Vorwort der Ausgabe 4/26 von Marcus Lacroix

Übermotivation zum Saisonstart …

Fahrsicherheitstraining sind für jede/n eine Bereicherung. Das Foto entstand beim ADAC Hansa in Embsen.
Fahrsicherheitstraining sind für jede/n eine Bereicherung. Das Foto entstand beim ADAC Hansa in Embsen.

Die Motorradsaison 2026 ist für viele von uns gestartet – die mit 01/12-Saisonkennzeichen grinsen gerade in sich hinein – und natürlich kommt es wie in jedem Jahr: die ersten von uns haben ihre Saison auch schon wieder nachhaltig beendet. Im günstigsten Fall ist dabei nur das Motorrad Schrott. Die gesteigerte Medienpräsenz von verunglückten Motorradfahrenden wird erfahrungsgemäß in den nächsten Wochen weiter anhalten, speziell wenn wir richtig sonnige Wochenende mit zweistelligen Temperaturen bekommen.

Diejenigen unter uns, die schon lange auf zwei Rädern unterwegs sind, werden es mit einem Schulterzucken hinnehmen. Freundlichere Aussagen sind dann: „Traurig, aber ist halt so“, sarkastischere Kommentatoren verweisen meist auf Darwin und in der Tat sind die Verunfallten sehr häufig selbst Schuld oder zumindest mitschuldig an ihrer Lage. Hormongesteuerter Übermut im Frühling trifft auf fehlende Routine, schwierige Straßenverhältnisse (z.B. durch Landwirtschaft), fehlende körperliche Fitness, technische Überforderung (wo im Display war noch das Menü für die Heizgriffe?) und tatsächlich bisweilen auch auf Autofahrer, die unsere schmale Silhouette und die starke Motorisierung einfach (noch) nicht auf dem Zettel haben. 

Jährlich drauf hinzuweisen, erinnert mich an Sisyphos. Aber egal, ich mache es trotzdem. Evtl. denkt der eine oder die andere ja doch ein wenig drüber nach. 

Immerhin scheint der wiederkehrende Tipp, Sicherheitstrainings zu buchen, auf fruchtbaren Boden zu fallen. Diverse Veranstalter bieten ihre Dienste an und wirklich jedes Training ist besser als keins. Man trifft dort nicht nur alte Hasen und absolute Anfänger, auch das „Mittelfeld“ ist immer dabei. Ich habe auch nach 40 Jahren Fahrerfahrung und über 520 tkm auf eigenen Motorrädern plus vielen weiteren Kilometern auf diversen Probefahrtmaschinen immer noch große Freude an Trainings, sowohl On- als auch Offroad!

Womit wir bei einem anderen Punkt sind: die Selbstreflexion – und damit meine ich nicht den morgendlichen Blick in den Spiegel!

Es fällt vielen Motorradfahrern, und hier gendere ich bewusst nicht, nach wie vor sehr schwer, sich eigene Defizite einzugestehen. Wohl jeder hat einen oder mehrere Bekannte, die technisch immer weiter aufrüsten, die modernsten und geilsten Bikes fahren, vor der ersten Kurve aber verkrampfen wie ein Schüler in der ersten Fahrstunde. Leute, die beim Erzählen ganz vorne mit dabei sind, sich in der Gruppe dann aber als Bremsklotz erweisen. 

Versteht mich nicht falsch, es soll keine/r hier wie irre am Kabel ziehen und sich ständig ans Limit pushen. Warum die Komfortzone an sich nichts Schlechtes ist, beschreibt Monika „Mo“ Nagel (aka Mo’s Bike Blog) in ihrem Artikel in Ausgabe 4/26 auf Seite 36/37 bzw. <hier>. Wenn sich die eigene Komfortzone allerdings in einem Bereich bewegt, in dem man für andere ein potentielles Risiko darstellt (hier speziell die Themen Bremsen, Ausweichen, Blickführung), dann besteht dringender Handlungsbedarf. Und wenn trotz Trainings dauerhaft die Angst mitfährt und ihr z.B. nur dem Partner bzw. der Partnerin zuliebe oder um die Kumpel zu beeindrucken Motorrad fahrt, dann solltet ihr über ein anderes Hobby nachdenken. 

Motorradfahren ist ein tolles Gefühl und für viele von uns auch eine Lebenseinstellung. Sorgt aber bitte selbst dafür, dass es auch „mit Sicherheit“ so bleibt!