Sieben auf einen Streich

aus Kradblatt 12/25, Text und Fotos: Georg Gimpy

Im Salzkammergut, östlich von Salzburg, liegen wie funkelnde Edelsteine eine ganze Kette von Seen, die ein Relikt der in grauer Vorzeit vorhandenen eiszeitlichen Gletschern sind. Mittendrin der Attersee, der flächenmäßig größte See, der vollständig in Österreich liegt. 

Roland Schneeweiß präsentiert den Ausblick auf den Attersee von seinem Gasthaus aus.
Roland Schneeweiß präsentiert den Ausblick auf den Attersee von seinem Gasthaus aus.

Hier beginnt unser Abenteuer – eine eintägige Motorradtour mit sieben Seen, die uns Natur, Fahrspaß und pures Lebensgefühl schenken soll. 

Unsere Tour startet beim Gast-Hof-Laden Schneeweiß in Abtsdorf am Westufer des Attersees – einem Moho-4-Helmer. Weitere Seen auf der Route sind Traunsee, Wolfgangsee, Mondsee, Fuschlsee, Irrsee und Wallersee. 

See-Café Johannesberg: hier trifft man sich als Biker.
See-Café Johannesberg: hier trifft man sich als Biker.

Roland Schneeweiß, Chef des Gast-Hof-Ladens, versorgt uns am Vormittag mit einem kräftigen, reichhaltigen Frühstück vom Buffet – genau das Richtige für einen langen Tag im Sattel. Die Sonne lacht, der Himmel zeigt sich in seinem schönsten Blau. Besser könnten die Voraussetzungen nicht sein. Rund 230 Kilometer Freiheit, glatter Asphalt und jede Menge Wasser liegen vor uns.

Unser erstes Ziel: Schörfling am Attersee. Wir umrunden den See gegen den Uhrzeigersinn und genießen bei jeder Kurve neue Ausblicke auf das glitzernde Wasser des Attersees. Kleine Bootshäuser stehen wie stille Wächter am Ufer. Ein erster kurzer Stopp, einfach um zu atmen, zu schauen – zu genießen. Für Kunstfans empfiehlt sich hier ein Spaziergang entlang des Gustav-Klimt-Themenweges inklusive Villa Paulick und Schloss Kammer in Seewalchen. 

Skurille Skulptur von Fernando Sánchez Castillo am Traunsee.
Skurille Skulptur von Fernando Sánchez Castillo am Traunsee.

Von Schörfling aus schwenken wir etwas nach Norden und erreichen über Rutzenmoos den wunderschön gelegenen Traunsee. Schon die Anfahrt ist ein Erlebnis: sanfte Hügel, frisches Grün, und dann plötzlich – dieser Blick auf den tief eingeschnittenen See, umrahmt von steilen Felswänden. In Traunkirchen legen wir am von Roland Schneeweiß empfohlenen See-Café Johannesberg unsere erste längere Pause ein. Von hier hat man einen herrlichen Rundumblick auf die Steilwände des Traunsees. Beim See-Café trifft man an schönen Tagen viele Motorradfahrer für einen kurzen Plausch – so auch an diesem Tag. Wir befahren die Westseite des Traunsees und erreichen nach rund 40 Kilometer sanft geschwungenen Kurven den sehr touristischen Wolfgangsee. In St. Gilgen machen wir kurz Halt – hier, wo Helmut Kohl jahrzehntelang seine Sommer­urlaube verbrachte. Das berühmte Weiße Rössl in St. Wolfgang am Nordufer, welches Peter Alexander besang, schenken wir uns. Stattdessen genießen wir den Fahrtwind, der uns weiterträgt.

Nur ein paar Kilometer entfernt, vorbei am Schloss Hüttenstein, liegt der in Privatbesitz befindliche Mondsee. Hier wurden 1872 Überreste jungsteinzeitlicher Pfahlbausiedlungen entdeckt, die heute ein Teil der UNESCO-Welterbestätten sind. 

Tolle Aussicht, klasse Motorradstrecken, gutes Esse - was will man mehr?
Tolle Aussicht, klasse Motorradstrecken, gutes Esse – was will man mehr?

Im gleichnamigen Ort biegen wir scharf links Richtung Fuschlsee ab. Über die Österreichische Romantikstraße erreichen wir die romantische Marktgemeinde Thalgau. Eine schmucke, kleine Ortschaft mit etwas über 6.200 Einwohnern. Die Pfarrkirche Thalgau mit ihrem schön anzusehenden Kirchturm steht unter Denkmalschutz. Gegenüber der Pfarrkirche lädt das Ro&Ko am Marktplatz mit seinem beschatteten Biergarten für einen kurzen (oder auch langen) Stopp ein. Wir halten kurz für ein Foto – der Biergarten ist leider voll, aber ein Schluck Mineralwasser aus der Flasche tut’s auch. Wir erreichen den zehn Kilometer entfernten Fuschlsee. Am Fuschlsee fahren wir südlich auf der Wolfgangseestraße fast schnurgerade entlang. In Hof bei Salzburg biegen wir scharf rechts ab. Der Wallersee, der sechste See des Tages wartet. Die Straße dorthin schlängelt sich kurvig durch Weiden. 

Am Mondsee lässt es sich auch gut aushalten.
Am Mondsee lässt es sich auch gut aushalten.

Der Duft von frisch gemähtem Gras begleitet uns bis nach Henndorf am Wallersee. Die Strecke lässt sich zügig und mit Genuss durchfahren. Den Wallersee lassen wir quasi links liegen und erhaschen nur ein paar kurze Blicke. 

Vom Wallersee zum siebten See des Tages sind es rund 20 Kilometer. Ein Stück über die Bundesstraße bis nach Straßwalchen. Dann endlich wieder kleinere Straßen, freies Fahren, freie Gedanken. In Straßwalchen fahren wir am ARBÖ Fahrsicherheits-Zentrum vorbei. Dort finden immer wieder richtig anspruchsvolle Fahrsicherheitstrainings statt. In Österreich ist es übrigens Pflicht für Führerschein-Neulinge ein Fahrsicherheitstraining zeitnah nach bestandener Prüfung zu absolvieren. Eine Regelung die in Deutschland auch Anwendung finden sollte. 

In Zell am Moos angekommen, empfängt uns der Irrsee still und friedlich. Er steht unter Naturschutz, ruhig liegt er da. Der Irrsee wird im Sommer an ausgewiesenen Stellen als Badesee genutzt, da er zu den wärmsten der Seenkette gehört. Ein Ort, an dem man einfach verweilen möchte. 

Solche im Wasser stehende Bootshäuser gibt’s am Attersee viele.
Solche im Wasser stehende Bootshäuser gibt’s am Attersee viele.

Doch der Hunger treibt uns weiter – zurück nach Mondsee, diesmal an die belebtere Nordseite. Heute morgen auf der südwestlichen Seite des Mondsees, peilen wir jetzt einen längeren Stopp in Mondsee an. Direkt am See gibt es einen für Motorräder kostenlosen Parkplatz. Allerdings dauert die Parkplatzsuche doch etwas länger, denn gerade an so schönen, sonnigen Tagen ist der Parkplatz doch ziemlich stark frequentiert. Endlich haben wir Parkplätze gefunden – Matthias hat sogar ein Schattenplätzchen ergattert. Motorradjacken runter, Helm ab, durchatmen. Danach schnurstracks zu einem Imbiss direkt am Ufer des Mondsees. Wir lassen den Blick über das Wasser schweifen und genießen den Moment. Menschen spazieren vorbei, Kinder lachen, Tret- und Elektroboote gleiten über die glitzernde Fläche – das Leben fühlt sich leicht an.

Frisch gestärkt nehmen wir die letzten dreißig Kilometer unter die Räder. Die Strecke führt uns entlang der Autobahn A1 bis Strass im Attergau. Die letzten Kilometer bis zum Ziel sind dann nochmal wunderschön kurvig mit stetem Blick auf den Attersee – was für ein gebührender Abschluss der Tour!

Zurück am Ausgangspunkt legen wir die Helme ab – etwas müde, aber glücklich. Sieben Seen, unzählige Eindrücke. Jeder See hat seinen eigenen Charakter, seinen eigenen Zauber. Und doch – wenn ich mich entscheiden müsste, dann wäre der Traunsee mein Favorit.   


Hoteltipp:

Gast-Hof-Laden Schneeweiß
Gast-Hof-Laden Schneeweiß

Der Gast-Hof-Laden Schneeweiß liegt ruhig und mit Blick auf den Attersee in Abtsdorf. Roland Schneeweiß, selbst ein leidenschaftlicher Motorradfahrer, führt den Gasthof seit 2020. Die Schreibweise „Gast-Hof-Laden“ hat sich Roland so ausgedacht, da er einerseits einen Gasthof und andererseits einen Hofladen betreibt. Im Hofladen gibt es regionale Produkte zu kaufen, die allesamt entweder von Roland selbst oder von seinem Bruder Simon hergestellt werden. Als Mitbringsel für die Zuhausgebliebenen (oder für sich selbst) sind seine Schnäpse, Marmeladen, Sirups und Dosenwurst sehr zu empfehlen.

Im hauseigenen Außenpool kann man nach einer Tour herrlich entspannen. Halbpension ist absolut zu empfehlen. Roland kocht selbst vorzüglich für seine Gäste.

Als „4-Helmer“ Moho-Hotel gibt es im Gast-Hof-Laden Schneeweiß eine Motorradgarage, eine Schrauberecke, einen Helm- und Motorradwaschplatz, einen Trocknungsraum und natürlich Tourenkarten sowie GPS-Downloads. Wenn es zeitlich passt, fährt Roland gerne mit Euch seine Lieblingstour.  

Tourfacts:

  • Länge: 230 km
  • Kalkulierte Fahrzeit ohne Pausen und Besichtigungen: ca. 4 Stunden
  • Calimoto Kurvenlevel: 53
  • Tankstellen Infrastruktur: sehr gut
  • Bikers welcome: Ro&Ko in Thalgau, See-Café Johannesberg in Traunkirchen
  • Empfohlene Reisezeit: ab April wenn alles blüht bis hinein in den Herbst

Hier gibts die GPX-Datei zum <Download>

Info-Links:

www.gasthofladen.at
www.moho.info