aus Kradblatt 10/26 von Michael „Mezzo“ Fauth
Ladys: start your Engines
Mezzo ist fleißig auf Tour. Vor kurzem noch in der Himalaya-Region unterwegs, jetzt ein Bericht zu Vietnam und bald das nächste Abenteuer irgendwo auf einer Insel im Osten Afrikas, mitten im Indischen Ozean auf der Höhe Australiens. An seiner Vortragsreihe für den Winter arbeitet Mezzo auch, Nord-Termine gibt es sobald bekannt. Aber jetzt erst mal: Vietnam.

Es wurde höchste Zeit, dass ich diese Motorradtour endlich geschafft habe. Vor gut vierzehn Jahren, als ich damals in China lebte, wollte ich schon einmal in Vietnam Motorrad fahren. Damals sollte es nicht sein, doch das ist eine Geschichte aus dem Buch „China erleben“. Das Vietnam-Motorradabenteuer hat seine Geschichte im dritten Teil von „Der Ruf der Landstraße“ bekommen. Ich lass euch etwas Fernweh schnuppern.

Über Bangkok, mit längerem Aufenthalt in Thailand, geht mein Flug nach Ho Chi Minh City (HCMC), früher Saigon. Der alte Städtenamen Saigon ist nach wie vor präsent. Die Stadt ist eine typische quirlige asiatische Stadt mit Leben auf der Straße, Garküchen und dem lauten Verkehr – aber irgendwie auch nicht, denn so ziemlich überall findet man französische Spuren aus der Kolonialzeit. Sei es auch nur das Bánh Mì, ein luftiges Brötchen wie ein Baguette, gebacken aus Reismehl und belegt mit allerlei asiatischen Zutaten. Saigon (HCMC) ist ziemlich hip, angesagt bei jungen Reisenden. Ein neues Vietnam, nicht das, das ich in meinem Kopf habe aus den Nachrichten der frühen 1970er Jahre. Das „alte“ Vietnam findet man in diversen Museen der Stadt, z.B. dem „Kriegsrestemuseum“ – sehr interessant und brutal zugleich. Der Indochina Krieg oder die USA im Vietnamkrieg, man zieht Vergleiche in der Gegenwart …
Kurz vor meinem Aufbruch zur Motorradtour habe ich mir einen üblen Virus eingefangen, mein Magen dreht durch und entleert sich, die Abfahrt verschiebt sich.
Mein Motorrad, eine Kawasaki Versys-X 300, ist speziell für Abenteuerfahrten konzipiert und kombiniert eine geländetaugliche Geometrie mit einer komfortablen Sitzposition und robusten Komponenten. Das Motorrad sieht dominant aus und wirkt wie eine große Reise-Maschine. Sie hat ein geringes Gewicht von ca. 175 kg und 40 Pferdestärken, die sie locker die Berge hoch bewegen und genügend Schwung bieten, um im vietnamesischen Straßenverkehr ein Überholmanöver zu Ende zu bringen. Die Kawasaki hat zusätzlich einen Gepäckträger mit zwei Kunststoff-Packtaschen montiert. Das Bike habe ich bei Style Motorbikes gemietet.
Ich wähle einen Rundkurs im Süden Vietnams, passiere die Grenze zum Norden und überquere damit den 17. Breitengrad. Aber den Norden mache ich noch einmal in Ruhe separat, dann mit Laos und Kambodscha.

Ich halte mich nördlich entlang der Kambodschanischen Grenze, verlasse die Tiefebene von HCMC. Das Land ist hier einsam, nur landwirtschaftliche Anbauflächen wo überwiegend Kautschuk, Kaffeebohnen, Tee und Pfeffer angebaut werden. Ich befinde mich nun in einer hügeligeren Landschaft und folge dem Truong-Son-Gebirge. Zeitweilen führt es mich hoch hinaus, kurvige Passstraßen in grünen Tropenwald, tiefe Täler, immer wieder wilde Wasserfälle neben mir.
Ich steuere nun in Richtung Đà Nẵng. Mein Ziel ist es, den Pass der Wolken zu überqueren, den Đèo Hải Vân. Dieser Pass bildet die natürliche Grenze und Wetterscheide zwischen Nord- und Süd-Vietnam. Er ist ca. 20 km lang, erreicht eine maximale Passhöhe von 496 Meter und führt über den Ausläufer der Truong-Son-Berge. Diese Berge reichen bis zum Meer und bieten ein wahrlich fantastisches Naturerlebnis. Vom höchsten Punkt bietet sich ein Panoramablick über den Ozean. Von der dort befindlichen alten Festung, mit Maschinengewehr-Nestern aus dem Vietnam Krieg, blickt man nach Đà Nẵng, zur Halbinsel Sơn Trà und zu Lăng Cô. Allerdings ist der Pass oft in Wolken gehüllt, daher der Name „Pass in den Wolken“. Falls nicht, hat man traumhafte Blicke.

Ich fahre weiter nach Norden, nach Huế zur alten Kaiserstadt, eine prachtvolle Stadt mit Zitadelle und Palast. Hier oben drehe ich bei und kehre in den Süden zurück, nun entlang der Küste. Mir bieten sich traumhafte Buchten mit Sandstränden wie aus der Kinowerbung, ein Wahnsinn!
Auf meinem Weg in den Süden besuche ich die Tempelstadt Mỹ Sơn. Die Anlage stammt aus der Cham-Kultur, welche der indischen Kultur naheliegt. Errichtet wurde die Tempelanlage im 4. und im 14. Jahrhundert, im Vietnamkrieg durch Bombenangriffe der US-Luftwaffe jedoch stark zerstört.
Weiter geht es in den Süden nach Đà Lạt. Eine junge Stadt und irgendwie nicht typisch vietnamesisch. Đà Lạt, die Hauptstadt der Provinz Lâm Đồng, liegt zentral in den Bergen im Hochland von Südvietnam und ist gut versteckt. Die Stadt liegt auf einer Höhe knapp unter beziehungsweise um die 1500 Meter. Die Europäer trauten sich lange nicht in diese Region. Das Gerücht ging umher das hier „Wilde“ lebten. Erst im Jahre 1897 erkundeten die Franzosen die Region. Nur wenige Jahre später wurde hier eine Stadt gegründet. Das angenehme Klima lockte viele Europäer nach Đà Lạt um hier den heißen Sommertagen von Saigon zu entfliehen.
Die Straße windet sich tief nach unten, ich verlasse die Hochebene und steuere nach Vũng Tàu. Eine sehr touristische Stadt, auch hier haben die Franzosen ihre Spuren hinterlassen – manchmal könnte man meinen, in Nizza zu sein. Es gibt große lange Sandstrände. Über der Stadt ragt die 32 Meter hohe Christus-König-Statue auf, auch als Chúa Kitô Vua bekannt.

Mein nächstes Ziel ist das Mekong Delta. Es ist nicht ganz einfach hier durchzufahren und etwas zu sehen. Natürlich gibt es gut ausgebaute Straßen, doch ich suche die kleinen Dörfer und genau das ist nicht so einfach. Ich fahre nach Chân Thọt und tausche das Motorrad als Fortbewegungsmittel mit dem Boot. Nun entdecke ich die Märkte auf dem Wasser die kleinen Kanäle und Wege inmitten des Mekong Deltas.

Der Mekong ist ein Strom in Südostasien, der sechs Länder durchquert (Die Volksrepublik China, Myanmar, Thailand, Laos, Kambodscha und Vietnam). Seine Länge wird mit 4350 km bis 4909 km angegeben. Damit ist er einer der zwölf längsten Flüsse der Erde
Der Mekong Fluss mündet im Süden von Vietnam in einem ca. 41.000 km² großen Gebiet in das Südchinesische Meer. Die unzähligen Flussarme und Kanäle variieren jährlich durch die Hochwasser und das Schwemmsegment. Das Mekongdelta im südlichen Vietnam ist ein riesiges Labyrinth aus Flüssen, Sümpfen und Inseln mit schwimmenden Märkten, Tempel und Khmer-Pagoden sowie von Reisfeldern umgebenen Dörfern. Boote sind das mit Abstand wichtigste Transportmittel oder auch schwimmendes Zuhause. Zentrales Element für Transport und Handel ist der Fluss. Im Mekong gelegene Stadt ist Cấn Thơ, einer sehr geschäftigen Handelsstadt im Herzen des Mekongdeltas.
Es geht zurück nach Saigon und ich erkunde dort das Umland ein wenig. Das Motorrad gebe ich wieder bei Style ab.
Fazit zum Land: Wunderbare freundliche Menschen, einfach zu bereisen, essen bekommt man auf der Straße, was in Asien typisch ist. Unterkünfte sind mit den typischen Buchungsplattformen im Internet einfach zu buchen. Es gibt auch die Möglichkeit zu zelten, aber wozu? Man bekommt für etwa 8 € ein gutes modernes Zimmer und für 35 € bekommt man schon eine Luxus-Unterkunft. Ich finde, der etwas „wilde“ Verkehr wird von Europäern überbewertet. Ok, ich habe in China gelebt und bin dort gefahren, vielleicht sehe ich das entspannter. Es ist auf jeden Fall machbar. Die Straßen reichen von sehr gut bis hin zu oh je. Wenn man Trails zwischen den Feldern oder dezente Offroad sucht, so findet man diese auf den Nebenrouten. Doch wer da fährt muss Zeit investieren, denn man kommt nur sehr langsam voran.
Die gesamte Reisegeschichte wird im neuen Band „Bis an das Ende der Welt – Der Ruf der Landstraße Teil 3“ von Mezzos Reiseerzählungen zu lesen sein. Bestellmöglichkeiten seiner bereits erschienenen Bücher (gedruckt oder als E-Book), mehr Infos sowie die Termine für Mezzos Reisevorträge findet man unter www.motorradtouren-mit-mezzo.com. Auch auf Facebook und YouTube könnt ihr Mezzo folgen.
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