Josef Karl Maassen mit Hoffmann Motorrad

Oldietour mit 5,4 PS Hoffmann

aus Kradblatt 11/15
von Josef Karl Maaßen

Erinnerungen an die Kindheit mit einer Hoffmann und 5,4 PS
Es war einmal…

Vater Maassen auf der HoffmanSo beginnt, wie wir alle wohl wissen, der größte Teil unserer Märchen. Was ich jetzt erzählen will ist aber ein Tatsachenbericht aus den 50er Jahren. Auch wenn es sich in der heutigen Zeit wie ein Märchen liest.
Vorab ein kurze Vorstellung meiner Person: Ich, Josef Maaßen, geboren im Jahre 1942 in Norden (Ostfriesland) bin das erste Kind der Eheleute Josef und Hildegard Maaßen (geb. Vitzthum). Ich habe noch eine Schwester, Gertrud Augustyniak (geb. Maaßen) die 1949 in Norden geboren wurde. Unser Elternhaus stand und steht – jetzt in einer veränderten Form als Agentur für Arbeit – in der Mackeriege 2 in Norden. Meine Mutter hatte noch sieben Geschwister.

Wir, die Maaßens, zogen Ende 1949 nach Geburt meiner Schwester und nach meinem Besuch des 1. Halbjahres der Volksschule in der Marktschule in Norden in die Heimatstadt meines Vaters, Ratingen bei Düsseldorf. Die Verbundenheit mit der Heimat meiner Mutter und meiner Geburtsstadt ist bis auf den heutigen Tag geblieben. Bis in die 60er Jahre hinein war unser Urlaub immer der Besuch der Familie der Schwester meiner Mutter in Marienhafe, Upgant. Der Kontakt ist nie abgerissen, auch nicht nach dem Tod meines Onkels und meiner Tante. So sind wir, meine Frau und ich sowie unsere drei Kinder unter anderem seit 1985 Karneval immer in Marienhafe, um mit dem Kegelclub zu boßeln. Dies sollte reichen für die Vorstellung.

Unrestaurierte HoffmannJetzt zum eigentlichen Anlass: Nach dem Wegzug aus Norden und unter Berücksichtigung der damaligen Zeit war es aus finanziellem Grund etwas schwierig, den Kontakt nach Ostfriesland zu halten. Mein Vater hat dann 1950 ein Motorrad der Firma Hoffmann (Baujahr 1950) aus Lintorf erstanden. Mit dieser 125er mit 5 PS besuchten wir unsere Verwandtschaft in Ostfriesland. Dies ist ja noch nichts Besonderes, aber wenn ich erzähle wie, kann man sich vorstellen, dass es ein Erlebnis war.

Das Motorrad hatte zwar einen Sozius aber bei der Motorisierung keinen Beiwagen. Also für vier Personen wohl nicht geeignet. Was heute nicht mehr möglich ist, konnten wir damals verwirklichen. Mein Vater fuhr selbstverständlich und Mutter nahm auf dem Sozius Platz. Ich wurde in Fahrtrichtung auf den Tank gesetzt und meine Schwester kam zwischen Vater und Mutter. Und so ging es los. Die A3/A2 bis Bottrop und dann hauptsächlich die B70/B72 nach Marienhafe und zurück. Reine Fahrzeit für eine Strecke waren 6 – 8 Stunden. Dies war in den Jahren 1950 bis 1953. Danach habe ich dann mit meinem Vater die Fahrten allein durchgeführt. Wir Kinder waren einfach zu groß geworden.

Josef Karl Maassen mit Hoffmann MotorradMeinen Führerschein (Auto und Motorrad) habe ich 1961 erworben. Nach bestandener Prüfung hat meine Mutter mir dann eröffnet, dass das Motorrad verkauft würde. Dies ist dann auch kurzfristig erfolgt. Die Sorge der Mutter um ihren Sohn war hier Antrieb. Ich habe dann mit meinem Ersparten eine gebrauchte NSU-Quickly (49 ccm) für 25 DM erstanden. Danach habe ich auf einer Versteigerung eine DKW-Hummel Super erworben. Dann hatten Vorrang die Ausbildung im Beruf und die Familie. Für das eigene Hobby blieb da nicht allzu viel Zeit und die finanziellen Mittel waren bescheiden. Anstelle eines Motorrades war ein Auto gefragt. Erst im April 2001 konnte ich meinen Jugendtraum verwirklichen. Ich habe mir eine BMW zugelegt. Jetzt tauchten umso mehr die Erinnerungen an meine Kindheit auf.

Guenther Hinrichs und Josef MaassenDie Fahrten nach Ostfriesland waren und sind immer noch etwas Besonderes für mich. Und so kam der Gedanke auf, dies noch einmal zu wiederholen. Selbstverständlich nicht in der Besetzung (Personenzahl) von damals aber mit einem gleichwertigen Motorrad. Ich habe also gesucht und gefunden. Ich besitze heute zwei dieser Motorräder vom Typ Hoffmann. Eine aus dem Jahr 1949 und eine aus 1950. Eins habe ich restauriert gekauft, das zweite wurde von mir in Heimatarbeit unter tatkräftiger Hilfe meines Nachbarn, Herrn Bergmann, sowie Thomas von der Bey, der ein kleines Museum für AWD-Motorräder in Ratingen betreibt (er ist der Enkel von August Wurring, Rennfahrer und Hersteller von AWD-Motorrädern bis in die 1960er Jahre), restauriert.
Dann war es soweit, beide Motorräder sind fahrtüchtig und zugelassen und die Reise konnte geplant werden. 312 Kilometer lagen vor mir.

die zweite Hoffman war auch dabeiIm August habe ich dann mit der 125er Hoffmann die Fahrt von Wuppertal nach Norden mit Halt bei der Firma Motorrad-Diele in Südbrookmerland angetreten. Gestartet bin ich um 7 Uhr morgens und mit einigen technischen Hindernissen dann schließlich wohlbehalten um 15 Uhr in Marienhafe angekommen. Unterstützt haben mich bei dem kleinen Abenteuer mein Sohn Christof, mein Schwiegersohn Christian Weigand (Reifen Weigand, Wuppertal) mein Nachbar Herr Bergmann, Bernhard Siebelds von der AXA-Vertretung in Aurich und für den technischen Dienst in Ostfriesland Günther Hinrichs von der Motorraddiele.

Technische Daten
Hoffman Typ MJK 125 Bj. 1950:

Motor: ILO MG 125 E
Hubraum: 123 ccm
Leistung: 5,4 PS
Leergewicht: 75 kg
zul. ges. Gewicht: 225 kg
Preise 1. Modelljahr 1949-51:
schwarz 975 DM
bordeaux mit Chromtank 1020 DM
Durchschnittlicher Monatslohn 1950: 264 DM (Quelle für Lohn: Wikipedia)


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