Ein Motorradunfall ist in Sekunden geschehen. Was jedoch danach kommt, zieht sich oft über Wochen hin und entscheidet am Ende darüber, ob Sie für die Schäden, die andere verursacht haben, doch selbst bezahlen. Dieser Ratgeber richtet sich an Biker, die wissen wollen, wie man sich nach einem Unfall richtig verhält, welche Schritte in welcher Reihenfolge wichtig sind und warum die Wahl des Gutachters bei der Entschädigungssumme mitentscheidet.

Motorradunfall
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Erste Schritte am Unfallort

Bevor es um Schadenersatz geht, ist Sicherheit wichtig. Motorrad und Fahrer aus dem Gefahrenbereich bringen, Warndreieck aufstellen, Polizei und Rettung rufen. Selbst bei vermeintlich kleinen Kollisionen gilt: Polizei hinzuziehen. Das offizielle Polizeiprotokoll ist später oft das einzige neutrale Dokument, das den Unfallhergang belegt.

Fotos sind das Gedächtnis eines Unfalls. Es sollten Fotos von Schäden am Motorrad, Reifenspuren, Straßenschäden, Leitplanken und der Lage aller beteiligten Fahrzeuge gemacht werden, ehe irgendetwas bewegt wird. Zeugen sollten angesprochen und ihre Daten notiert werden. Notieren sollte man sich die Versicherungsnummer des Unfallgegners, das Kennzeichen und die Führerscheindaten. Aus Erfahrung: Unterschreiben sollte man am Unfallort niemals Erklärungen, die auf eine Mitschuld schließen lassen. Selbst ein harmloser Satz kann später gegen einen verwendet werden.

Ihr Recht auf einen unabhängigen Gutachter

Hier liegt einer der häufigsten und teuersten Fehler: Viele Geschädigte lassen die Schadenfeststellung der gegnerischen Versicherung überlassen, obwohl sie dazu rechtlich gar nicht verpflichtet sind und sich damit in den meisten Fällen selbst schaden. Nach einem Unfall, der durch den anderen verschuldet worden ist, steht es jedem Geschädigten frei, sich einen eigenen, unabhängigen Kfz-Sachverständigen zu bestellen. Die Kosten hierfür trägt die gegnerische Haftpflichtversicherung. Wer im Raum Hockenheim, Schwetzingen oder Mannheim Auto fährt, findet mit einem Kfz Gutachter in Mannheim einen Sachverständigen vor der eigenen Tür, der die Werkstattpreise vor Ort kennt, schnell da ist und ein rechtlich verwertbares Gutachten erstellt.

Der Unterschied zwischen einem versicherungseigenen und einem freien Gutachten kann erheblich sein. Versicherungsgutachter arbeiten im Auftrage des Versicherers und haben strukturell ein Interesse daran, Schäden niedrig zu bewerten. Ein freier Sachverständiger dokumentiert vollständig und ohne Interessenkonflikt.

Was ein Motorradgutachten alles enthält

Motorräder erfordern bei der Schadensuntersuchung erheblich mehr Sachverstand als Pkw. Rahmenschäden, Verwindungen der Gabel, Schäden an Federbeinen usw. sind oft nur bei genauer Untersuchung zu erkennen. Ein qualifiziertes Gutachten nach einem Motorradunfall befasst sich mit:

  • Sichtprüfung aller Fahrwerkskomponenten (Gabel, Schwinge, Lager, Lenkkopf)
  • Prüfung auf Rahmenverwindung oder Risse, wenn nötig auf der Richtbank
  • Bewertung von Verkleidung, Sturzkäfig und Anbauteilen
  • Schadenskalkulation nach DAT-Richtlinien für Ersatzteile und Arbeitskosten
  • Ermittlung des Wiederbeschaffungswertes im Totalschadenfall
  • Ermittlung des merkantilen Minderwertes

Letzterer ist ein Punkt, auf den die Versicherungen gern verzichten. Der merkantile Minderwert beschreibt den Wertverlust, den das Fahrzeug durch einen Unfall erleidet, auch wenn es sachgerecht wieder instand gesetzt wird. Bei einem hochwertigen Motorrad kann das schnell mehrere hundert Euro ausmachen. Wer diesen Anspruch nicht selbst erhebt, verzichtet auf Geld, das ihm zusteht.

Was die Versicherung nicht von sich aus reguliert

Eine Schadensregulierung bedeutet leider nicht automatisch auch eine vollständige Entschädigung. Bestimmte Positionen muss man anmelden. Dazu gehört Nutzungsausfall oder Mietfahrzeugkosten für die Zeit, in der das Motorrad nicht fahrbereit ist. Wer das Motorrad beruflich nutzt, kann möglicherweise auch Verdienstausfall geltend machen.
Fristen spielen dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle, die reguläre Verjährungsfrist beträgt drei Jahre, beginnt aber erst am Ende des Jahres, in dem der Schaden entstanden ist.

Ein Motorradunfall ist für die Versicherung kein Routinefall und sollte für dich auch keiner sein. Wer die richtigen Schritte kennt, einen unabhängigen Gutachter beauftragt und seine Ansprüche sauber dokumentiert, hat sehr viel bessere Chancen auf eine angemessene Entschädigung.