Neuseeland

Neuseeland – Teil 2

aus bma 11/99

von Helge Böttle

Gegen Mittag komme ich in dem Glacier-Gebiet an. Nach einem halbstündigen Spaziergang an den Franz Josef Glacier bin ich von dessen Ausmaßen beeindruckt. Nur wenige Meter oberhalb des Meeresspiegels ein solcher Gletscher soll einmalig auf der Welt sein. Für den Tourismus wird hier wieder alles möglich gemacht. In dem kleinen Touristenort stehen fünf Hubschrauber bereit, um jeweils vier Touris für ungefähr 100 NZ$ pro Kopf auf den Gletscher zu fliegen. Ich begnüge mich mit dem Fußmarsch und fahre anschließend zum Fox Glacier weiter.
NeuseelandGanz in der Nähe des Gletschers treffe ich auf einen alten Goldsucher. Der Claim liegt an einem strahlend blauen Gletscherfluss und ist mit Warnschildern gegen unautorisierte Schürfer versehen. Der Alte bietet mir an, die nötigen Schürfwerkzeuge zu mieten. Auf meine Antwort, dass ich mir nicht vorstellen kann, viel zu finden, denn sonst hätte er es schließlich nicht mehr nötig, das Werkzeug zu vermieten, muss er nur grinsen. Er scheint an seinen Claim zu glauben, hatte nur noch nicht das notwendige Glück.
Am Fox Glacier komme ich bei einem Stück Kuchen mit zwei Frauen ins Gespräch, die mir den dortigen Backpacker empfehlen. Ich beschließe zu bleiben – trotz des frühen Nachmittags – und mich in der Gegend etwas umzuschauen. Zum zweiten Gletscher muss ich nicht auch noch wandern, wie aus Postkarten ersichtlich sieht es dort nicht viel anders aus. Dafür findet sich eine Scrabble-Road Richtung Meer. Auf und ab führt sie durch den Regenwald und scheint nicht enden zu wollen. Ohne Gepäck macht das Offroadfahren doppelt soviel Spaß und nach ungefähr 20 Kilometern erreiche ich den Strand – wieder ein riesiger Sandstrand und keine Menschenseele. Wenn ich davon doch bloß ein Stück mitnehmen könnte, es würde niemandem auffallen.

 

Leider hat es in der Nacht angefangen zu regnen und will am Tage offensichtlich auch nicht aufhören. Der Regen ist nicht besonders stark und angenehm warm, macht aber der Gegend an der Westküste alle Ehre, denn diese gehört zu den niederschlagsreichsten der Welt. Mehrere hundert Kilometer führt der Highway 6 durch den Regenwald. Die Bäume sind von Moosen und anderen Pflanzen völlig bewachsen und bilden rechts und links der Straße eine undurchdringliche grüne Wand. Die links zu meiner Fahrtrichtung liegenden Southern Alps fangen das meist von der Tasmanischen See kommende Wetter ab und dann entladen sich die Wolken über dem schmalen Küstenstreifen.
Ab Haast geht es in die Berge und über den Haast Pass. Das ist die südlichste Ost-West-Verbindung und führt entlang wilder Bergflüsse, die manchmal als beeindruckende Wasserfälle viele Meter tief abfallen. Hinter dem Pass führt der HW 6 durch weite Wiesen, die von den Bergen eingeschlossen werden – eine wunderbare Strecke entlang der hohen Gipfel und ausgedehnter Bergseen nach Wanaka. Das Wetter wird besser und ich kann sehen, wie ich dem blauen Himmel näher komme.
Wanaka ist eine vom Tourismus geprägte Kleinstadt und liegt von den Bergen eingerahmt am Lake Wanaka. Ganz in der Nähe befindet sich ein kleiner Flughafen, der die Leidenschaft der Neuseeländer zu allem motorisierten widerspiegelt. Wer es sich leisten kann, unterhält sogar alte Militärmaschinen aus dem zweiten Weltkrieg. Ich komme gerade rechtzeitig, um einer atemberaubenden Flugvorstellung mit einer über 50 Jahre alten amerikanischen Mustang zuschauen zu können. Die meisten Kiwis halten es aber eher mit alten Autos oder Motorrädern. Sonntag ist Ausflugstag, und die liebevoll gepflegten Gefährte rollen in Scharen über die Straßen. Ungeplant komme ich daher neben der Flugschau in den Genuss einer Oldtimer-Ausstellung. Sehr beliebt sind alte Triumph und BSA.
Nach einem gemütlichen Abend in Wanaka geht es am nächsten Morgen weiter Richtung Queenstown. Von den beiden Verbindungen wähle ich die kürzere, die dafür allerdings gut zur Hälfte unbefestigt ist. Das befestigte Stück führt durch ein kleines Tal, nicht besonders aufregend, aber nach einigen Kilometern Schotterpiste mit ständigen, aber leichten Steigungen erreiche ich die höchste Stelle. Tief unter mir liegt ein weitläufiges Tal und rund herum die teilweise mit Schnee bedeckten Gipfel der Southern Alps. So lang und leicht steigend der Weg nach oben war, so kurz und steil sieht der Weg nach unten aus. Nach ein paar hundert Metern stelle ich fest, dass der Weg geradezu harmlos aussah. Mit gut 40 kg Gepäck durch tiefen Schotter, rechts die Felswand und links der Abgrund, geht es durch enge und unübersichtliche Kurven hinunter. Dass das Bremsen nur mit genügend Fingerspitzengefühl möglich ist, ist die eine Sache. Die andere Sache sind die Schaftransporter, die mit riesigen Aufbauten und Anhängern die ganze Straße einnehmend mir das eine und andere Mal auf solchen Strecken mit gutem Tempo entgegen kommen.
Nach diversen Adrenalinstößen komme ich schließlich unbeschadet in Queenstown an. Bei einer Kaffeepause spüre ich gleich, was an Queenstown dran ist. Nicht nur, dass der Kaffee fast doppelt so teuer ist als im übrigen Land, auch sonst regiert hier der Kommerz. Jede Menge Adventure-Shops, Pubs, Nightclubs und Geschäfte bieten alles, was die Urlauberseele sucht. Ich bin hier nur auf der Durchreise und genieße das Panorama an dem von den Bergen eingerahmten See. Nach gut drei Stunden mache ich mich wieder auf den Weg durch die Provinz Otago.Neuseeland
Otago ist eine der trockensten und heißesten Gegenden Neuseelands. Hier wird ein großer Teil des Bedarfs an elektrischer Energie des Landes durch Wasserkraft gewonnen. Im übrigen sind die Neuseeländer stolz auf ihr atomenergiefreies Land. Doch leider wächst auch hier der Strombedarf und von einigen Politikern wird angezweifelt, ob dauerhaft auf Kernkraft verzichtet werden kann. Diese Region lebt vom Obstanbau und der Schafzucht. Von einer Stadt zur nächsten sind es leicht 100 km. Dazwischen finden sich einige Hinweise auf Dörfer, die allerdings nur aus einigen Häusern bestehen, die weit auseinander liegen. Meine Fahrt durch das Otagovalley über Cromwell und Alexandra kann ich richtig genießen. Der Highway 8 ist gut ausgebaut, führt leicht kurvig über Hügel und durch Weideland. Eine Provinzlandschaft, deren Einsamkeit allgegenwertig ist.
Gegen Abend finde ich in Roxeburgh einen kleinen Backpacker. Hier ist wirklich der Hund begraben und ich stelle mich auf einen ruhigen Abend ein. Zum Dinner gehe ich in den Local Pub. Die Auswahl ist nicht gerade üppig, Lamm mit Chips oder Chips mit Lamm. Dazu ein Bier und im Fernseher das Highlight in der Rugby Liga: Otago Highlander gegen Auckland Blues. Der Pub ist gut gefüllt mit Vätern, die ihren Söhnen Lektionen in Rugby-Theorie geben. Ganz erstaunt darüber, dass in Deutschland Rugby kein Nationalsport ist, werden mir von meinem Tischgenossen die wichtigsten Spielregeln erklärt. Ausländer scheinen hier selten vorbeizukommen, und nachdem die anderen Gäste mitbekommen haben, warum es mir an den Grundkenntnissen fehlt, habe ich bestimmt zehn Instruktoren, die sehr bemüht sind, diese Lücke auszufüllen. Die Highlander gewinnen offensichtlich unerwartet gegen Auckland und entsprechend gut ist anschließend die Stimmung. Hier herrscht eine rauhe aber herzliche Atmosphäre. Das Bier fließt in Strömen und mir werden selbstironisch die neuseeländischen „Ostfriesenwitze” über den Southern Man erzählt. Denn die meisten Gäste sind Sheap Shearer und bezeichnen sich selbst als die Cowboys of Southland.
An diesem Abend komme ich auch noch mit einigen Jugendlichen ins Gespräch. In ihren Fragen nach Deutschland spürt man die Sehnsucht nach Neuem, Interessantem. Sie wollen raus, zumindest in die Städte oder noch weiter weg. Bloß raus aus der Einsamkeit – die Natur ist ihnen nicht genug. In meinen Gedanken schließt sich ein Kreis. Schon vorher habe ich von der sehr hohen Suizidrate unter den neuseeländischen Teenagern gehört. Die Kinder wohnen häufig auf sehr entlegenen Farmen und kommen gerade ein- bis zweimal im Monat mit ihren Freunden zusammen. Um am Lifestyle jedoch teilhaben zu können, brauchen sie Geld, das sie nicht haben. Es wird herumgehangen und getrunken. Durch das Fernsehen werden zusätzliche Bedürfnisse geweckt, die nicht befriedigt werden können. Es entwickelt sich eine Spirale der Perspektivlosigkeit, die häufig schlimm endet. Auf eine dahingehende, konkrete Frage bekomme ich direkt zwei Fotos von ehemaligen Freunden zu sehen.
Am nächsten Morgen geht es raus aus dem Otago in Richtung Ostküste. Die noch tief stehende Morgensonne taucht die Landschaft in ein weiches Licht, deren Schönheit mir hilft, die zum Teil nicht so schönen Erfahrungen der letzten Nacht zu vergessen. Für heute habe ich mir vorgenommen, bis Oamaru zu fahren. Mal sehen, ob ich dort Shayne treffe. Doch vorher geht es durch Dunedin, eine Universitätsstadt mit alten, typisch englischen Kolonialgebäuden. Die Stadt liegt am Ende einer langen Bay. Die Umgebung bietet eine Menge kleiner Ausflugsziele und ich entschließe mich, auf der Halbinsel Green Island die Gelbaugenpinguine zu besuchen. Die Straße führt, zum Teil von Wellen überspült, circa 40 km weit die Bay entlang, bis an die Spitze der Halbinsel. Eine wunderbare Fahrt durch kleine bunte Dörfer, die verschlafen an der Küste liegen. Das Pinguinreservat wird sorgfältig von einer sympathischen Truppe ehrenamtlicher Mitarbeiter gehütet.Neuseeland
Ich habe meinen südlichsten Punkt auf dieser Reise erreicht und nun geht es unweigerlich wieder in Richtung Norden – dem Abflughafen Auckland Stück für Stück entgegen.
In Oamaru rufe ich von der nächsten Telefonzelle Shayne an. Kaum fünf Minuten später steht er neben mir. In einem gemütlichen Irish Pub stellt er mir seine Freunde vor. Joe ist begeisterter Motorradfahrer. In seiner Garage zeigt er mir später seine Harley mit einem 1800 ccm Motor und über 100 PS. Er berichtet stolz von den mehr als ausreichenden Fahrleistungen seines Eigenbaus. Umso erstaunter bin ich, als ich von seinem Beruf erfahre. Er ist ein Cop, der es als überzeugter Biker mit der neuseeländischen Straßenverkehrsordnung, wie wohl fast alle Kiwis, nicht so genau nimmt. Den Abend verbringen wir auf seiner Terrasse in gemütlichem Gespräch. Dabei wird mein Blick ständig von dem Ausblick über den South Pacifc gefesselt.
Wir stellen eine Menge Vergleiche zwischen Deutschland und Neuseeland an. Im Durchschnitt verdienen die Kiwis ein Drittel weniger als die Deutschen, doch dagegen stehen weitaus geringere Staatsabgaben und erheblich niedrigere Anschaffungskosten für Häuser. Der Lebensstandard ist vielleicht etwas einfacher, aber dafür gibt es hier den viel gerühmten Lifestyle und eine, wie ich meine, harmonischer lebende Gesellschaft. Es wird nicht gefragt was du bist, sondern wer du bist und von einer anonymen Gesellschaft kann keine Rede sein. Die räumliche Weite trägt wohl erheblich dazu bei.
So gerne ich der Einladung, länger zu bleiben, gefolgt wäre, aber in zwei Tagen geht meine Fähre wieder Richtung Nordinsel und darum muss ich am nächsten Morgen weiter. Nachdem mein hoffentlich haltbares Versprechen, mit der Familie in den Ferien zu kommen, akzeptiert wurde, darf ich weiterziehen.
Heute steht die letzte Übernachtung im Süden an und dazu habe ich mir Christchurch ausgesucht, die größte Stadt der Südinsel mit circa 300.000 Einwohnern. Die Fahrt dorthin ist langweilig – flaches, uninteressantes Land, nur geradeaus und zu guter Letzt bezieht sich der Himmel sehr ungemütlich. Glücklicherweise finde ich schnell einen für Großstadtverhältnisse guten Backpacker, denn nachdem ich das letzte Gepäck reingebracht habe, fängt es fürchterlich zu regnen an. Leider ändert sich daran den ganzen Nachmittag nichts und mein Stadtbummel fällt buchstäblich ins Wasser. Möglicherweise habe ich deswegen nicht gerade die besten Erinnerungen an Christchurch.
Dafür scheint am nächsten Morgen wieder die Sonne. Es ist zwar richtig kalt, aber der blaue Himmel verheißt einen schönen Tag. Die Strecke wird nach und nach reizvoller und ab Kaikoura geht es wieder mal eine Traumküste entlang. Rechts endlose weiße Sandstrände und links die Berge. Ich kann mich einfach nicht sattsehen. Jetzt fehlt nur noch ein sportlicheres Motorrad mit mehr Leistung, um die langezogenen Kurven vollends genießen zu können. Das klappt mit der XT leider nicht in dem Maße. Am Abend komme ich nach einem kurzen Stopp in Blenheim an der Fähre in Picton an und kann auch gleich einchecken. Ein kurzer Anruf bei Peter in dem kleinen Backpacker vor Wellington und das letzte Bett für die Nacht ist dort auch belegt.
Während der Überfahrt kann ich die Marlborough Sounds vom Achterdeck gut genießen. Die untergehende Sonne taucht alles in ein weiches Licht, das die Landschaft sehr idyllisch erscheinen lässt.
Erst gegen 12 Uhr nachts komme ich in dem Backpacker bei meinen „alten Bekannten” an und bekomme sogar noch einen Tee. Peter hat mit seiner Frau gewartet und so sitzen wir noch etwas zusammen, und sie lassen sich von mir berichten, wie es mir bei den Cowboys ergangen ist.Neuseeland
Meine Pläne für die Rückreise durch die Nordinsel habe ich etwas geändert. Eigentlich sollte es an der Ostküste entlang und am East Cape vorbeigehen. Doch davon hat mir Joe abgeraten. Im Eastland leben ausschließlich Maoris, die sich mit dem modernen Staat nicht so recht an- freunden können. Man sagt, dass sich zwei Drittel der Maori-Bevölkerung in die europäisch geprägte Gesellschaft einfinden konnten, doch das andere Drittel lebt zum großen Teil in Eastland. Zwar gibt es dort kaum ernste Probleme, doch sollen Weiße nicht gern gesehen sein, und die dort lebenden Maoris kennen keine Skrupel, Weiße auszunehmen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Also fahre ich die Westküste entlang, Richtung Mount Egmont.
Von Wellington bis Bulls ist es die gleiche Strecke wie auf dem Weg nach Süden. Ab Bulls geht es dann geradeaus weiter nach Wanganui. Die Fahrt macht Spaß; durch leicht hügeliges Weideland führt die Strecke teilweise an der Küste entlang. Direkt am Wanganui River gelegen, der sich in einem weiten Bogen um die halbe Kleinstadt legt um kurz darauf in den Ozean zu münden, liegt Wanganui von kleinen Hügeln umgeben vor mir. Die Stadt bietet einen friedlichen Anblick und ist wie die meisten neuseeländischen Städte in einem rechteckigen Muster angelegt. In einem stilvollen Backpacker bekomme ich ein Einzelzimmer mit Ausblick auf den Fluss.
Bei Sonnenuntergang gehe ich mit Frank, einem neuen Bekannten aus Düsseldorf, ins Zentrum, um einen der Pubs aufzusuchen.
Auf der Straße treffen wir nach halbstündigem Fußmarsch nicht eine Menschenseele, die uns inzwischen mehr als durstigen Touris den Weg in einen Pub zeigen kann, seltsam. Glücklicherweise hören wir einen Augenblick später aus einer Seitenstraße Musik. Wir entdecken einige Motorräder, die offensichtlich vor einem Pub abgestellt sind. Die Schrittfrequenz erhöhend marschieren wir zielstrebig auf die Eingangstür zu. Frank betritt den Pub vor mir und bevor ich erkennen kann, was uns da erwartet, dreht er sich um, und will das Lokal wieder verlassen. Meine ausgedörrte Kehle will sich ein frisch Gezapftes aber nicht entgehen lassen, und so schiebe ich ihn zurück und gemeinsam betreten wir doch den Pub.
Vor uns sitzen etwa 15 Gestalten im wildesten Outfit. Volltätowiert bis unter die Augen mit Monstern, Totenköpfen, Hakenkreuzen und SS-Runen nehmen sie uns von allen Seiten genau unter die Lupe. Etwas mulmig wird mir auch, aber während der ganzen Reise habe ich nur nette Menschen kennengelernt, warum soll das hier anders sein. Nach etwas Überzeugungsarbeit an Frank siegt dann auch sein Durst und wir stellen uns zu den anderen an den Tresen. Dort werden wir mit einigen Brocken Deutsch freundlich begrüßt und sind schnell im Gespräch.
Später kann ich es mir nicht verkneifen, einen der Kollegen auf seine Nazi-Tätowierungen anzusprechen, und ich erkläre ihm, dass er damit in Deutschland eine Menge Ärger bekommen kann. Das will er kaum glauben, er hat offensichtlich nicht so recht verstanden, was sich da für Zusammenhänge verbergen. Nazistische oder rassistische Einstellungen hat von denen hier anscheinend keiner. Da fehlt nur die nötige Allgemeinbildung. Der Abend ist wieder mal sehr interessant.
Den Mount Egmont immer in Sichtweite führt die Straße an dem gleichnamigen Nationalpark vorbei durch eine sehr provinzielle Gegend. An der Küste liegen einige kleine Ferienorte, die offensichtlich für die einheimischen Urlauber ausgelegt sind. Nachmittags komme ich in New Plymouth an und finde auch gleich den Backpacker, der mir schon in Wanganui empfohlen wurde. Diese Stadt ist ein ganzes Stück größer und entsprechend belebter. Eine Menge Pubs und Restaurants ziehen hier die Leute aller Altersklassen an. Dazu kommt, dass das Wochende vor der Tür steht und Ausgehzeit ist. Ich sitze vor einer Hamburger Bar und schaue mir das vergnügliche Treiben der Teenager an, die mit ihren 10 bis 20 Jahre alten Autos – meist optisch aufgepeppte große Amis mit ohrenbetäubendem Motorsound – die Haupt- strasse auf- und abfahren. Macht Spaß, da zuzuschauen.
Am Morgen geht die Fahrt auf den vorletzten Abschnitt. Der Highway 3 führt durch Hügel und Farmland dieser Provinz und ist gut zu fahren. Mein Tagesziel soll Raglan, ungefähr 150 km vor Auckland, sein. Ich habe mir vorgenommen, dort zwei Nächte zu verbringen, denn inzwischen fühle ich mich etwas kaputt von der Reise. Raglan ist wunderbar und jedem Neuseelandtouristen zu empfehlen. Ein kleines Dorf, das an einer langen und verschlungenen Bucht liegt. Einer der besten Backpacker, wie es mir auch andere Reisende bestätigen, und immer etwas los.Neuseeland
Ich habe das große Glück, an den Abenden zuschauen zu können, wie die Hobbyfischer mit ihren gut motorisierten Booten vom Hochseeangelwettbewerb reinkommen und die Fänge gewogen werden. Es ist schon imposant, die über 100 kg schweren Merlins zu sehen. Der Sieger ist ein 16-jähriger, der einen 125 kg Hammerhai vorweisen kann. Nach dem Wiegen steigt in der Kneipe eine große Party. Ob da jemand mit Badelatschen oder Klubjacket sitzt, ist uninteressant. Der Stimmung tut auch ein einstündiger Stromausfall während eines Gewitters keinen Abbruch. Es werden Kerzen aufgestellt und das Bier kann eben nicht mehr gekühlt getrunken werden, dafür gibt es Gelegenheit, sich im Dunkeln etwas näher zu kommen.
Leider hält der Regen am nächsten Tag an und mein Aktionsradius ist dadurch eingeschränkt. Dafür treffe ich bei einem Spaziergang einige Bekannte vom Vorabend wieder, die gemütlich beim Bier auf der Terrasse sitzen. Bei dem Wetter erscheint dies auch mir die einzige sinnvolle Beschäftigung zu sein und setze mich dazu. Die Badelatschen sind den Gummistiefeln gewichen, nur daher kann ich erkennen, dass sie zu Hause gewesen sein müssen. Um den Tisch füllt sich die Runde schnell wieder und der Abend beginnt wie der vorherige. Es wird wieder viel geredet und gelacht.
Heute haben wir Sonntag und morgen nacht geht mein Flug zurück nach Deutschland. Bei Nieselwetter setze ich mich aufs Motorrad, um den letzten Abschnitt hinter mich zu bringen.
Shayne hatte mir vorgeschlagen, dass er mich nach Abgabe des Motorrades beim Vermieter abholt und mir Auckland und Umgebung zeigt. Deshalb bringe ich das Motorrad gleich nach meiner Ankunft gegen Mittag zurück. Bis Shayne eintrifft, versuche ich, das Gepäck wieder in meinem Koffer unterzubringen. Das gestaltet sich allerdings etwas schwierig; um die vielen Mitbringsel und Souvenirs unterbringen zu können, müssen andere Sachen weichen.
Mit Shayne geht die Fahrt erstmal raus aus Auckland auf eine Tasse Tee zu ihm nach Hause. Die Gegend um Auckland ist dichter besiedelt als der Rest des Landes. Ungefähr vergleichbar mit einer ländlichen Region bei uns. Dafür kann man an den Häusern erkennen, dass hier der wirtschaftliche Puls des Landes pocht und Geld verdient wird, denn für die Aucklander ist Business wichtig und die es geschafft haben, zeigen das auch.
Die unmittelbare Umgebung von Auckland bietet den Menschen auch viel Gelegenheit, ihren Lifestyle auszuleben. Zwischen zum Teil sehr bewaldeten Hügeln finden sich viele Strände, an denen die Surfer auf ihre Kosten kommen, und die verwirrende Anzahl an kleinen Buchten und Inseln bieten ein vorzügliches Segelrevier. Ich glaube, es gibt keinen Aucklander, der nicht wenigstens ein Boot hat.
Nach einem gemeinsamen Frühstück mit einem Geschäftsfreund von Shayne habe ich meinen letzten Tag in Neuseeland vor mir; der Flug geht erst um 23 Uhr. Ich bin wieder auf mich gestellt und mache Auckland unsicher. Es ist eine richtige Großstadt mit Hochhäusern, aus denen in der Mittagspause die Angestellten mit ihren feinen Anzügen wie die Ameisen schwärmen, um in einem kleinen Restaurant einen Lunch einzunehmen. Die Straßen sind voll und es ist laut, aber irgendwie wirkt das alles nicht hektisch. Die Leute sitzen gemütlich im lockeren Gespräch vor einem Kaffee, sind freundlich zueinander und nach Feierabend geht es auch nochmal auf ein Bier in die Eckkneipe.
Am Abend lasse ich mich vom Shuttlebus zum Flughafen bringen. Auf dem Heimflug gehen mir eine Menge Gedanken über die vergangenen drei Wochen durch den Kopf. Es hat sich wirklich gelohnt, dieses kleine Abenteuer auf mich zu nehmen. Neuseeland ist ein Traumland mit etwas mehr heiler Welt als bei uns. Durch die vielen Bekanntschaften habe ich auch einiges über die Schattenseiten des Lebens in Neuseeland erfahren können, doch steht das nach meiner Ansicht in einem besseren Verhältnis zu den Vorteilen als in unserem dichtbesiedelten und auf wirtschaftlichen Erfolg ausgelegten Land. Die Leute, die in Neuseeland die Weichen stellen, sind allerdings sehr bestrebt darin, dieser Gesellschaft den wirtschaftlichen Erfolg wie in anderen großen Industrienationen zu bringen. Ich hoffe, dass dabei die leichte Lebenseinstellung der Kiwis nicht auf der Strecke bleibt. Denn das macht auch Neuseeland aus.
Es ist alles etwas anders, eben „Down under”.

Allgemeine Informationen

Geografie und Reisezeit
Gräbt man ein Loch von Spanien oder Nordafrika durch den Erdmittelpunkt, dann kommt man in Neuseeland raus. Dementsprechend ist dort Sommer, wenn bei uns Winter ist. Eine schöne Reisezeit ist das Frühjahr. Im Januar sind in Neuseeland große Ferien und die Kiwis sind selbst unterwegs. Entsprechend voll ist es und Vorausbuchungen sind empfehlenswert. Mit Regen muss man immer rechnen, allerdings ist das regional sehr unterschiedlich.
Neuseeland besteht aus zwei großen Inseln, der Nord- und Südinsel. Am meisten los ist auf der Nordinsel. Dort liegt Auckland mit dem internationalen Flughafen.

Anreise
Ab Frankfurt gibt es mehrmals wöchentlich Flugverbindungen mit verschiedenen internationalen Airlines. Mit ewas Glück kann man ein Rückflugticket für ca. 2.000 DM bekommen. Je nach Verbindung muss man mit einer Flugdauer von 26 bis zu 40 Stunden rechnen.
Das eigene Motorrad im Flugzeug mitzunehmen kostet je nach Gewicht ab ca. 5.000 DM

Motorrad mieten
Für einen kürzeren Aufenthalt (bis zu vier Wochen) ist es günstiger, sich ein Motorrad zu mieten. Empfehlen kann ich die Vermietung „New Zealand Motorcycle Rentals” von Daren Tonar in Auckland. Er hat circa 80 Maschinen (überwiegend BMW und Yamaha) in gutem Zustand. Für fast jeden Wunsch wird etwas dabei sein.
Tel: 0064-9-3772005
Fax: 0064-9-3772006
Email: HYPERLINK mailto: info@nzbike.com http://www.nzbike.com
Bei längeren Aufenthalten kann es sich lohnen, ein Motorrad zu kaufen, um es nach der Reise wieder zu verkaufen.

Reisekasse
In Neuseeland wird mit NZ$ bezahlt. Ein NZ$ liegt bei ungefähr einer Mark. Die Mastercard wird auch in den entlegensten Gebieten genommen.
An den meisten Geldautomaten kann man Bargeld mit der Euro-Checkkarte bekommen. Unser MAESTRO System ist kompatibel mit dem dortigen CIRRUS System.

 

 

 


Kommentare

Kommentar hinzufügen

* Pflichtfelder

Keine Kommentare zu :
“Neuseeland – Teil 2”