Vorwort der Ausgabe 7/26 von Marcus Lacroix
Abgasskandal? Was hat KTM damit zu tun?

Den Spruch „eine Sau durchs Dorf treiben“ kennen sicherlich die Allermeisten von euch. Damit wird ausgedrückt, dass ein Thema oder Problem aufgebauscht wird um Aufmerksamkeit zu erregen oder von etwas anderem abzulenken. Die Sau, die am 26. Mai 2026 zumindest durchs virtuelle Dorf der (a)sozialen Medien getrieben wurde, war der allseits bekannte Motorradhersteller KTM. Was war passiert?
Das ZDF Magazin „Frontal“ berichtete über einen angeblichen Abgasskandal und tituliert auf seiner Website „Kraftfahrtbundesamt ermittelt: Motorradhersteller KTM in neuen Abgasskandal verstrickt“. Dazu gibt es ein 15-minütiges Video, das jedem halbwegs informierten Motorradfahrer die Haare zu Berge stehen lässt.
ZDF Frontal und andere Journalisten wurden für den Beitrag von der französischen NGO „Climate Whistleblowers“ nach Paris eingeladen.
Nun sind Whistleblower (=Hinweisgeber) grundsätzlich ja nichts Schlechtes, so mancher Skandal kann nur über engagierte Menschen aufgedeckt werden. Was Frontal allerdings daraus gemacht hat, entspricht eben jener erwähnten Sau – man wähnt sich direkt im journalistischen Sommerloch. Für den Beitrag hätte man keinen verpixelten Informanten dramatisch in Szene setzen müssen, die Story hätte auch jeder Sportendurofahrer offen erzählen können.
Es geht bei dem „Skandal“ nicht um normale Dualsport- oder AdventureEnduros, wie man sie ja häufig im Straßenverkehr sieht, sondern um Hard- bzw. Wettbewerbenduros, die für die Homologation stark gedrosselt werden, damit sie eine Straßenzulassung bekommen. Entdrosselt dürfen sie selbstverständlich nicht im öffentlichen Straßenverkehr sondern nur auf entsprechenden Strecken eingesetzt werden.
„Moment mal“ fragt ihr jetzt evtl., „das mit dem Drosseln für die Zulassung ist doch schon immer so gewesen?!“ Stimmt, Wettbewerbenduros aller Hersteller, nicht nur die von KTM, werden seit vielen Jahrzehnten für die Straßenzulassung stark gedrosselt. Von 50–60 PS bleiben da nur wenige Pferdchen übrig.
Wo jetzt der eigentliche (Abgas)Skandal sein soll, erschließt sich einem Offroad-interessierten Motorradfahrer nicht. Bei Wettbewerben gibt es keine Emissionsvorschriften (allenfalls Lautstärke) und auf der Straße darf nur die legale Version gefahren werden. Sich an entsprechende Gesetze zu halten ist Aufgabe des Fahrzeugführers, die Einhaltung der Gesetze zu überwachen Aufgabe der Polizei. Frontal und die anderen Medien machen aber KTM als Hersteller dafür verantwortlich. KTM weist die Vorwürfe natürlich zurück.
Aber warum gibt es diese abgewürgten Hardenduros mit Nummernschild überhaupt? Das hat „Nasty Nils“ von 1000PS in einem Artikel herausgearbeitet. Im Kern geht es darum, dass Enduros, die an offiziellen Wettbewerben teilnehmen, nach den Regularien des Motorrad-Weltverbands FIM zuvor in homologiertem Zustand ausgeliefert werden müssen. Zudem ist die Handhabung zugelassener Fahrzeuge beim Transport zu internationalen Sportveranstaltungen mit weniger Bürokratie verbunden als bei nicht zugelassenen Sportgeräten. Ernsthaft für den Straßenverkehr kauft man die Bikes nicht, die Wartung wird nach Betriebsstunden durchgeführt.
Den ZDF-Frontal-Beitrag, die KTM-Stellungnahme sowie den Artikel von 1000PS haben wir euch hier entsprechend verlinkt. Lest und schaut die Beiträge selbst und kommentiert gerne hier oder auf Facebook dieses Editorial.
Wir sind auf die nächste Sommer-Sau gespannt …
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