Honda Dax 50

Honda ST 50 Dax

 

aus bma 4/13
von Ralf Tausche

Honda Dax 50Nach neusten Erkenntnissen halten Ehen in Deutschland im Schnitt 14,2 Jahre, dann ist die Luft raus, hätte ich jetzt auch nicht gedacht steht aber so in der „Welt“.
Ich kenne den einen oder anderen, welcher hier und da schon öfter den Lebenspartner gewechselt hat aber immer noch dasselbe Motorrad fährt wie schon vor zig Jahren. Aber wer hat denn schon 35 Jahre ein Motorrad im Besitz? Wir, sprich unsere Familie. Honda ST 50, naja die Bezeichnung Motorrad ist dann vielleicht doch etwas ambitioniert. Aber wenn man es aus der Perspektive eines damaligs 5-jährigen Erdenbürgers sieht, dann ist die Honda Dax, unter dem Namen kennt man sie wohl eher, ein Riesenteil aus Chrom und Stahl.
Die Honda diente uns ab dem Jahr 1975 als Transportmittel für den Campingplatz wenn ein Elternteil den englischen Austin Maxi, unsere Familienkutsche, blockierte. So wurde mit der Honda der Einkauf besorgt und wenn mein Bruder und ich lautstark nach einem Eis verlangten ging es zu dritt auf der Dax zum nächsten Eisladen. Helm? Nee, brauchte man damals auf einem Kleinkraftrad, so die ordentliche Bezeichnung nach der StVO, nicht. Mit zwei Kindern und Fahrer auf der Dax, keine Ahnung wie das damals ging, sowie ohne Helm auf einem Mokick? Die Begrifflichkeit „Politisch korrektes Handeln“ gab es damals abseits der regierenden Politik eben noch nicht. Im Gegenteil, es wurde einem sogar nett zugewinkt wenn eine halbe Familie auf so einer kleinen Rennsemmel durch die Gegend flitzte, sah halt lustig aus. Das Sicherheitsdenken war damals auch anders gelagert, man saß sogar als Kind unangeschnallt hinten im Auto weil es halt gar keine Gurte gab.
Honda Dax 50Zwar war es möglich sich Größentechnisch mit der Honda im Verkehr klein zu machen und durchzuwuseln, akustisch gelang es einem nicht. Nach damaligen Geräuschvorgaben durfte die Honda der Umwelt mitteilen, dass in ihr das Herz eines vier-taktenden Verbrennungsmotors schlug, glaubte da doch mancher Motorradhersteller noch stark an der Zukunft des Zweitaktmotors. Geräuschemissionen? Kannte man damals so ein Wort überhaupt schon? Jedenfalls durfte die Kleine so brüllen, dass es manchen Neubesitzer eines heutigen Motorrads glatt neidisch machen würde.
38 km/h Höchstgeschwindigkeit und um die 65 Kilogramm Leergewicht gab die Betriebserlaubnis an. Gut war es aber, dass sich die Höchstgeschwindigkeit dann eher in Bereichen befand, die zahlentechnisch etwas über dem Leergewicht lagen. Anständig frisierte Zündapps und Co. waren natürlich schneller aber der Showeffekt der kleinen Honda, unschlagbar, Akustik wie eine 250er und dann kommt da so ein viel zu heiß gewaschenes Motorrad um die Ecke. Ist heutzutage wohl noch immer so. Um die ST 50 zu bewegen, bedurfte es nicht viel Übung da sie mit einer Halbautomatik ausgestattet war. Das heißt in der Praxis dass die drei Gänge mit dem linken Fuß geschaltet wurden, gekuppelt wurde automatisch.
Honda Dax 50 CampingViel zu warten gab es auch nicht, ankicken und losfahren ein ideales, einfaches Campingmobil halt. Man konnte die Honda problemlos in jedem fünftürigen PKW transportieren, da man die Lenkerhälften durch einen Handgriff lösen und abklappen konnte und die Entlüftung des Tankdeckels verschließbar war damit in liegender Position kein Kraftstoff auslaufen konnte. Vorher musste man per Rändelrad am Vergaser das in der Schwimmerkammer befindliche Benzin ablassen und die Batterie ausbauen.
Nach einigen Jahren gaben wir den Campingplatz auf und zogen von der Stadt in ein Eigenheim auf dem Lande. Die Honda verschwand dann in der Garage und wurde im Prinzip nicht mehr gebraucht. Die Jahre gingen der Rost kam. So um das Jahr 1983 wurde sie wieder aus dem Dornröschenschlaf erweckt, mein Bruder machte seinen Führerschein für Leichtkrafträder bis 80 Kubikzentimeter. So wurden vor der Haustür private Fahrstunden erteilt. Ich wollte auch mal! Meine erste Erfahrung mit einem motorisierten Zweirad war dann diese, dass wenn man zum Beschleunigen Gas gibt dieses beim Bremsen auch wieder zurück nehmen muss. Es ging dann aber gut, weiches Gras dämpft hervorragend einen zum Erdboden strebenden, jungen Zweiradtreiber.
Nach abgelegter Führerscheinprüfung kamen harte Jahre, wenn nicht gar die härteste Zeit für die kleine Honda. Sie diente dafür zur Schule zu kommen, um für die nächste Fete, umgangssprachlich ist Party gemeint, Bier zu holen oder um einfach durch die Gegend zu fahren, oft zu zweit. Derweil bekam ich meine Prüfbescheinigung für das Führen eines Mofas und bewegte fortan eine Honda PXR 50 welche zumindest in der Beschleunigung bis 20 km/h die Dax gnadenlos ablederte. Das ein oder andere Mal schnappte ich mir dann doch mal die Dax und fuhr, nicht ganz legal und ohne Lizenz, durch die Gegend, es juckte halt in den Fingern. Die Nachbarn juckte es nicht, die Polizei fuhr Golf 2 und schloss ab 13 Uhr die Dienststelle im Dorf.
Autoführerschein, der erste. Die Dax verschwand aus dem Fokus des Erstgeborenen. In heutiger Ausdrucksweise war sie dann eben runter gerockt, sprang nur noch schlecht an und verschwand auf den Dachboden unseres Hauses. Ich durfte, musste noch weiter Mofa fahren. Derweil regte es meinen Ergeiz an, herauszufinden warum die Kleine so schlecht ansprang. Die Zündkontakte mussten eingestellt werden. Das wusste ich vom Schrauben an diversen Mofas mit Sachsmotor die ich neben meiner Honda Mofa unterhielt und so ein kleines bisschen schneller machte. Also Spaltmaß eingestellt doch es tat sich nichts, kein Funke an der Zündkerze. „Und heute lernen wir den Unterschied zwischen dem Arbeitsspiel eines Zweitakters und dem des Viertakters“ wurde es dann irgendwann in der Berufsschule gelehrt.
Ab nach Hause und das Gelernte umgesetzt. Klar, dass man eine magnetbetriebene Zündanlage bei einem Viertaktmotor anders einstellen muss als bei einen Zweitakter. Und es funkte nun an der Zündkerze. Probefahrt war auf dem Dachboden natürlich nicht drin.
Honda Dax 50 TachoAutoführerschein, die Zweite. Nun durfte ich Blechdosen sowie Motorräder bis 27 PS und somit auch die Dax fahren. Trotzdem geriet die Honda erneut aus dem Fokus. Ist ja auch klar, mit einen Auto konnte man bei den Mädels eher punkten.
So um das Jahr 1992 beschlossen wir das Häufchen Elend auf dem Dachboden wieder flott zu machen. Also hin zum freundlichen Hondadealer und alles eingekauft was verschlissen oder irgendwie nicht mehr schön war. Alles verbaut und bis auf etwas Patina sah die Kleine wieder frisch aus. Was aber nicht mehr montiert wurde, war die ab Auslieferung verbaute Fahrradklingel mit Marienkäfer auf der Glocke, die fristete ihr Dasein standesgemäß an einem Fahrrad aus unserem Fuhrpark. Zwei Jahre musste die Dax dann noch warten um wieder aus dem Auspuff schallen zu dürfen.
Sommer 1994, zwei Mann, eine Treppe und raus ans Tageslicht mit der Honda. Versicherungskennzeichen angeschraubt, Öl gewechselt, Batterie erneuert. Ein paar Mal gekickt und der kleine Motor erwachte zum Leben. Wunderbar, das erste Mal die Dax legal im Straßenverkehr bewegen. Zwar fuhr ich mittlerweile auch ein leistungsstarkes Motorrad doch Dax fahren machte halt Laune. Am Ende der Saison verschwand die Dax wieder auf dem Dachboden. Sommer 2004 juckte es wieder und: Zwei Mann eine Treppe…
Nach 35 Jahren, im Jahr 2010, entschlossen wir uns dann aber, die Honda zu verkaufen. Sie stand wieder auf dem Dachboden und sie tat das was ein Fahrzeug halt nicht machen sollte, rumstehen. Auf einer Plattform im Internet inserierten wir die Kleine und ein Liebhaber dieser Modellreihe kaufte sie, so hatten wir es uns auch gewünscht.
Es war eine schöne Zeit mit der Dax, jeder in der Familie hat sie gefahren und Freude mit ihr gehabt, ich meinen Schrauberhorizont erweitert. Mag ihr kleiner, doch brüllender Motor noch die eine oder andere Tunneldurchfahrt zum akustischen Hochgenuss werden lassen.
Achja, meine Ehe hält jetzt schon 13 Jahre und wohl noch viel länger, dafür habe ich zumindest bis jetzt 20 motorisierte Zweiräder mein eigen genannt.

 

 

 

 

 


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