Titelbild-Kroatien

Motorradreise Kroatien im Herbst

aus Kradblatt 5/18
von Torsten Thimm

Kroatien – das Land der Gegensätze

Motorradreise - Kroatien in Herbst

Es ist Ende Oktober als meine drei Mitstreiter und ich uns dazu entscheiden der herbstlichen Tristheit Deutschlands noch einmal zu entfliehen und die Sonne zu suchen. Da unsere Zeit für dieses Vorhaben leider begrenzt ist, leihen wir uns kurzerhand einen Transporter beim Bikertransit (www.bikertransit.de) aus, um uns die unnötigen Autobahnkilometer auf den Bikes zu sparen. 

So gestaltet sich die Anfahrt durch die herbstlichen Landschaften Österreichs und Sloweniens dann auch vollkommen problemlos. Einzig die Grenzformalitäten beim Übergang von Slowenien nach Kroatien kommen uns etwas merkwürdig vor … (waren wir nicht alle irgendwie Europa und EU)? 

Mit dem Bikertransit nach KroatienNa egal, Opatija empfängt uns jedenfalls mit dem Flair einer alten Hafenstadt in der aufkommenden Dunkelheit dieses Tages. Die hoch über der Stadt thronende Villa Kapetanovic (www.villa-kapetanovic.hr) habe ich zur Sicherheit schon vorgebucht. Ein freundlicher Empfang der Gastgeber, ein bis zwei hopfenhaltige Getränke, sowie ein feines Abendessen und kurze Zeit darauf beziehen wir unsere geräumigen Schlafgemächer für diese Nacht.

Der nächste Morgen beginnt früh und die aufgehende Sonne, setzt die komplette Szenerie in ein Gemälde aus Land, Wasser und Farben. Auf der großen Terrasse des Hauses ist bereits für uns eingedeckt und bei netten 22 Grad nehmen wir genüsslich unser Frühstück ein. Dabei besprechen wir zudem den ersten Tourentag und hacken die Daten in die Navis. Freundlicherweise dürfen wir den Transporter auf dem hoteleigenen Parkplatz bis zum Ende der Tour stehen lassen, sodass uns die Halbinsel Istrien schnell mit ihren verwundenen und teils kleinen Singletracks in ihren Bann zieht. 

Bei den diversen Fotostopps, die wir unterwegs einlegen, zeigen sich die Menschen, wie auch das Land, von ihrer besten Seite und der stets ein wenig magische Schein der Sonne lässt uns ein ums andere Mal die fortgeschrittene Jahreszeit vergessen. Nicht verwunderlich also, dass wir erst mit der beginnenden Dämmerung die Fähre zur Insel Cres besteigen und übersetzten. 

Motorradreise - Kroatien in HerbstAls uns das Schiff auf der anderen Seite wieder aus seinem stählernen Bauch spuckt ist es bereits dunkle Nacht. Wir beschließen den Autos vor uns zu folgen und nehmen die steinerne Insel nur schemenhaft im Scheinwerferlicht der Karawane wahr. Nicht sehr viel später landen wir im Ort Cres, wo Marc nach einem kurzen Gespräch mit einem Einheimischen eine passende Unterkunft für uns findet. Diese ist in Hafennähe und das angeschlossene Restaurant bewirtet uns mit vorzüglichem kroatischem Lammfleisch und frisch gefangenem Fisch. Während des Essens lassen wir den Tag noch einmal Revue passieren und planen den Tourverlauf für den morgigen zweiten Tag, bevor wir vollgegessen in unsere Betten fallen.

Motorradreise - Kroatien in Herbst Der neue Tag hat gerade begonnen als die ersten Fischer im Hafen von Cres mit ihren Booten einlaufen. Zusammen mit den alten Gebäuden hier fühlen wir uns in die 1960er Jahre versetzt. Eine Zeit, in der man unsere tägliche Hektik noch nicht so extrem kannte. Genau das ist hier gefühlt Urlaub und diese Stimmung nehmen wir für den heutigen Tag mit auf unseren Weg hinüber zur Insel Krk. 

Mit der Fähre setzen wir erneut über und durchqueren das Eiland auf zum Teil etwas breiteren Ziegenpfaden. Ehrlich, wir haben keine Ahnung wie unsere Navis dazu kommen so was zu planen. Welch ein Gegensatz, was Cres an Steinen und alten Mauern zu bieten hat, hält Krk an grünen Gewächsen dagegen. Beides auf seine Art zugleich bizarr aber auch wunderschön. 

Da Krk mit dem Festland über die große Brücke verbunden ist, verlassen wir die Insel gegen Mittag und damit auch die Kvarner Bucht. Wir folgen, wenn auch nur kurz, der breiten Uferstraße, bevor wir den geplanten Abzweig hinauf in die Berge nehmen, der uns ins Hinterland bringt. Das erste leicht alpine Gefühl stellt sich hier ein und die berühmten Plitvicer Seen sollen unser Ziel für heute werden. 

Motorradreise - Kroatien in Herbst Doch kaum haben wir den Scheidepunkt der Bergkette überfahren, ist es Herbst. Und zwar Herbst mit allem was dazugehört! Die Temperaturen fallen rapide, es zieht sich zu, beginnt zu regnen und lässt uns die Tour kurzerhand umplanen. Den Abend verbringen wir in Senj, küstennah mit Blick auf die alte Festung und genießen die Hafenpromenade des Ortes. 

Etwas überrascht von diesen Erlebnissen besprechen das weitere Vorgehen. Mehr nach Süden ist die einhellige Entscheidung am Ende und die berühmten Wasserfälle von Krka das Ziel für morgen (www.nationalpark-krka.de). Nach der Rückkehr in unsere Unterkunft schlafen wir jedenfalls mit diesem Plan im Kopf ein. 

Nach einer ausgesprochen ruhigen Nacht und einem sehr deutschen Frühstück am Morgen, verabschieden wir uns von unseren netten Gastgebern und folgen der rosa Linie in unseren Navis zu den Wasserfällen. 

Ein weiteres Mal zeigt sich Kroatien von einer ganz anderen Seite. Die Armut hier im Hinterland ist deutlich sichtbar. Immer noch stehen zerschossene und halbfertige Häuser links und rechts der Straße. Gebäude die fluchtartig von ihren Bewohnern verlassen worden sind, als der Bürgerkrieg tobte. Rote Absperrungen und Totenkopfschilder warnen vor Minenfeldern die noch nicht geräumt wurden. Glanz und Gloria der Küste, hier fehlen sie beinahe ganz und es fühlt sich an als würde dieser Abschnitt in ein anderes Land gehören. Lange beschäftigt mich das und erst am Nationalpark werden meine Gedanken wieder heller. 

Die Sonne hat ihren Zenit noch nicht erreicht als wir das Schiff besteigen, das uns zu den Wasserfällen bringt. Eine ruhige Überfahrt erwartet uns und ein einmaliges Erlebnis aus Wasser, Stein und Natur. Die Zeit mit den tobenden Fällen, den kleinen Wassbindfäden und der Seenlandschaft hier vergeht wie im Fluge aber tourentechnisch sind wir für heute noch nicht am Ende. 

Motorradreise - Kroatien in Herbst Ein zweiter Anlauf führt uns noch einmal in Richtung Plitvicer-Seen (www.plitvicer-seen.de) denn wir wollen auf Winnetous Spuren wandeln. Auch dieses Mal wird es im Hinterland kalt, aber zum Glück bleibt der Regen vom Vortag aus. Noch einmal bekommen wir die Ausmaße eines Bürgerkrieges, der mittlerweile über 20 Jahre zurück liegt zu sehen, bevor uns der Weg am Abend in ein kleines Hotel in Jezerce kurz vor den Seen führt. Als wir an diesem Abend zu Bett gehen wähnen wir uns am Ziel.  

Motorradreise - Kroatien in Herbst Doch leider hat Petrus am folgenden Morgen andere Pläne für uns vorgesehen. Die Seen sehen wir jedenfalls nicht. Durch dicke Nebelschwaden mit ganzen 6 Grad Außentemperatur, schauen wir schnell zu, dass wir uns mit der Griffheizung auf der höchsten Stufe wieder aus dem Staub machen. 

Als der Nebel sich mit der Zeit langsam auflöst, finden wir uns schon einige Kilometer entfernt auf einspurigen Fahrbahnen durch dichte Wälder wieder. Der Weg ist klar, es geht zurück Richtung Küste. Doch bevor wir sie erreichen, kaufen wir Käse, Brot und Wurst von den Bauernhöfen, die an der Straße liegen ein. Eher zufällig auf unserem Rückweg kommen wir dann auch an der Einfahrt einer Schotterstrecke vorbei, die sich bei näherem Hinsehen als Verbindungsstück herausstellt und zum enduristischen Wandern geradezu einlädt. 

Dichte, herbstlich eingefärbte Bewaldung wechselt hier mit steinigem Grund und flachen, ebenfalls schon braun gewordenen, Flechtengewächsen. Am höchsten Punkt der Strecke landen wir inmitten eines verlassen Refugios, das zum Picknicken einlädt. Wir genießen die gekauften Sachen und vor allem die Ruhe der Landschaft, bevor wir weiterfahren. 

Es dauert nicht lange und wir haben wieder festen Untergrund unter den straßenbereiften Bikes. Der Blick vor uns wandert von Kurve zu Kurve und auf den Geraden dazwischen immer wieder hinunter zur Küste und dem Meer. Ein kurviger Lindwurm aus Teer wurde hier ins Tal gegossen. Ihm folgend landen wir am frühen Nachmittag am Strand von Karlobag und lassen unseren letzten vollen Tourtag in Kroatien bei spätsommerlichen Temperaturen ausklingen. 

Etwas wehmütig besteigen wir dann am folgenden Morgen auch die Maschinen und nehmen die Küstenstraße zurück bis nach Opatija. Noch einmal zeigt sich Kroatiens ganze Schönheit und Küstenlinie, mit Blick auf die vorgelagerten Inseln. 

Motorradreise - Kroatien in Herbst Beim Mittagessen im Hotel Kapetanovic überrascht uns Marc dann noch einmal. Er schlägt vor alleine die Fahrt mit dem Transporter Richtung Maltatal auf sich zu nehmen, während Klaus, Sascha und ich mit dem Motorrad fahren. Ein Deal, den wir gerne eingehen. Kurze Zeit später ist seine BMW auf dem Transporter verladen und wir verlassen Kroatien in Richtung slowenischer Grenze. 

Durch Slowenien, das Socatal des Wassers und über den atemberaubenden Vrsicsattel mit seinen mystisch aufgesetzten Steinhaufen gelangen wir nach Österreich. Ein weiteres Mal bei dieser Reise unterschätzen wir natürlich die Jahreszeit und erst im aufkommenden Dunkel des Abends kommen wir alle wohlbehalten am Maltainerhof an. 

Und die Essenz dieser Reise: Kroatien hat uns eine Menge Gegensätze gezeigt. Ob landschaftlich, kulturell als auch wettertechnisch. Es ist in jedem dieser Punkte eine Reise wert, auch im Spätherbst, und bietet seinen Gästen alles, was man sich zum Wohlfühlen nur wünschen kann. Wir jedenfalls waren nicht das letzte Mal dort, das steht fest.  


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