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Kawasaki Z900RS, Modell 2018

aus Kradblatt 10/18
von Torsten Thimm, Fotos Kawasaki, Torsten Thimm und Thierry Dricot

Kawasaki Z900RS
Moderner Klassiker aus Akashi …

Kawasaki Z 900 RS, Foto Thierry Dricot 2018

Heute lässt sich aus einem guten Triebwerk als Basis oft mehr machen als nur ein einziges Motorrad. So auch aus dem fulminanten von der Z1000 abgeleiteten Motor der 2017 erschienenen Kawasaki Z900. Von Kawasaki wirklich clever gemacht, verpflanzte man den kurzerhand in ein klassisch designtes Bike namens Z900RS und trifft damit nicht ganz zufällig den aktuellen Zeitgeist. Geliefert wird die Retro Z als reines Naked Bike oder als Cafe Racer Edition mit Halbschale für den Liebhaber von human angebrachten Stummeln. 

Die Z900RS: Einfach toll reflektiert ihr frisch poliertes, rotbraunes Lackkleid das Licht der Morgensonne. Die Designelemente aus gebürstet wirkendem Metall betonen ihre fließenden Formen und versetzen den geneigten Betrachter zurück in die wilden 1970er, aus denen sie geradezu herübergebeamt worden zu sein scheint. Das HABENWILL Gefühl kommt ganz automatisch in einem hoch und die Erinnerungen an Mad-Max und seinen motorradfahrenden Kollegen Jim Goose, der die alte Z im Film fuhr ist sofort präsent. Doch befinden wir uns im Hier und Jetzt und die Kawasaki Z900RS ist neu auf dem Markt. 

Viele ihrer Bauteile, wie Seitendeckel und Lampengehäuse sind aus Kunststoff gearbeitet und lackiert, was zuerst etwas irritiert, aber natürlich Gewicht einspart, gegenüber Metallausführungen. Und trotzdem bringt Kawasaki mit ihr ein Modell, das den alten Namen mit Stolz trägt, auch wenn mittlerweile Kühlwasser den Vierzylinder umfließt und eine Einspritzung mit Abgasreglung den Sound ins Freie befördert. Die heutigen Zeiten lassen halt in vielerlei Hinsicht nicht mehr so viel Luft wie früher. Ergänzt wird das alles durch den aktuellen Rest an Elektronik, wie ABS und Traktionskontrolle, die sie natürlich ebenfalls mit an Bord hat.

Kawasaki Z 900 RS, Modell 2018, Cockpit Geprägt durch den markanten einzelnen LED-Rundscheinwerfer, die massive USD-Gabel und die zwei klassischen in ihren Kunststofftöpfen versenkten Rund­instrumente, präsentiert sich das Frontend der RS. Letztere sind zwar durch eine LCD-Anzeige in der Mitte getrennt, vollenden aber dennoch optisch den gewünschten Vintagelook. 

Kawasaki Z 900 RS, Modell 2018, Cockpit Über den angenehm gekröpften Lenker wandern Blick und Hände automatisch am tropfenförmigen 17 Liter fassenden Tank entlang, der sich nach hinten verjüngt und zusammen mit dem Sitz in diesem typischen Z-Heck endet. Harmonie der Formen?

Durchaus, wenn da nicht nur der eine Endtopf wäre. Ja ich weiß, dass es Jammern auf einem hohen Niveau ist, denn die Auspuffanlage klingt sehr gut und ist aus einer Edelstahl und Chrom Kombination fein zusammengebaut. Ein zweites Endrohr auf der linken Seite hätte der Optik aber einfach die Krone aufgesetzten und noch mehr geschmeichelt. Dass ich mit dieser Meinung nicht ganz alleine dastehe, zeigt mittlerweile der Zubehörhandel, der sogar schon eine 4 in 4 Anlage im alten 70er Look anbietet. 

Kawasaki Z 900 RS, Modell 2018, links Sieht man in der Serie aber einmal davon und vom Pippitöpfchen an der vorderen Bremsanlage ab, ist das Gesamtkonzept Kawasaki Z900RS rundum stimmig. 

Kawasaki Z 900 RS, Modell 2018, rechtsWer auf ihrem 805 mm hohen Sitz erst einmal Platz nimmt, will so schnell nicht mehr runter und ein mögliches Fahrziel wird nur durch den Spritvorrat im Tank begrenzt. Der entspannte Kniewinkel lässt zudem lange Etappen ohne Pro­bleme zu, auch wenn die Spreizung der Beine durch das Tankdesign etwas mehr ist, als bei modern gestylteren Bikes. 

Und dann hat Kawasaki da auch noch diesen Motor im Rahmen verbaut. Ein echter Charaktertyp par excellence, mit 111 PS Leistung und einem Drehmoment von beinahe 100 Nm. Er ist vielseitig, liebt die höheren Drehzahlen genauso wie das seichte dahinschlendern im sechsten Gang auf den Landstraßen. Gemeinsam mit dem knackig zu schaltenden Getriebe und der leichtgängigen, mit serienmäßig einstellbarem Hebel, zu bedienenden Kupplung wird es so dem Fahrer leicht gemacht auch einfach einmal zu genießen, zumal die Pferdchen ruckzuck versammelt sind, wenn man sie tatsächlich einmal braucht. 

Kawasaki Z 900 RS, Foto Thierry Dricot 2018 On the Road: Irgendwo schnell ankommen wird mit der Kawa also irgendwie zur Nebensache, denn sie reist dich ganz einfach mit in ihren Bann und du möchtest nur eins, fahren. 

Bei einem Verbrauch von rund 5,5 Litern auf hundert Kilometern, ist das mit 300 km Reichweite auch gar kein Problem. Zwischendurch springen einem dabei immer wieder die beiden Nadeln in den analogen Uhren ins Auge und für einen Analogliebhaber wie mich, ist es die reinste Freude ihnen zuzusehen wie sie sich gegenseitig beim Beschleunigen jagen. Das kleine schwarz/weiße LCD-Display in ihrer Mitte gibt zudem weitere Informationen, wie Tankfüllung, Wassertemperatur und Ganganzeige an den Fahrer weiter. 

Kawasaki Z 900 RS, Modell 2018, Heck mit SW Motech Hecktasche

Etwas weiter unten arbeitet das Fahrwerk außerordentlich geschmeidig, stabil und sehr neutral. Dies ist unter anderem auf die oben bereits erwähnte und voll einstellbare Upside-down-Gabel zurückzuführen. Die funktioniert superbe und filtert Grobes einfach heraus, egal welchen Straßenbelag man ihr präsentiert. Ein wenig anders gestaltet sich das Ganze hinten, denn das Federbein ist im Vergleich etwas weniger feinfühlig. In der Summe des Ganzen jedoch passt die Kombination als sehr guter Kompromiss. 

Und wie das mit guten Kompromissen oftmals so ist, führen sie hin und wieder dazu, dass man sie auch einmal ausreizen möchte, wenn die Umstände stimmen! Dabei kann es vorkommen, dass das Vorderrad beim druckvollen Aufziehen auch schnell mal ein wenig leichter wird und die Fußrastennippel in flott gefahrenen Kurven die Funken fliegen lassen. 230 km/h gibt Kawasaki für die Nackte als Höchstgeschwindigkeit an und das, unter uns gesagt, schafft sie auch. Flach liegend auf dem Tank am besten, denn aufrecht werden selbst dicke Arme dabei schnell recht lang.  Aber mal ganz ehrlich, wer will mit diesem Bike schon Höchstgeschwindigkeitsorgien feiern? Sportliches und vor allem klassisches Cruisen ist viel mehr ihr Part, dafür wurde sie gebaut. 

Kawasaki Z 900 RS Cafe, Modell 2018

Da stört es auch nicht, dass sie in engen Kurven etwas mehr Druck am Lenker braucht, als ihre moderne Schwester, die Z900. Dieses Charakterzehntel, was sie unter Umständen an, nennen wir es doch einfach mal Kurvengier verliert, schuldet sie wohl der klassischeren Sitzposition, ihren fünf Kilo mehr Hüftspeck und den zwanzig Millimetern mehr Radstand. Doch folgt am Ende Kawasaki damit seinem Vintagekonzept, was auch die etwas weniger bissige Auslegung der radial verschraubten Bremszangen erklärt. Nach Zephyr und W, die beide auf ihre Art großartige Motorräder waren, kann man sagen, dass Kawasaki nun mit der Z900RS das Retrobike im Köcher hat, das an die eigene Geschichte anschließen kann und wird. 

Fazit: Kawasaki hat es aus meiner Sicht geschafft, eine Brücke zwischen der eigenen Vergangenheit und dem Jetzt zu schlagen. Mit der Z900RS hat der Hersteller ein vortreffliches Motorrad auf die teilgebürsteten Felgen gestellt. Die RS ist nicht nur optisch sehr gelungen, nein sie hat auch die Gene und vor allem den Charakter, den ein solches Retrobike haben sollte, um selber irgendwann, wie ihre berühmte Vorfahrin aus den 70ern zur Legende zu werden. Ab 11.695 € (zzgl. NK) ist sie zu haben.

Alternativ zur nackten RS steht bei den Kawasaki-Vertragshändlern für 12.195 € (zzgl. NK) auch noch die Variante Z900RS CAFE bereit, die mit Lenkerverkleidung und gestufter Sitzbank optisch etwas sportlicher daherkommt. Sehens- und fahrenswert sind sie beide.

Technische Daten

  • Preis: 11.695 Euro in Schwarz, 11.895 Euro in Olivgrün, 11.995 Euro in Braun
  • Leistung: 111 PS bei 8500/min
  • Drehmoment: 99 Nm bei 6500/min
  • Motor: Viertakt-Reihenvierzylinder­motor, wassergekühlt, vier Ventile pro Zylinder, dohc, Hubraum 948 ccm,  Bohrung x Hub 73,4 x 56 mm
  • Getriebe/Endantrieb: 6-Gang, Kette
  • Rahmen: Gitterrohrrahmen aus Stahl
  • Federung vorn: Upside-down-Gabel, Standrohr-Ø 41 mm, Federweg 120 mm, voll einstellbar
  • Federung hinten: Aluminiumschwinge mit Monofederbein, Federweg 140 mm, voll einstellbar
  • Fahrwerksgeometrie: Radstand 1470 mm Lenkkopfwinkel 65°, Nachlauf 99 mm
  • Bremsen: 300-mm-Doppelscheibe vorn, 250-mm-Scheibe hinten, ABS
  • Bereifung: 120/70ZR17 und 180/55ZR17
  • Zulässiges Gesamtgewicht: 395 kg
  • Inspektion: 6000 km oder 1 x jährlich
  • Testverbrauch: 6,0 l/100 km
  • Gewicht vollgetankt: 215 kg


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