Kawasaki KLX/KLR 650

Kawasaki KLX 650 / KLR 650

aus bma 01/02

von Jörg Pape

Kawasaki KLX/KLR 650Wer schaut nicht gerne einmal nach einem Alltagsmotorrad, Wintermotorrad oder eine Einsteiger-Enduro. Die Privatanzeigen im bma sind häufig sehr verlockend – soll ich kaufen oder nicht? Neben den allgemein üblichen Kontrollen bei der ersten Besichtigung ist es häufig schwierig, spezifische modelltypische Punkte zu beachten. Im folgenden sollen die Kawasaki-Enduros einmal für den Gebrauchtkäufer genauer betrachtet werden.
Wir starten zur Einstimmung mit einer kleinen Modell-Historie. In der 80er Jahren machte Kawasaki mit den wassergekühlten KLR-Modellen 600 und 250 von sich Reden. Diese galten durchaus als sehr geländegängig, jedoch gab es insbesondere bei der KLR 600 Motorprobleme bei der Steuerkette, da bis 1986 ein zu schwacher Steuerkettenspanner verbaut wurde. Aber auch größere Kilometerleistungen konnten erreicht werden, KLR 600 mit annähernd sechsstelligen Laufleistungen sollen noch unterwegs sein. Als Reiseumbau war schließlich von 1989-1991 die Tengai im Programm.

 

Kawasaki KLX/KLR 650Richten wir jedoch unser Augenmerk auf die für den Gebrauchtkäufer interessanteren neueren Modelle. Kawasaki brachte Anfang 1993 mit der KLX zwei aufwändige wassergekühlte Viertakt-Enduros mit Upside-Down-Gabeln auf den Markt, beide basieren auf dem gleichen Konzept. Einmal als softere C-Version mit E-Starter (ausschließlich), Zweipersonen-Zulassung, 45 PS im Brief, 285 mm Federweg vorn und 260 mm hinten ohne Verstellmöglichkeiten, Ge-päckträger, 17″-Hinterrad und 174 kg Startgewicht. Als Straßenenduro mit super Geradeauslaufeigenschaften und tiefem Schwerpunkt konzipiert, kann man mit der KLX 650 C Off- road auf Schotterstrecken und beim Driften glänzen. Auch wenn ab Werk Handguards montiert sind und von den Fußrasten der Gummiaufsatz entfernt werden kann, eignet sich dieses Modell vornehmlich für den Alltagsbetrieb, Ausflüge, Urlaub und für sanftere Geländeausflüge. Es handelt sich nicht um eine der so genannten Hard-Enduros, wie sie die Hersteller gerne selbst nennen! Schwere, tiefe Strecken sollten gemieden werden – wer hebt schon gern 174 kg aus einer tiefen Fahrspur und ärgert sich über sehr weiche Federelemente – und grobstollige Offroad 17″-Reifen sind schwer zu finden.
Da die Kawa-Einzylinder nicht mehr den neuen Abgasvorschriften entsprachen, erfolgte 1995 die Ablösung durch die KLR 650, mit „modernerem”, unauffälligerem und run- derem Design. Dieses schwerere und 8 cm tiefere Motorrad verfügt über die Fahreigenschaften der KLX C; es lässt sich ebenfalls im sanften Geländeeinsatz erstaunlich gut bewegen und bewährt sich im Alltagsbetrieb.
Auf der anderen Seite steht die bis heute angebotene, sehr seltene, sportlichere KLX 650 R im Programm, mit der sogar schon Moto-Cross DM-Läufe gewonnen wurden. Mit über zehn PS mehr wird dem Fahrer vor allem im mittleren Drehzahlbereich mächtig Power und mittels Ausgleichswelle auch schüttelfrei zur Verfügung gestellt. Die besseren, einstellbaren Federelemente und 144 kg Startgewicht erlauben auch härtere Geländeeinsätze mit dem Ein-Personen-Motorrad, außerdem verfügt dieses Modell über ein 18″-Hinterrad, keinen Gepäckträger, einen Kickstarter und einen kleineren Kunststofftank.
Parallel hierzu boten die Japaner Mitte der Neunziger auch die beliebte KLE 500 als sehr günstiges Enduro-Reisemotorrad an. Der Zweizylinder mit angenehmer Kraftentfaltung und gutem Fahrwerk erfährt lediglich Minuspunkte durch die weiche Sitzbank und den hohen Spritverbrauch, mit dem sich auch die anderen Modelle hervorzuheben wissen. Außerdem bot Kawa (irgendwie schaffte man es, an den interessanten Hubraumklassen der Sportszene vorbei zu produzieren) die flinke KLX 250 mit 25 PS und langen Federwegen an, welche insbesondere auf festem Untergrund angenehm offroad zu fahren ist und auch höhere Drehzahlen verkraftet; ein Motorrad für sanftere Einsteiger und Kurzstreckenfahrer, die tiefes Gelände und lange Autobahntouren meiden sollten. Die unterschiedlichen Zielrichtungen der Modelle sollte der Kawasaki-Liebhaber und Gebrauchtkäufer unbedingt beachten, damit er auch den rechten Spaß mit seinem Gefährt hat.

Worauf nun achten?
Kawasaki KLX/KLR 650Generell gilt bei den Kawasaki Modellen, dass der Rahmen und hier insbesondere die Unterzüge, sowie Auspuffteile, die nicht aus Edelstahl gefertigt sind, durch Winterfahrten gerne mal rostbelagert sind. Käufer sollten daher auf die Unterseite ein besonderes Augenmerk lenken und ggf. eine Neulackierung einkalkulieren. Bei den KLX 650-Modellen gab es 1994 eine Rückrufaktion, bei der Kolben und ein Kurbelwellenlager getauscht wurden. Der Grund waren Motorprobleme und scheinbare Leistungseinbußen. Außerdem gab es die erstaunliche Empfehlung mit einer reduzierten Ölmenge zu fahren (man lese und staune). Allerdings wurde gerade die Empfehlung mit der geringeren Ölmenge (sie sollte zur Leistungssteigerung führen…) häufig falsch verstanden und zusätzliche Motorschäden entstanden, weil der untere Öl-Level bei einem ersten Ölverbrauch des Motors sehr schnell unterschritten wurde. Gebrauchtkäufer sollten prüfen, ob diese Aktion durchgeführt wurde und ob der Verkäufer ausreichend Öl eingefüllt hat. Das Sichtfenster als Kontrollmöglichkeit lässt leider viel Interpretationsspielraum und der Ölstand wird auf Grund von Ölschlamm oft höher eingeschätzt als er in Wirklichkeit ist. Annähernd alle bekannten Motorschäden entstanden durch eine zu geringe Ölmenge!
Zum Teil kann es vorkommen, dass die KLX schlecht anspringt, obgleich Vergaser, Zündung und Zündkerze scheinbar ok sind. Kawasaki KLX/KLR 650In diesen Fällen liegt häufig ein Defekt durch Erschütterungen am Pick-Up-Modul der Zündung vor. Abhilfe schafft ein Austausch oder ein näheres Heranführen an die Kurbelwelle (Info: Motorradhaus Timm Tel. 04165/82118). Wer einen griffigen 17″ Offroad-Reifen sucht, kann auf Modelle wie den Michelin Desert oder Pirelli Rallye Cross zurück greifen. Prüfen Sie bei einer Testfahrt, ob Sie mit den Bremsen zurechtkommen. Viele Besitzer haben ihr Motorrad auf Stahlflex-Leitungen umgerüstet. Bei der Testfahrt sollten sie auch checken, ob sie mit der leicht nach vorn geneigten Sitzposition gut zurecht kommen. Ob die Kawa ein agiles Geländeleben hinter sich hat, erfahren Sie, indem sie auf vermehrte Schleif- und Kratzspuren an den Unterseiten und Plastikteilen sowie abgenutzte Krallenfußrasten und abgeschabte Rahmenteile auf Stiefelhöhe achten. Und lassen Sie sich nicht von dem vermeintlichen Ausgleichsbehälter bei der KLX C täuschen – es handelt sich um ein abschließbares Werkzeugfach.

Änderungen erwünscht?
Für den Gebrauchtkäufer sind natürlich auch einige Anpassungen interessant – um das Motorrad auf sich zuzuschneiden oder um sich von der Masse abzuheben – Customizing auf neudeutsch. Dabei ist jeweils im einzelnen zu prüfen, ob für die Maßnahmen nicht die Straßenverkehrszulassung und damit der Versicherungsschutz flöten geht!
Wer mit viel Gepäck und Sozius unterwegs ist oder wen der Morbus Crossus Virus befallen hat, der wird zunächst über Modifizierungen am Fahrwerk nachdenken. Neue progressive Federn sorgen in der von außen schönen, aber recht bockigen Upside-Down Gabel für besseres Ansprechverhalten und Dämpfungsreserve. Angeboten werden die Teile von Technoflex, Wirth, Racetech und Öhlins; die Preise liegen je nach Umfang des Kits zwischen 85 EUR und 200 EUR (Anbieter z.B. Kamps, 02825/ 100524, oder Zupin, 08669/8480). Um das Hinterteil besser einschätzen zu können kann der Dämpfer ausgetauscht werden – diese Aktion erfordert dann allerdings einen beherz- teren Zugriff auf die Ersparnisse, zwischen 140 EUR und 700 EUR sind zu investieren (Anbieter wie oben).
Wer mag, kann nun seine Kawa erleichtern, indem Soziusfußrasten und der Haltegriffe demontiert werden sowie das schwere Cockpit durch einen Digitaltacho und der Stahltank durch eine Plastikversion (Popko 225 EUR mit TÜV) ersetzt werden. Der Stahllenker kann gegen einen stabilen Alulenker getauscht werden. Eine VA-Platte als Motorschutz (80 EUR) wie auch ein spezieller Bezug für die Bankaufpolsterung (50 EUR) ist bei Popko in Braunschweig erhältlich. Um teures Umkippen zu vermeiden, ist es auch empfehlenswert, die Blinkerhalterung stabiler auszulegen. Wer mit seiner KLX längere Touren unternehmen möchte, der erhält bei MRA.de besondere Windschilder.
Für den reinen Sportbetrieb (und nicht für die Straße!) gibt es eine Reihe von leistungssteigernden Maßnahmen, wobei der Flachschieberver- gaser am effektivsten erscheint. Auspuffanlagen sind von Supertrapp, Remus und BSM im Angebot. Das Motorradhaus Timm in Hollenstedt hat auch gute Erfahrungen mit modifizierten „R”-Auspuffanlagen an der KLR gemacht. Intensivere Eingriffe in den Motor bietet auf Anfrage Popko in Braunschweig an.
Wer dem Trend zum Super Moto folgen möchte, kann mit einer gebrauchten KLX eine kraftvolle günstige Einstiegsmaschine erhalten (Felgen-Umrüstkit gibt es bei Popko für 1300 EUR kpl. mit Bremsscheiben incl. TÜV). Achtung: beim Umbau sollten auch Distanzen für Ritzel, Kettenrad und Ritzelmutter zur Einhaltung der Flucht montiert werden (Popko 55 EUR).

 

 

 


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