Nishua Enduro Carbon 1

Nishua Enduro Carbon Helm

aus Kradblatt 9/15
von Jogi & Sandra / penta-media.de

Ausprobiert: Nishua Enduro Carbon

Nishua Enduro Carbon 1Der Nishua Enduro Carbon Helm wird seit letztem Jahr für 279 Euro bei Louis angeboten. Die Zeitschrift MOTORRAD hatte ihn bereits zusammen mit 12 anderen Crossover-Helmen getestet und in der Ausgabe 21/2014 zum Testsieger erklärt.

Die Prüfung durch den TÜV Rheinland nach der ECE R 22.05 Norm durchlaufen und bestehen heute alle neuen Helme, bevor sie in den Verkauf gelangen und das deutsche E1-Zeichen tragen dürfen. So auch der Nishua. Dabei wird u.a. mit einem Kantenamboss auf den Helm eingewirkt und Fallversuche bei -20 Grad Celsius unternommen. Die MOTORRAD bezeichnete diese Versuche als abstrus, da sie willkürlich und fern des realen Unfallgeschehens erscheinen. Ich schließe mich dieser Meinung an. Der Prüfvorgang bedarf offensichtlich einer Überarbeitung hin zu realistischerer Unfallsimulation. Unwillkürlich muss ich an den Versuch denken, in dem Spaßvögel zum Vergleich einen Helm und eine Pudelmütze aus der dritten Etage fallen ließen. Der Helm war anschließend kaputt, die Pudelmütze unversehrt. Was bietet also mehr Schutz?

Unabhängig davon, hat der Nishua Enduro Carbon alle Prüfungen erfolgreich gemeistert und glänzte mit einem HIC-Wert von 999 (Head-Injury Criterion). Nur 3 Helme schafften es in diesem Test einen angestrebten Wert von unter 1.000 zu erreichen. Gründe genug, den in China für die Firma Louis gefertigten Helm über einen Monat in der Praxis, fern ab von allen Labormessungen und Pudelmützen zu testen.

Nishua Enduro Carbon 2Natürlich habe ich vorher auch die Kundenrezensionen auf der Internet-Seite von Louis studiert, um schon im Vorwege Hinweise auf bekannte Schwachpunkte zu erhalten und überprüfen zu können, ob diese inzwischen behoben wurden. Einige Kunden hatten den Nishua Helm bereits als den ehemaligen UVEX Carbon erkannt und deshalb gekauft, weil sie vorher mit dem rund 100 Euro teureren UVEX Helm schon sehr zufrieden waren.

Der Nishua Enduro Carbon besticht auf den ersten Blick durch seine edle Oberfläche und sein martialisch wirkendes Design. Mit nur 1.270 +/- 50 Gramm inklusive Schirm und beschlagsicherem Pinlock-Visier, gehört er zu den Leichtgewichten seiner Klasse. Der Test-Helm wog genau 1.311 Gramm. Die Nackenmuskulatur und die Halswirbelsäule bedanken sich für jedes sinnvoll eingesparte Gramm auf dem Kopf.

Im Gelände schützt der Schirm wirkungsvoll vor der Sonnenstrahlung und umherfliegendem Schmutz. Für den reinen Straßenbetrieb sollte man ihn jedoch besser entfernen. Der Schirm lässt sich zusammen mit dem Visier und einer zusätzlichen Schraube oben auf dem Helm schnell demontieren. Das Visier wird danach mit separat beigefügten Seitencovern wieder befestigt. Leider steht dazu nichts in der Anleitung, aber mit etwas Herumfummeln, hat man den Dreh bald raus. An den seitlichen Visierverschlüssen ist ein Pfeil als Dekorationselement zu erkennen. Zeigt er nach vorne, ist der Verschluss verriegelt. Zeigt er nach oben, ist er offen. Ganz einfach.

Einige Kunden beschwerten sich über unpräzise, lose Visiermechanik, und Undichtigkeiten bei Regen. Der Hersteller hat inzwischen nachgebessert. Bei Louis gibt es die neue Visiermechanik unter der Nummer 20015047 zum Nachrüsten. Die bereits überarbeitete Mechanik des Test-Helms funktionierte in jeder Stellung einwandfrei und das Visier lag wind- und regendicht an der Gummilippe an.

Nishua Enduro Carbon dunkel

Das Coolmax Innenfutter ist bequem, herausnehmbar und leicht zu reinigen. Für die Nachrüstung mit Bluetooth-Systemen oder anderen elektronischen Helfern sind Aussparungen in der Innenschale vorgesehen.

Die Belüftung ist offroad und bei niedrigen Geschwindigkeiten prima. Durch die nicht verschließbaren Lüftungsöffnungen im Kinnbereich und darunter hindurch kommt immer genug Frischluft an. Für höhere Geschwindigkeiten kann unter dem Kinnbereich ein mitgelieferter Netz­einsatz eingeknöpft werden, der das Einströmen von Luft und lästigen Insekten von unten reduziert. Für die kalte Jahreszeit empfiehlt sich eine zusätzliche Sturmhaube. Die Entlüftung des Helms im Stirnbereich kann je nach Witterung geöffnet oder geschlossen werden.

Bis 120 km/h verhält sich der Helm ohne Schirm sehr aerodynamisch und ist angenehm leise. Mit steigender Geschwindigkeit wird er kontinuierlich lauter. Die Komfortgeschwindigkeit endet für mich mit den Nishua Enduro Carbon bei 150 km/h. Alles darüber hinaus geht auch, wird aber anstrengend. Der Cross­over Helm von Nishua unterscheidet sich in diesem Punkt nicht sonderlich von anderen guten Helmen, die ausschließlich für die Straße konzipiert wurden.

Ohne Schirm habe ich die fehlende Sonnenblende vermisst. Mit montiertem Schirm stoßen Aerodynamik und Stabilität deutlich schneller an ihre Grenzen. Bereits bei 90 km/h endet der Komfortbereich, darüber hinaus steigt der Geräuschpegel rasch an. Ab 110 km/h beginnt der Schirm leicht zu vibrieren und spürbar für Auftrieb und Unruhe zu sorgen. Wenn man den Kopf nicht gerade hält, wird er zur Seite ausgelenkt. Der Schirm verformt sich dabei. Im Gelände macht das Sinn, denn dort muss der Schirm eine gewisse Flexibilität und Nachgiebigkeit besitzen, sonst würde er bei Berührung mit kleinen Ästen oder anderen Fremdkörpern zu leicht brechen. Dauergeschwindigkeiten über 120 km/h sind mit montiertem Schirm nicht zu empfehlen. Windgeräusche, Auftrieb und Auslenkungen werden sonst ziemlich belastend.

Der Nishua Enduro Carbon ist am Kinnriemen mit einem Doppel-D-Verschluss aus Titan bestückt, nicht so bequem zu bedienen wie ein Tastenschloss, dafür aber deutlich leichter. Die Riemen sind lang genug, damit sie beim Auf- und Absetzen des Helms nicht immer wieder neu durch die D-Ösen gefummelt werden müssen. Man kann sich schnell daran gewöhnen.

Fazit: Der Nishua Enduro Carbon ist ein empfehlenswerter Crossover-Helm für Tourenfahrer, die manchmal auch abseits asphaltierter Straßen unterwegs sein möchten, aber nur einen Helm mit sich führen wollen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist sehr gut. Mehr Infos gibt’s in den Louis-Shops und unter www.louis.de.


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