HJC-RHPA90-Sonnenblende

HJC RPHA 90 mit Cardo Packtalk Slim

aus Kradblatt 6/18
von Marcus Lacroix

Ausprobiert: Klapphelm HJC RPHA 90 mit Cardo Bluetooth

HJC RPHA 90 Klapphelm

Klapphelme erfreuen sich zunehmender Beliebtheit und haben ihr biederes Image mittlerweile abgelegt. Höchste Sicherheit bietet zwar nach wie vor ein Integralhelm, zugunsten des Komforts mache ich persönlich im Alltag da aber gerne ein paar Abstriche.

HJC RPHA 90 Klapphelm Als Klapphelm-Fan war ich auf den RPHA 90 sehr gespannt, mit dem sich die koreanische Firma HJC im Premium-Segment platziert. Der HJC IS-MAX II bedient bereits seit ein paar Jahren den Mittelklasse-Klapp-Bereich. HJC ist vielen Motorradfahrern aber wohl eher aus dem GP-Motorradsport bekannt.

Im Frühjahr traf die Design-Variante „Rabrigo MC1“ als Presse-Testmuster ganz frisch aus der Produktion bei uns ein – und musste erst mal zwei Tage auslüften. Das ist auch bei anderen Herstellern nicht ungewöhnlich und geschieht (auf Nachfrage von einem großen Händler bestätigt) aber normalerweise nicht beim Endkunden.

Beim Auspacken überrascht das für einen Klapphelm geringe Gewicht. 1512 Gramm gibt HJC für die Größe M an, mit montiertem Cardo Packtalk Slim sind es gewogene 1720 Gramm. Möglich macht das laut Hersteller die „P.I.M. PLUS”-Außenschale. Materialverstärkungen aus Carbon und Carbon-Glas Hybrid Fasern sollen bei der „Premium Integrated Matrix“ für eine verbesserte Schlagdämpfung, mehr Komfort und weniger Gewicht des Helmes sorgen.

Bei der Trockenübung im Büro gefallen spontan die angenehme Innenausstattung, die weit heruntergezogene Sonnenblende, die auch mit Handschuhen einfach zu bedienenden Lüftungsschieber (zwei vorne, einer hinten, das leicht zu öffnen und schließende Kinnteil und das sehr einfach abzunehmende Visier. Eine große Antibeschlagscheibe (Skipfog aus Belgien, Pinlock ähnlich) füllt den Sichtbereich fast vollständig aus. 

Etwas zu üppig fällt für meinen Geschmack das Kinnriemenpolster aus – zumindest wenn man keinen dicken Hals hat.

HJC RPHA 90 VisierentriegelungDas Kinnteil rastet geöffnet sauber ein, kann aber nicht verriegelt werden. Anders als z.B. der X-Lite Klapphelm X-1003/1004 darf der HJC so nicht offiziell offen als Jethelm gefahren werden.

Eine Frage, die fast immer als erste gestellt wird, ist diese: „Und, ist er leise?“. Also: grundsätzlich halte ich KEINEN Helm für leise. Relativ leise wird es erst mit Ohrenstopfen. Der HJC RPHA 90 reagiert recht deutlich auf die Sitzposition. Leicht sportlich ist er leiser als ganz aufrecht sitzend. Auch der über Klett herausnehmbare Kinnspoiler schafft etwas Ruhe. Insgesamt zähle ich den RPHA 90 zu den leiseren Helmen, die im Alltag auch ohne Gehörschutz nicht nerven. Da der Eindruck, wie bei jeder Helmvorstellung, sehr subjektiv ist, sollte man einen Helm vor dem Kauf immer auf der eigenen Maschine Probefahren!

Das Visier verfügt, wie die integralen HJC-Sporthelme, über eine extra Verriegelung, damit es sich bei hohen Geschwindigkeiten nicht durch den Winddruck öffnet. Gebraucht habe ich diese allerdings noch nie.

Bis Ende Mai habe ich bisher rund 2000 km mit dem Helm gefahren und bin gut zufrieden. In Uni-Farben kostet der HJC RPHA 90 als UVP 479,90 €, im schicken Design, von dem aktuell sechs verschiedene angeboten werden, sind es 50 € mehr. Infos gibt es im Fachhandel und unter www.hjchelmets.de.

Cardo Packtalk Slim

Cardo Packtalk Slim Duo für 2 HJC Helme

Vom Ausrüstungs-Spezialisten Held (www.held.de) bekamen wir für den HJC RPHA 90 eine Duobox (2 Geräte) des Cardo Packtalk Slim. Die „schlanke“ Variante des Packtalks wurde extra für HJC Helme konstruiert. Das Bedienteil sitzt dabei wie gewohnt links am Helm. Die fünf gummierten Tasten lassen sich auch mit Handschuhen gut erfühlen. Der Akku sitzt schwerpunktmäßig günstig im Nacken.

Für den Einbau haben wir je Helm knapp eine Stunde gebraucht. Erfahrene Händler schaffen es sicher schneller, bastlerisch gänzlich unbedarfte Käufer lassen es lieber montieren. Die Einbauanleitung ist zwar ausreichend, etwas Geschick (oder gute Nerven) braucht man aber doch. 

Cardo Packtalk Slim EinbauDie Verarbeitung hinterlässt einen guten Eindruck, nur der Gummistopfen für den USB-Ladeanschluss ist etwas fummelig. Das Packtalk kann auch während der Nutzung geladen werden, was Langstreckenfahrern gefallen wird. Cardo gibt zwar bis zu 13 Std. Sprechzeit bzw. 1 Woche Standby an, Akkus sind für gewöhnlich aber ja immer im falschen Moment leer.

Der Funktionsumfang des Cardo Packtalk ist sehr groß und wie bei vielen Geräten, braucht man das meiste im Alltag eher selten. Aber haben ist bekanntlich besser als brauchen. Glücklicherweise liegt eine gedruckte Kurzanleitung bei, denn z.B. das Erstellen von Gesprächsgruppen ist über Sprachbefehle nicht möglich. Basisfunktionen lassen sich mit der Ansprache „Hey Cardo“ aufrufen, Smartphones über „Hey Siri“ bzw. „Ok Google“ ansprechen.

Die meisten Motorradfahrer werden sich nur mit dem Partner unterhalten wollen, sei es als Sozius oder auf der eigenen Maschine. Das Packtalk verbindet bei Bedarf bis zu 15 Gruppenteilnehmer.

Cardo Packtalk Slim fertig eingebaut Die Entfernung zwischen zwei Teilnehmern kann unter idealen Bedingungen bis zu 1,6 km (1 Meile) betragen, mehr als einen Kilometer waren wir bisher aber nicht auseinander. In Gruppen-Netzwerken kann die Entfernung bis zu 6 Kilometern betragen. Das setzt natürlich zueinander passende Kommunikationssysteme voraus. Grundsätzlich kann das Cardo Packtalk auch mit Headsets anderer Hersteller Kontakt aufnehmen. Mit Sena haben wir es ausprobiert – läuft. Idealerweise sollte man vor dem Kauf abklären, ob bestimmte Geräte (Headsets, Navis, Telefone …) kooperieren, die Auswahl und mitunter auch der Stand der Software ist zu vielfältig für eine umfassende Übersicht.

Zwiespältig verlief die Nutzung der App für iOS. Laut Anleitung soll man die Cardo „SmartSet App“ runterladen, eine Verbindung zum Headset ließ sich aber nicht herstellen. Mit der App „Cardo Connect“ aus dem iOS Store funktionierte es hingegen. Verschiedene Funktionen, wie die Gruppenerstellung oder das Speichern von Radiostationen werden damit erleichtert. Zwingend notwendig ist die App für die Nutzung des Packtalk aber nicht. Die Sprachqualität ist gut, Musik natürlich weit von HiFi entfernt. Bisweilen kann es aber ganz unterhaltsam sein. Das Radio unterstützt RDS, die Lautstärke wird automatisch an die Umgebung angepasst und auch sonst verfügt das Packtalk noch über einige Funktionen, deren Beschreibung hier leider den Rahmen sprengt.

Für Tourenfahrer ist das Cardo Packtalk Slim eine gute Erweiterung für HJC Helme (ohne „Slim“ auch für andere). Das Duo-Set kostet 549,95 €, die Single-Box 329,95 €. Tipp: kauft mit einem Kumpel (oder sucht Euch jemanden, der eh eines kaufen will). Zusammen spart man mit der Duo-Box immerhin fast 110 €.


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3 Kommentare zu :
“HJC RPHA 90 mit Cardo Packtalk Slim”


  • Beim Packtalk Slim biege ich das Schwanenhalsmikro auch einfach vor/zurück zum bequemen Auf/Absetzen. Das funktioniert problemlos… 🙂

    VG, Marcus

  • Steffen sagt:

    Hallo Michael,
    ich habe auch das Cardo Freeway 2 montiert.
    Das Micro und die Einheit habe ich an der linken Seite montiert. Das Micro wird unter dem Polster an die Helminnenseite neben den vorderen Druckknopf angeklebt. Ich biege den Schwanenhals zum Auf/Absetzen des Helmes nach oben über das linke Wangenpolster. So kann das Klappteil auf, und auch die Sonnenblende hoch oder runter.

  • Michael sagt:

    Hallo! Habe selbst das Cardo Freeway 2 und habe mir einen RPHA90 bestellt.

    Jetzt frage ich mich wie du das mit dem Mikrofon gelöst hast? Kommt es beim hoch- und runterklappen in die Quere?

    Gruss

    Michael