Rastenschleifer 1

Renntraining auf Phillip Island / Australien

 

aus Kradblatt 5/16
Olaf Jansen von Radio „rastenschleifer“ im Interview

Renntraining auf Phillip Island / Australien

 

Rastenschleifer 1Phillip Island ist eine kleine Insel, etwa 80 Kilometer Luftlinie südöstlich von Melbourne entfernt. Berühmt ist die Insel für ihre Zwerg-Pinguine und natürlich für ihre Rennstrecke, auf der jährlich die Superbike-WM und die MotoGP zu Gast sind.

Das erste Rennen auf der Insel fand 1926 mit dem ersten australischen Grand Prix statt. Damals war der Kurs noch ein Hochgeschwindigkeits-Dreieck auf abgesperrten öffentlichen Straßen. Zahlreiche schwere Unfälle bewegten ortsansässige Geschäftsleute dazu, 1951 eine neue Rennstrecke zu bauen. Direkt an der südlichen Küste entstand die jetzige Berg- und Talbahn, der Phillip Island Circuit.

Für viele Hobby-Rennsportler aus Deutschland bzw. Europa ist es sicher ein Traum dort einmal im Renntrimm zu fahren. Diesen Traum erfüllte sich nun Olaf Jansen aus Lüneburg. Er ist u.a. einer der Macher der Radiosendung „rastenschleifer“, die 14-tägig jeweils mittwochs über die Frequenzen von Radio ZuSa ausgestrahlt wird und sicher vielen Lesern bekannt. Wir haben uns mal mit Olaf getroffen und gefragt, wie er seinen Traum in die Realität umsetzen konnte:

Rastenschleifer 2KB: Wie kam es zu der Idee nach Australien zu fliegen und auf Phillip Island auf dem Rennkurs zu fahren?

OJ: Über den Jahreswechsel 2006/2007 war ich mit meiner Freundin Maggi erstmalig in Australien. Kurz vor Weihnachten 2006 waren wir in Melbourne. Dort las ich in einer Werbebroschüre, dass es möglich ist auf Phillip Island ein Motorrad zu mieten um dort zu fahren. Ich rief dort gleich an um mögliche Termine zu checken. Leider hatte der Veranstalter genau zu unserer Reisezeit Sommerferien. Bei einem Spaziergang durch den Albert-Park (Anm.d.R.: dort findet alljährlich der Start in die Formel 1- Saison statt) kamen wir zu dem Entschluss beim nächsten Australienurlaub neben dem Besuch der Formel 1 Veranstaltung in Melbourne auch an einem Renntraining auf Phillip Island teilzunehmen.

KB: Wie lief die Buchung ab?

OJ: Das Booking haben wir frühzeitig im Internet gemacht. Der Veranstalter ist die MEGA (Motorcycling Events Group Australia), die zusammen mit der California Superbike School die sog. Phillip Island Ride Days (PIRD) veranstalten. Neben der Terminbuchung kann man dort auch ein
Superbike sowie die komplette Sicherheitsbekleidung buchen.

Rastenschleifer 3KB: Was kostet die komplette Buchung? Und was für ein Superbike bekommt man dafür?

OJ: Wir haben eine eintägige Veranstaltung gebucht. Neben der normalen Streckengebühr sind Kosten für die BMW S 1000 RR inkl. Benzin und Box sowie für die komplette gebrauchte Sicherheitsbekleidung in Höhe von rund 725 A$ angefallen. Bei einem Wechselkurs von derzeit gerundet 0,70 A$ für einen Euro betrugen die Kosten also lediglich ca. 505 Euro.

KB: Das ist günstig. Wie sieht es mit einer Versicherung bei möglichen Sturzschäden aus?

OJ: Im Mietvertrag wird eine Kaution für das Mietmotorrad in Höhe von 1.000 A$, für die Sicherheitsbekleidung in Höhe 750 A$ veranschlagt. Die maximalen Reparaturkosten werden pro Motorrad mit 5.000 A$ angegeben. Die Kautionen wurden aber nicht abgebucht. Bei der Einschreibung musste ich als Sicherheit meine Kreditkarte hinterlegen. Bei einem Sturz wären mir erst mal pauschal 5.000 A$ vom Konto abgebucht worden, die dann mit den tatsächlichen Reparaturkosten wieder verrechnet worden wären.

KB: Waren das Motorrad und die Reifen neu?

OJ: Nein, die Miet-Motorräder hatten alle um die 14.000 km auf der Uhr und schon zahlreiche kleine Sturzschäden wie Beulen und Kratzer. Die Schäden sind bei der Übergabe gemeinsam begutachtet und auf einem Übergabeprotokoll notiert worden. Ähnlich wie beim Mieten eines Autos. Die Profil-Sportreifen waren angefahren.

KB: Warst du der einzige Nicht-Australier?

OJ: Nein, insgesamt hatte der Veranstalter sieben S 1000 RR in der Vermietung, von denen einige sogar doppelt für verschiedene Gruppen belegt waren. Neben Australiern haben auch zwei Franzosen aus Neukaledonien und ein Kanadier die Veranstaltung mit einem Mietmotorrad gebucht.

KB: Wie lief das Training ab?

OJ: Der Ablauf des Trainings ist genauso wie hier in Deutschland. Die Fahrer haben sich bei der Buchung bereits in vier verschiedene Gruppen, je nach dem fahrerischen Talent eintragen können. Vor Beginn des Trainings gab es ein umfassendes Sicherheits-Briefing. Danach sind die verschiedenen Gruppen im 20 Minuten-Takt für jeweils 6 Turns auf den Ring gegangen.

KB: Wie bist du mit dem Kurs zurechtgekommen und wie war das Motorrad?

OJ: Hier in Deutschland fahre ich auch eine S 1000 RR, so dass ich mit dem Handling des Motorrades von Anfang an keine Schwierigkeiten hatte. An die Strecke musste man sich erst mal herantasten. Es gibt einige knifflige Kurven. So ist die Kurve 9 – Luckey Heights – eine echte Herausforderung. Der Scheitelpunkt der Kurve liegt auf einer Kuppe, die nachfolgende Kurve 10 ist erst im letzten Augenblick einsehbar.

KB: Wie war das Fahrerniveau beim Training.

OJ: Das durchschnittliche fahrerische Talent ist gleichzusetzen mit unserem Durchschnitt. Der Kurs auf Phillip Island erlaubt hohe Geschwindigkeiten und ist damit sehr schnell. Es gibt einige Passagen, in denen auch der Mut des Fahrers gefragt ist, den Gashahn einfach stehen zu lassen. Ich selbst bin in einer Runde handgestoppt deutlich unter zwei Minuten geblieben. Das war völlig ok. Das Wichtigste für mich war, nicht zu stürzen. Schließlich hatten wir noch zwei weitere Wochen Urlaub vor uns.

KB: Bist du zufrieden mit der Veranstaltung?

OJ: Ich bin mehr als zufrieden mit der Veranstaltung. Der ganze Tag war super durchorganisiert. Es standen immer kalte Getränke für alle bereit. Der Motorradservice lief tadellos. Ich hatte eine Menge Spaß auf der Strecke.

KB: Falls wir jetzt einige Leserinnen und Leser animiert haben auch einmal auf Phillip Island zu fahren, wo bekommt man die nötigen Informationen her?

OJ: Sicher kann man sich auf der Homepage PIRD www.phillipislandridedays.com.au ausreichend informieren. Ich bin aber gerne bereit auch persönlich einige Tipps zu geben. Kontaktieren kann man mich über unsere rastenschleifer Homepage www.rastenschleifer.net. Oder direkt per E-Mail: rastenschleifer@zusa.de.

KB: Klasse Sache, vielen Dank Olaf!


Kommentare

Kommentar hinzufügen

* Pflichtfelder