Chicks on Podium

Renntraining für Frauen in Most

aus bma 09/05

von Ute Oppen

Chicks on Podium Schreck, was hab’ ich getan? Gerade habe ich mich zum Rennstreckentraining für Frauen angemeldet, da bekomme ich auch schon die Anmeldebestätigung, nun kann ich wohl nicht mehr zurück. 284 Euro für zwei Tage, und dann darf ich auch nur 20-30 Min. pro Stunde fahren – unglaublich, wie konnte ich das nur tun? Nur, weil es einfach geil ist, ohne Tempolimit, ohne Gegenverkehr, mit ausgesprochen wohlklingenden Micron-Tüten, ohne den üblichen Balast wie Spiegel, Scheinwerfer, Blinker, mal das Knie über den Asphalt schleifen zu lassen? Ja, Ja, Ja.
Na gut, Übermut läßt Grüßen, aber geplant werden will die Sache schon. Zu zweit ist ja angeblich alles leichter, also ist schnell beschlossen, Petra und ich fahren gemeinsam. Schon als wir die Motorräder aufladen (natürlich mit männlicher Hilfe – danke Holger, danke Hubi), fangen wir an uns richtig gut zu fühlen. Als wir dann aber im Auto sitzen und mit den Mopeds auf dem Anhänger die Blicke der Anderen spüren, ist klar, wir sind „kleine Helden”.
Immer wieder spüren wir das Interesse der Anderen, fragende Blicke: Kommen die Männer nach, sind das zwei Tussen, die da mit den Motorrädern? Als der Zollbeamte nach genauer Kontrolle unserer Ausweise fragt, ob wir auf die Rennstrecke fahren, hätte ich am liebsten geantwortet: Neeeee – Kochkurs, aber, ich habe dann doch nur höflich genickt.
Ohne überhaupt einen Meter auf der Strecke gefahren zu sein, wußte ich, es war gut, daß ich mich angemeldet habe. Es macht jetzt schon Spaß.
Auf dem Motodrom angekommen suchten wir uns einen schönen Zeltplatz, holten die Mopeds vom Hänger (ganz alleine, ja, ja), fingen an, bei Petras Maschine die Töpfe zu tauschen, Spiegel und Blinker abzubauen, und uns in den interessierten und zweifelnden Blicken der Männer zu baden. Nachdem alles getan war, ließen wir uns registrieren und fuhren voller Stolz unsere Mopeds (VTR 1000 F) in die Box, wobei ich ganz klar (nach Aussage der unparteiischen Nachbarbox) die Soundwertung gewonnen habe. Nun kamen auch langsam die anderen Mädels, und wir verabredeten uns zu einem gemeinsamen Abendessen.

 

Chicks on BikeAm Morgen ging’s dann um 8:30 Uhr mit der Fahrerbesprechung los, 9:20 Uhr die erste Besichtigungsrunde auf dem Kurs. Wunderbar, acht Frauen und ein Instruktor auf 4148 m Streckenlänge, mit einer fiesen Rechts und einigen schönen Kurvenkombinationen. Wir ließen es ruhig angehen und versuchten erst einmal nur die Strecke kennen zu lernen. Unser Instruktor wies uns den Weg von Pilone zu Pilone, die es uns erleichterten, die Ideallinie zu finden. Nach zwei Runden gab er ein Zeichen, wer wollte, konnte jetzt frei fahren. Huiiii, wenn keiner vor mir ist, sieht die Strecke ganz anders aus, bin ich jetzt nicht zu schnell für diese Kurve, wie ging’s doch gleich hinter dieser Kuppe weiter, welchen Gang ich wohl gerade drin habe? Tja, hinterherfahren ist leichter, so beschloss ich also, beim nächsten Turn doch lieber noch mal mit „dem Meister” zu fahren. Michael (der Meister) fuhr also noch mal zwei Runden mit uns die Reifen warm, um dann mit mir noch ein paar Extrarunden zu drehen. Schön, so langsam prägte sich der Kurs ein, und als er mich dann vorbeiwinkte, damit ich unter seinem gestrengen Blick vorausfuhr, lief es schon viel, viel besser.
Den zweiten Turn hat uns ein Mann versaut, grrrr, da hat doch irgendein Typ die Piste so zugeölt, daß die Streckenposten unsere ganze Fahrzeit für die Streckenreinigung benötigen, grrrr. Der Nachmittag läuft schon etwas besser, wir müssen von unseren 30 Minuten nur 10 abgeben, aber Frau war ja schon dankbar, wenn sie überhaupt fahren durfte. Leicht angesäuert begab ich mich auf die Piste- und welche große Freude, nach zwei Warmfahrrunden lief’s einfach super, und hatte das Knie da nicht gerade am Asphalt gekratzt? Wieder in der Boxengasse versammelt stellten wir fest, daß es trotz der Warterei bei allen gut gelaufen war. Ich hatte zwar Mühe den Kratzer auf dem Schleifpad zu finden, aber das trübte meine Freude über dieses herausragende Gefühl nur wenig. Bei Petra haben wir dann erstmal die nun angeschliffenen Angstnippel von den Fußrasten abgeschraubt. Wer braucht die eigentlich? Sehen doch recht blöd aus. Zur großen Freude aller mußten wir vom letzten Turn dann nichts mehr abgeben. Vielen Dank an die Männer. Es war eine wundervolle „ganze halbe Stunde”, in der ich mit „meinem Meister” eine schöne Runde nach der anderen abgespult habe, vielen Dank Michael! Nach diesen etwas schnelleren Runden hatte jedoch mein Reifen etwas gelitten, so daß ich beim Reifendienst um einen Wechseltermin bat, den ich dann auch sofort bekam, sogar mit Service, Danke.
Knieschleifen Pünktlich um 19:00 Uhr, Petra und ich wollten eigentlich noch gemütlich vorm Zelt sitzen, über diesen wundervollen Tag plaudern und Spagetti kochen, da fing es doch echt so an zu schütten, daß wir alles zusammenpackten und zu den „Warmduschern” ins Hotel fuhren, um dort mit ihnen zu speisen. Es wurde dann noch ein feucht fröhliches Abendessen, und als wir wieder auf dem Zeltplatz ankamen, war die Pfütze vorm Zelt schon gar nicht mehr so groß und der Himmel schon wieder sternenklar. Schöne Aussichten für den nächsten Tag.
Am nächsten Morgen dann war es rundherum grau und kein Lüftchen regte sich, was sollte das? Der Asphalt war mal dunkel, mal hell, an einigen Stellen waren noch Pfützen. Ob man schon wieder voll fahren kann? Die Gruppe vor uns war nicht vollzählig angetreten, war das Bier nicht gut oder war es doch rutschig? Egal, wir Mädels gehen auf jeden Fall raus. Wir waren alle etwas vorsichtiger als am Nachmittag zuvor, aber wir kosteten unsere Zeit voll aus. Langsam zogen noch dunklere Wolken auf, doch auch unseren nächsten Turn konnten wir noch im trockenen fahren. Obwohl schon mächtige Blitze am Himmel zuckten, wir kamen noch trocken um den Kurs. Nachdem ich die Strecke verlassen hatte, fuhr ich gleich runter zum Zelt und verstaute alles regensicher. Ich war gerade wieder in der Box angekommen, da fing es heftig an zu schütten. Das war es also, schade. Einige von uns sind zwar hin und wieder noch gefahren wenn es nicht gar so arg regnete, aber da die Strecke den ganzen Tag über naß blieb, war es halt nicht mehr so schön. Wir verbrachten so einen Teil der „Regenzeit” damit, unsere wirklich gut gewordenen „Schräglagenbilder” anzusehen bzw. zu kaufen und den Regenhelden auf der Strecke zuzujubeln. Beim gemeinsamen Abendessen war sich ein großer Teil der „Chicken-Racer” sicher: Im nächsten Jahr sind wir wieder dabei. Auch unser Meister war zufrieden, er würde es im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder mit uns aufnehmen. Also Frau, schau mal ins Netz rein, such Dir den nächsten Anbieter und trau dich.

 

 

 


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