Der letzte Mohikaner

aus Kradblatt 8/25 von Peter Weise

Peter und seine Honda CB 1100
Peter und seine Honda CB 1100

Wie kam ich zur CB? Über eine Moto Guzzi California Classic, die ich als frisches Gebrauchtmotorrad bei einem Honda-Händler kaufte. Weil ich mit ihr wegen eines sich bald einstellenden Nockenwellenschadens nicht glücklich wurde, gab ich sie dem Händler im Rahmen der Gewährleistung zurück und sattelte stattdessen – nach einer kurzen Probefahrt – auf die Honda CB 1100 als Vorführmotorrad, 1 Jahr alt und 100 km gelaufen, mit einer annehmbaren Zuzahlung um.

Über die Honda hatte ich in der einschlägigen Motorradpresse seit 2013 gelesen und fand sie als letzten großen öl-/luftgekühlten, in Deutschland auf den Markt gekommenen Reihenvierzylinder ganz interessant, erwog aber keinen Kauf. Durch das Malheur mit der Guzzi änderte sich das schlagartig im Frühjahr 2014. 

Seither fahre ich die Honda und habe ihr mittlerweile 78.819 km (Stand 7/25) auf den Tacho gespult. Ihren Kauf habe ich nicht bereut und fahre außer ihr noch eine Erst­serien Kawasaki W 800 und eine Royal Enfield EFI 500 Chrome Classic aus 2016. Ich mag klassisch schöne Straßenmaschinen am liebsten.

Die CB 1100 ist mit 90 PS, 1140 ccm und 93 Nm mein stärkstes Motorrad. Dennoch fahre ich alle ähnlich. Am liebsten zwischen 80 und 120 km/h. Auch die Honda fährt in diesem Geschwindigkeitsbereich sehr smooth und lädt mich nicht zum Rasen ein. Eingebremst wird sie eh bei 180 km/h durch einen Speedcutter, sofern dieser nicht entfernt wurde. Der Durchschnittsverbrauch beläuft sich auf 4,6 Ltr./100 km. Der geringste Verbrauch lag bei erstaunlich niedrigen 3,6 Ltr./100 km. Wird die Honda weniger gemäßigt gefahren, lassen sich allerdings auch über 5,5 Ltr./100 km realisieren.

Qual der Wahl - 1, 2 oder 4 Zylinder?
Qual der Wahl – 1, 2 oder 4 Zylinder?

Ein paar Touren wurden in den vergangenen 10 Jahren mit ihr unternommen: Durch Nordeuropa ans Nordkap, ins UK, nach Irland, in die Niederlande und durchs Baltikum. Die Honda lief stets zuverlässig und mit kommoden Geschwindigkeiten gereist genügsam. Auch mit reichlich Gepäck und Campingausrüstung oder im Zweipersonenbetrieb auf Reise gab das Fahrwerk keinen Grund zur Beanstandung. Der Motor mit seinem satten Drehmomentplateau ebenfalls nicht. Es lässt sich angenehm und schaltfaul auf dem Plateau surfen und er zieht mit seinem Fünfganggetriebe immer ausreichend stark – quasi ab Leerlauf. Bei Bedarf auch nahezu sportlich, je nach gewähltem Gang und gespanntem Gasgriff.

Wartung und benötigte Ersatzteile: Hinterradreifen hielten über 26.000 km, vorne rund die Hälfte. Bremsbeläge tauschte ich hinten zweimal, vorne einmal. Mit dem CBS, einem Kombibremssystem, bremse ich gerne hinten. Vorne wird dann von allein leicht mitgebremst. Ölwechsel erfolgten alle ca. 12.000 km. Zweimal wurden Kerzen und Luftfilter gewechselt, einmal der Kettensatz bei 50.000 km. Eine Batterie-Erneuerung erfolgte nach 7 Jahren, weil ich sie in Irland versehentlich tiefenentlud. Ein halbes Jahr später gab der Akku nach einer Fahrt unvermittelt vor der heimischen Hoftür auf. Die Simmerringe der Telegabel begannen bei 73.000 km zu ölen und wurden erneuert. Alles in allem verhält sich das Motorrad im Verschleiß von Teilen sehr unauffällig und zurückhaltend, vielleicht auch eine Folge meines geruhsamen Fahrstils, der nur sehr selten die vorhandene volle Leistung des Motors abruft. Das Gleiche gilt für notwendiges Schrauben am Motorrad. Es liegt kaum etwas an.

Die Honda macht zu der Jahreszeit Spaß
Die Honda macht zu der Jahreszeit Spaß

Nach 20.000 km bekam die CB Leerlaufschwierigkeiten. Entweder erhöhte er sich von allein selbst bei warmer Maschine auf 1.500 U/min und höher oder der Motor ging mit absinkender Leerlaufdrehzahl irgendwann aus. Nach einigem Hin und Her mit der Honda-Niederlassung Deutschland ließ sich dieses Problem, von dem auch etliche andere CB-Fahrer betroffen waren, durch ein kostenloses Einspritzanlagen-Softwareupdate beheben. Seitdem läuft der Motor wieder unbeirrbar mit 1.100U/min im Leerlauf. 

Zu zweit unterwegs im Harz
Zu zweit unterwegs im Harz

Das Finish der CB ist wertig und gelungen. Es lässt sich durch Pflege erhalten. Selbst bei meinem meist beplanten Laternenparker, der auch gelegentlich im Winter gefahren wird. Einzig die Lackierung der Zylinder gelang Honda nicht. Sie verwandelte sich recht rasch in Blätterteig. Durch gelegentliches Nachlackieren mit silbernem Thermolack halte ich die Zylinder und den vorderen Bereich des Motorblockes ansehnlich. Ebenso bedürfen die Krümmer der Edelstahlauspuffanlage einer ständigen Pflege, ansonsten verflecken sie schnell hässlich braun und verlieren ihren goldenen Glanz. Ich mag es, wenn die Honda gepflegt und hübsch aussieht.

Die verbauten Anbauteile sind u.a. Ledersatteltaschen mit Abstandshaltern, Gepäckträger, Sturzbügel, Windschild und ein Handtempomat. Alles Dinge, auf die ich beim Fahren nicht verzichten möchte.

 Immer wieder schaue ich die CB gerne an, ein gelungenes Design- und Farbenpotpourri aus Schwarz, Silber und Gold, fahre und pflege sie gern und habe nicht vor, dieses zuverlässige Motorrad zu verkaufen. Es erinnert mich an eine goldene CB 750, die ein junger Polizist in meiner Jugend in der Nachbarschaft vor langer Zeit neu kaufte und die sich als bewundernswertes Motorrad auf meiner Netzhaut einbrannte. 

Seit einem Jahrzehnt besitze ich ein ähnliches Motorrad, eine modernere Nachfolgerin der Urahnin, die sich in Fahrt gebracht wie ein Fahrrad leichträdrig auf verhältnismäßig dünnen 18 Zöllern bewegen lässt, obwohl nicht eben leicht mit 250 kg. 

 78.819 km standen im Juli 2025 auf dem Tacho und es werden sicherlich noch mehr …
78.819 km standen im Juli 2025 auf dem Tacho und es werden sicherlich noch mehr …

Im April bekam sie mal wieder eine neue HU/AU. Der probefahrende Prüfer meinte: „Schade, dass die CB keinen Rückwärtsgang hat.“ Er musste sie eine geringe Steigung aus der Parklücke seines Unternehmens schieben, was ihm einige Mühe bereitete. Nach der Probefahrt war er angenehm angetan vom Motor der CB, der für sein Empfinden besser abgestimmt ist als seine einst besessene Suzuki 1250 Bandit. Wenn das nichts ist.

Inzwischen ist die CB als Neufahrzeug samt ihrer Modellupdates, die in meinen Augen das von Honda beabsichtigte Ursprungsbild der CB 1100 unvorteilhaft verwässern, schon einige Jahre vom Markt verschwunden und wird damit ein seltenes Fahrzeug im Straßenverkehr bleiben. Sie fand nur wenige Käufer bei uns trotz des Zuspruchs, den sie zumindest optisch erhielt.

In den Sommerferien geht es mit Freundin und CB wieder auf Tour. Diesmal für eine Woche nach Kopenhagen. Darauf freue ich mich schon und bin überzeugt, dass die Honda auch diese Reise wieder mit Bravour meistern wird.