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Royal Enfield Himalayan – Erfahrungsbericht

aus Kradblatt 4/21 von Hartmuth Weyhe

16.000 km mit Royal Enfield Himalayan

Royal Enfield Himalayan - es muss nicht immer eine fette Reiseenduro sein
Royal Enfield Himalayan – es muss nicht immer eine fette Reiseenduro sein

In 10 Monaten habe ich auf meiner Royal Enfield Himalayan 16.000 km zurückgelegt.
Zeit für ein kurzes Resümee. Was ist mir auf- bzw. was ist vorgefallen? Hier eine kleine Liste:

  • Ein ausgewachsenes Motorrad für wenig Geld (4.800 €; als Vorführer 1.000 € günstiger)
  • Serienmäßiger Gepäckträger; der ist jedoch zu klein, um eine Gepäckrolle oder -tasche sicher zu verzurren
  • Übersichtliche Sitzposition, aber nach einer Stunde Fahrt unbequeme Sitzbank
  • Formschönes Windschild, verursacht aber bei 1,75 cm großem Fahrer mit Klapphelm sehr laute Geräusche
  • Sehr mäßige Vorderradbremse, dafür leistet die hintere Bremse sehr gute Arbeit
  • Mäßige Beschleunigung bei geringem Verbrauch
  • Höchstgeschwindigkeit nicht ermittelt; 120 km/h werden ohne Anlauf erreicht
  • Bei Dauergeschwindigkeit um die 4.500 U/min (80–95 km/h) vibrationsfreier Motorlauf
  • Schon ab 2.000 U/min kann Gas angelegt werden
  • Gutmütiges Fahrwerk für Straßen aller Art und Feldwege
  • Bordwerkzeug gibt es unter der Sitzbank
  • Ölt leicht; Mangel konnte trotz dreier Eingriffe bisher nicht beseitigt werden
  • Batterie bei km-Stand 1.800 und Tacho bei km-Stand 3.000 defekt
  • Ersatzteile waren unverzüglich lieferbar und auf Garantie gewechselt
  • Sozius Sitzkissen zu klein, mit Gepäck nicht mehr nutzbar
  • Kennzeichenbeleuchtung bei 14.000 km lose vibriert
  • Alle 5.000 km Wartung vorgeschrieben mit z. T. in meinen Augen
  • unsinnigem Austausch (z. B. Wechsel Kupplungszug)
  • Gute, deutsch gefasste Bedienungsanleitung, allerdings ohne technische Daten für Wartungsarbeiten
  • Sehr gute Ablesbarkeit der Instrumente, leider zeigen Kompass und Außentemperaturanzeige Fantasiewerte an
  • Kette und Reifen bei 15.000 km am Ende
  • Händler sind sehr unterschiedlich, aber recht häufig und engagiert
  • Versicherung und Steuer minimal (zusammen keine 75 € im Jahr)
  • SW-Motech Sys Bags sind passgenau und wasserdicht – empfehlenswert
Royal Enfield Himalayan - Der Weg ist das Ziel
Royal Enfield Himalayan – Der Weg ist das Ziel

Auch wenn sich bei der Aufzählung diverse Negativpunkte ansammeln, fällt mein Fazit als Solofahrer eindeutig positiv aus. Eines lässt sich nämlich nicht messen: die sympathische Ausstrahlung des Einzylinders beim Betrachten sowie beim Fahren. 

Das Fahrzeug ist wertig gestaltet (z. B. stilisierte Berge als Tachohintergrund oder geprägtes RE-Logo auf Sitzbank und Windschild) und das Fahren ist völlig relaxt. Für mich ist es das ideale Winter- und Schlechtwetterfahrzeug, was gerade bei widrigen Bedingungen stressfrei zu beherrschen ist. 

Bei guten Witterungsbedingungen: Hektik über Bord werfen, Nebenstraßen auswählen und genießen. Zu meiner persönlichen Überraschung habe ich im letzten Jahr mit meinem Reisemotorrad BMW R 1200 R LC gerade mal 12.000 km abgespult, mit der Himalayan hingegen 16.000 km.

Royal Enfield Himalayan - Cockpit inkl. Kompass
Royal Enfield Himalayan – Cockpit inkl. Kompass

Als „Weihnachtsgeschenk“ habe ich mir dann eine Royal Enfield Interceptor gegönnt und die Hima­layan in Zahlung gegeben. 

Nach den ersten 1.500 km muss ich sagen, dass ich es schon bedauere. Optisch ist die 650er wirklich klasse und sie fährt auch prima. Aber was dem Fahrzeug völlig abgeht, ist die „Persönlichkeit“. Ohne ketzerisch zu sein (ich bin auch Yamaha-Fahrer), die 47 PS fahren sich „japanisch-perfekt“. Aber das wäre schon wieder eine neue Story, für die ich erstmal ein paar Kilometer sammeln werde.


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