Endurotraining-Driving-Area

Reiseenduro-Training in der DRIVING AREA

Ausprobiert in Kradblatt 6/19, von Marcus Lacroix

Offroad mit GS & Co

Reiseenduro-Training in der DRIVING AREA - Slalom weit gesteckt Seit kurzem unterstützt die DRIVING AREA Wesendorf das Kradblatt mit Anzeigenschaltungen, worüber wir uns natürlich sehr freuen. Eine Vorstellung davon, was die DRIVING AREA ist, hatte ich allerdings nicht. Ein paar Klicks auf die Website www.driving-area.de machen einen schon schlauer: das meiste dreht sich um Trainings für Reiseendurofahrer. BMW und KTM sind als offizielle Partner mit im Boot, entsprechend sind auch Leihmotorräder dieser beiden Marken für die Trainings verfügbar. Man kann aber auch mit der eigenen Maschine (passende Bereifung vorausgesetzt) teilnehmen.

Reiseenduro-Training in der DRIVING AREA - Spurrille Das hört sich interessant an und so habe ich mich sehr über die Einladung gefreut, mir ein 1-Tages-Reiseenduro-Training live anzuschauen und mitzumachen. Ich war gespannt: Was wird geboten? Für wen ist das Angebot gedacht? Bringt es was? Wer fährt überhaupt mit den Brocken ins Gelände? Fragen über Fragen, die an einem Freitagmorgen im Mai beantwortet wurden …

Etwas verschlafen startete ich um viertel vor sechs in Oldenburg. Die DRIVING AREA liegt im Hammerstein Park, einem ehemaligen Kasernengelände bei Wesendorf, nahe Gifhorn, Wolfsburg und Braunschweig. Dort wurden nicht nur ehemalige Liegenschaften als Schulungsräume, Umkleiden und Sanitäranlagen inkl. Duschen schön hergerichtet sondern auch ein Gelände mit verschiedenen Übungssektionen gespickt. Ergänzend gibt es eine Fläche für Schräglagentrainings mit einem so genannten „Wingbike“ – ein Motorrad mit Auslegern (erstmalig in Deutschland auf Basis einer BMW R 1200 GS). Das ist aber ein anderes Training der DRIVING AREA.

Die Teilnehmer, die sich morgens um 8 Uhr in der gemütlichen „Coffee Corner“, der auch für Besucher offenen Gastronomie im ehemaligen Wachgebäude, zum Frühstück trafen, waren bunt gemischt. Von knapp über 20 bis knapp unter 70, hauptsächlich Männer. Die meisten nutzten die Leihmotorräder der DRIVING AREA. Für mich stand eine BMW R 1200 GS bereit, fürs Gelände ganz sicher nicht meine erste Wahl, fahre ich da doch sonst eine kleine Honda CRF 250 L. Aber egal, ich war gespannt, wie sich das Trumm so macht.

Reiseenduro-Training in der DRIVING AREA - kleine Wasserdurchfahrt Es folgte eine kurze Einweisung in den Ablauf, die Aufteilung der Gruppen und die Vorstellung unserer Trainer Frank und Peter. Was mir bei der Vorstellungsrunde der Teilnehmer auffiel: mit drei Offroad-Einsteigertrainings im Hoope Park bei Bremen und gelegentlichen Ausfahrten über Feld- und Waldwege, war ich fast schon ein „alter Hase“. Einige Teilnehmer waren noch nie abseits der Straße unterwegs, andere vor ewigen Jahren. Manche wollten mit ihrer neuen Reiseenduro in den Urlaub ans Nordkap oder in den Süden und dabei auch mal einen unbefestigten Weg unter die Räder nehmen, andere  nur mal gucken, wie sich eine schwere Reiseenduro, wie die BMW R 1200 GS oder eine KTM 1290 Super Adventure, abseits befestigter Straßen fahren lassen. Alle hatten die Erwartung, auf losem Untergrund selbstsicherer zu werden – und die Trainer hatten 8 Stunden Zeit, uns das zu vermitteln. So saßen, bzw. standen, wir auch alsbald auf den Maschinen. Eine Null-Erfahrung-Gruppe und eine etwas ambitioniertere. In meinem kompletten Offroad-Ornat fühlte ich mich ziemlich overdressed, die anderen trugen normale Textil-Motorradkleidung, was auch ausreichend ist. Einzig beim Schuhwerk empfehlen sich Stiefel mit fester Sohle, da quasi alles auf den Rasten stehend gefahren wird. Auch bei einem Umfaller bieten Offroadstiefel mehr Schutz. Enduro-Stiefel können a. W. ergänzend gebucht werden.

Reiseenduro-Training in der DRIVING AREA - Wenden am Hang Wir begannen mit einer lockeren Besichtigungsrunde und man konnte diverse, auf dem Gelände verteilte, Hindernisse ausmachen: Slalomstangen, Single-Trails, schmale Pfade durch eng stehende Bäume, Schotterhaufen und kleine „Berge“ mit verschiedenen Auf- und Abfahrten, eine Treppe, zwei Wasserdurchfahrten, Erdlöcher und Buckel, Kantsteine, Gras, Sand, Steine, Mutterboden, Spurrillen, zwei Felder mit losen Hackschnitzeln und sicher habe ich noch was vergessen – also alles was Spaß macht … oder vor dem man seine Angst besiegen will. Die Stationen liegen eng beieinander und so lässt es sich intensiv trainieren.

Reiseenduro-Training in der DRIVING AREA - Gaaaas im Hackschnitzelfeld Wie bei jedem Training entwickelt sich eine gewisse Gruppendynamik, auf die gute Trainer eingehen und so das Lerntempo bestimmen. Das klappte in beiden Gruppen sehr gut. Die Lernkurven waren steil, die Gesichter strahlten. 

Die Übungseinheit „wie hebe ich meinen Reiseenduro-Brocken auf, wenn er im Dreck liegt“ folgte passenderweise, nachdem der Erste seinen Bock hingeschmissen hatte. Die Maschinen können das ab und sind zudem versichert. Handelt man nicht grob fahrlässig gegen die Instruktionen des Trainers, ist man im grünen Bereich. Zwei Techniken zum Hochwuppen wurden uns gezeigt und geübt. Speziell die Variante mit dem Rücken zur Maschine und diese aus den Beinen hochdrücken kannte nicht jeder.

Reiseenduro-Training in der DRIVING AREA - Gar nicht schwer: Treppe runter...Auch interessant: wie rette ich mich aus der Situation, wenn ich einen Hang nicht hoch komme?

Spannend war für viele Teilnehmer der Unterschied zum Straßenfahren. Man zwingt Offroad der Maschine nicht punktgenau die Linie auf. Locker lassen, laufen lassen – das Vorderrad sucht sich seinen Weg, die Maschine bewegt sich zwischen den Beinen. Das muss man erst mal verinnerlichen und fällt der Cent, wird vieles plötzlich leichter – auch später im Alltag, wenn z.B. mal Rollsplitt auftaucht oder man auf einer nassen Wiese wenden muss.

Ein Punkt, der mir persönlich auch gut gefallen hat: Wie verhält es sich mit den Fahrassistenzsystemen, die ja nicht nur die BMW GS an Bord hat? Sind wir doch mal ehrlich: So ein modernes Motorrad ähnelt mittlerweile Word, Excel oder Photoshop am Computer. Massenweise Funktionen, die man ja sinnvoll nutzen könnte, wenn man nur wüsste wofür sie sind. Wie oft sieht man Motorradfahrer, die nicht mal Luftdruck oder Federvorspannung korrekt eingestellt bekommen – wie soll man da diverse Fahrmodi und mehrstufige Traktionskontrollen situationsbedingt passend auswählen? Und ich gebe es zu: ich bin offroad an einem Hang auch mal fast verhungert, als die Traktionskontrolle unerwartet regelte …

Reiseenduro-Training in der DRIVING AREA - Motorrad aufheben Variante 1Hungern oder dürsten musste beim Training hingegen niemand. Mittags gab’s ein sehr leckeres Grillbuffet, in den Trainingspausen Getränke und Snacks, alles – wie auch das Frühstück – im Preis inklusive. Zu sehr sollte man sich den Bauch aber nicht vollschlagen, nach der Mittagspause ging es nämlich direkt wieder in die Sektionen, weiter üben – schließlich waren wir zum Motorradfahren dort.  

Der Abschluss des 1-Tages-Trainings führte uns aus der Ex-Kaserne heraus, rund 45 Kilometer über schöne Feldwege und ein paar kleine Sträßchen. Endurowandern, so konnte man das eben Erlernte noch mal in der Praxis ausprobieren. Mit einem Abschlussgespräch und der obligatorischen Frage nach Kritik und Verbesserungsvorschlägen endete der tolle Tag in der DRIVING AREA. 

Reiseenduro-Training in der DRIVING AREA - Motorrad aufheben Variante 2 Womit wir auch bei meinem Fazit bzw. meiner Zielgruppen-Empfehlung ankommen: Das Training ist ideal für Motorradfahrer aller Marken, die keine bis wenig Offroad-Erfahrung mit Reiseenduros haben und solche, die ohne sportliche Ambitionen ihr Basiswissen auffrischen wollen. Dafür beide Daumen hoch! Wer mehr will, kann in der DRIVING AREA ein 2-Tages-Training buchen, bei dem die Grundlagen vertieft und ausgebaut werden. Wer allerdings echte endurosportliche Ambitionen hat, für den ist das Training zu wenig fordernd und da bietet z.B. der Hoope Park mehr. Dort würde ich persönlich allerdings mit einer Reiseenduro keine halbe Runde schaffen, wenn überhaupt …

Und wie sieht es mit der BMW R 1200 GS aus, dem Brocken, auf den ich offroad eigentlich wenig Bock hatte? Nun, es wird ja viel über die GS und ihre Fahrer gelästert, das Gerät fährt sich offroad allerdings erstaunlich souverän. Wie ein Traktor schiebt sie entspannt die Hügel rauf, lässt sich in Trialpassagen (auch durch ihre Masse) nicht so leicht aus der Ruhe bringen und die Fahrmodi sind, gerade für Anfänger, auch eine echte Hilfe. Wenn sie fällt, lässt man sie aber auch besser fallen. Eine im Wechsel gefahrene KTM 790 Adventure ist natürlich vom Gewicht her eine andere Hausnummer und fühlt sich agiler an – Spaß haben sie mir aber beide gemacht.

Alle Infos zur DRIVING AREA Wesendorf gibt’s online unter www.driving-area.de. Die Trainings fangen bei 259 Euro an, wer eine weite Anreise hat, kann vor Ort kampieren (ab 5 Personen) oder Hotels in der Nähe buchen. Veranstaltungen für geschlossene Gruppen/Clubs/Firmen sind möglich und auch ein „Enduro Mädels Training“ wird angeboten. 

Neben dem eingangs erwähnten Schräglagentraining bietet die DRIVING AREA außerdem Touren in Andalusien sowie durch Harz/Lüneburger Heide und zum BMW-Werk Berlin an. Alle Infos und Termine gibts unter www.driving-area.de.



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