, Stürze zu überstehen, dachte ich nichts böses. Schrammen sind nun mal nicht immer zu vermeiden. Leider war das Visier offen und brach aus der Halterung. Resümee: Helm OK, Visier im Eimer. Der Schotte wusste Rat. Ich bringe euch zur Straße nach Perth und dort am zweiten Kreisverkehr rechts, dann findet ihr ein Teilegeschäft, war sein Tipp. Wir folgten seinem Chopper, bis er uns den Weg Richtung Perth wies und davon tuckerte. Bei der Einfahrt in den Ort wurde der erste Kreisel passiert. Leider gab es nur einen. Wir folgten der Straße, bis wir in einem Stau feststeckten. So langsam tasteten wir uns weiter. Vor uns ein Polizeiwagen. Auf der Heckscheibe ein Hinweis, dass der Polizist auch Biker sei. Peter fuhr neben den Wagen und klopfte. Bei der nächsten Seitenstraße fuhr der Polizist raus und bleib stehen. Ich entschuldigte mich für diese ungewöhnliche Form der Kontaktaufnahme und schilderte unseren Wunsch, ein Motorrad-Zubehör-Geschäft zu finden.

Edinburgh SchlossZu meinem Erstaunen meinte der Polizist, er hätte leider gerade keine Zeit, sonst würde er uns hinführen. Aber er nannte eine Straße, und der unglaubliche iPhone-Navigator fand sicher den Weg zum Geschäft. Es hatte geöffnet. Ich trat ein und schilderte dem Verkäufer meine Notlage. Ob er ein Visier besorgen kann oder ob es ein Geschäft gäbe, wo wir es bekommen könnten? Er sah sich den Helm an. Ein Visier für die Marke Held hätte er nicht. Und vermutlich gäbe es in der Stadt Perth keines. Wie lange wir denn Zeit hätten? Wenn es bestellt wird, dauert es halt länger. Na ja, wir wollten gleich weiter fahren und nicht unseren Resturlaub in Perth verbringen. Ob er nicht eine Idee hätte? Oder ob er einen preiswerten neuen Helm auf Lager hat? Der Herr sagte, die preiswertesten lägen bei 50 Pfund. Wir gingen zu einem und ich probierte ihn auf. Passte fast perfekt. Ich zögerte. Verdammt, der Helm gerade eine Woche alt und schon Schrott? Na, ja, der Urlaub muss ja weitergehen und die beiden Jungs wollten etwas von Schottland sehen und nicht Motorradgeschäfte besichtigen. Ich sagte dem Verkäufer: OK, wenn er mir den Helm für eine fairen Preis gibt, nehme ich ihn. Er sah mich an und sagt: Thirty Pounds. Ich zögerte. Hatte ich mich verhört? Es war kaum zu glauben. Aber nun wollte ich es wissen. Ich gab ihm 30 Pfund und fragte, ob ich den Held-Helm bei ihm lassen dürfte. Er nickte. Er meinte noch, vermutlich hätte ich nun weniger für den ganzen Helm bezahlt als ein neues Visier für meinen Alten gekostet hätte. Ungläubig verlies ich den Laden. Die weitere Fahrt mit dem neuen Helm verlief gut.

EdinburghWir setzen unseren Weg Richtung Norden fort. Am Nachmittag passierten wir einen Ort namens Dalwhinnie. Uns fiel ein Schild auf, welches auf die gleichnamige Destillery hinwies. Auf dem Parkplatz stellten wir die Mopeds ab und gingen in das Geschäft. Es wurden Touren durch die Destillery angeboten und ich fragte, ob heute noch eine stattfinde? Ja, war die Antwort. Die nächste wäre um 15 Uhr. Es war aktuell 14:55. Also raus zu den Jungs und vorschlagen, die Tour mitzumachen. Bei uns läuft es ja basisdemokratisch. Helme und Tankrucksack durften wir im Büro lassen. Die Führung war kurzweilig, informativ und wir lernten etwas über die Whiskey Herstellung. Es gab einen Probierschluck des 15-jährigen Whiskeys. Der Führer meinte, da er den Abwasch scheut, sollten wir die Probiergläser mitnehmen. Ein netter Zug, meine ich. Dann fragten wir nach dem nächsten B&B. Sollte nicht weit sein. Die ersten beiden hatten keinen Platz. Dann fragten wir bei einem Hotel. Die Dame sagte, sie wäre ausgebucht. Könnte uns aber helfen. Sie telefonierte und sagte, 500 Meter weiter könnten wir unterkommen. Leider sind die Eigner erst in einer halben Stunde am Hotel.

Bed-and-breakfestWir dürften aber bei ihr noch einen Drink nehmen und etwas warten. Gerne nahmen wir an und setzen uns in ihr Kaminzimmer. Die Einrichtung war genial. Edle Möbel, der Garten wie aus dem Bilderbuch. So richtig konnten wir es kaum glauben. Dann fuhren wir zu der von ihr empfohlenen Herberge. The Hermitage Guest House. Vier Sterne! Auch das Haus und der Garten waren wie direkt aus „Schöner wohnen“ herauskopiert. Wir bekommen zwei schöne Zimmer und eine Empfehlung für das Abendessen von den Betreibern Andrew und Pauline. Wer möchte, wirft einen Blick hier: www.thehermitage-scotland.com. Selig schlummerten wir später in den tollen Betten und das Frühstück war Spitze! Pro Person zahlten wir keine 50 Pfund. 

The HermitageAm nächsten Morgen brachen wir Richtung Skye auf, einer per Brücke erreichbaren Halbinsel im Nord-Westen. Die Landschaft dort ist sehr schön. Auch die Fahrt von Kingussie dorthin führte durch die nette, von Seen und kleineren Bergen durchsetzte Landschaft. Leider fing es auf Skye an zu regnen. Also Regenklamotten an und am Abend suchten wir dort eine Unterkunft. Nach Einsatz unser Hightech-Ausrüstung (zwei iPhones) fanden wir telefonisch ein B&B, welches noch zwei Zimmer frei hatte. Vorher auf dem Weg fragten wir an vielen Gasthäusern, aber es gab nur wenig freie Plätze. So im Dauerregen sank die Laune auch ein wenig. Das schlechte Wetter wurde aber durch den nachfolgenden Tag getoppt. 

Wir schlugen den Weg südwärts ein. In Fort William machten wir nach einigen Stunden im Regen auf einen Kaffee halt. Die Fahrt führte durch eine Landschaft, welche mich an Norwegen erinnerte. Leider alles im Regen und Dunst. So mussten wir die Landschaft mehr erfühlen, denn sehen konnte man nicht so viel. Als nächsten Halt einigten wir uns auf Stirling. Das Stirling Castle ist uns empfohlen worden. Mehr sieht man hier: www.stirling castle. gov.uk. Ganz in der Nähe ist noch das Falkirk Wheel, welches meiner Meinung nach auch einen Besuch lohnt (auch im Regen). In Stirling übernachten wir zweimal. 

Schiffshebewerk-Falkirk-WheelDa es regnete und wir keine Lust mehr auf Motorradfahren hatten, fragte ich im B&B nach einem Autoverleih. Arnold Clark sollte der günstigste sein. Nur ein paar Gehminuten entfernt. Auf dem Weg dorthin kamen wir bei einem Hotel vorbei, wo einige Wagen mit einem „Arnold Clark- Sticker“ parkten. Ob das Hotel nebenbei auch Autos vermietet? Ich ging rein und fragte einfach. Die Rezeptionistin schaute mich leicht vorwurfsvoll an und sagte: „Wir sind doch ein Hotel und keine Autovermietung“. Na ja, Terraces Hotel Stirling stand auch draußen dran. Sie bat um einen Moment Geduld, tippte etwas in ihren Computer und drückte mir einen Google Maps Ausdruck mit der Wegbeschreibung in die Hand. Ich war beeindruckt. 

Am nächsten Morgen ging es wieder zurück nach Newcastle. Die Fähre wartete schon. Am Nachmittag fuhren wir ins Boot. Dann die Mopeds festbinden und ab in die Kajüte. Die Fahrt am letzten Tag verlief trocken. Als wir dann in Amsterdam die Fähre verlassen, erwartet uns der Sommer mit 30 Grad. Auf der Rückfahrt nach Hamburg machten wir einen Zwischenstopp in Egmond aan Zee für einen kurzen Sprung in die Nordsee. Das Wasser war herrlich. Aber da auch dieser Tag nur 24 Stunden hat, fuhren wir weiter, um dann am Abend um 20 Uhr wieder in Hamburg zu sein. Insgesamt eine schöne Tour. 

Was mich am meisten beeindruckte war die Freundlichkeit der Schotten, mit denen wir sprechen konnten. Wer eine Tour nach Schottland plant, sollte gute Regenklamotten im Gepäck haben. Die Städte, die Seen, Berge und Wälder sind schon eine Reise wert. B&B klappt recht gut. Allerdings war es auf Skye schwerer, eine Unterkunft zu finden. Zum Glück gibt es so viele schöne Plätze. Reisen hat seine besondere Qualität. Motorradfahren sowieso! 

 

 

 

 

 


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