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Kawasaki (K)Z900/1000 LTD

aus Kradblatt 1/21 von Michael Dornquast

Das Traummotorrad …

Kawasaki (K)Z900/1000 LTD
Original Kawasaki-Foto (Denkblase von uns eingefügt)

Sommer 1978: Urlaub in Virginia Beach USA. Spaziergang an der Strandpromenade. „He, warte mal eben, da hinten bei Wendy’s (eine Burger-Kette) das ist doch ’ne Zett, oder? Aber irgendwie sieht die anders aus. Ich muss da unbedingt mal eben hin!“ Meine Frau lacht, „OK, man los.“

Staunen: auf dem Seitendeckel steht KZ900LTD (What?)! Kleinerer Tank, knackige 4 in 2-Anlage, richtige Gussräder! 3 Scheibenbremsen!! – Alter, sieht die geil aus!

Und, wie dann so oft: Fotoapparat natürlich im Motel. Scheiße! Habe noch kurz mit dem glücklichen Besitzer sprechen können. „Yeah man, this is a damned cool bike, believe me!“

Kawasaki Z 1000 Ltd Zurück in Germany: Anruf bei Louis (die haben auch mal mit Motorrädern gehandelt, ein Jahr vorher hatte ich meine Kawasaki Z900 da gekauft, die man mir dann in Fischerhude geklaut hat!), das Motorrad genauestens beschrieben. Ergebnis: kann so nicht angehen, gibt’s nicht. Gleiches Resultat auch bei anderen deutschen Kawa­saki-Vertragshändlern.

Ich habe dann monatelang recherchiert, telefoniert, Briefe geschrieben usw. 1978 war da leider nix mit Google, Internet & Co! Irgendwann hatte ich Glück und bekam einen englischen Pros­pekt der LTD in die Finger. Also doch! Das Bild habe ich dann gerahmt und über 20 Jahre im Wohnzimmer gehabt. Eine Richtige ist mir aber niemals über den Weg gekommen.

41 Jahre danach im Mai 2019, viele Motorräder später. Ich stöberte mal wieder bei mobile.de, was da so für Zetts zu verkaufen sind. Seite zwei, nahezu Herzstillstand: eine 1979er LTD, frisch aus Amiland, absolut original, wenig gelaufen, ganz wenige minimale Macken (oder, schön-geschwätzt: „Patina“ ), in der Nähe von Köln.

Jetzt oder nie! Verkäufer angerufen „bitte nicht verkaufen, wir diskutieren nicht über den Preis, ich bin morgen früh da!“. Bin nach Köln gefahren, Handschlag, gekauft. Man hat sogar noch TÜV gemacht. Was das bei einem Import heißt, habe ich in den 1990ern bei meiner US-Z1 von „Twins-Inn“ (Anmerk. d. Red.: ehem. Motorradhändler Nahe Wardenburg mit Faible für Importe) mal selbst erleben dürfen. Erfahrungen, die auch den friedlichsten Menschen umwandeln können. Eine Story von deutschem Ingenieurs-„Sachverstand“ der besonderen Art! Über die Jahre und Motorräder wäre das übrigens Stoff für ein ganzes Taschenbuch.

Geschenkt: jetzt habe ich eine, glaube es fast immer noch nicht. Was zu meiner Fete zum 70sten im Winter im Wohnzimmer steht, dürfte klar sein!

Nach 41 Jahren - eine Z 1000 Ltd zum Geburtstag
Nach 41 Jahren – eine Z 1000 Ltd zum Geburtstag

Die Entstehung dieses Modells. 

Ende 1975: Kawasaki Z1 und Z900 haben sich in den USA bisher bestens verkauft, aber die Verkaufszahlen sinken. Wayne Moulton, Direktor Technical Operations bei Kawasaki USA, beschließt, wir brauchen mal was Neues, einen richtigen Knaller und bittet alle Händler herauszufinden, was die Kawa-Kunden gut finden und auch kaufen würden. Das Ergebnis ist eine Mischung aus Harleys klassischer Superglide und einem 1/4 Meilen-Brenner. Nichts eignet sich 1975 hierfür besser als der Z1-Motor. Und hier ähnelt die Geschichte der Entstehung von BMWs R nineT und ihren nachfolgenden (Custom-) Sondermodellen.

 Kawasaki USA ruft Zulieferer zusammen, u.A. Good Year, Jardine (Schalldämpfer), Boge (Stoßdämpfer) usw., designt/konstruiert und baut mit ihnen auf der Basis einer Standard-Z900 ein 1:1 Modell. Gut verpackt geht dieses nach Japan zu den Kawa-Bossen. So etwas brauchen wir!

Cockpit der Kawasaki Z 1000 Ltd im Stil der 1970er Jahre
Cockpit der Kawasaki Z 1000 Ltd im Stil der 1970er Jahre

Beim späteren Meeting in Japan finden die Entscheider alles ganz nett, wollen aber dann doch nicht so richtig ran. Aber man baut eine Eselsbrücke: Kawasaki hat in Nebraska/USA ein großes Zweigwerk. Wenn die wollen, bitte. Und Nebraska will!

5000 Stück werden für die USA und die Restwelt gebaut. Deutschland ist leider (mal wieder?) nicht „bei der Musik“. (mindestens eine davon wäre amtlich meine gewesen).

Viel schneller als je gedacht sind die weg, alle! Was jetzt? Man könnte doppelschichtig weiterproduzieren, aber: LTD steht für „limited“ (begrenzte) Serie und das hielt man damals noch ein.

Japan hilft jetzt aber gerne, man hat den Erfolg genau registriert. Und: der 903 ccm Motor wurde geändert, hat jetzt 1015 ccm und er ist fertig!

Also heißt die neue Serie Z1000. USA produziert so noch bis 1980 im gleichen, beliebten ersten Design mit Motoren der Z1000 A1/A2 bis MK2 (bei den LTD dann B1 bis B4). Auch hier bekommen viele Händler nicht so viele, wie sie verkaufen könnten. Limited eben!

Interessant ist noch: Kawa hat nach 1972 mit der Z1, 1976 wieder einen Volltreffer gelandet. Yamaha, Suzuki und Honda registrieren sehr schnell, was da für ein Trend gestartet wurde, und reagieren umgehend. Ähnliche Modelle kommen ab 1977 weltweit zum Verkauf. Auf einmal ist nun auch Deutschland wach. Das Design dieser Modelle ist dann allerdings Geschmackssache, bei uns als „Japan-Chopper“, später übrigens auch von Kawasaki Japan, wohlbekannt (das soll bitte kein Werturteil sein), unterscheidet sich aber in vielem von der klassischen Z-Linie der frühen LTDs. Und wer heute eine von diesen zu verkaufen hat, hat oft einen Japaner am Telefon! Die lieben das Ding.

Aber meine bleibt hier, das steht fest. In genau dem Land, das sie eigentlich nicht haben wollte.

Gruß an alle Z-Freunde im Lande, LET THE GOOD TIMES ROLL! (1970er Kawasaki-Slogan).


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