Lost in France?
aus Kradblatt 9/25 von Jürgen Daug
Nachdem ich zufällig einige Bilder der Bretagne gesehen hatte, fand ich sie sehr ansprechend. Daher war mir schnell klar, in welches Gebiet meine Motorradtour dieses Jahr gehen sollte. Dieses Mal hatte ich mich aber mit der Planung der Reise beschäftigt und die Höhepunkte der Reise im Voraus ausgewählt. Reisedauer ca. 8–10 Tage, ca. 3.300 Kilometer Distanz und Ziele, die auf den Bildern zumindest sehr gut aussahen.

Am ersten Tag bin ich von Burgdorf bei Hannover bis Brügge gefahren. Brügge sehen und … genießen. Brügge Fischmarkt ist eine kleine Stadt innerhalb der Stadt und wird über Klappbrücken angefahren. Die Grachten in der Stadt werden mit Booten befahren und die Gebäude bezaubern sehr.
Am nächsten Tag ging die Reise weiter nach Deauville in der Normandie. Dieses Ziel lag auf der Hand, denn ich wollte meiner Honda zeigen, woher ihr Name kommt. Ich bin bestimmt der erste Deauvillefahrer, der ein Foto von seinem Motorrad unter dem Ortsschild von Deauville gemacht hat …

Deauville ist ein Badeort, der ein bisschen das Flair der oberen Zehntausend ausstrahlt, aber durchaus einen Besuch wert ist.
Von Deauville bin ich zum Omaha Beach gefahren, wo ich mir die Gedenkstätte „The Brave“ und die „Normandy American Cementry“ angesehen habe.
Für mich war es neu, dass in der Normandie der D-Day so ein großes Thema ist. Es gibt hier eine Vielzahl von Museen und man kann Führungen buchen, bei denen die damaligen Ereignisse ausführlich erklärt werden. Eigentlich wollte ich hier niemanden erzählen, dass ich Deutscher bin, aber heute ist diese Tatsache kein Problem mehr. Abends steuerte ich einen Campingplatz am Utah Beach an und bezog aufgrund eines ordentlichen Regenschauers ein niedliches Minihäuschen – ein schöner Kontrast zum Zelt. Auch hier am Utah Beach wird der D-Day sehr geehrt. Amerikanische und englische Flaggen wehen häufig und überall gibt es viel Geschichte zu sehen.

Am nächsten Tag fuhr ich zu meinem nächsten Ziel: Le Mont-Saint-Michel. Vom Parkplatz bis zum Kloster ist es ein ziemlicher Fußweg, aber es fahren viele Busse hin und zurück. Ich hätte den Bus nehmen sollen – später ist man immer klüger. Als ich dort ankam, schwitzte ich in meiner Motorradausrüstung höllisch. Ein Besuch hier lohnt sich auf jeden Fall, schon aufgrund der beeindruckenden Silhouette, welche aus dem Wattenmeer ragt. Allerdings muss man damit rechnen, dass es viele Touristen gibt und es daher sehr voll ist. Nachdem ich mir alles angesehen hatte, fuhr ich am Nachmittag zu meinem nächsten Halt: Saint-Malo, der schönen, stolzen Korsarenstadt aus Granit direkt am Meer. Abends machte ich noch ein paar Fotos und suchte mir dann einen Campingplatz für die Nacht.

Am nächsten Morgen besichtigte ich Saint-Malo genauer. Hier liegen enge Gassen hinter einer gut geschützten Mauer und bezaubern mit einem eigenen Charme, der hervorragend für Piratenfilme wäre. Auch dort ist es sehr schön, aber auch sehr voll.
Nachdem ich wieder auf die Honda gestiegen war, machte ich mich auf den Weg nach Dinard, einem Badeort auf der anderen Seite der Bucht. Von dort aus konnte ich Saint-Malo von der Wasserseite aus sehen.
Weiter ging es nach Erquy: einem für seine Jakobsmuscheln bekannter Fischereihafen. Bei meinen Recherchen nach Reisezielen für die Bretagne stieß ich auf einen Bericht, das Leute herausgefunden hätten, das hier das Dorf von Asterix gestanden haben müsste. Der Erfinder von Asterix bemerkte hierzu, dass er vielleicht unbewusst auf diesen Ort für seine fiktive Figur gekommen sei, weil er in seiner Kindheit hier oft seine Ferien verbrachte. Grund genug für mich diesen schönen Ort mit anzusteuern, allein schon dieser Geschichte wegen.
Am Abend erreichte ich Cap Frehel. Ich machte mich direkt auf den Weg zum Leuchtturm und verschaffte mir einen schnellen Überblick.Anschließend fuhr ich zu einem nahegelegenen Campingplatz, baute mein Zelt auf, packte mein Gepäck hinein und fuhr zurück zum Leuchtturm. Die vielfarbige Landschaft, der Duft der Heide, das Brausen der Wellen, das Schreien der Möwen und dazu das warme Licht des Sonnenuntergangs haben mir durch ihre Schönheit eine Gänsehaut bereitet. Ich habe hier einen wundervollen Abend verbracht. Erst nach Einbruch der Dunkelheit fuhr ich zurück und kroch ins Zelt.
Meine Tour führte mich weiter zum Kerguntuil-Dolmen. Dieses Steinmonument stammt aus der Zeit 2000 v. Chr.

Nach einer kurzen Fahrt erreichte ich die rosa Granitküste von Tregastel. Auch hier konnte ich auf die Felsen klettern und die große Farbvielfalt der Felsen und des Wassers genießen. Einfach schön, aber der Abend am Cap Frehel hat die persönliche Messlatte so hoch gelegt, dass Tregastel knapp dahinter blieb. Auf den oberen Felsen von Tregastel war der Wind so heftig, dass ich befürchtete, die Kamera würde mir aus der Hand wehen. Ich hatte eine tolle Zeit hier.

Am Nachmittag fuhr ich nach Morlaix. Meine Freundin hatte im Internet Bilder dieser Stadt gefunden und mir geschrieben, dass sich ein Stopp hier auf jeden Fall lohnen würde. So war es, dieses tolle Viadukt, das mitten durch die Stadt führt, macht den Ort gleich doppelt sehenswert. Auch hier suchte ich mir einen Campingplatz für die Nacht.
Nachdem ich morgens mein Gepäck zusammengesucht hatte, ging es zum Phare de Kermorvan, dem westlichsten Punkt meiner Tour. Hier besuchte ich den Leuchtturm und genoss in dieser wunderschönen Kulisse die Tatsache, dass ich für einen weiteren Weg westwärts ein Boot brauchen würde. Ich fuhr danach Richtung Osten nach Brest, dem Endziel meiner Tour.
Nach einer Woche unterwegs hatte ich nun das Gefühl, dass es gut war und ich nach Hause zurückkehren wollte, zumal die Rückfahrt aufgrund der Entfernung einige Zeit in Anspruch nehmen würde. Brest hat mich von den Orten, die ich besucht hatte, am wenigsten beeindruckt, obwohl ich keine großen Erwartungen an diese Stadt hatte. Aber wahrscheinlich auch, weil ich von meinen anderen Zielen so beeindruckt war und, wie bereits beschrieben, meine Akkus schon etwas leer waren. In einiger Entfernung von Brest suchte ich nach einem Campingplatz zum Übernachten.

Jetzt fehlte nur noch die Heimfahrt und hier begann das Drama. Am nächsten Tag fuhr ich nach Esclavelle, eine Strecke von etwa 550 km. Hier hatte ich das Glück, in einer Fernfahrerunterkunft ein Zimmer für die Nacht mieten zu können. So konnte ich am nächsten Morgen die Heimreise antreten, ohne viel Zeit mit dem Einpacken des Zeltes und dem Verstauen meiner Ausrüstung zu verschwenden.
Während der Fahrt auf der Autobahn, bemerkte ich, dass sich meine Honda etwas ungewöhnlich verhielt. Ich fuhr in eine Notfallbucht und überprüfte, ob mir etwas auffällig vorkam – dem war nicht so. Allerdings bin ich kein Techniker oder Schrauber. Als ich den Motor wieder starten wollte, gab die Honda nur ein klackerndes, knarzendes Geräusch von sich. Also habe ich beim ADAC angerufen. Hier wurde mir gesagt ich müsse über die Notrufsäule telefonisch einen Abschleppdienst anrufen und mich wieder melden, wenn die Honda dort auf dem Werkshof steht. Ab hier übernahm der ADAC und ich suchte mir ein Hotelzimmer. Am selben Nachmittag teilte mir der ADAC mit, dass mein Motorrad am nächsten Morgen zu einer örtlichen Reparaturwerkstatt gebracht würde. Vormittags gegen 11 Uhr erhielt ich die Nachricht, dass ich die Honda um 14 Uhr abholen könne. Glücklich nahm ich das Motorrad in Empfang und setzte meine Reise fort – es war übrigens die Batterie.

Als ich wieder in Deutschland war, bemerkte ich während einer Pause, dass die Honda aus dem Kühler tropfte. Ich verließ sofort die Autobahn und parkte die Maschine in einer Seitenstraße in Köln. Dann habe ich erneut beim ADAC angerufen. Dieses Mal bekam ich einen Mietwagen, mit dem ich bis auf einen Stau von zweieinhalb Stunden ohne weitere Zwischenfälle nach Hause fuhr.
Nach einigen Tagen wurde mein Motorrad per Sammeltransport zur Reparaturwerkstatt in meiner Heimatstadt gebracht. Ende gut, alles ist gut. Alles in allem war es eine sehr schöne Tour (nur die Rückfahrt war sch…). Die Tatsache, dass man mit einem über 20 Jahre altem Motorrad eine Panne haben kann, sollte niemanden überraschen. Ich fahre die Maschine seit fünf Jahren und hatte nie Probleme. Zumindest war ich mit meiner ADAC-Plus-Mitgliedschaft sehr zufrieden, obwohl ich sie nie so ausführlich testen wollte wie auf dieser Rückreise. Ich kann nur jedem Motorradfahrer dazu raten etwas Ähnliches zu haben, wenn es mit einem (älteren) Motorrad auf große Tour geht.
P.S. Lasst euch von solchen Pannen nicht abhalten Touren zu fahren, denn gerade diese Pannen sind hinterher die besten Geschichten. Wenn alles klappt, sind die Geschichten ja auch langweilig.
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