BMW F 650 Bj. 1997

Moto Guzzi Griso

aus bma 4/09

von Helmut Fuhlendorf

BMW F 650 Bj. 1997Wissend, dass ich im Besitz der Klasse 1 bin, überredeten mich im Sommer 2006 Kollegen zu einem Motorrad-Tagesausflug. Nach ca. 30 Jahren Abstinenz hatte ich schnell wieder Feuer gefangen und noch im selben Jahr erstand ich im Herbst eine 97er BMW F650. Durch die tägliche Fahrt zur Arbeit – auch im nicht mehr vorhandenen Winter –  und einem Ausflug zur Rallye WM nach Trier kamen innerhalb des ersten Jahres 13.000 Kilometer  zustande. Der Wunsch nach einer größeren Maschine mit Kardan wurde immer größer, und wenn man erst einmal nachdenkt…

Beim Stöbern in diversen Motorradhäusern entdeckte ich dann im Oktober 2007 die Moto Guzzi Griso und war vom Aussehen total fasziniert. Ein paar Tage später folgte die Probefahrt mit einer 1150 Griso. Bis auf den sehr ungewohnten Kniewinkel gab es keine unangenehmen Überraschungen. Das Handling des mit 240 Kg nicht gerade leichten Bikes war überraschend gut und die Versuchung zu groß: Eine Maschine mit Kardan, das gute Handling, ein günstiger Preis des Händlers, Inzahlungnahme der F650 zu einem fairen Preis, der Zuspruch von Kollegen und die Befürchtung, daß die Griso nach dem bevorstehenden Urlaub zu dem Preis nicht mehr erhältlich sein könnte waren die Gründe für den eigentlich noch nicht geplanten Vertragsabschluss.

BMW F 650 Bj. 1997Am nächsten Tag ging’s in den Urlaub. 14 Tage mit einem flauen Gefühl im Magen, ob ich nicht doch eine übereilte und  falsche Entscheidung getroffen hatte (Kniewinkel, Metzeler Rennsportreifen im „Winter“). Nach dem Urlaub erfolgte die Übernahme der Guzzi und eine nervige, 2000 km währende Einfahrzeit, die aber schon im Januar vorbei war. Der Wunsch nach einer leider nicht zu bekommenden Fußrastentieferlegung um den Kniewinkel zu vergrößern  trat immer mehr in den Hintergrund. Vielmehr stimmte mich der hohe Verbrauch von fast 8 Litern verdrießlich. Ein Blick in das Internet ließ mich aber hoffen, dass dieses Problem mit zunehmender Laufleistung verschwindet.

Ein weiteres Problem war die Frage, wohin mit dem Gepäck bei größeren Touren? Die von Guzzi angebotenen Packtaschen mögen zwar gut aussehen, die Größe und die Wasserdichtigkeit ließen mich aber zu Hepco & Becker greifen. Hier gibt es für die Griso Gepäckhalter für Seitenkoffer und Topcase, und zugehörige Journeys waren schnell ersteigert. Es gibt zwar genügend Biker, die meinen, mit solchen Teilen würde man die Griso verschandeln, aber über Geschmack kann man bekanntlich ewig streiten. Die Halter bleiben dran, aber Koffer und Topcase montiere ich nur, wenn sie wirklich benötigt werden. Allerdings gibt es auch hier einen Wermutstropfen: Sind beide Koffer montiert, passt das Topcase nicht mehr, da es an die Koffer stößt. Ein auf den Grisoträger von H&B nach hinten versetzt montierter Universalträger derselben Firma schaffte Abhilfe.

Die Fahrten in der kalten und nassen Jahreszeit stelten für die Griso mit ihren Metzeler Rennsport kein ernsthaftes Problem dar. Allerdings ist bei mir auch der berühmte 1cm-Sicherheitsstreifen noch vorhanden und wenn das Wetter auch die Kanufahrt auf der Straße erlaubt, bleibt die Guzzi eben stehen. Mit höher stehender Sonne brachten die Ausfahrten mit der Griso immer mehr Spaß. Das Motorrad ist gut zu händeln, kann präzise in die Kurven getrieben werden, die Sitzposition ist für meine 187 cm gut, und an den Kniewinkel habe ich mich auch gewöhnt.

Moto Guzzi GrisoIm August mußte bei ca. 6.000 km vor einer einwöchigen Tour mit Kollegen entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze ein neuer Hinterreifen her (da der vordere noch gut war, wieder ein Rennsport). Auf dieser Fahrt erwies sich die Griso auch für acht Stunden und 500 km Tagesetappen auf Landstraßen als ebenso geeignetes Bike wie für die Sonntägliche Kurventour.

Nun, ein Jahr nach dem Kauf, bin ich wieder im Urlaub. Die Griso ist bei ca. 13.000 km zur Inspektion und bekommt zwei neue Reifen – diesmal Michelin Pilot Road 2. Bis auf einen – noch nicht mit dem gewünschten Erfolg – getauschten Tachogeber (Ausfall der Geschwindigkeit- und Entfernungsanzeige bei Nässe) habe ich mit der Griso keine negativen Erfahrungen gemacht. Auch der Sound des serienmäßigen, auch als „Schultüte“ verspotteten Auspuffs ist für mich ok. Das Entfernen des scheinbar unnötigen letzten Ansaugstückes unter der Sitzbank verleiht dem Ansauggeräusch die nötige Würze.

Das flaue Gefühl im Magen ist längst verschwunden und die Anschaffung tut mir nicht leid.
Bei 13.000 km Fahrleistung im Jahr denke ich schon über die Nachfolge der Griso nach und liebäugele angesichts des Fahrens im Winter mit einer R 1200 GS oder der Stelvio. Aber das hat wohl noch Zeit. Obwohl, wenn man erst einmal nachdenkt…???

 

 

 


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