Helfer im Harz

Helfer im Harz

Helfer im Harz

aus bma 12/09

von Bärbel Rosicki

Ein sonniger Morgen, blauer Himmel, keine Wolke trübt den Horizont – also „Meggie”, unsere Triumph Adventurer Bj. 1997, gesattelt und nichts wie ab „nach’n Harz”. Von unserem Dorf aus geht es quer durch die Wallachei zur B6, auf der wir gemütlich über Nienburg in Richtung Hannover fahren. Keine Großstadt ohne Stau, aber hinter Hannover haben wir endlich wieder freie Fahrt.

Vor uns liegt der „Ith” mit seiner wunderschönen Landschaft und den herrlichen Kurven. „Meggie” ist in ihrem Element, wir auch. Über Eschershausen und Holzminden geht es nach Lauenvörde, wo ich nach dem üblichen Schläfchen auf dem Soziussitz aufwache und mich wundere, dass wir bereits die Einfahrt zur Villa Löwenherz passieren. Ein Kaffee und eine Portion Traubenzucker bringen mich wieder zurück in die rauhe Wirklichkeit und lassen die Müdigkeit vergessen.

Der Harz kommt näher, und ehe wir uns versehen, haben wir Bad Herzberg hinter uns gelassen, um dann in Bad Lauterberg zum idyllisch gelegenen Bergsee „Wiesenbeker Teich” zu gelangen, ein von Bergleuten im 18. Jahrhundert angelegter Stausee. Der inmitten von wunderschönen Wäldern gelegene See hat im Staubereich immerhin eine Tiefe von ca. 17 Metern und ist ein beliebtes Ausflugsziel. Uns zieht es zu „Dombrowsky’s Baude”, wo uns nach der langen Fahrt eine große Apfelschorle wieder auf Trab bringen soll. Der Weg dorthin ist eine wahre Holperpiste mit Schlaglöchern, die es in sich haben. Alles rattert und scheppert. Auf der Kuppe eines Hügels, von dem aus es direkt zur „Baude” geht, scheppert es plötzlich ganz gewaltig. Wir fahren auf den Parkplatz, steigen ab und gehen einmal rund ums Mopped. Hm, Auspuff ist dran, Kotflügel auch – komisch, was kann das gewesen sein? Wir zucken mit den Achseln und genehmigen uns erstmal die ersehnte Apfelschorle.

Was wäre eine Harztour ohne einen Besuch des Parkplatzes am Torfhaus? Das Geschepper haben wir mittlerweile komplett vergessen und fahren am Stausee entlang unserem nächsten Ziel entgegen. Wir genießen die Landschaft, die Kurven und sind nur geringfügig schneller unterwegs als erlaubt, man will ja keinen Strafzettel riskieren. Beim Torfhaus angekommen, trifft uns erst einmal fast der Schlag: Mitten auf dem Parkplatz steht ein riesengroßer neuer Imbiss. Wir müssen sehr lange nicht hier gewesen sein.

Trotz dieses Ungetüms bleibt zum Glück noch Platz für viele Motorräder, und man kommt ins Gespräch. „Woher seid Ihr denn”, fragt uns ein Typ, der eine in die Jahre gekommene Kawasaki fährt. „Steht auf dem Nummernschild”, antworte ich etwas spitz, was sonst überhaupt nicht meine Art ist. „Wie, Nummernschild – wo soll das denn sein?”, fragt der Mensch, geht langsam um unser Motorrad herum, hebt unsere Jacken hoch, die auf dem Sozius liegen und schaut darunter. „Na, wo wohl, da wo es hingehört”, töne ich unnötigerweise in die klare Bergluft. Der Moppedfahrer schüttelt bedächtig den Kopf. „Da is nix.” „Wie, da is nix?” Und dann fällt uns das Scheppern auf der Kuppe wieder ein – Scheibenkleister, Nummernschild weg. „Wenn ich das gewusst hätte…” O-Ton mein Mann, mit sehnsüchtigem Blick, „wie schön hätten wir da durch die Kurven brettern können.” Inzwischen hat sich die Zahl der Neugierigen, die uns umringen auf mindestens 20 erhöht und jeder gibt seinen mehr oder weniger qualifizierten Kommentar ab.

Egal, erstmal einen Kaffee, der obligatorische Blick auf den Brocken, und dann zurück zur Baude. Frau glaubt genau zu wissen, wo das Nummernschild liegt. Aber auf der Kuppe angekommen, ist weit und breit keines zu sehen. Den Blick weiterhin auf den Holperweg gerichtet, werde ich langsam unsicher. „Hier muss es aber gewesen sein.” War es auch, aber eine mitleidige Seele hatte das gute Stück hoch oben an einem Baum befestigt. Mein Mann hat es entdeckt. Und nun? „Vielleicht können die von der Baude uns mit einem Weckgummi aushelfen, damit wir das Schild wenigstens notdürftig am Gepäckträger befestigen können”, hofft mein Mann. Der Betreiber der Baude schüttelt den Kopf „Weckgummi? Wofür das denn?” Wir erzählen von unserem Malheur. „Kommt mal mit”, werden wir aufgefordert.

Wir trauen unseren Augen kaum – vor uns tut sich eine bestens ausgerüstete Schrauberwerkstatt auf, mit allem, was das Herz begehrt. Mein Mann holt „Meggie”, und ich trage neben der Verantwortung das Nummernschild. Nun beginnt ein Schrauben und Schweißen, ein Hämmern und Werkeln, das seinesgleichen sucht. Nach ungefähr 20 Minuten sitzt das Nummernschild fest – für die Ewigkeit gemacht und hat sicher alle Aussichten länger dran zu bleiben als unsere „Meggie” noch für den allgemeinen Straßenverkehr zugelassen sein wird. Wir sind glücklich und zufrieden und bedanken uns mit einem Obolus für die Kaffeekasse. Der Wirt wäscht sich die ölverschmierten Hände, schenkt uns noch zwei Brockenhexen-Aufkleber und winkt ab, als wir uns nochmals wortreich für seine freundliche Hilfe bedanken wollen – „Ehrensache unter Moppedfahrern”, grinst er und verschwindet wieder hinter dem Empfang.

Die Rückfahrt habe ich dann wieder mehr oder weniger verschlafen.

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