Kawasaki KLX250 Bergung

Kawasaki KLX 250, Modell 2015

aus Kradblatt 11/15
Text & Bilder: Jogi / penta-media.de

Fahr-/Erlebnisbericht: Kawasaki KLX 250, Offroad in Polen

Rainer und JochenPolen ist ein Land mit wunderschönen Landschaften, das in rund acht Autostunden von Norddeutschland aus schnell erreichbar ist, so dass es sich bereits lohnt es an einem verlängerten Wochenende kennenzulernen.
Ich hatte das Glück Jochen und Rainer bei einer Erkundungsreise in die Gegend zwischen Darlowo/Rügenwalde an der Ostsee und Polanow im Landesinneren für eine Woche mit der Enduro begleiten zu dürfen.
Auf meinen Wunsch hin stellten sie mir dafür eine brave Kawasaki KLX 250 zur Verfügung.

Die beiden erfahrenen Tour-Guides hatten vor, die Gegend außerhalb der Asphaltstraßen auszukundschaften, um in der nächsten Saison Enduro-Wandern auch in Polen über ihr Unternehmen Endurofuntours.com anbieten zu können.

Kawasaki KLX250 in SuedfrankreichSo konnte ich einen Eindruck von der Arbeit gewinnen, die bei der umfangreichen und aufwendigen Planung von Enduro- Reisen anfällt. Das Besichtigen und Ausprobieren von geeigneten Hotels und die Suche nach guten Gasthöfen für eine Mittagspause gehörte dabei zu den angenehmsten Aufgaben. Übernachtungen mit Frühstück gibt es bereits für kostengünstige 32 Euro. Halbpension gibt es sogar für weniger als 10 Euro Aufpreis. Man kann in Polen sehr preisgünstig eine Unterkunft finden, die gut zu den Ansprüchen passt, die Motorradfahrer üblicherweise stellen.

Die Spritpreise bewegen sich auf ähnlichem Niveau wie in Deutschland.
Das Kartenmaterial für Polen ist für Wege außerhalb der größeren Straßen schwer zu bekommen und auch unsere Navigationsgeräte von TomTom und Garmin waren nur auf Asphalt eine wirkliche Hilfe. Wir mussten deshalb viele Strecken nach Himmelsrichtung entscheiden und waren ständig auf der Suche nach brauchbarem Karten- und Informations-Material. 

Kawasaki KLX250Natürlich haben wir auch oft Einheimische und Leute, die wir unterwegs getroffen haben, nach dem Weg gefragt. Die waren zwar alle sehr freundlich, aber mit den Informationen konnten wir nicht immer etwas anfangen. Die Krönung war ein Pastor, der uns nicht wie gewünscht den Pfad ins nächste Dorf zeigte, sondern uns eine Beschreibung gab, die uns rund um seine Kirche führte. Irgendwie musste er wohl unsere Suche nach dem rechten Weg missverstanden haben. 

Leider sprechen wir alle drei kein Polnisch. Dazu kommt, dass die Polen im ländlichen Bereich auch nicht besonders gewandt mit Fremdsprachen sind. Ihre Worte klangen keiner Sprache ähnlich in der ich mich verständigen kann, so dass ich mir auch nicht vorstellen konnte, was sie gesagt haben könnten. Für mich klang das alles wie Russisch, und das beherrsche ich ebenso wenig wie Polnisch.

Die Straßen haben in den Dörfern in der Regel keine Namen. Auch dadurch waren die Wegbeschreibungen der Einheimischen nicht einfacher zu verstehen, auch wenn sie ergänzend oft wild mit den Händen und Füßen herumgestikulierten.

Manchmal hatte ich den Eindruck, dass sie nur freundlich sein wollten, aber selber ebenfalls keine Ahnung hatten, wo sie überhaupt sind. Einige wirkten auf mich so, als hätten sie ihr Dorf nie verlassen.
Weil die Straßen keine Namen haben und die Häuser selten Hausnummern, stehen die Briefkästen der Dorfbewohner alle an einem zentralen Platz im Ort, von dem sie ihre Post selber abholen.
Um einen Überblick über die zurückgelegten Strecken zu bekommen, haben wir sie mit einem GPS-Gerät aufgezeichnet und an uns wichtig erscheinenden Punkten Markierungen gesetzt. Danach wurde später am PC der aufgezeichnete Weg auf eine Karte übertragen, Routen korrigiert und die unbrauchbaren Aufzeichnungen entfernt. Auch davon hatten wir reichlich.

Selbst wenn man mit einer Enduro Untergründe befahren kann, von denen man es nicht vermutet, wenn man es nicht selbst gemacht hat, stößt man manchmal an Grenzen, wo es einfach keinen Sinn mehr macht den Weg weiter ins Nirgendwo zu verfolgen. Dann heißt es umkehren und von Neuem anfangen, selbst wenn man dadurch drei Stunden verliert.

Kawasaki KLX250 Bremse vorneDie Region bietet Enduro-Begeisterten eine herausfordernde Mischung sämtlicher Untergrundarten, was insbesondere fortgeschrittene Fahrer begeistern dürfte. Obwohl die Polen mit dem Befahren von Wäldern und Waldwegen relativ entspannt umgehen, ist es notwendig mit den zuständigen Förstereien zu sprechen, damit es keine Schwierigkeiten gibt, wenn man quer durch das Gelände fahren möchte. Wir wurden für unsere Anstrengungen mit eiszeitlich geprägten, malerischen Hügellandschaften und Tälern, bedeckt mit unberührten Buchen- und Mischwäldern, belohnt. Dazwischen immer wieder Seen, Flüsse und Bäche. 

Als Highlight bekamen wir an einem abgelegenen See sogar ein Adlerpärchen zu sehen. Leider habe ich die Kamera nicht so schnell für ein Beweisfoto aus der Tasche bekommen, ihr müsst es mir einfach so glauben.

Kawasaki KLX250 Bremse hintenDer ländliche Bereich Polens ist sehr dünn besiedelt. Die jungen Menschen zieht es in die Städte oder in den Westen um Geld zu verdienen. Die Dörfer wirken deshalb oft wie ausgestorben und viele Häuser sind unbewohnt und verfallen zusehends. Getreideanbau und Holzwirtschaft scheinen neben der Erzeugung von Wind­energie die einzigen nennenswerten Arbeitsplätze auf dem Land zu bieten. Die Dorfbewohner versorgen sich zu hohem Anteil mit Selbstangebautem aus dem eigenen Garten und halten sich dazu ein paar Hühner, eine Katze und einen Hund. Auf mich wirkte es wie eine Zeitreise in die Vergangenheit, als die Welt noch in Ordnung war. An Stress stirbt dort niemand. Polen ist ebenso für Motorradfahrer interessant, die ausschließlich auf asphaltierten Straßen bleiben möchten. Mit dieser Vorgabe kann man mit einem normalen Navi prima Routen planen und sich orientieren.

Zum Enduro-Fahren empfehle ich jedoch geführte Touren im Team, weil das Navigieren sonst zu viel Zeit raubt und die Gefahr im Nirgendwo zu versumpfen zu hoch ist. Wir steckten mehrfach so tief im Morast, dass es alleine und auch zu zweit nicht möglich gewesen wäre die Maschinen wieder frei zu bekommen.
Wenn doch etwas passieren sollte, kann man in der einsamen Gegend sehr lange auf Hilfe warten. Die goldene Automobil-Club Karte hilft dann leider auch nicht wirklich weiter.

Da man im Nirgendwo auf sich alleine gestellt ist, macht es Sinn vorher Werkzeuge und Ersatzteile gemeinsam zu checken und auf alle im Team zu verteilen, sonst fehlt garantiert etwas oder es wird für den Einzelnen zu viel Ballast. Die Probleme kommen schneller als man denkt, denn auch Tankstellen sind im ländlichen Bereich rar und schwer zu finden.

Kawasaki KLX250 CockpitWie eingangs erwähnt, habe ich Jochen und Rainer auf einer KLX 250 begleitet. Meine Wahl fiel auf diese Maschine, weil sie mir bereits im Sommer in der Ardèche sehr gut gefallen hatte, als mein Kollege Carsten Scheibe auf ihr unterwegs war. Ich durfte sie auch dort einige Kilometer fahren und war von ihren Eigenschaften recht angetan.

Die Kawasaki wird unter der Bezeichnung „Dual Purpose“ angeboten, was sie als eine Mischung aus On- und Off-Road Motorrad beschreiben soll. Das trifft die Sache recht gut.

Ihr Einzylinder lässt mit seinen 22 PS und Wasserkühlung auf der Straße eine Dauerreisegeschwindigkeit von 100 km/h zu und schafft es mit etwas Anlauf über 120 km/h in der Spitze.

Im Gelände lässt sich der kleine 4-Ventil DOHC Motor leicht dosieren und hat genug Drehmoment, um mit den meisten Situationen stressfrei fertig zu werden. Bei 7.000 U/min stemmt die Kawa 20,5 Nm. Das ist für ein 249 ccm Motörchen recht ordentlich. Nur an langen und extrem steilen Steigungen könnte es etwas knapp werden, wenn die Anlaufstrecke nicht lang genug ist. 250er, die mehr Drehmoment leisten, wie z. B. die Yamaha WR 250 R erkaufen es sich durch ein höheres Drehzahlniveau.

Kawasaki KLX250 KuehlerschutzDie KLX besitzt eine Benzin Einspritzung mit einer 10-Loch-Düse und geht sehr sparsam mit dem Sprit um. Mit ihrem 7,7 Liter Tank lassen sich problemlos Strecken von 200 km zurücklegen, bevor die Reservelampe zu leuchten beginnt, selbst wenn man dabei einen hohen Off-Road-Anteil hat.

Die Maschine wird mit elektrischem Anlasser gestartet. Ein Kickstarter fehlt. Für einige Abenteurer wäre das ein Aus-Kriterium. Die KLX springt jedoch immer sehr willig an. Einzig, nachdem ich sie auf die Seite gelegt hatte um euch den Motor von unten zu zeigen, verweigerte sie vorübergehend den Start, weil sie nicht sofort Kraftstoff bekam. Nach einigen Startversuchen war das Benzin wieder da wo es hingehört und das Problem erledigt.
Die T63 Mischbereifung von Michelin bietet an der KLX einen gelungenen Kompromiss zwischen den Anforderungen im Gelände und einer brauchbaren Haftung auf Asphalt. Ein tolles Allround-Gummi. Wer jedoch ausschließlich im Gelände oder ausschließlich auf der Straße fahren will, sollte sich nach anderen Reifen umsehen, um die Eigenschaften für den Einsatzzweck zu optimieren.

Die Bremsen lassen sich gut dosieren und haben mehr Biss als notwendig, da sich mit der Mischbereifung weder auf der Straße noch im Gelände Rekordverzögerungen erreichen lassen. So ist das mit Allround-Reifen. Vorne beißen doppelte Bremskolben in eine 250 mm Bremsscheibe, hinten ein einzelner in eine 240 mm Bremsscheibe.
Die 138 kg der KLX sind locker zu handzuhaben, auch wenn man sich im Gelände vielleicht ein paar Kilo weniger wünscht. Dafür ist der Fahrkomfort auf der Straße recht ordentlich und die Sitzbank halbwegs bequem, so dass man es einige Stunden aushält, bevor der Hintern sich beschwert.

Kawasaki KLX250 EndurowandernDie Mehrscheiben-Ölbadkupplung erfordert wenig Kraft beim Ausrücken und lässt sich gefühlvoll bedienen. Das ist sehr angenehm, denn im Gelände schaltet und kuppelt man etwas mehr als üblich und es muss auch mehr mit der Kupplung gespielt werden, wenn es gilt über Hindernisse hinweg oder herum zu fahren.
Die KLX besitzt ein 6-Gang Getriebe. Es arbeitet japanisch präzise und ist in den Übersetzungen genau richtig abgestimmt, so dass man sich über ein anderes Ritzel oder Kettenrad keine Gedanken machen muss.
Die 43 mm Vordergabel ist in 16 Stufen einstellbar, verwindungssteif und schluckt mit 255 mm Federweg alles, was einem unterwegs begegnen kann. Sie spricht erfreulich sensibel bereits auf kleinere Unebenheiten an. Hinten beträgt der Federweg 230 mm.

Die Bodenfreiheit liegt bei 285 mm, die Sitzhöhe bei 890 mm. Das liest sich jetzt sehr hochbeinig, aber durch das Gewicht des Fahrers wird die KLX natürlich ein wenig nach unten in die Federn gedrückt, so dass man mit durchschnittlichen Körpermaßen sicher mit den Füßen den Boden erreichen kann.
Die volldigitalen Instrumente zeigen alles an, was wichtig ist. Die Geschwindigkeit wird als Zahl, die Drehzahl im Balkendesign angezeigt.

Kawasaki KLX250 BergungDie Kawasaki läuft für einen Eintopf erfreulich kultiviert, was sich auch in ihrer Geräuschentwicklung widerspiegelt. Der Wassermantel um ihren Zylinder dämpft harte Laufgeräusche und auch die aus Edelstahl gefertigte Auspuffanlage ist nicht auf Krawall aus. Ich persönlich finde das sehr gut, denn wir sind bereits morgens gegen 9 Uhr vom Hotel aus gestartet und erst gegen 19 Uhr zurück gekommen. 10 Stunden Krawall möchte niemand ertragen. Außerdem ist es überflüssig andere Lebewesen im Gelände unnötig aufzuschrecken und zu stören.

Über die Wasserkühlung gehen die Meinungen auseinander. Sie bringt Gewicht mit sich. Anderseits sind die gleichmäßig gekühlten Motorteile nicht so hohen thermischen Belastungen ausgesetzt. Sie schützt vor Überhitzung insbesondere bei langsamer Fahrt, wenn den luftgekühlten Motoren der Fahrtwind fehlt und bei höheren Dauergeschwindigkeiten, für die einige luftgekühlte Enduros ebenfalls nicht ausgelegt sind.
Für relativ kleines Geld bekommt man mit der Kawasaki KLX 250 ein gutmütiges Motorrad, mit dem sich sehr viel anstellen lässt. Sie ist zuverlässig, ordentlich verarbeitet und korrosionsbeständig.
Bei 4.595 Euro zuzüglich Überführung geht es los. Je nach Einsatzvorstellungen lohnt es sich ggf. noch einen Unterbodenschutz und Schutzbügel für die Hebel zu montieren.

Infos zu Touren: www.endurofuntours.com


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Ein Kommentar zu :
“Kawasaki KLX 250, Modell 2015”


  • Ein feiner Bericht. Danke dafür. Ich fahre die KLX nun schon seit 42.000 Km ohne Probleme und bin noch immer begeistert. Der Verbrauch liegt bisher bei 3,3 Litern.