aus Kradblatt 7/14
von „Floh“ Roloff aus Rotenburg

 

So fing ich an Motorrad zu fahren – oder mein Pabi ist Schuld!

 

Vater-und-TochterIch bin Baujahr 1973. 1978 hatte mein Pabi eine Vespa Bravo und ich habe oft Probesitzen dürfen. Da spürte ich das Benzin bzw. Gemisch im Blut. Als mein Pabi sich entschied einen Vespa Roller zu kaufen, konnte ich mitfahren. Meine Mamutsch war dagegen und fragte bei der Polizei nach, ob so ein kleines Mädchen überhaupt mitfahren dürfe. Zum Leid meiner Mutter sagte der Polizist: „Wenn die Füße ihrer Tochter an die Fußrasten kommen, dann darf sie mitfahren.“ So wurde aus dem Probesitzen eine Mifahrgelegenheit.

Im Jahre 1981 kaufte mein Pabi eine Zündapp 50. Ich wollte auch Zün­dapp fahren, bloß waren meine Beine noch zu kurz und ich kam mit den Füßen nicht an den Boden. Problemlösung: Beim Anfahren hielt mich mein Pabi fest und ich fuhr los. Beim Anhalten setzte ich den Fuß auf den Zaun oder rief meinen Pabi. So habe ich meine ersten Runden auf dem nachbarlichen Hof gedreht.
Da meine Körpergröße auch ausgewachsen nur 1,58 m beträgt, musste die Anfahr-Technik für große Motorräder verfeinert werden. Mein Pabi (1,56 m) lehrte mich diese Technik: Linken Fuß auf die Fußraste, 1. Gang rein, anfahren und aufsteigen wie bei einem Herrenfahrrad. Beim Anhalten, andersherum. Auf diese Art konnte ich die DR 600 meines Mannes fahren. Die Africa Twin habe ich ohne Sitzbank gefahren. Achtung: Winterhandschuh auf die Batterie legen wegen „Zünder“.
Aber zurück zu den Anfängen. Im Jahr 1982 machte mein Pabi den Motorradführerschein. Wir sind Tagestouren und Urlaube (u.a. Österreich) gefahren. Meine Mamutsch ist noch nie Motorrad gefahren oder mitgefahren. Mein Pabi brauchte eine Verbündete: MICH! Auch als „Schrauber- Handlanger“ war ich nicht ungeschickt.

Anfang-mit-Mofa1988 war es soweit: Ich habe den Mofaführerschein gemacht und bekam eine Herkules Prima 5 (1,6 PS). Meine alltäglichen Touren unternahm ich mit meiner Mofa, weitere Touren weiterhin als Sozia bei meinem Pabi.

1989 machte ich den Führerschein um den Honda Lead (6,5 PS) fahren zu können. 1990–1991 Vespa PX 80. Mit dem Roller kam der erste Motorradurlaub ohne Pabi. Mit dem Freund (2 Köpfe größer als ich), er als Sozius und Campinggepäck ging es nach Holland.

1991 hat mir meine Mamutsch Geld geboten, damit ich keinen Motorradführerschein mache. Ich habe den Motorradführerschein gemacht! Mein Pabi hat seine Intruder VS 750 auf 27 PS gedrosselt und so konnte ich meine Fahrpraxis erlangen.

1993 dann mein 1. eigenes Motorrad, eine Suzuki GSX 550 ES. Dieses Motorrad war „frauenfeindlich“. Frau drückt den Startknopf = Maschine springt nicht an. Mann drückt den Startknopf = Motorrad springt an. Bis dato unbegreiflich!

Ich hatte Fernweh und wollte nach Bayern um Urlaub zu machen. Mein Freund hatte zwar einen Führerschein, aber kein Motorrad. Ich wäre alleine gefahren, aber mein Pabi wollte mich mit dem „frauenfeindlichen“ Motorrad nicht alleine in den Urlaub fahren lassen. Mein Freund sollte seine Intruder fahren und mich begleiten. So hatten wir einen schönen Campingurlaub in Taching am See.

Suzuki1996 kaufte ich mir eine Suzuki DR 650 SE. Da ich auch mit dem Motorrad reisen wollte, habe ich mir nach ca. 2 Monaten eine Suzuki DR 650 RSE gekauft, auch noch heute mein treuer Begleiter. 98000 km auf der Uhr. Der Motor hat noch keinen Schraubenschlüssel gesehen (außer Wartungsarbeiten). Dafür aber viele Länder: D/NL/F/PL/CZ/FL/CH/A/I/B/L/HR/ SLO.

2012 habe ich einen Gespannfahr-Kurs in Brodersby, bei Sauer/Müller Gespanne, mitgemacht. Das Schwenker-Virus hatte mich erwischt. Perfekt für Menschen mit kurzen Beinen. Leider ist meine DR dafür zu alt und mein Geldbeutel zu klein.

2013 kaufte ich zur DR noch ein MZ ETZ 250-Gespann. Super, keine Probleme mehr mit den Füßen an den Boden zu gelangen. (DR = Zehenspitzenballett). „Krause“ so heißt mein Gespann, fährt mich zur Arbeit und zum Einkaufen. Kiste Sprite und Einkäufe passen in den Super Elastik Beiwagen.

Mein Pabi (68 Jahre) fährt heute einen Burgman 650 und einen Smart (Cabrio). Er würde gerne im Beiwagen mitfahren, aber das MZ-Gespann ist zu langsam um mit unserer „Herde“ mitzufahren.
Ich versuche nun das MZ-Gespann zu verkaufen und ein 50 PS-Gespann zu kaufen. Ich möchte meinen Pabi mitnehmen und ihm das wiedergeben, was er mir gegeben hat.

—