Norton P11

Norton P 11 (Bj. 1968)

aus bma 11/04

von Gerd Schlepps & Jens Möller

Norton P11Gerd Schlepps war auf der Suche nach einem Motorrad für seine Frau. Älter sollte es sein und mit hochgezogener Auspuffanlage. Eine Triumph Trophy käme in Betracht, klar, auch ein Honda Scrambler CL 77 wäre was gewesen. Doch die Suche blieb ohne Erfolg, bis er bei ebay eine Norton P 11, Baujahr 1968, entdeckte. Problematisch war nur, daß das Motorrad in den USA stand. Also schrieb er unzählige Male an den dortigen Anbieter, telefonierte, versuchte herauszufinden, was möglich war. Hilfreich war ihm dabei ein Bekannter, der in Amerika lebt, und so für Gerd Abholung und Transport organisieren konnte. Denn er hatte sie wirklich ersteigert.
Nach ca. vier Wochen rief die beauftragte Spedition an, um mitzuteilen, daß das Motorrad nun in Bremen abgeholt werden könnte. Also, auf nach Bremen, Motorrad abgeholt und erst einmal genau in Augenschein genommen, ob alles in Ordnung ist. Sah gut aus. Jetzt noch Benzin in den Tank, zweimal auf den Kickstarter getreten, und die Norton lief. Auch der Zustand der Norton wußte zu überzeugen. „Alles, was der Verkäufer in der ebay-Beschreibung angegeben hatte, traf absolut zu, bzw. übertraf noch meine Erwartungen. Für mich ein absolut perfekt restauriertes Motorrad mit Modifikationen, die nicht original, aber absolut stilsicher durchgeführt waren,” bemerkte Gerd.

 

So hatte der Vorbesitzer vom Motor Kolben, Ventilführungen, Kurbelwellenlager und Getriebelager überholt. Daneben wartete das Fahrwerk mit neuen Gabelbuchsen, Standrohren, Bremsen, Felgen und Speichen auf. Zudem war die Sitzbank neu bezogen worden, sogar die Batterie in diese eingebaut, und alle Teile waren entweder neu lackiert oder pulverbeschichtet worden. Einzig die originalen Auspuffendtöpfe fehlten, da man in Amerika zumeist ohne gefahren ist. Doch hierfür fand sich schnell Ersatz beim Zubehör von Harley.
Nach der ersten Probefahrt die Gewissheit: die Norton lief genau so, wie sie aussah, einfach spitze. Umsonst wurde das Motorrad ja auch nicht in der Werbung damals als „dynamite on wheels” beschrieben.
Norton P11Da das Motorrad trotz aller anfänglichen Zweifel völlig unbeschädigt war und auch beim mitgelieferten Zubehör nichts fehlte, sollte nun die Zulassung in Angriff genommen werden. Die technischen Daten ließen sich alle über Norton-Deutschland einholen. Außerdem konnte zufällig noch eine Briefkopie dieser seltenen Maschine, von der es deutschlandweit angeblich nur 10-15 Stück gegeben haben soll, besorgt werden. Schließlich noch das KBA-Gutachten beschafft und die Norton angemeldet. Die Zulassungsbehörde ließ es sich dabei nicht nehmen, der Norton das übliche „Kuchenblech” zu erteilen. Zwar gab es im Brief den Vermerk auf ein kleines Schild, aber gegen die Behördenwillkür hilft das nichts, obwohl auch in Hamburg keine Mindestgröße für Kennzeichen vorgeschrieben ist. Besonders ärgerlich ist dieser Umstand beim Vergleich mit dem kalifornischen Originalkennzeichen, was in der Größe etwa 1/4 entsprach.
Für die Versicherung der Norton kam es dann zu den einzigen Verzögerungen, da das Anfertigen eines Wertgutachtens für die Zulassung zur Oldtimerversicherung den Prüfer doch vor einige Probleme stellte, was wohl auf die Seltenheit der P 11 zurückzuführen ist.
Ihr gelöteter Chrom-Molybdänrahmen wurde ursprünglich für Matchless G 85 CS Modelle entworfen. Zusammen mit einigen Norton Atlas Motoren wurden die Rahmen damals nach Amerika geschickt, um den daraus entstandenen Norton-Hybriden in den Wüsten zu testen. Aufgrund der positiven Tests fertigte man in England eine Serie von ca. 500 Norton P 11 Modellen. In der Ursprungsausführung hatten die Modelle noch die silbernen Rahmen von Matchless und hochgezogene Auspuffanlagen. Die Nachfolgemodelle P 11 A und später Norton Ranger, wurden mit schwarzem Rahmen und tief liegender Auspuffanlage gefertigt. Alle Modelle wurden damals wahrscheinlich nach Amerika exportiert, weshalb in Europa wohl nur Re-Importe existieren. Selbst für damalige Tests mußten Exemplare aus Amerika geholt werden, da es sie in Europa nicht gab.
Norton P11Gerade über Norton P 11 gibt es sehr wenige konkrete Angaben. Es sollen diverse Benzintanks, Öltanks, verschiedene Sitzbänke und Kotflügel verbaut worden sein. Hier hilft eventuell nur die Motor- oder Fahrgestellnummer, um zu ergründen, welches Modell wann ausgeliefert wurde. Die Hybrid-Modelle hießen übrigens bei Matchless G 15 und bei AJS C 33.
Was den Motor betraf, so gab es ebenfalls einige Gerüchte. Sie sollten vibrieren, sich aller Schrauben entledigen, ölen und auch schwer zu starten sein. Erwies sich aber glücklicherweise alles als falsch. So reicht es, den Benzinhahn zu öffnen, die Zündung anzuschalten, um dann den Kickstarter zu treten. Selten benötigt die Norton dabei mehr als einen Tritt um anzuspringen. Danach rechts den ersten Gang eingelegt. Dieser wurde nach unten verlegt, was das Betätigen der Rechtsschaltung erheblich erleichtert. Sofort nimmt die Norton Gas an, teilweise so heftig, daß das Vorderrad nur mit Mühe am Boden zu halten ist. Die 50 PS aus 750 ccm verhelfen der P 11 zu einem zügigen Antritt. Auch Handling und Fahrwerk können begeistern. Klar, der Motor vibriert, doch ist der Besitzer hier ganz anderes von seiner alten Harley-Davidson Super-Glide gewohnt. Angeblich haben sie damals die Atlas Motoren für die P 11 speziell feingewuchtet, damit durch die Schüttelei der leichte Matchless-Rahmen keinen Schaden nimmt.
So bleibt denn auch nach einer sommerlichen Scramblerfahrt im gemäßigten Rahmen der Boden frei von jeglichen Ölflecken, genau wie Motor und Hinterrad.
Norton P11Doch zurück zur Ersteigerung bei ebay. Es war natürlich zu erwarten, daß viele Leute vor einem solchen Kauf warnen würden, weil der Zustand der Maschine vor dem Kauf nur anhand der per Mail erhaltenen Bilder beurteilt werden konnte. Aber insgesamt hat die Begeisterung für die Norton mittlerweile alle erreicht die einen Blick auf sie werfen konnten, auch die Zweifler. Man mag sich noch darüber auseinander setzen, wieviel einem so ein Motorrad wert ist, aber jeder, der schon einmal selbst etwas restauriert oder repariert hat, weiß, daß es nicht mit den Teilen allein getan ist. Oftmals stecken unzählige Stunden in einer solchen Aufarbeitung, die nirgends ihre Erwähnung finden. Für mich ist dieses Motorrad ein Erlebnis, und die ganze Aktion es zu bekommen, war auch eins im positiven Sinne.
Da die Norton P 11 erst seit kurzem im Besitz von Gerd ist, also noch keine Erfahrungen über das Fahrverhalten im Gelände oder auf Moto-Cross-Pisten vorliegen, und auch die technischen Daten zu diesem Modell noch unvollständig sind, würde sich der Besitzer über Ergänzungen und Berichtigungen freuen. Zudem kann er mit seinen bisher gesammelten Daten dienen, falls jemand ebenfalls so ein Motorrad zulassen möchte oder einfach nur mehr wissen möchte. Am besten, ihr klickt euch dafür einfach mal auf seine Internetseite www.speichen-schlepps.de, da er darüber am einfachsten zu erreichen ist. Aber gerade scheint mal wieder die Sonne. Da ist die Norton wohl wieder mit ihrem neuen Besitzer unterwegs. Schließlich gilt es, noch ein paar neue Erfahrungen mit diesem schönen Motorrad zu sammeln.

 

 

 


Kommentare

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5 Kommentare zu :
“Norton P 11 (Bj. 1968)”


  • Hallo Gerd,
    würde mich mal interessieren ob der Öltank von L nach R durchgeht( wie beim Prototyp) oder ob links ein Batteriedeckel verbaut ist.

    Auf jedenfall ist das Bike ein Hingucker.
    Hab selbst ein P11A.

  • Hallo Gerd, hast ein sehr schönes Exemplar
    gekauft, deine Frau wird sich mächtig gefreut haben. Bin auch Besitzer einer 67er
    P11 allerdings im original Zustand unrestauriert sie läuft toll und macht richtig Spass, eben etwas Besonderes.
    MfG Peter Scholvin

  • wieviel habt ihr bezahlt fuer eure maschine ??? HABE EINE HIR IN SUEDAMERICA IN PERFEKTEN ZUSATAND MOECHTE WISSEN WAS SO WAS SIE EIGENTLICH WERT IST ???

  • So eine will ich!
    Ich habe mich verliebt! Eine P 11 soll es sein. so wie ihr sie habt. Ein Traum. Woher kann ich eine beziehen?
    Ich bin schon fast am Verzweifeln.