Kopparleden – Die Kupferstraße zwischen Norwegen und Schweden

Kopparleden – Die Kupferstraße zwischen Norwegen und Schweden

aus Kradblatt 2/17
von Alexander Tamm

Kopparleden - Die Kupferstraße zwischen Røros in Norwegen und Falun in Schweden

Motorradtour Kopparleden

Die Patenschaft zwischen Schönberg, der Gemeinde in der ich wohne und Älvdalen besteht seit 1975. Durch die familiäre Bindung nach Schweden und Älvdalen bin ich gefragt worden, ob ich nicht etwas Werbung für die Region und im Besonderen für die Motorradstrecke Kopparleden, die so genannte Kupferstraße, machen könnte.

Motorradtour KopparledenAlso: Wir verbrachten unseren Osterurlaub in Lövåsen. Ein Ort, der ca. 150 km von Älvdalen entfernt ist. Trotz der Entfernung kam Benny Tator, der dieses Projekt Kopparleden ausgearbeitet hat zu mir und brachte mir viele neue Infos. Er erklärte, dass das Projekt von der EU zwei Jahre gefördert wurde, da es sich um eine historische Strecke von Welterbe zu Welterbe handelt und entsprechend beworben werden soll.

Die Tour verbindet die Stadt Falun/Schweden, mit Røros/Norwegen. Beide Städte stehen auf der Weltkulturerbeliste der UNESCO. Es wurde auf dieser Route damals von Falun aus Kupfer per Pferd und Wagen, oder sogar zu Fuß, nach Røros gebracht. Das Kupfer wurde vor Ort in Røros in andere Waren getauscht und dort verhüttet.

Ich kannte zwar schon die Gegend und Falun, aber ich wurde immer neugieriger. So bekam ich vor Ort von Benny viele neue Eindrücke über die Strecke. Ich erstellte daraufhin auf meiner Homepage eine Schwedenseite mit Informationen und Prospekten, die ich von Benny bekommen habe.

Motorradtour - KopparledenNun musste die Tour irgendwie gefahren werden! Bloß wie bekommt man Hobby und Familienurlaub unter einen Hut? Da kam mir die Idee, dass wir doch mit der ganzen Familie im Sommer nach Schweden fahren können, um somit die Kopparledentour mit in den Urlaub zu integrieren.

Ich fragte meine Bekannten, mit denen wir seit Jahren zusammen nach Schweden fahren und meine Familie, wer im Sommer mitkommen möchte. Ich bekam sofort entsprechende Zusagen und so planten wir mit 13 Personen: drei PKW, zwei Motorräder. Oh Gott, dachte ich, die 13, hoffentlich geht alles gut. Ich kümmerte mich um Übernachtungsmöglichkeiten in der Nähe von Älvdalen und siehe da, es gab dort schöne preiswerte Hütten. Ich buchte nun vier Unterkünfte. Der erste Schritt war gemacht.

Mein Bruder und ich wollten mit dem Motorrad über Puttgarden–Rødby und dann über die Öresundbrücke nach Schweden fahren. Ich plante für uns zwei Übernachtungen in Schweden, damit wir zeitgleich mit den PKW in Älvdalen ankommen.

Wir fuhren auf einem Donnerstag mit unseren Motorrädern von Schönberg aus nach Puttgarden, wo wir dann auf der Fähre festmachten. Meine Familie setzte von Kiel mit der Fähre nach Göteborg und fuhr in einem durch. Nach einer kurzen Überfahrt mit der Fähre erreichten wir auf Landstraßen die Öresundbrücke. Über die Brücke erreichten wir Malmö und später unser erstes Quartier nach 429 km in Bromölla, welches zwischen Kristianstad und Karlshamn liegt.

Kopparleden - Die KupferstraßeAm nächsten Morgen war unser zweites Etappenziel Karlskoga. Wir fuhren nun über Växjö–Jönköping am Vätternsee entlang nach Hjo. Dort legten wir am Hafen eine längere Pause ein. Frisch gestärkt fuhren wir Richtung Marienstad am Vänernsee nach Karlskoga. Das zweite Etappenziel war nach 456 km erreicht.

Nach der Übernachtung setzten wir morgens unsere Strecke über Kopparberg nach Falun fort. In Kopparberg angekommen suchten wir ein Café zum Frühstücken, was wir auch nach kurzer Zeit fanden. Dieses betreibt ein holländisches Ehepaar, welches eigentlich nicht mehr auf Frühstücksgäste eingestellt war, aber ruck zuck hatten sie etwas für uns gezaubert. Das nenne ich flexibel.

Jetzt ging es endlich zur alten Bergwerkstadt nach Falun, wo die Kopparledentour anfängt. Bei der Ankunft in Falun sah man schon den großen Julbock auf der alten Kupfermine. Wir fuhren ins Zentrum und liefen durch die Fußgängerzone und erfrischten uns bei einer eiskalten Cola, denn an diesem Tag lagen die Temperaturen bei 28 Grad C. Die Tage davor waren wir bei angenehmen 23 bis 26 Grad unterwegs. Einfach optimales Bikerwetter! Aber jetzt sollte der erste Abschnitt der Kopparledentour Richtung Älvdalen gefahren werden.

Aus Falun raus sah man schon das erste Verkehrsschild, auf dem Kopparleden stand. Über Rättvik am Siljansee ging es nach Mora. Kurz vor Rättvik fährt man auf eine Erhöhung. Von dort hat man einen herrlichen Blick über den See und der ganzen Schönheit der Natur. Vor Mora machten wir einen Zwischenstopp in Nusnäs, um etwas über die Herstellung der berühmten Dalarnapferde zu erfahren. Dalarnapferde gelten bis heute im Ausland als typisches Symbol für ganz Schweden. Die Pferde werden in diesem kleinen Ort noch in Handarbeit geschnitzt und bemalt. Danach fuhren wir nach Älvdalen.

Endlich, nach 378 km haben wir den Zielort erreicht und gegen 19 Uhr kam unsere Familie über Göteborg an und wir fuhren alle gemeinsam nach Äsen, wo wir unsere Hütten bezogen. Diese Hütten lagen direkt am Stausee in der Wildnis. Die Kinder konnten dort angeln, Blaubeeren pflücken und baden. In den darauffolgenden Tagen spannten wir erst mal aus und machten mit der Familie mit dem Auto einige Ausflüge. Wir besuchten einen Elchpark, nochmals Nusnäs, Älvdalen und für die Kinder natürlich auch Badeseen, da die Temperaturen täglich anstiegen.

Kopparleden - Die KupferstraßeNach ein paar Tagen war es soweit, der zweite Teil der Kopparledentour sollte gefahren werden! Wir entschieden uns früh loszufahren, da wir ab 10 Uhr schon 30 Grad hatten. Also starteten wir um 7 Uhr bei angenehmen 12 Grad in Richtung Røros. In Idre angekommen, bogen wir nun ab und fuhren über die Grenze nach Norwegen. Auf den Bergen lag immer noch Schnee, aber wir schwitzten in unseren Motorradklamotten bei 26 Grad. Man konnte stündlich auf meiner Anzeige sehen, wie die Temperatur nach oben schnellte.

In Norwegen hatten wir die ersten Rentiere auf der Straße und mussten eine Zwangspause einlegen, bis sie gemächlich die Straße verließen. In Røros angekommen – und bei mittlerweile 32 Grad – schlenderten wir durch die alten Gassen an alten Häusern vorbei und schauten uns Røros an. Die Stadt mit den schiefergedeckten Häusern ist einfach sehenswert. Man kann überall in der Altstadt die Ursprünglichkeit sehen und spüren.

Kopparleden - Die KupferstraßeUnsere Rücktour brachte uns durch die bergige, norwegische Landschaft in Richtung Funäsdalen nach Schweden zurück. Von Tännäs aus hatten wir 80 km nach Idre vor uns. Leider hatten wir keine Zeit in Tännäs anzuhalten, um uns die Höhlenmalerei aus der Steinzeit anzuschauen. Die Straße von Tännäs Richtung Idre war sehr ausgewaschen und sie hatte viele Bodenwellen. Links und rechts grasten die Rentiere, die sich durch uns nicht stören ließen. Wir waren froh, als wir durchgeschüttelt, endlich diese Strecke verlassen konnten. Nach 534 km erreichten wir unsere Hütten in Äsen.

Jetzt hatten wir noch paar Tage in Schweden und eines Abends besuchte ich Benny, den Kopparledenchef, und seine Freundin mit meinem Sohn auf dem Motorrad. Beide schauten etwas verwirrt, wer sie jetzt in der Wald­idylle in ihrer Hütte stört. Wir nahmen die Helme ab, und die Überraschung war perfekt. Wir hatten uns ja auch nur einmal gesehen aber dann erkannte er mich und beide freuten sich riesig. Wir unterhielten uns auf Englisch. Zum Glück hatte ich meinen Sohn dabei, der perfekt übersetzen konnte, so war es für mich einfacher – seitdem heißt er „der Translater“. Beide bedankten sich später, dass ich in Deutschland versuche Kopparleden, und somit die Region rund um Älvdalen bekannter zu machen. An diesem ruhigen, lauen Sommerabend konnten wir die Biber am Fluss bei Benny beobachten.

Kopparleden - Die KupferstraßeIrgendwann geht jedoch jeder Urlaub zu Ende und wir feierten unseren Abschiedsabend am Lagerfeuer in einer typischen schwedischen Rasthütte (Slog­bod) am Stausee. Die Kinder pflückten Moos und bauten daraus Inseln, die sie später mit einem brennenden Teelicht bestückten und ins Wasser legten. Dann trieben sie davon. Das war ihr Abschiednehmen mit der Hoffnung, noch mal wiederzukommen. Am nächsten Morgen fuhren wir im Familien-Konvoi nach Göteborg zur Fähre. Kurz vor Göteborg bekamen wir unsere erste Wassertaufe in Schweden! Auch an diesen Tag stiegen die Temperaturen auf 32 Grad! So entstand ein Gewitter, welches ich so noch nicht erlebt hatte. Große Wassermassen, Blitze soweit das Auge reicht und ein schlagartiger Temperatursturz auf 17 Grad. Endlich eine angenehme Temperatur, denn die Straßen waren von der Sonne so aufgeheizt, dass der Fahrtwind auch keine Erfrischung mehr war. Nach 565 km kamen wir völlig durchnässt am Fährschalter an und checkten ein.

So, jetzt schnell rauf auf die Fähre und das Bike verzurren, da es inzwischen auch anfing zu hageln. Am Bord lagen Körbe voller Spanngurte, so dass eine ordnungsgemäße Verzurrung kein Problem war. Auf dem Schiff genossen wir den letzten gemeinsamen Abend.Kopparleden - Die Kupferstraße
Wir fuhren insgesamt 2488 km. Es gab endlose gerade Straßen, kurvige Streckenabschnitte, Wälder, viele Seen, Berge und Natur pur. Also, alles was man zum Biken braucht. Ein Urlaub steht und fällt immer mit dem Wetter und bei uns passte einfach alles! Wir haben viel fotografiert, aber die Eindrücke spiegeln Fotos leider oft nicht wieder. Manches mal habe ich auf der Tour gedacht, man hätte sich fürs Motorrad eine Kamera zulegen sollen, um diese schöne Naturstrecke einzufangen.

Kopparleden - Die KupferstraßeAb und zu hatte ich unterwegs das Gefühl man fährt durch Amerika: Endlose gerade Straßen, viele Seen und überall standen und fuhren alte Ami-Straßenkreuzer. Ein großes Hobby der Schweden ist das Restaurieren und Cruisen von Amischlitten. Einmal im Jahr gibt es ein Musik & Motor Festival in Älvdalen, wo sich alle Oldtimer-Verrückten mit ihren Fahrzeugen treffen. Wer sich hierfür interessiert, sollte auf jeden Fall die Homepage www.musikomotor.se besuchen. Dort sind Bilder, die einen Eindruck von dem Festival vermitteln.

Wer jetzt Lust bekommen hat, kann sich diese Tour auf meiner Website anschauen. Es sind Prospekte zum Runterladen vorhanden und zusätzlich wird die Kopparledentour virtuell mit Bildern dargestellt. Natürlich stehe ich auch gerne mit Rat und Tat zur Seite. In den letzten Jahren ist uns aufgefallen, dass sich die Lebenshaltungskosten in Schweden unserem Niveau angepasst haben, so dass ein Schwedenurlaub nicht mehr so teuer ist.

Als Tipp zum Schluss: Zum Tanken sollte man sich auf jeden Fall eine Kreditkarte besorgen, sonst könnte es beim Bezahlen Probleme geben, da nicht überall die EC-Karte akzeptiert wird. Außerdem sind es schon andere Entfernungen als bei uns, obwohl es vielleicht auf der Landkarte nicht so weit aussieht. Die Gemeinde Älvdalen ist halb so groß wie Schleswig-Holstein und ist mit ca. 8.000 Einwohnern besiedelt. Man sollte nie die Zeit unterschätzen, die man für eine vermeintlich kurze Strecke benötigt!

Mehr Infos über die Tour findet ihr auf meiner Homepage www.alextamm.de oder auf www.visitkopparleden.com.


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