Fahrbericht Piaggio MP3 125 (Mod. 2007)

Piaggio MP3 125 (Mod. 2007)

aus bma 05/07

von Marcus Lacroix

Fahrbericht Piaggio MP3 125 (Mod. 2007) Anruf von Harry Zager, seines Zeichens Kawasaki- und Piaggio Vertragshändler in Bremerhaven. „Ich hab’ einen interessanten Roller als Vorführer hier. Habt ihr Interesse?” Naja, warum eigentlich nicht – Roller hatten wir schon länger nicht mehr. Und interessant? Schaun’ wir doch mal was Harry am Start hat…
Was wir zu sehen und zu fahren bekamen, wird mit dem Wort „interessant” allerdings nur unzureichend beschrieben. Den Piaggio MP3 könnte man eher spektakulär nennen. Ein Roller mit drei Rädern, der sich richtig in die Kurven legen kann und noch dazu eigentlich gar kein Roller ist! Was das nun wieder soll? Ganz einfach – Harry hat den MP3 mit Spurverbreiterungen ausgestattet, die ihn ganz offiziell und mit TÜV-Segen nach Fahrzeugbrief zum dreirädrigen Fahrzeug größer 45 km/h machen. Und damit darf der „Roller” mit dem PKW-Führerschein gefahren werden. Da haben die Führerscheinregelungsschwachmaten, die die „125er-vor-1980-Regelung” (warum ist die eigentlich nicht fließend?) verbrochen haben wohl nicht mit gerechnet!
Wie dem auch sei – jetzt kommen alle Autofahrer in den Genuss von Schräglage. Und dabei ist man nicht mal auf 125ccm beschränkt, denn den Piaggio MP3 gibt es auch mit 250ccm und ab Sommer sogar mit 400ccm. Uns stand aber nur die kleine Variante zur Verfügung, die nun zeigen sollte, was von dem Konzept zu halten ist.

 

Technisch dürfte sich manch einer an Schwenker-Gespanne erinnert fühlen und liegt damit gar nicht mal so falsch. Die Vorderradaufhängung des MP3 bildet ein Parallelogramm und sorgt dadurch dafür, das der Roller sich wie gewohnt bei Kurvenfahrt in Schräglage begibt.
Fahrbericht Piaggio MP3 125 (Mod. 2007) Neben der schon erwähnten Möglichkeit, den Roller mit dem PKW-Führerschein zu fahren, ergeben sich noch weitere Vorteile aus dem Konzept. Mehr Gummi auf der Straße bedeutet mehr Haftung und davon kann man speziell am Vorderrad nie genug haben. Der MP3 spielt seine Vorteile dem entsprechend vor allem bei Nässe oder unregelmäßigen Fahrbahnbelägen aus. Während ein herrkömmlicher Roller schnell an seine Grenzen kommt, hält der MP3 noch sauber die Spur. Ausgerüstet mit drei Scheibenbremsen, erzielt man außerdem schön kurze Bremswege bei sehr stabilen Fahrverhalten. Ein ABS haben wir nicht vermisst.
Die Grundlagen der Fahrphysik werden mit dem MP3 allerdings nicht neu geschrieben. Auch wenn im Fahrbetrieb der Grenzbereich erweitert wurde, so kann man sich natürlich trotzdem auf den Pinsel legen, wenn man übertreibt. Und wer beim Anhalten die Füße nicht auf den Boden setzt, fällt mit dem Roller einfach um. Wirklich? Naja, nicht unbedingt, denn Piaggio hat sich da was recht pfiffiges einfallen lassen.
Am rechten Lenkerende befindet sich ein Schiebeschalter mit einer stilisierten Vorderachse und einem Schlosssymbol. Selbiges findet sich als gelbe Kontrollleuchte auch mittig im gut ausgestatteten Cockpit. Die Funktion erklärt sich fast von selbst. Das offene Schloss lässt die Vorderachse pendeln, das geschlossene sperrt die Pendelfunktion – und das in jeder Lage, wie das Foto auf der Mitte der Seite eindrucksvoll beweist. Der MP3 hat zwar zusätzlich einen Hauptständer, benutzt haben wir den aber nicht ein einziges Mal. Die Verriegelung der Vorderachse funktioniert nicht nur im Stand, sondern auch bei Geschwindigkeiten unter 10 km/h und Drehzahlen unter 2900 U/min. In der Praxis rollt man also an die Ampel ran, die gelbe Kontrollleuchte signalisiert „jetzt geht’s”, man tippt den Schalter an und die Achse verriegelt. Ohne die Füße abzusetzen rollt man bis zum Stillstand. Schaltet die Ampel auf grün, reicht ein Dreh am Gasgriff, der Roller stürmt los und gleichzeitig wird die Pendelachse freigegeben. Klappt nach kurzer Gewöhnung einwandfrei und natürlich gibt es bei Harry Zager vorher eine ordentliche Einweisung.
Fahrbericht Piaggio MP3 125 (Mod. 2007) Und sonst? Während der Fahrt spürt man nicht, das vorne zwei Räder laufen. Man sieht sie auch nicht und dabei würde man am liebsten immer gucken wie schön das vorne pendelt. Das machen dafür Passanten und andere Verkehrsteilnehmer – verrenkte Hälse und herausquellende Augen wohin man schaut. Schüchtern sollte man als MP3-Treiber also nicht sein. Die Show, wenn der Roller um die Ecke sticht, ist aber auch einwandfrei.
Ausstattungstechnisch ist alles im grünen Bereich. Das große Staufach fasst zwei Intergralhelme (!), die Motorleistung des 125er reicht für die Stadt und den stadtnahen Bereich voll aus. 100 km/h Spitze sind aber natürlich etwas mau und wer auch mal über Land gondeln möchte, greift besser gleich zu einer der größeren Motorvarianten.
Der Spaß mit dem MP3 beginnt bei 5699 Euro. Dafür kann man sich den Motorradführerschein sparen und hat kein bischen weniger Freude am Fahren. Zwei Jahre Pannenhilfe durch den ADAC gibt’s obendrein und auch die Finanzierung ab 0,0% effektivem Jahreszins dürfte für viele ausgesprochen interessant sein.

 

 

 


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