Von einem der auszog, Gutes zu tun …
aus Kradblatt 8/25 von Dieter Seifert

Engagement für die Gesellschaft braucht keinen großen bürokratischen Aufwand – wenn man will, kann man sich vielfältig und mit Eigeninitiative einbringen. So wie Dieter Seifert, der uns hier seine Geschichte erzählt.
Was macht ein Motorradfahrer aus Bochum, wenn er etwas Gutes tun will? Er veranstaltet Spendenkampagnen zugunsten eines Hospizvereins in Halberstadt, also rund 400 Kilometer entfernt. Echt jetzt?
Des Rätsels Lösung ist einfach: ich bin Dieter Seifert, wohne in Bochum, und habe 2015 nach meinem 60. Geburtstag und nach einer sehr langen Pause wieder mit dem Motorradfahren angefangen. Den Führerschein hatte ich schon in den siebziger Jahren gemacht. Ich war in der Freistellungsphase der Altersteilzeit und die Gelegenheit war günstig. Zuerst habe ich auf einer billig erworbenen Honda CB 400 N ausprobiert, ob ich wirklich immer noch Motorradfahren wollte oder ob das nur eine jahrelang gepflegte fixe Idee war. Die Honda wich schnell einer Kawasaki ER-5 und im Januar 2019 habe ich mir dann eine neue Suzuki V-Strom 650 gegönnt. Mit der bin ich mittlerweile über 67.000 Kilometer gefahren und es dürfen gerne noch viel mehr werden. Im Laufe der Zeit kamen eine höhere Sitzbank und tiefere Fußrasten dran, die den Fahrkomfort gerade auf langen Strecken deutlich steigern.
Seit 2022 fahre ich häufig als Sicherungsfahrer bei Wohltätigkeitskorsos von Motorradvereinen mit, die Geld für Behinderteneinrichtungen, Hospize etc. sammeln. Da lag die Idee nahe, so etwas auch selbst zu machen. Da ich bis 1966 in Halberstadt bei meinen Großeltern gelebt habe und seit 1990 immer wieder einmal dort bin, habe ich kurzerhand 2023 beim Hospizverein Regenbogen e.V. in Halberstadt angefragt, was man dort von einer Spendenkampagne hält. Die Antwort kam schnell und sprühte vor Begeisterung. Also habe ich Bekannte, Freunde und Verwandte angehauen und es kamen über 1.000 € zusammen. In diesem Zusammenhang entstand auch meine Website www.bikersammeltspenden.de Fotos und Videos der Abschlusstour bereichern natürlich die Website. Schließlich sollen die Spenderinnen und Spender etwas für ihr Geld sehen. Dass ich beim nächsten Besuch in Halberstadt schon sehr freudig begrüßt wurde, versteht sich von selbst.
Die Sammelmethode ist im Prinzip das klassische Klinkenputzen: Mario aus Halberstadt und ich sprechen Menschen und Unternehmen an, die wir kennen, beschreiben das Vorhaben und werben für Spenden und – besonders bei Unternehmen – für ein Sponsoring. Sponsoren werden auf der Homepage mit einem Werbetext erwähnt. Der Hospizverein, mit dem ich in engem Kontakt stehe, stellt Spendenquittungen aus. Allgemeine Spendenappelle, etwa im Vereinsumfeld oder am Arbeitsplatz, verpuffen. Es ist daher absolut wichtig, dass zu Spendern & Sponsoren eine persönliche Beziehung besteht. Das muss zumindest eine gute Bekanntschaft sein. Zu den Spendern, die durchweg Privatpersonen sind, gehören auch Familienmitglieder.

Natürlich war schon die Tour selbst sehr schön, zumal ich auch durchweg gutes Wetter hatte. Wer mitten im Ruhrgebiet wohnt und rauskommen will, nimmt erst einmal die Autobahn, weil das der schnellste Weg ist. Nach rund 50 Kilometern hatte ich Unna hinter mir und bin dann nur noch über die Dörfer gefahren. Das Hotel war gebucht und mich drängte nichts. Nachmittags kam ich schon an und natürlich musste ich noch einen Abstecher zu dem Haus machen, in dem ich als Kind gelebt hatte. Die Schule, die ich von 1962 bis 1966 besucht hatte, war leider 2005 schon abgerissen worden. In den folgenden Tagen habe ich mich nicht nur mit den superfreundlichen Koordinatorinnen vom Hospizverein getroffen, sondern auch, wie ein Tourist, einige Sehenswürdigkeiten besucht. Der Brockengipfel, den ich natürlich mit der Schmalspurbahn besuchte, begrüßte mich in bestem Sonnenschein und auch die Aussicht von Hexentanzplatz und von der Roßtrappe in Thale waren herrlich. Zum Abschluss war ich noch auf dem Kyffhäuser, der natürlich nicht mehr im Harz liegt. Dann ging es nach einigen tollen Tagen wieder nach Hause.

2024 habe ich die Spendenkampagne wiederholt und schon über 1.400 € zusammenbekommen. Die Abschlusstour ging in diesem Jahr an die Mosel. Auch dort entstanden wieder schöne Fotos und Videos, aber es fühlte sich nicht „richtig“ an. Deshalb wird die Abschlusstour 2025 wieder nach Halberstadt gehen. Trotzdem fand ich den Besuch an der Mosel wunderschön, die ich wegen des engen Tals und der vielen Flusswindungen sehr mag. Dass ich auf dem Hin- und Rückweg durch die Eifel fuhr und auch am Nürburgring vorbeikam, machte natürlich auch viel Spaß.
2025 drehe ich ein deutlich größeres Rad als in den Vorjahren, weil der Verein wegen der notwendigen Nachwuchsausbildung mehr Geld braucht als sonst, weil ich meinen 70. Geburtstag ungeniert herausstelle und weil ich sozusagen „Blut“ geleckt habe. Als sehr effektiver Unterstützer ist im Frühjahr 2025 Mario aus Halberstadt hinzugekommen, der das schafft, was ich nicht konnte: er gewinnt Unternehmer aus der Region als Sponsoren und trägt so die Kampagne dorthin, wo die Unterstützung dringend gebraucht wird.
Die Jahreskampagnen seit 2023 waren immer zeitlich begrenzt. In diesem Jahr war offiziell am 31. Juli Schluss, meinem 70. Geburtstag. Natürlich ist es das ganze Jahr hindurch möglich, zu spenden. Auch 2026 werde ich wieder in einem bestimmten Zeitraum Spenden sammeln. Einnahmen außerhalb des jeweiligen Kampagnenzeitraum werden dann der Bilanz für die folgende Kampagne gutgeschrieben.

Mittlerweile ist schon eine Menge passiert. Im Spendentopf liegen aktuell 5280,40 € (Stand 7/25) und lokale Medien in Bochum und Halberstadt haben das Thema sehr wohlwollend begleitet.
Die Schlussbilanz 2025 könnt ihr euch aufgrund des Redaktionsschluss des KRADblatt auf meiner Website ansehen. Dort findet ihr auch die Reisetagebücher mit weiteren Infos und Bildern.
Die Zahl der Sponsoren ist gegenüber 2024 deutlich gewachsen. Sponsoren bringen nicht nur Geld, sondern sind auch werbewirksam und gute Multiplikatoren. Am 24. Juni fanden in Halberstadt zwei wichtige Termine statt: eine symbolische Scheckübergabe durch Vertreter des Rotary Club Halberstadt und ein sehr konstruktives Gespräch mit dem Oberbürgermeister, ebenfalls mit symbolischer Scheckübergabe.

Hospize und Hospizvereine werden übrigens in erster Linie von den Krankenkassen und Krankenversicherungen finanziert, aber nur zu maximal 95% der Personal- und Sachkosten. Die Ausbildungskosten tragen sie selbst. Sie sind also immer auf Spenden und auf ehrenamtliche Arbeit angewiesen.
Dass ich meine eigenen Kosten selbst trage und die gesamten Spenden ohne einen Abzug dem Hospizverein zugutekommen, versteht sich von selbst. Ich bin selbst ehrenamtlich in verschiedenen Bereichen aktiv und freue mich, gesund zu sein und keine finanziellen Sorgen zu haben.
Da ich immer wieder gefragt werde, ob ich allein oder einer Gruppe fahre: ich bin fast immer alleine unterwegs, weil ich dann das Tempo etc. bestimmen kann. Wenn ich etwas besonders Interessantes sehe, kann ich zum Bestaunen, Fotografieren und Filmen anhalten oder auch mal einen Umweg fahren, um besser an das Objekt der Begeisterung heranzukommen. Meistens habe ich eine Drohne dabei und die braucht nun mal etwas Zeit vor dem Start und nach der Landung, wenn ich erst ein geeignetes Plätzchen gefunden habe. Das geht nicht in Gruppen. Außerdem fahre ich gerne allein.
Ich genieße meine Aktivitäten, weil ich die Kombination aus Hobby, aktivem Leben und guten Taten liebe. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes unbezahlbar.

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Den Artikel findet ihr auch <hier> in Kradblatt-Ausgabe 08-2025.
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