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Irland mit Honda NC 750 X

aus Kradblatt 12/19 von Ralf Falbe

Roadtrip – Ein irischer Grenzgang!

„Hier draußen hat auch schon Joey Dunlop trainiert“, erzählt der Motorradvermieter Tim Allen und zeigt auf die einsamen Landstraßen, die vorbeiziehen. Illegale Straßenrennen haben in dieser Region um Belfast eine lange Tradition. Der Ulster Grand Prix – das schnellste Motorrad-Straßenrennen der Welt – ist für Außenstehende ein irres Mordsspektakel, für das Fahrerlager der ultimative Adrenalinkick. 

Irland - Reisetipps Wir wollen es gemütlicher angehen lassen und Chris startet in Moira die Honda NC 750 X mit 55 PS, eine ideale Tourenmaschine für die buckligen irischen Landstraßen. Ausgestattet mit vielen guten Ratschlägen, wasserdichter Kleidung und laminierten Straßenkarten geht es zunächst in den Kreisverkehr, um dann auf die M1 in Richtung Londonderry abzubiegen. 

Straßenmusiker in Irland Der dichte Verkehr begleitet die Honda bis zur Abzweigung nach Inishowen, Irlands nördlichste Halbinsel, die direkt an die Republik Nordirland grenzt. Der Grenzübertritt bleibt unbemerkt. Fort Dunree an der Westküste  von Inishowen – eingerahmt vom Wasserarm des Lough Swilly – markiert den Ausgangspunkt für den Wild Atlantic Way, der bis hinunter in den tiefen Süden der irischen Westküste reicht. Ein Paradies für Individualisten, die abseits der Pfade ihr eigenes Tempo wählen und die herzliche Gastfreundschaft aufsaugen. Ein Fotostopp verschafft etwas Luft im Tagestourenplan und man kommt rasch in das Gespräch mit einigen Einheimischen: Iren sind neugierig auf Landesbesucher und deutsche Biker gelten im äußersten Norden als exotische Attraktion. Man fachsimpelt über Motoren, Straßenrennen und das irische Wetter: Nach einem kurzen Schauer folgen wieder Wind und Sonne, es geht weiter.

Trolle gibts in Irland überall Entlang der heckengesäumten Landstraßen, vorbei an Schafherden, hinein in die weite Moorlandschaft der urigen Halbinsel. Der spektakuläre Bergpass Mamore Gap – 5 Meilen nördlich von Buncrana auf einer Höhe von 800 Fuß gelegen – führt zu dem nördlichsten Punkt der Grünen Insel, Malin Head. Die Honda drückt sich in die Kurve, meistert auch mit Reisegepäck souverän die Steigung: Kaffeepause im Wild Strands Caife mit frischem Blaubeerkuchen. Zurück auf der R244 schnurrt der Motor und die Regenkleidung bleibt vorerst im Topcase. Ein Fotostopp am Inishowen Head offenbart ein beeindruckendes Panorama mit Blick bis auf den fernen Atlantik, wo wir später mit irischen Rettungsschwimmern ins Gespräch kommen. Hier Surfen oder eine Kanutour? Die irische Halbinsel ist ein Outdoor-Eldorado, der Strandspaziergang sollte nicht ausgelassen werden. Wir folgen weiter der Inishowen 100, einer der 10 schönsten Pano­ramastraßen Irlands. In Redcastle, einem verschlafenen Fährhafen an der Ostküste, ist Zeit für einen Cappuccino.
Eingereiht in die Warteschlange zwischen Austernfischer und Pendler, geht es auf der Honda im Schritttempo und ohne Helm an Bord der kleinen Fähre. 

Joey Dunlop Memorial Nach luftiger Überfahrt erreicht die Autofähre am Magliligan Point die Küste von Nordirland und die 55 PS der Tourenmaschine beschleunigen wieder. Es geht entlang des nordirischen Staatsgefängnisses, vorbei an unzähligen Videokameras und Stacheldraht. Die hohen Mauern lassen sich noch lange ungut im Rückspiegel erkennen. Über die A2 führt die Route weiter in den dicht besiedelten Küstengürtel der Antrim Coast, dominiert von den kleineren Städten Coleraine, Portstewart und Portrush. Weiter östlich erreicht man die Touristenattraktionen Giant’s Causeway, Dunluce Castle aus dem 14. Jahrhundert oder die Hängeseilbrücke Carrick-a-Rede, deren Drahtseile sich hoch über den Wellen zur Insel Carrick spannen. In südöstlicher Richtung stößt man auf Ballymoney, der Pilgerstätte für Biker aus aller Welt: Joey’s Bar – die Witwe des in Estland tödlich verunglückten Joey Dunlop führt hier sein Vermächtnis weiter – gilt als Mekka für Renn- und Motorradfahrer. Auch das Dunlop-Memorial wird oft besucht, wie die vielen frischen Blumen bezeugen. 

Singletrack Road in Irland Die letzte Etappe führt an die Ostküste von Nordirland in das County Antram, einem Eldorado für Tourenfahrer, mit spektakulären Küstenstraßen. Die markante Felsnase von Torr Head – zwischen Ballycastle und Cushendun gelegen – signalisiert Fahrgenuss pur: Die engen, kurvigen Landstraßen sind für Reisebusse verboten. Serpentinen führen hinab an den Atlantischen Nordkanal, der weiter südlich in die Irische See übergeht. Es ist Sonntag und nur wenige Kirchenbesucher kommen der Honda entgegen. Am Horizont zeigt sich die Landmasse von Schottland und wirkt zum Greifen nahe. Der Hafen von Cushendun war einst ein bedeutender Landeplatz für irische und schottische Händler. Heute sind die Pubs in dem malerischen Fischerstädtchen mit den vielen Cottages für mitreißende Livemusik bekannt. Bei einem Fotostopp an der Küstenstraße studiert Chris noch einmal seine Karte und vergleicht die Streckenabschnitte. Die Zeit drängt dann doch und über Belfast geht es zurück nach Moira, wo Tim Allen die Honda wieder in Empfang nimmt. Bei einem Kaffee verabschieden wir uns und fahren weiter nach Dublin, wo am nächsten Morgen der Heimflug ansteht. Ein gelungener irischer Grenzgang mit vielen netten Begegnungen und Eindrücken reist mit. 

Reisetipps - mt dem Motorrad in Irland unterwegs REISEINFOS: Anreise mit Aer Lingus, Lufthansa, Ryanair und Eurowings. Reiseveranstalter bieten günstige Fly & 
Drive-Angebote an. Eine direkte Fährverbindung besteht mit Irish Ferries von Cherbourg nach Rosslare und Dublin, über Großbritannien gibt es unterschiedliche Routen.

Neben den weltberühmten Cliffs of Moher, dem Giant’s Causeway, dem Ring of Kerry und dem einzigartigen Burren bieten die beiden ausgeschilderten Routen Wild Atlantic Way und Causeway Coastal Route auf einer Länge von 2.700 Kilometern eine atemberaubende Küstenlandschaft, die hinter jeder Kurve ein neues faszinierendes Panorama offenbart. Belfast und Dublin, die beiden Hauptstädte der Insel, faszinieren durch ihre Lebendigkeit und eine gelungene Kombination aus Moderne und Tradition. Bedingt durch den Golfstrom herrscht das ganze Jahr hindurch ein mildes, ausgeglichenes Klima.

Irland und Nordirland bieten alle denkbaren Unterkunftsmöglichkeiten für jedes Budget von Campingplätzen über Jugendherbergen, Privatpensionen (B&B), Herrenhäuser, Hotels bis zu 5 Sternen und luxuriöse Schlosshotels. Hilfreich bei der Reisevorbereitung ist die Irland Information, Gutleutstraße 32, 60329 Frankfurt/M., Fon 069-9231 8517.

Motorradvermieter vor Ort sind Celtic Rider (www.motorental.ie), Lemonrock Bike Tours (www.lemonrockbiketours.com), Philipp McCallen Motorcycles Ltd. (www.motorcyclehireireland.com), Tim Allen Flyride (www.flyrideireland.com), Retroventures Ireland (www.retroventuresireland.com). 

Der TVV-Verlag hat ein umfangreiches Tourenkarten-Set aufgelegt (www.motourmedia.de). 

Mehr als 120 motorradfreundliche B&B-Unterkünfte in Irland und Nordirland findet man bei B&B Ireland (www.bandbireland.com).  

Auf der Grünen Insel herrscht durchgängig Linksverkehr, an den man sich aber sehr schnell gewöhnt. Tagesetappen um die 250 Kilometer lassen Luft für Erkundungen abseits der Hauptstraßen und einen Plausch mit Einheimischen.

Auf der Halbinsel Inishowen (Republik Irland) empfiehlt sich der Pub The Rusty Nail, berühmt für Seafood, Steaks und Livemusik. Crossconnell, Clonmany, Co Donegal, Fon +353 (0)74-9376116. 

Wild Strands Caife in Malin Head bietet frischen Kuchen und würzigen Ziegenkäse. Malin Head Community Centre, Co Donegal, Fon +353 (0)85-1053893, www.wildstrands.com. 

B&B ab 85 Euro im Glen House, Straid, Clonmany, Co Donegal, +353 (0)74-9376745, www.glenhouse.ie. 

Beliebt ist auch das Riversdale Country House, Carndonagh, Co Donegal, Fon +353 (0)74-9374017, www.riversdalecountryhouse.com. 

An der Causeway Coast (Republik Nordirland) ist das Antrim House B&B im Zentrum von Portrush empfehlenswert. 14 Eglinton Street, Portrush, Fon +44 (0)28-70823609. 

In Bushmills, dort wird der gleichnamige Whisky destilliert, kann man sich bei Rosie’s
Cottage betten. 42 Ballyclough Road, Fon +44 (0)7818-856119, www.rosiescottagebushmills.com. 

In Ballycastle gilt das Traditionsrestaurant Morton’s als berühmt für Fish & Chips, 22 Bayview Road, Fon +44 (0)28207-61100. Info: www.visitcausewaycoastandglens.com. 

Luxus in Belfast bietet das Sternehotel „The Merchant“ mit eigener Cocktailbar. In Dublin ist das Radisson Blu Hotel direkt am Flughafen für frühe Abflüge empfehlenswert. 

Ulster GP - Irland Faszination Road Racing: Motorrad-Straßenrennen haben eine lange Tradition in Nordirland. Der Ulster Grand Prix wurde bereits im Jahre 1922 zum ersten Mal veranstaltet. In den Jahren 1949 bis 1971 wurden hier auch Rennen zur Motorrad-Weltmeisterschaft ausgetragen – 1972 verlor der Dundrod Circuit diesen WM-Status wieder aufgrund des Nordirlandkonfliktes – und alle Rennen im gleichen Jahr wurden abgesagt. Abgebrochen wurde das Rennen zum Ulster Grand Prix 1987, nachdem der deutsche Rennfahrer Klaus Klein hier tödlich verunglückte. Zur Formula-TT-Weltmeisterschaft gehörte der Dundrod Circuit von 1979 bis 1990, während Unfälle und schlechte Wetterbedingungen die Jahre 1997 und 2007 kennzeichneten. Die legendäre Rundstrecke besteht mit einer Länge von rund 11 Kilometern aus öffentlichen Straßen, die eigens für dieses Event gesperrt werden. 2016 fuhr Ian Hutchinson den Dundrod Circuit auf seiner BMW S 1000 RR in einer Zeit von 3 Minuten und 18,704 Sekunden – die Durchschnittsgeschwindigkeit wurde mit 134,089 mph gemessen.

Neben dem Ulster Grand Prix – der jeweils Anfang August stattfindet – zählt der North West Race (NW200), der entlang der Küste führt und jeweils im Mai rund 100.000 Besucher anzieht, zu den bekanntesten Motorsport-Events in der Region. 

Joey Dunlop Ein Blick auf den Veranstaltungskalender der Motor Cycle Union of Ireland – bereits im Jahre 1903 gegründet – zeigt von April bis September viele weitere Straßenrennen wie Tandragee 100 Race Day, Cookstown 100 Race Day, North Meath Race Day, Skerries Road Races, Walderstown Road Races, Faugheen Road Races, Armoy Road Races, Killalane Road Races. Nicht zu vergessen das legendäre Straßenrennen auf der Isle of Man, das jeweils im Mai nur wenige Seemeilen vor der nordirischen Küste stattfindet. 

Joey’s Bar – zahlreiche Pokale, Fotos und Poster zeugen von dem einzigartigen Talent dieser Legende. In einer Vitrine können Besucher gar Joeys originale Rennmaschine, Helm und Renn­anzug bewundern. Der Film „ROAD“ dokumentiert seine Erfolge eindrucksvoll auch auf YouTube.

Racing-Links: Motor Cycle Union of Ireland, www.mcui-uc.org.co oder www.knockmotorcycleclub.co.uk – Lisburn, Ulster Grand Prix, www.visitlisburncastlereagh.com oder www.ulstergrandprix.net.


Ralf Falbe

Über den Autor: Ralf Falbe arbeitet als freier Bildjournalist, Videoproduzent und Reporter. Veröffentlichungen u.a. in Stern, Süddeutsche.de und F.A.Z. Ausgezeichnet mit dem Journalistenpreis Irland 2016 (Kategorie Online – Top 10), Bronze Winner International Photo Award IPA Philippines 2016 (Kategorie Kinder), Nominierung für den PR-Bild Award 2018, 2017 und 2015 (Kategorie Reise & Outdoor). Mitglied beim Deutschen Fachjournalistenverband DFJV, Nikon Professional Services NPS und der Fotoagentur Alamy. Weitere Informationen zu seiner Person unter www.ralffalbe.com.


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